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achten-. Diese Zeichnung war vielleicht einmal der letzte Beweis! Dann schauten sich Frau Olga, Brendel und der Konsul die Fährte an. Alle hockten sie an der Erde; es sah recht merkwürdig aus. Doktor Bellmann tippte achtsam den Finger in die weiße Spur und führte das Quäntchen Staub, das er mitbekam, an die Nase. „Wahrhaftig, Puder , sagte er. Der Konsul und Luzius blickten sich an. Dieser Hauslehrer war im praktischen Leben ein kleiner Schasskopf; er hörte an dem Sinn der Untersuchung hier glatt vorbei.
Luzius suchte die Wände ab, den Türgriff unterzog er einer genauen Betrachtung und den Schmuckkasten-, aber es war vergebens. Alle diese Dinge waren inzwischen von vielen Händen berührt worden, eine etwaige Spur, wenn sie bestanden haben mochte, war längst verwischt.
„Und was geschieht nun?" drängte der Konsul. .
Luzius sah ihn groß an. „Es wird etwas geschehen. Aber nicht in ble',e,ÄannUmän aus der Spur etwas feststellen?", fragte Doktor Bellmann, „wissen Sie schon etwas, Herr Assessor? ,
Luzius neigte den Kopf. „Ich weih schon viel zu viel, sagte er nachdenklich. ,
„Aber dann sind Sie ja wahrhaftig em Detektiv!
Luzius fügte gegen den Boden: „Das ist ein bewunderter, aber manchural trauriger Beruf, lieber Herr." Dann gab er allen die Hand und brach auf. Brendel begleitete ihn. Doktor Bellmann wünschte eine angenehme Ruhe und zog sich zurück. Der Konsul begann seine Weste wieder aufzutnöpsen. „Spitze Schuhe", knurrte er, „eine schone Spur. Alle Damen, die meisten jungen Leute dazu tragen heute mehr oder weniger spitze Schuhe. Auf dies Mehr oder Weniger von Zentimetern eine Theorie aufzubauen ist kühn. Ich würde lieber feststellen, wer den Mufikmlon verlassen hat, während Brendel spielte."
„Nur der Assessor selber", sagte Frau Olga. Sie sah ihren Mann an, und ihr Blick war eindringlich. „Das war es, was ich Vir vorhin ver-
Konsul legte mit zitternden Fingern die Uhr aus den Nachttisch. „Olga...", stotterte er mehr, als daß er es sprach.
‘trau Olga warf ihre Kleider ab und schlüpfte in em anderes Gewand. Sie löschte auf ihrer Selle das Licht. „Ich mag nicht mehr, äußerte sie klagend wie ein Kind, „diese gräßliche Geschichte habe ich nicht verdient." Und sie versteckte den Kopf in die Kissen.
, Na na, Olgachen", meinte der Konsul; er streckte feine Hand aus, diesen geliebten Kopf zu streicheln, fand sich noch halb angekleidet und beeilte sich, in das Bett zu kommen.
Das letzte Licht im Schlafgemach der Fmkendeys erlosch, als Brendel und Luzius sich gerade am Marktplatz-befanden und einander zum Abschied die Hand reichten. „Was wollen Sie tun?" — „Ich weiß es wahrhaftig nicht, Brendel. Fragen Sie mich nicht. Morgen wird sich das alles kühler und klarer überdenken lassen." „Das hoffe ich mit -öhnen, 9Uttiu3iuTn>intte einer Autodroschke. „Nach Hause", sagte er und stieg ein Der Fahrer sah sich lächelnd um. „Wo ist Ihr Zuhause, Herr? Luzius griff sich an den Kopf. „Hotel Europas, gab er an.
Der Wagen fuhr rasch davon, denn die Straße war um diese Zelt wenig belebt. Der Mann in den Polstern fühlte sem Herz tm Hirn hämmern. Wie immer er dieses alles überdachte, er gelangte stets zu demselben Ende. Einen Schmuck stahl jemand, der in Slot war; jemand, dem das Wasser bis zum Halse stand. Diesen Schmuck der Frau Finkender) hatte einer gestohlen, der spitze Schuhe getragen hatte.
Sonst weiht du nichts, Luzius?
Und da war dem Mann, den ein Auto durch die nachtftillen Straßen trug, als spüre er wieder den kurzen spitzen Schmerz eines Trittes an feiner Wade.
Sie tragen verflixt spitze Schuhe, lieber Zurrhelm...
Er stützte den Kopf in die Hände; die Hände auf die Knie. Ins Hotel jetzt; mich umziehen. Man kann nicht im Abendanzug zu jemandem hingehen und jagen: Sie sind der Dieb! ■
Und er spürte ein wehes Gefühl in der Nahe des Herzens und dachte: doch, doch; es ist schon so, zu gerade diesem Dieb konnte ich auch im Abendanzug gehen. Denn Tragik, nicht wahr, erfordert doch jtets den
Die Straße rollte auf. Ein Platz war da mit Rasen und dunklen gereckten Bäumen darüber. Hell flammte das Transparent: Hotel Europa. Assessor Luzius stieg aus.
Drittes Kapitel.
Der phantastisch gekleidete junge Mann riß die Tür zurück und Assessor Luzius betrat das Hotel. Er nahm seinen Schlüssel in Empfang und fuhr im Fahrstuhl in den ersten Stock. Zimmer 112. Nummer 114, die nächste Tür war geschlossen. Strombeck war also wohl schon zur Ruhe gegangen.
Luzius war nicht müde. Diese Geschichte erregte ihn und hatte ihn noch viel länger wach gehalten. Er versuchte, sich das gestohlene Schmuckstück oorzustellen. Ja, er erinnerte sich, ein Kollier mit selten schonen großen Perlen in der Mitte hatte Frau Konsul Finkendey getragen.
Nicht hastig, aber auch nicht Zeit habet vertrödelnd, kleidete er sich um. War es richtig, noch in dieser selben Nacht zu Reginald Zurrhelm zu sahren und eine Aussprache herbeizuführen? Ja, es würde richtig sein! Wenn sein Verdacht — ach, diese traurige Gewißheit! —, daß Reginald Zurrhelm in einer unbegreiflichen Verwirrung den Schmuck an sich genommen hatte, sich bestätigte, dann mußte sofort etwas geschehen. Was, wußte Luzius nicht. Er konnte es sich auch nicht vorstellen. Sollte Zurrhelm dem Konsul den Schmuck wieder hinbringen? Unmögliche Situation!
Er sah Reginald Zurrhelms blasies Gesicht vor sich; dessen zer- flatternbe Bewegungen waren ihm sofort am Abend aufgefallen. Er hatte alles auf diese Enttäuschung, auf die schmerzliche Absage aus Breslau zurückgeführt. Nun meinte er klarer zu sehen. Reginald Zurrhelm hatte mit ihm am Tisch gesessen und trug das Perlenkollier bereits auf der Brust! Zurrhelm war gar nicht nach Hause gegangen. Er hatte nur
einen Vorwand gesucht, sich entfernen zu können. — Man hatte den Garten noch nach Fußspuren abjuchen sollen. Es war dunkel; morgen wird noch Zeit dazu sein. Zurrhelm mag, während wir Brendels Spiel zuhörten, durch eine andere Tür — Küche oder Hofseite — wieder in das Haus gekommen fein. Er ging in das Schlafzimmer, er kannte sich aus in dem Haufe, und nahm den Schmuck. Dann verließ er das Zimmer roie er gekommen war, oder er wartete eine Weile im Flur, ehe er zu uns ftief)
Luzius hielt die Gedanken an. Muß es so fein?, dachte er. Die Spur im Schlafzimmer, Zurrhelms spitze Schuhe — genügt bas mtrtlia)? Uno er grübelte. Da war doch niemand weiter, dem man diese Tat hatte zutrauen können... Die Reußners, das galt als ausgeschlossen. Frau Barbara und Jan Strombeck, — da spielten ganz andere Interessen Doktor Bellmann trug breite Schuhe, er hatte das unaussallig festgestellt, als jener mit den Schuhen der Frau Konsul vor ihm gestanden hatte. Die Tochter Mita — zweifellos würde man da auf spitze Schuhe stoßen, aber der Verdacht war lächerlich. Der Primaner, wie hieß er?, Win- qart Auch der kam nicht in Betracht. Es war schon so, und seine Mutmaßungen bestanden zu Recht; alle äußeren Umstände wiesen darauf hin, in Reginald Zurrhelm den Dieb zu suchen. Zurrhelm brauchte Geld. Er fühlte, daß Barbara sich ihm entfremdete. Es war dumm und plump, diese Perlen zu nehmen, aber Zurrhelm hatte die Nerven verloren. Die Stunde verführte ihn und die Gelegenheit.
Luzius" Gedanken rissen ab. Nebenan in Strombetts Zimmer schlug gedämpft, aber hörbar das Telephon an.
Luzius hätten nicht zu sagen gewußt, wie ihm die Idee kam; es war nicht einfach Neugier; Jan Strombecks Telephongefprache hatten ihn bisher nicht interessiert; aber in dieser Minute, aufgereizt, hellhörig und witternd, schien ihm das ein Signal, das er beachten sollte.
Er riß seinen Koffer auf und nahm den Hörverstärker heraus, legte auch bereits den Revolver, den er nachher zu sich stecken wollte, auf den Tisch. Dann hielt er rasch den Hörverstärker an die Wand, hinter welcher Strombeck sprach, und lauschte.
Er hatte Glück, nicht nur Herrn Strombett verstand er, sondern — wundervoll exakt gearbeiteter Apparat — auch die andere Stimme im Telephon. Wenn er es nicht bereits geahnt hätte, wäre ihm schon nach wenigen Sätzen klar geworden, daß zu dem Mann dort nebenan Frau Barbara Zurrhelm sprach.
Reginald ist noch einmal fortgegangen.
Und willst du nicht auch Weggehen?
Er kann jeden Augenblick zurück fein. Ich weiß nicht, wohin er gegangen ist. Er war fo erregt. Mir ward Angst. Jan, ich glaube, er hat etwas gemerkt!
Dann komme sofort zu mir! Nimm die kleine Lilly und komm im Auto her! Du weißt, ich bin jede Stunde bereit. Morgen sind wir auf hoher See und sicher vor den törichten Launen deines Mannes. Barbara? Hallo, Barbara?... „
„Es besteht keine Verbindung mehr, mein Herr, hangen Sie an.
Luzius fetzte den Hörverstärker ab; hier hatte das Fräulein vom Amt das letzte Wort gesprochen. Aber er würde eine neue Anknüpfung willen. Er packte den Apparat wieder ein und verschloß sorgfältig den Koffer. Als er den Hut schon in der Hand hatte, fiel ihm der Revolver ein. Er griff ihn auf und tat die Patronen heraus. Platzpatronen würden genügen, wenn er nachts irgendwo angegriffen werden sollte.
Ader ich will ja gar nicht in das Verbrecheroiertel, dachte er selber verwundert und fügte doch die unschädlichen Patronen in die Waffe und steckte sie zu sich. Dann endlich ging er. Der Portier war erstaunt, äußerte aber nur ein Selbstverständliches: „Der Herr gehen noch einmal aus? , und erwartete keineswegs eine Antwort, sondern empfing dankend den Schlüssel.
Luzius trat auf die Straße. Eilig ging er den Weg, den er kannte; die zweite Querstraße würde die Platanenallee fern, in der Regmald Zurrhelm wohnte. Würde er noch zurechtkommen, den Freund vor der Tür abpaffen zu können? Wo mochte Zurrhelm Herkommen? Hatte er die Perlen verkauft ober wenigstens fortgebracht? Möglich; es konnte von feiner Seite aus nur klug fein, sich ihrer noch in derselben Nacht zu entledigen. m n
Dies war die Platanenallee; er langte vor dem Hause Nummer 9 an. — Und dann geschah alles wie in einem Film. Luzius trat in den Schatten eines Baumes, und am Ende der Straße kam eine Gestalt heran, die Luzius bald schon als den gesuchten Freund erkannte. Er drückte sich unwillkürlich in den dunkelsten Schatten. Rasch überlegte er ein letztes Mal. Trat er dem Freund entgegen, stellte ihn hier auf der Straße mit hartem Zuruf und sagte ihm die Tat auf den Kopf zu? Unmöglich! Fragte er ihn, bot er ihm Hilfe und Unterstützung an? ...
Luzius, unklar, was die nächste Minute bringen würde, nur wünschend, daß es die Entscheidung sein möge, lugte hinter seiner Platane hervor. Er brauchte nicht sehr vorsichtig zu sein. Die Straße war nur mäßig erhellt, da sie als Wohnstraße keinen nennenswerten Verkehr hatte. Reginald Zurrhelm kam langsam heran. Sein Gang hatte etwas Schweres, Schwerfälliges; feinen Handstock trug er vor sich her; er kam heran wie ein Träumender. Dann, nach wenigen Metern geriet (ein Gesicht in das spärliche Laternenlicht und war erhellt. Da sah Luzius: Zurrhelm wandelte mit weit offenen Augen, und aus diesen großen Augen rannen Tränen, die jener nicht abwischte.
Luzius erschrak. Das Schauspiel war so unerwartet und — beklemmend, dieser große Mann kommt auf der nachtftillen Straße heran und weint und achtet es nicht, weil der Schmerz viel tiefer sitzt — daß Liizius einfach die Minute, den seltsamen Bekannten passieren lieh unö erst aus seiner Erstarrung erwachte und freikam, als die fjaustur krachend, ein Schuß, ins Schloß schlug. Ihm nach! Aber da drehte sich ein Schlüssel knirschend herum, und Schritte entfernten sich gegen das Innere des Hausflurs hin. Luzius begriff das Untragbare der Situation, jetzt an das Tor zu laufen, zu klopfen, Zurrhelm zurückzurufen und Den Vorwurf zu erheben ober bie Anklage. Worte würben biefen Mann m gerabe biefer Minute nicht erreichen.
> (gortfegung folgt.)
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