aus der stumpfen Schnauze des großen Tiegels ein dicker Strahl des geschmolzenen Metallgemisches in den kleineren. Schon steht eine Art fahrbaren Eisengestelles mit nebeneinanderlregenden Schienen mit je einem Hohlraum da, und die feurig flüssige Glut zischt in die Oeffnungen. Es ist der Viehwagen mit je einer Reihe von 14 Platten und insgesamt 28 Eingüssen. Hier wird die Munz- legierung zu „Zainen" ausgegosten. Das sind 50 Zentimeter lange und 8 Millimeter starke Metallstreisen, die etwa zwei Zentimeter breiter als ein Fünfmarkstück sind. Nach dem Erkalten sehen sie aus wie eins der alten schweren Messinglineale. Doch der Weg vom Silber- und Kupferbarren bis zum Geldstück hat erst begonnen. Mit diesen Metallstreifen geht es auf karrenähnlichen Gefährten in den nächsten Raum, in das Walzwerk.
Dort schnurren große Motoren, dort drehen sich die Räber an den Transmissionen und übertragen ihre Kraft auf robu.st aussehende Maschinen mit schweren Stahlwalzen, die die Zaine polternd, dröhnend, malmend und quarrend in dreimaligem Walzgange strecken und pressen. Dann werden die Metall-Leisten zu einem Mammutofen mit Oelfeuerung zurückgebracht und nochmals auf etwa 900 Grad erhitzt. Wenn sie dann den Ofen verlassen, haben sie sich mit einer ganzen Schicht von Kupseroxyd bedeckt. Grau, unscheinbar und eisenfarbig sehen sie dann aus, und niemand, der sie sähe, könnte ihren Wert ahnen. Abermals ein dreimaliger Walzgang, der sie genau auf die Dicke der Fünfmarkstücke zusammendrückt und in die Länge und Breite preßt. Das zweite Erhitzen verhindert das Sprödewerden des Metallgemisches. Aber ein dritter dreimaliger Walzvorgang im Fem- malzwerk richtet die Zaine gleichmäßig dick her, ehe sie zu den Exzenterpressen gelangen, die dort weiter hinten rucken und klappern. Dort schiebt ein Arbeiter die Streifen auf einen eisernen Tisch, eine Stanzform fährt nieder, und unscheinbar aussehende kreisrunde Metallplatten fallen in einen Kasten. Scharf und kantig sind die Ränder der runden flachen Platten. In einem Nebenraum sausen schon die Rändelmaschinen. In einem runden Rohr türmt sich Platte auf Platte, und eine rotierende Scheibe und einseitlich festes Schleifeisen nehmen den Scheiben nicht nur den scharfen „Grad", sondern erhöhen auch die Ränder zu einem winzigen Wulst, dem späteren erhöhten Rand der Münze, das sogenannte „Stäbchen", das das Münzenbild wie em Rahmen umgibt und der tieferliegenden Prägung als Schutz gegen das Abgeqrifsenwerden dient. Die Platten werden hier außerdem zum erstenmal sortiert und fehlerhafte Stücke entfernt.
In diesem Zustande werden die künftigen Geldstücke zum drittenmal in dem großen Oelofen geglüht, darauf von den Oxydschichten gereinigt. Das geschieht in großen schräastehenden und rotierenden Kupferbecken von stumpfer Kegelsorm, die aus einem Stück getrieben sind. Ein komplizierter chemischer Vorgang spielt sich hier ab. Wasier wird zunächst auf die heißen Metallicheiben gegossen, das zischend in einer weißen Dampfwolke aufste,gt. Verdünnte Schwefelsäure folgt, um das Kupseroxydhäutchen tn lösliches blaues Kupfersulfat zu verwandeln. Um aber auch das Kupferoxydul, eine unlösliche Kupsersauerstofsverbindung zu entfernen, gibt man noch eine dunkelrote Lösung übermangansauren Kalis hinzu. Die Plättchen verfärben sich ins Weißliche und sehen fast wie Porzellanscheiben aus, und aus der roten Lösung ist beim Abgietzen auf einmal eine tiefblaue Flüssigkeit geworden. Aber erst, wenn die künftigen Münzen mit Wasier genügend nach- gespült sind, werden sie in länglichen geschloffenen Kupfergefaßen getrommelt". So erhalten sie ihren Metallglanz und wandern auf geheizte Metallbleche zum Trocknen. Dann erst geht es zum Prägesaal. 15 Prägemaschinen sind in der Freiberger Münze
Während nun bei anderen Geldsorten die Randornamente oder die Randbeschriftuna bereits die Rändelmaschinen, bie beim Funf- niarksttick nur die Wulste entstehen lasten, besorgen, übernimmt die Riffelung des Randes hier die Prägemaschine. Em Arbeiter steht vor ihr und füllt die Metallplatten m eine Art Rohr. Mechanisch werden sie unter den Prägestempel geschoben, verschwinden in einer kreisrunden Vertiefung, der obere Prägestempel senkt sich, und das Fünfmarkstück fällt blitzend neu und silbern aufklingend, in einen Behälter. Vorder- und Ruckbttd und ^'ffelung entstehen in einem Arbeitsgange, und der Stempel sieht aus wie der kleine Apparat, mit dem der Eisenbahnbeamte am Schalter Nummer und Datum in die Fahrkarten prägt, natürlich ms Große und Riesenhafte übersetzt. 50 Fünfmarkstucke in einer Minute stellt eine solche Prägemaschine her. Bei Dreimarkstticken sind es etwa 60 und bei den kleineren Geldsorten bis zu 115 Lttrck.
Weiter hinten auf einem Transportband „wühlt man im ®e!ö". Dort wird nochmals jedes einzelne Stuck aus etwaige Fehler nachgeprüft. Dann endlich sind die Münzen so wett, um in den Sortiermaschinen, sinnreichen Einrichtungen mit automatisch funktionierenden Waagen, nochmals aus das rechte ®e= "'Mn Fünfmarkstück mutz 25 Gramm wiegen, unö es ist nur der Spielraum von fünf Tausendstel Gramm .^eber- oder Untergewicht gestattet. Die Sortiermaschinen arbeiten verblüffend. ,,st die Grenze nach oben ober unten überschritten, fallen die Geldstücke in bie entsprechenden Schlitze, und nur bie mit „gutem Gewicht" gelangen in den Verkehr. Dann stehen sie da zu tausend Stück, in kleine Säcke gefüllt, und der Weg in bie wette Welt
a rrf 'sorgfältig geht man mit dem um, was übrig bleibt. Fehlerhafte ober nicht dem Gewicht entsprechende Stucke, die Metallstreifen mit den Stanzlöchern werden ebenso wie die kleinsten Abfälle wieder eingeschmolzen, und kein Deut der kostbaren Metalle geht in dem umständlichen Herstellungsprozetz verloren. Etwas ganz besonderes ist die Herstellung der Prägestempel. Die
Sächsische Münze darf sich rühmen, in Meister Hörnlein einen Münzgraveur zu besitzen, der feine Entwürfe unmittelbar tn den weichen Stempelstahl schneidet. Dieser schätzenswerte und bekannte Künstler hat seinesgleichen fast nicht in Europa. Sonst ist der Gang vom Entwurf zum Prägestock doch der, baß erst ein Wachs-- modell, dann ein Gips- und schließlich ein Eisenmodell geschaffen wird, das eine sinnreiche Reduziermaschine auf das geforderte Maß der Münze überträgt.
Die Stempel für die üblichen Reichsmünzen jedoch werde« ebenso wie die erforderlichen Metalle der Sächsischen Münze von Berlin überwiefen. Aber der Originalstock darf nicht verwendet werden. Von ihm wird in riesigen Spindelpressen zunächst ein Positiv und dann in peinlich schwerer Arbeit ein negativer Prägstock hergestellt, der ursprünglich aus weichem Stahl besteht, dann edoch erhitzt und in sprudelndem Wasser rasch abgekühlt, also gehärtet wird. Während die Prägemaschinen bei ihrer Arbeitsleistung einen Druck von 100 000 Kilogramm ausüben, gelangen die riesigen Spindelpressen auf 160 000 bis 275 000 Kilogramm Druck.
Mit ihnen werden in der Münze Medaillen hergestellt, zum Teil Kunstwerke mit erhabener Prägung. In diesem besonderen Arbeitszweig leistet die Freiberger Münze Vorbildliches. Ihre Entwicklung steuert immer mehr auf diese Arbeitsrichtung zu, weil die Geldprägung im Reiche reglementiert ist. Die Berliner Münze prägt 54 Prozent, die Münchner 14, die Stuttgarter 10 und bie Hamburger 8 Prozent bes gesamten Hartgeldes. Erst dann kommt die Sächsische Münze, wenig entsprechend der Bevölkerungszahl und der geographischen Größe des Freistaates, mit 7,45 Prozent vor Karlsruhe mit 6,1 Prozent. Es ist also wenig verwunderlich, wenn man das Freiberger Münzzeichen E verhältnismäßig selten vorfindet.
Während in früheren Zeiten in Muldenhütten auch sämtliche sächsische Orden- und Ehrenzeichen hergestellt wurden, werden Aufträge dieser Art heute nur noch vom Wirtschaftsministerium vergeben, das hier die Medaillen für Verdienste in der Pferde-, Rinder- und Schweinezucht, kurz landwirtschaftliche Auszeichnungen, Herstellen läßt. Darüber hinaus fertigte die Münze in den letzten Jahren die Pestalozzi-Medaille, die Beethoven-Medaille, bie Medaille zum Gedenken an den 80. Geburtstag unseres Reichspräsidenten von Hindenburg, die zum Gedenken des 150.Geburtstages Turnvater Jahns und als Meisterstück seiner Art bie Dürer-Mebaille an. Auch die Dresdner Bogenschützen- gilde läßt ihre sämtlichen Medaillen hier Herstellen.
Ein Stück Weltgeschichte ersteht vor einem, wenn man vor den langen Schaukästen im Direktionszimmer steht und die lange Reihe der hier geprägten Geldstücke betrachtet. Da Ii<gt das Sterbezweimarkstück König Alberts, dort das König Georgs, dort ein Dreimarkstück mit dem Kopf König Friedrich Augusts, das bekannte Erinnerungszweimarkstück an die Befreiungskriege, das der Berliner schnoddrig „den Adler mit der Schlange" nannte. Der Völkerschlachttaler ist der nächste. Kriegshartgeld kommt dann, erst Ein- und Zweimarkstücke mit stark schwärzlichem Glanz, bann bie eifernen Zehn- unb Fünfpfennigstücke und bie großen Aluminiumfünfziger. Die nächsten Reihen gehören bem Jufla- tionsgelb. Mit bem neuen Aluminiumsünfztger beginnt es, baä Aluminiumdreimarkstück folgt neben bem sogenannten Ver- faflungstaler, dann das 100- und 300-Markstück unb als Münze mit ber höchsten Wertziffer, die wohl je geprägt worden ist, das Eine-Million-Markstück, das 1923 die Staatlichen Hüttenwerke als Notgeld herstellien. Das nächste Hartgeld war das Dreimarkstück, b«8 1924 in drei Schichten hergestellt werden mutzte, nach ihm das neue Einmarkstück ohne Verzierung, das mit dem Kranz um die Werittffer, das Zweimarkstück und das Dreimarkstück von heute, der Rheinlandtaler, das Rheinlandfünfmarkstück, die Lübecker, die Bremerbavener und Marburger Gedenkmünze und die Erinne- rungsinünze an das Tübinger Universitätsjubiläum mit dem Kopf des Rauschebart.
Zu schnell ist der ganze silberne Zauber an uns vorbeigeslogen, zu schnell muß man bie Stätte verlassen, wo im „Gelbe gewühlt wirb.
Oie Gchufierkugel.
Roman von Hans Franck.
(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
Sehr bald trieb Gust es genau so wie zuvor. Ohne daß ihm der Bruch seiner Zusage bewußt wurde.
Rikelchen sah es. Schwieg aber. •
Nur an einer Stelle noch fand Gust während der Geschäftszeit Ruhe: auf der obersten Stufe des Steintritts vor feiner Hausttir an der Hohen Straße.
Dort stand er oft stundenlang. Den Spitzbauch vorgeschoben, die Hände unter der grünen Schürze in den Hosentaschen, die dichtbehaarten Arme bis über die Ellenbogen bloß, den fruhgelichteten Kopf, besten einstige" Kantigkeit Plusterbacken unb Doppelkinn verunstalteten, balb nach rechts, bald nach links wendend, nie um ein höfliches Wort an Eintretende, um einen wohlabgemestenen Dan- kessatz für Heraustretende, um einen fröhlichen Zuruf an 5öor= UßaragenRmaCn&:Ö,JSuft, wo geihi't?", bann antwortete er, ber sich der plattdeutschen Sprache während des Laufs der xiabre mehr und mehr entwöhnt hatte, in der Sprache seines Herzens: „Uns ^Das^kam'jedesmal so übervoll, so tönend, so glückhaft fo tief aus Gust herauf, daß es ost die ganze Hohe Straße entlang —


