Ausgabe 
7.9.1934
 
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Gießener ZamilienbMer

Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger

ttuininer 69

Freitag, den 7. September

Jahrgang 1954

Schiller?

vervinvei uiiu ine icgieiE, rmc bei Gemünden am Main erreicht.

Das erzählte ich der kleinen Kommilitonin und fühlte, wie sie alles

von den Gebirgsstrck

aber keineswegs

Jicifccrinncrung.

Von Walter Bloe m.

In den ersten zwölf Jahren nach dem Kriege besaß ich die Burg Rieneck an der Sinn, jenem Nebenflüßchen des Mains, das vorher schon an Bad Brückenau vorbeigerieselt ist. Wenn man von Berlin her mit dem Thüringer Schnellzuge gen Westen sähet, muß man, um

D schöner Tag, wenn endlich der Soldat Ins Leben heimkehrt, in die Menschlichkeit, Zu frohem Zug die Fahnen sich entfalten. Und heimwärts schlägt der sanfte Friedensmarsch ...

Herbstbild.

Don Friedrich Hebbel.

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah! Die Luft geht still, als atmete man kaum, Und dennoch fallen raschelnd fern und nah' Die schönsten Früchte ab von jedem Bauin.

D stört sie nicht, die Feier der Natur!

Dies ist die Lese, die sie selber hält;

Denn heute löst sich von den Zweigen nur, Was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.

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Volk

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' SuOr ins Sinntal "zu gelangen, zunächst in Fulda aus einen Personenzug '(Sita umsteigen, der in Schlüchtern endigt, einem malerischen Stadtchen, das, Ik 'ft I wie die Rieneck (-c* mici »innr 'Hpirh«nrnffdioH mar. frier findet

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lebhaft mitempfand.

klebrigen» ließ ich nicht unerwähnt, daß die Armee dann tatfächlich, ...... ' aßen des Spessart her, das stille Sinntal durchflutete LV. inAuslösung", sondern in musterhafter Mannes,

zücht Ich habe vier Wochen lang auf der Burg eine fast täglich wech­selnde Einquartierung gehabt. Ihre Haltung war untadelig. Nicht ein Knopf, nicht ein Streichholz ist abhanden gekommen. Allabendlich tanzteir im einstigen Rittersaal Qssizier und Mann mit meinen Damen und den jungen Mädels aus dem Dorfe drunten, die tagsüber unseren Haus­gehilfinnen beigestanden hatten. Es war ein schwermütig-lieblicher Aus­klang einer fast dreißigjährigen Soldaten-Lausbahn.

Dann erzählte meine unbekannte Begleiterin: Vater und ein Bruder im Felde gefallen, Vermögen weg. Mutter hat die fchmale Hauptmanns-Witwenrente, man wird sich durchbeißen.

Früher und heiterer als ich geträumt hatte, war ich mit meinem Keinen Wanderkameraden im Städtchen angekomemn. Ich klingelte an dem einfachen Gaflhause, das uns aufnehmen sollte. Nach etlichem Harren meldete sich eine schläfrige, aber vertrauenerweckende freundliche Frauenstimme. Jawohl, Quartier könnten wir natürlich bekommen.

Die Pforte öffnete sich, eine rundliche Wirtin in Schlashaube, Nacht­jacke, Wolltuch, Unterrock, ließ uns ein. Wir feien ausgehungert, ob's noch was zu essen gebe? Gewiß, auch das.

Bald saßen wir In behaglich durchwärmter Gaststube und taten uns gütlich. Ich hatte Muße, meine kleine Eroberung genauer zu betrachten. Alle Wetter die Kommilitonin war bezaubernd.

Ich begab mich zum Solbatenrate des Kriegspresseamts, sortierte meine Entlassimgspapiere, bekam sie von einemKameraden" mit rotem Knopslochbändchen zugeschoben, ein ähnlicher Bursche schrieb mir meinen Fahrschein aus: dritte Klasse.

Ich bin Stabsoffizier. Mir steht zweite zu.

Sie haben wall die Revvlutschon verschlasen, wat? Schargen liebt» teene mehr." _, . , ,

Ich schob den Schein zurück:Danke. Ich werde mir selber einen kaufen."

Da sind Sc in Irrtum, Mann. Et is Bahnsperre for Zivil. Nur Militär mit Fahrtausweis vom Soldatenrat kommt durch."

Achselzuckend habe ich den Schein genommen und bin heimgesahren

In Schlüchtern nachts kein Anschluß. Ich war damals noch nicht orts­kundig und beschloß also, im Wartesaal zu biwakieren.

Das war schwierig. Er war mit halb und ganz betrunkenen Feld­grauen und heruntergekommenen, gröhlenden Frauenzimmern gestopft. Als ich eintrat Stille. Daß ich Qssizier sei, war unverkennbar, auch trug ich das Hohenzollernbändchen im Knopsloch Da es niemanden ein­fiel, auch mir ein Plätzchen einzuräumen, rollte ich meinen braunen Kriegswoistoch auseinander, legte ihn in die Galle mitten zwischen den vollgefetzten Tischen, aus die mit Zigarrenstummeln bedeckte, vvllgespuckte Diele, schob mein Kösserchen als Kopspolster unter und war nach zwei Minuten behaglich eingeschlasen. Als ich auswachte, war das Zimmer leer durch die Fenster glühte sroslklar der Dezembermorgen, bald kam der Zug, und anderthalb Stunden später stieg ich einsam den Burgberg hinan. Das war meine Heimkehr nach vier Kriegsjahren. Wie fang doch

Wlv u.e juuU, einst Sitz einer Reichsgrasschaft wär. Hier findet man Anschluß an eine Nebenbahn, welche die zwei großen Schnell­zugsstrecken Frankfurt-Berlin und Frankfurt Würzburg München verbindet und die letztere, eine Station hinter dem Dörfchen Rieneck,

Die Wirtin sah uns wohlwollend zu. Als die Zigaretten verglommen waren bat ich, uns nun unsere Zimmer anzuweisen. Sie flieg schmun­zelnd die Treppe hinan und öffnete--ein Zimmer mit zwei frisch-

bezogenen und einladend aufgeklappten Betten.

Schön, Frau Wirtin", sagte ich,dies Zimmer kriegt die junge Dame. Und wo soll ich untergebracht werden?"

Die Wirtin lachte verständnisinnigVor mir brauche Se sich nit xu scheniere", sagte sie mütterlich.Ich bin über dreißig Jahr' in dem G'schaft un' kenn' mich aus mit die «äff." Wenn ich euch zwei Zimmer gab, ihr schlupfet hernach ja doch zusamm', un ich kann morje jrut) statt einem Zimmer zwei zurechtmache. Also schlafet gut, versteht r?

Ich wagte meine Begleiterin gar nicht anzusehen, um sie nicht noch befangener zu machen Aber es hat schwere Mühe gekostet, der brauen Dame klarzumachen, daß wir wirklich nichtzusammen gehörten", und ein zweites Zimmer für mich ausgeliefert zu bekommen.

Wie jagt Liliencrvn in feinem entzückenden GedichtDas Ge­witter"?

Es war erst kurz nach dem Kriege, die Eifenbahnanfchlusfe klappten noch nicht so recht. Als ich nachts um halb elf an einem frostigen Spat- herbstabend mit anderthalbstündiger Berspätung dem Bummelzüge von Fulda her in Schlüchtern entstieg, war dem Zuge, der mich nach Rieneck weiterbefördern sollte, die Geduld ausgegangen. Er war weg.

Ich erkundigte mich am Schalter nach der nächsten Verbindung und erfuhr, daß ich erst früh um halb acht weilerfahren tonnte^ Dos war eine wenig erfreuliche Ausficht, und ich schimpfte nicht schlecht. Ljft jetzt bemerkte ich, daß neben mir ein sehr srisches, reizendes Madel stand, das offenbar in der gleichen Verlegenheit war.

Als ich mich ausgewütet hatte, und mich anschickte, mich in mein Schicksal zu fügen, fragte sie schüchtern, ob ich ortskundig sei und ihr sagen könne, wo es vielleicht ein Nachtquartier gäbe.

Tja mein liebes Fräulein, das ist nicht jo ganz einfach. Wir be- finden uns hier im Bahnhofsgebäude, auf dreimertel Bergeshohe das Städtchen Schliichtren liegt hundertsünszig Meter tiefer Im Grund und ist, wie Sie sehen, schon schlafen gegangen. Ich für mein Teil w» trotz- dem versuchen, hinunterzumarschieren und vor dem einzigen Gasthose, den es drunten gibt, o lange Krach machen, bis man mich ausnimmt.

Sie fragte bescheiden, ob sie sich anschließen dürfe Das bejahte ich mit Behagen, wenn ich schon diesen nächtlichen Abstieg und sruhmorgens den Wiederaufstieg unternehmen muhte, dann kam mir diese allerliebste Kameradin wie vom Himmel gefallen. Es war stockdunkel, ich bot chr den Arm, wir zogen los. Zum Glück bin ich Nachsicht g -ine Katze, im Krieg ist mir'» oft zugut gekommen, warum nicht in einer Friedens nacht wie dieser? v ,, , __,.

Ich stellte die üblichen Fragen und wußte bald, wen ich» vor mir hatte. Neunzehn Jahre alt, Studentin der modernen Philologie, hofft einmal Studienrätin zu werden, kehrt soeben aus den Sommerferien zu ihrer Alma mater Würzburg zurück. ,., h nI

Um uns ist nun rabenschwarze Nacht, ich gewahre nichtsmehr als das feste Händchen, das warm und vertrauensvoll in meinem Arme liegt, und die frische, klingende Stimme, das gelegentliche kinderhelle f fffiir stapfen munter bergab, ich erfene jetzt genau das fahle Band der Landesstraße, die in weit geschwungenen Schlangenwindungen zu Tal sinkt, die weihgestrichenen Prellsteine, es ist eine völlig gesicherte Wanderung.

- aber die war weniger behaglich^ Ich tat, von « « W' » wundung her noch an zwei Stöcken humpelnd, Dienst b-'m Kriegs vrelleamt in Berlin als die Revolution ausbrach. Ich sah nur den Schwindel noch ein 'paar Tage an, i»on (Stet gerüttelt bo^ D°n Wißbegier des Historikers gebannt. Da rief mich ein Telegramm meiner Frau heim die Armee fei laut Waffenstillstandsbcdmgungen im An- maV angeblich in Auflösung, ich werde daheim dringend benötigt, um meine Lieben und mein Eigentum zu schützen.