Ausgabe 
10.9.1934
 
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doch noch holen!" Ob er, der Iügerwirt, gestern zwischen neun und zehn einen Schuh gehört habe?

Kubitschek suhlt, daß sein Puls aussetzt. Er zieht seine Schmai-Dose und nimmt mit gespielter Ruhe eine Prise, Nein, sagt er, von einem Schuh habe er nichts gehört.

Die fünf Männer treten außer Hörweite und beraten sich kurz. Dann schicken sie sich zum Aufbruch an.

Von Kubitschek weicht ein Alp, Er geht in die Schänke und nimmt einen stärkenden Schluck, Dann holt er das Bild von der Wand und be­trachtet den Einschlag der Freikugel,Kopsschuh", konstatiert er und wird nachdenklich ...

Drei Tage sind vergangen. Nach Hias wird eifrig gefahndet. Er ist des Mordes am Förster Wendel! dringend verdächtig.

Hias ist über die Grenze ins Böhmische gefluchtet und muh sich auch hier verborgen halten; er würde ausgeliesert, falls er erkannt wird. Er glaubt jetzt selbst daran, daß seine Freikugel dem Förster das Leben nahm. Im gleichen Augenblick schon, als er das Kugelloch im Gemälde sah, hat er geahnt, daß Wendel! erledigt ist. Denn mit Freikugeln ist nicht zu spaßen!

Hias ist sehr flau zumute, und er überlegt hin und her, ob er sich nicht sreiwillig dem Staatsanwalt stellen soll. Diese Geschichte würde ihm doch keine Ruhe lassen und sein Leben hinfort verdunkeln. Wenn er in Wirklichkeit auch kein Mörder ist, die Meinung der Leute hat ihn dazu gemacht, denn sie weiß nichts von dem unsreiwilligen Schuß.

Hias fackelt nicht länger, sein Entschluß ist gesaßt. In der gleichen Nacht kehrt er auf bayerischen Boden zurück, und am nächsten Morgen meldet er sich beim Gendarmeriekommandanten.

Der jedoch schlägt ihm bieder die Hand auf die Achsel und lacht ihm vergnügt ins Gesicht.Da haben Sie Massel (Glück) gehabt, Buchecker", sagt er,wir hatten Ihren Steckbrief schon angenagelt! Nun aber ist alles in Ordnung! Der wirklich Schuldige sitzt seit gestern hinter Schloß und Riegel!"

Hias greift sich unsicher an den Schädel, und seine Stimme klingt klein und gepreßt, als er den Kommandanten bittet, ihm Näheres über den Fall zu erzählen. Und Hias erfährt, daß der Mörder in der Person des jüngsten Sohnes vom Karlhansel-Bauern verhaftet worden ist. Sein umfassendes Geständnis liegt bereits vor. Wendell hat ihn beim Wildern gestellt, beide rissen gleichzeitig die Büchse hoch, aber der junge Karl- Hansel ist schneller am Hahn gewesen, leider!

Wie man ihm denn so bald auf die Spur gekommen fei, erkundigt sich Hias. Der Beamte zögert mit der Antwort, aber dann entschließt er sich doch dazu:Sie haben wirklich ein beispielloses Massel gehabt, Buchecker! Ein Weibsbild, das nicht genannt fein will, hat den jungen Karlhansel mit geschwärztem Gesicht erkannt und verraten, um Sie, den Unschuldigen, von Verdacht und Steckbrief zu retten!"

Hias ist von dem Gehörten völlig entgeistert und geht, aufgewühlt bis ins Innerste, seines Weges. Der führt ihn direkt zum Jägerwirt, von dem er überschwenglich empfangen wird. Sie sprechen sich aus und be­äugen immer wieder das geheimnisvolle Kugelloch auf dem Bildnisse Wendells.

Der Wirt reibt sich die Hände und grinst vor Vergnügen. Hias fährt ihn gröblich an. Was es denn da zu feixen gibt? Kubitschek, haha, ist heute nicht zu beleidigen. Er freut sich, daß die dunklen Wolken, die auch über seinem Hause schwebten, verzogen sind. Denn er hat mancherlei auf dem Kerbholz, das das Tageslicht scheuen muß.

Hias steckt voll zwiespältiger Gefühle. Ist es nun tatsächlich die Kugel des jungen Karlhansel gewesen, die den Förster getroffen hat? Oder war es vielleicht doch seine Freikugel? Derlei Gedanken quälen ihn hestig. Er geht wieder seiner Arbeit noch, aber er ist nicht mehr der alte, un­bekümmerte Hias von srüher.

So vergehen zwei Monate, und es wird Herbst im Lande. Der Wacholder ist reif geworden, die Brombeerblätter sind knallig rot und die Farne quittgelb.

Eines Tages legt Hias Axt und Säge nieder und läßt sich freigeben. Er muß schnell in die Stadt, er hat dort dringend zu tun. Niemand er= sährt von dem Zweck seiner Reise.

Cs ist der Termin, wo über den jungen Karlhansel das Urteil ge­sprochen wird. Der kleine Gerichtssaal ist bis zum Bersten gefüllt. Der Staatsanwalt donnert. Der Angeklagte gibt alles zu. Der Verteidiger spricht nur kurz. Der Fall liegt klar. Die Gerechtigkeit nimmt ihren Laus. Der Hohe Gerichtshof zieht sich zurück zur Beratung. Dann wird das Urteil verlesen. Es lautet auf Tod ... Keiner hat einen anderen Ausfall zu hoffen gewagt.

Da geschieht eine Sensation. Hias springt über die Barriere, tritt neben den Angeklagten und beginnt fliegenden Atems und unter höchster Erregung aller Zuhörer in drastischen Worten sein Abenteuer mit der Freikugei in Kubitscheks Wirtsstube zu schildern. Niemand unterbricht seine Rede. Seine Darlegungen sind sachlich und stichhaltig. Er schließt mit der Wendung, daß der Angeklagte vielleicht ein Unschuldiger ist. Die Freikugei könne ebensogut die tödliche gewesen sein!

Die Verhandlung wird unterbrochen und der Gerichtssaal unter großem Tumult geräumt. Hias wird in Gewahrsam genommen.

Am folgenden Tage bereits ist die Mordkommission unterwegs. Hias hat unter Bewachung den Rest seiner Freikugeln beizubringen und dann beim Jägerwirt einzutressen. Kubitschek und die Magd machen ihre Aus­sagen. Hias muß eine neue Freikugel aussetzen. Es wird alles rekon­struiert. Jedoch der Kommissar und die Sachverständigen kommen gar bald zu der Ueberzeugung, daß die Freikugel den Förster, obschon er in der Nähe der Kneipe war, unmöglich erreichen konnte. Zeit und Schuß­richtung stimmen zwar mit den Tatsachen bedenklich überein, aber die (Entfernung zwischen Abschuß und Wendell ist viel zu groß gewesen. Sie beträgt 3400 Meter.

Es wird eigens die Tragweite des gebrauchten Gewehrs feftgefteUt. Sie beträgt 900 Meter. Damit gibt die Kommission die Nachsorjchungen in dieser Richtung aus. Hias wird wieder aus freien Fuß gesetzt und erhält Hne ernsthafte Warnung. Der Unsinn mit den Freikuge!n müsse

in Zukunft aushören. Wildern ist ihm nicht nachzuweisen, jedoch das Q wehr und der Rest der Freikugeln sind konfisziert.

Um vollkommen sicher sich gehen, wurde die Kugel, die Wendell d Tod brachte, mit den Freikugeln verglichen. Der Gerichtschemiker |u fest, daß die Freikugeln frei von Zinn sind, während die tödliche Suj solches enthält.

Hiermit ist das Todesurteil für den jungen Karlhansel rechtskräs geworden. Hias und seine Freikugeln indessen sind noch lange im ®«<j sämtlicher Wirtshäuser des weiten Berglandes. Und wenn Hias sich ] weilen bewegen läßt, die ganze Geschichte selbst zu erzählen, so trunr er jeweils mit der Behauptung auf, daß jede Freikugel ins Schum, trifft, und wenn es in diesem Falle nicht ausgerechnet ins Försterbildi, gewesen wäre, so würde Wendell noch heute herumspazieren, aller Sa', Hansel und Wilderer zum Trotz!

Fest steht (auch das Gericht erörterte diese merkwürdige Ueberc» ftimmung), daß Wendell an der linken Schläfe getroffen wurde und i>( jein Bildnis genau an der gleichen Stelle durchlöchert ist ...

Ich hab die Nacht gefräumef.. .

Volksweise.

Ich hab die Nacht geträumet Wohl einen schweren Traum, Es wuchs in meinem Garten Ein Rosmarienbaum.

Ein Kirchhos war der Garten, Ein Blumenbeet das Grab, Und von dem grünen Baume Fiel Kron und Blüte ab.

Die Blüten tät ich sammeln In einen golbnen Krug;

Der fiel mir aus den Händen, Daß er in Stücke schlug.

Draus sah ich Perlen rinnen Und Tröpflein rosenrot.

Was mag der Traum bedeuten?

Ach, Liebster, bist du tot?

Unter frenwcn Fahnen.

Ein Stück deutscher Soldatenhistorie.

Von Herbert V. Pater a.

Wohl jeder von uns hat schon einmal in (einem Leben jene Schn sucht nach den lockenden Bildern einer sremden Welt gefühlt, den Starj aus dem Alltag herauszukommen, irgendwohin schemenhaften ®autt bildern nachzujagen, dem Zwang des täglichen Einerleis zu entkomm«!, um irgendwo im LandeOrplid" ein neues, buntes Leben zu beginnet Uralt wie das Menschengeschlecht selbst ist dieser Trieb, und wir finta ihn bei allen Völkern des Erdkreises, bei einigen mehr, bei einig» weniger entwickelt. Begreislicherweise ist dieser Hang bei den Stämmu und Rassen, die in rauhen oder engbegrenjten Gebieten wohnen, stack« vorhanden als bei solchen, die durch klimatische Verhältnisse und n* liche Einflüsse in der Heimat selbst alles vorsinden, was die Phant« c sich ausdenken mag.

So ziehen die Griechen an den sagenumwobenen Hof der Pharao» könige, wilde Bewohner der unwirtlichen Balkangebirge schirmen M Thron persischer Großkönige, und das altgewordene Weltreich Rom uc schlingt Millionen blonder Nordlandssöhne. Nie erlischt jene Sehnsnlll nach der Sonne. Die größte Tragik aller germanischen Volker liegt, i jenen romantischen Fahrten über den dränenden Wall der Alpen |t> roärts, der ewig strahlenden Sonne zu! Germanenkrast schirmt Rem- Adler bis in die parthischen Wüsten unter dem Kreuz des Wt'i' erlösers stehen germanische Söldner Karthagos Mauern Widerhalls vom wuchtigen Tritt nordischer Krieger, und vor dem wimmelnden Boll!' leben von Byzanz mit all seinen Rassen und Völkern wacht der bien)' gelockte, eisengepanzerte Prätorianer deutschen Stammes. Unter rausche den Eichen, am Herdfeuer und in der Halle der Großen erzählt d> narbenbedeckte Veteran von (einen wilden Fahrten und Fährnissen, stolz die goldenen Ehrenzeichen den sieberhaft zuhorchenden Jungen, neu Sehnsucht, neue Lust weckend. Und immer wieder zieht die männl;®i Jugend von Herd und Heimat hinweg, fremden Fahnen zu!

Noch heute findet man tief in Mesopotamien und bis weit nilouif roärts, ja selbst in Jnnerasrika bis zum Tschadsee die Ziegelsteine n.n Lagern germanischer Legionen, ebenso roie in Spanien, dem heutige Schottland und in der Theiß Ebene; allüberall standen germanische & gionäre aus der Wacht Die Zeit der sogenannten Völkerwanderung J? eine Blüte des Landsknechtstums. Die germanischen Reiche der Vandol ii in Nordafrika und das stolze Gotenreich in Italien sind die (Ergebner» Skandinavische Waräger und seebefahrene Normannen stoßen als erli mit dem ausgehenden Halbmond zusammen. Unter dem Banner tet Kreuzfahrer jinöen wir alle germanischen Stämme vertreten. Das ment1 beherrschende Venedig kämpft gleich seiner stolzen Nebenbuhlerin Gen« seine Schlachten mit deutschen Völkern wie man damals diese Landn knechte ganz richtig nannte und auch die Herrschaft der Medicwt ruht ebenso wie der Stuhl Petri auf germanischen Söldnern.

Aus der Enge seiner Heimattäler drängt der ungebeugte Schweiz«t' stamm hinab in die blühenden Gefilde Italiens und zeichnet lei" 11 Ehrennamen derSchweizer Garden" mit blutiger Schrift in die Taft» der Geschichte. Maximilians, desletzten Ritters" Heldengestalt steigt «'» und vor seinenfrumben Knecht" reitet der alte Frundsberger r "i Sieg zu Sieg. Roms Mauern stürzen unter dem Anprall deutscher Sr* ger, die im Bruderkamps sich jclbft zerfleischen unter der Schlüsselloch des Nachfolgers Christi und dem schwarz-goldenen Panier der rötnW deutschen Kaiser.