Ausgabe 
9.3.1934
 
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Gießener HamilienbMer

Unterhaltungsbeilage zum Siebener Anzeiger

Jahrgang . Freitag, den 9. März Nummer^

und ÖOB es schiefgehen würde. Als Willi mit Ach und Krach drei­mal herumgekommen war und die Furche hinuntersah, bekam er es selber mit der Angst zu tun. Das war nicht mehr Vater Bem- michs gerade Pflugschnur, sondern es sah aus, als hatte man den Weg, den ein Betrunkener im Zickzack zurückgelegt, nachgezelchnet. Da der Bauer aber immer noch nicht zu sehen war, pflügte Willi weiter. Er hoffte nämlich, die Furche wieder gerade zu bekommen. Sie bekam aber nur mehr Buckel. Am liebsten wäre er jetzt ein­fach davongelaufen, aber er mußte doch auf die Pferde achten. Sie rührten sich nun nicht vom Fleck, und Willi unternahm nichts, sie anzutreiben. Die Peitsche knallte nur noch ganz schwach und höchst unlustig, so daß die Pferde nur die Kopse schüttelten. Das Handpferd fing plötzlich zu wiehern an; es hatte den Bauern be­merkt. Ein triumphierendes Wiehern war das, als wollte das Pferd zum Ausdruck bringen:Nun wirst du was erleben! Der Bauer kommt!" _ _ t

Nichtsahnend stieg der Bauer vom Rad, sprang uber den Graben und sah ... Sah ... Da weinte Willi plötzlich los, als hätte er die Prügel schon bekommen.

Na warte!" sagte der Bauer.Na warte!" Mehr konnte er nicht über die Lippen bringen, so erstarrt war er iw ersten Augen­blick. Aber dann stürzte er auf Willi los. Doch Willi wartete nicht, bis der Vater bei ihm war, er lief davon, wie ein Jagdhund nach einem Aafen, war im Nu auf der Chaussee, schwang sich auf das Rod und raste in das Dorf zurück...

Bemmich kam noch dreimal herum, dann schmiß er den Pflug hin und spannte die Pferde aus. Heute war rede weitere Muhe vergebens. Es war zu spät. Dumm, daß morgen Sonntag war. Und dann noch Kirmes. Aus dem Dorf und von drüben aus Kunnersbach würden sie hier vorbeispazieren und die krumme ^"^Wem gehört denn das Stück hier?" hörte er sie im Geist schon fragen. Und ein leises Gekicher klang in feinem Ohr:Dem Bemmich Max! Der ist wohl hinter dem Pflug elugeschlafen.

Da nahm sich der Bauer vor, seinem Sprößling zum Abend­brot eine anständige Tracht Prügel zu verabreichen. Als er dann die Pferde im Stall besorgt hatte und in die Stube trat, wo auf dem Tisch schon die Snppe dampfte, sah er sich immer wieder un­geduldig nach Willi um, doch der war nicht zu erblicken.

,Wo steckt denn der Bengel?" fragte er stirnrunzelnd, wahrend er mit dem Löffel in der Suppe rührte.

Ach, er kam ganz blaß nach Hause und sagte, ihm wäre nicht nut. Und wie ich nach dem Melken aus dem Kuhstall komme, liegt er schon im Bett. Da muß ihm wirklich nicht gut sein,.erwiderte die Bäuerin.Ich werde ihm einen Tee kochen, vielleicht hat et ,Kt Laß "mal den Tee!" meinte der Mann,der Junge hat nur Augst. Er hat mir heute die Pflugfurche versaut. Erne Schande *1 Heftig" kmrte"er§ das Brot. Ein Lächeln huschte über das Ge­sicht der Frau. Sie kannte ihren Mann. Die krumme Furche ging ihm nicht aus dem Sinn. Davon würde er heute noch träumen. Vielleicht ging im Traum der liebe Gott über seinen Acker und sagte mit erhobenem Zeigefinger zu Bemmich: "Bauer, Rauer, die krumme Furche hättest du mir zum Sonntag nicht laßen 'Ol"n8 hätte der Bauer wirklich ähnliche Gedanken, sagte er plötz­lich:Nun kann ich morgen die Gäule anspannen und den L>chand- ,IdÄsEt' fuhr die Bäuerin erschreckt auf. Morgen, zur Kirmes Das gibt es nicht! Was sollen die Leute denkens Wir sind doch nicht in der Ernte. Nein, nein, der Sonntag ist ein Feier­tag! Meinst du, nun läuft das ganze Dorf hinaus und hat seinen Spaß an der krummen Furche? Die haben morgen einen besseren Spaß. Und außerdem die Seidewitzer Kirmes ist seit secg» Fahren noch jedesmal verregnet. Da sitzen sie im Saale. .

Meinst du?" schöpfte der Bauer plötzlich Hoffnung, üie meinte es sehr überzeugt Als er nachher an Willis Bett trat, war diele Hoffnung noch"n ihm lebendig. Er beugte sichüber den Jungen, der auffallend laut schnarchte. Dem Vater schien es, als hatte Willi einmal mit den Augen gezwinkert. Lausbub! dachte der Bauer, eine Weile stand er noch unschlüssig neben dem Bett' dann aina er leiser, wie er gekommen, in seine Kammer binnber. Als die Tür ins Schloß fiel - es gab nur ein kleines schnappendes Geräusch, streckte Willi plötzlich seine Beine wie zwei Fahnen "" Dock7e?hatt^ssih"zu früh gefreut. Als er am Sonntagmorgen, schüchtern zwar, doch voll Vertrauen, sich dem Vater näherte, er­griff ibn der ganz unerwartet und legte ihn über das Knw ...

Balder Frühling.

Von Johann Georg Fischer.

Springt der Bube das Dorf hinaus: Vater, es ist schon Frühling draus, Zum Schmetterlingsfang die beste Zeit."

Ist zwar kein Frühling noch weit und breit, Fing kaum der Staub des Märzen an;

Doch die Jugend will ihren Willen Han.

Wie, wenn ich nach dem Jungen ging, Zu schauen, was er im Garne fing? Freute mich ja so ein Falter selber, So ein roter oder zitronengelber!

Richtig! da flattert's schon; doch rote! Sah ich doch all mein Leben nie Einen so artlichen Schmetterling: Ein milchjung, geschlacht und huschig Ding, So scheu halb und so flüchtig noch, So dreist halb und fürroitzig doch, Minder im Fluge, mehr im Laus, Ein herziger Kindskopf obenauf, Schroarzaugen, so funkelnd und feuernd schon, Zöpfe, so lang als die ganze Person, Eine rote Masche als Halsgeschmeid, Statt der Flügel ein fliegend Kleid, Und ein lustiges Kreuzband zum Beschluß Kurzweilig zeichnet den muntern Fuß.

Ein Extra-Märzcnvogel der!

Mein luftiger Aergster hinterher. Das Schmetterlingsgarn verächtlich weggeschmtsfen. Ja, nun, nun freilich muß Frühling fein, Er blüht mir ja selber znm Haus herein; Was doch die Jungen alles besser wissen!

Krumme Furchen.

Eine Geschichte von K. R. N e u b e r t.

Ilm 4 Ubr lief die Sirene der Ziegelei, die zwanzig Minuten JUtÄffw mach,-» di- A-d-ii« se.e«6en», schwangen sich auf ihre Nader und fuhren nach Haufe. Der Bauer Remmifch aber, der drüben seinen Acker pflügte, dachte noch nicht an Feierabend. Als die Sirene über das Land blies, machte er beim Wenden an der Anwand nur eine Pause, um enwn Schluck aus seiner Kaffeeflasche zu nehmen und sich n Skuck Brot m Öen Mund zu schieben. Dann hatte er schon wieder ^e euernin Viluaarisse in den Händen und rief den Pferden ein Huh zu.

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war Willi, des Bauern Jüngster.Was gibt s? riet iym ÄS» PiW "* Di. b-I>- R'w'ich nm

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auf die Chaussee. *

Willi begann »»nächst eine Unterhaltung^mit^dem^Sattelpferd, dann, als er dem Wallach etgentüd) ) - , Schließlich

hob er kleine Steinchen auf und 'varf sie m die^^un.

erlahmte sein Arm, wohl auch sein B» » , . 6te eine

sich. Plötzlich trat er an den Pflug, nahm ote ^etnt

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