n die Erwetterunqsplane für die 'ckiekiamezeii- mit denen Tills Leben und Verdienst wachsen
Der Balkon war dunkel; in der Bibliothek dahinter war Lnhi. Auch bei Gärtner Glänzel an der Hinterpforte de? tiefen Gartens schimmerte ein lockendes Blinkfeuer zwischen schaukelnden Büschen und Zweigen. Glänzel kroch mit den Hühnern in die Posen. Arme Frau... Ein dunkler Deibel I Wenn Lina nicht überall wie'n Echnapprude aufpahte? Heye! — Klüter schloß seine moralischen Betrachtungen und seinen Rundgang und verschwand, unter triefendem Schirm, wieder in seinem herrschaftlichen Souterrain. Er wollte jetzt im Trocknen eine Zigarre rauchen ein paar Flaschen Böhmisches trinken und die unheimlich spannenden Scha- kale der Großstadt zu Ende lesen, ein Labsal für fein schreckhaftes Herz. SmesfCroarngan3e dunkeh und der Regen rauschte stark. Da pochte eine mittelgroße Gestalt, die den Kragen des Gummimantels hochgeklappt und den nassen Hut in die Stirn gezogen hatte, an ein Fenster des ^"Frar?Mänzel, die an etwas Hübschem stichelte, horchte mit brombeer» blanken Augen und ging ans Fenster. Wer denn noch? frag e sie.
Der Fremde gab bloß murmelnde Antwort als halte er -'n Selbst gespräch, und schlüpfte, finster dankend, durch die Tur, die Ziska Glanze! geöffnet hatte. Die Gestalt verschwand rasch tm Garten, und Zfska Glänzel starrte ihr mit weißem Gesicht nach. Es war vorhin schon einer hier durchgekommen, mit einer zarten und schassen Stimme, mit bren- nenden Augen im fahlen Gesicht, höflich und frech dicht vor ihren Augen sie kannte ihn von ein paarmal Sehen und von dem engen Gefühl
Ein" mer"kwürhig^später^ Verkehr durch das stille Gärtnerhaus! Ihr Alter schnarchte in der Kammer. Auch Finke oben hatte sich aufs Ohr gelegt; scharfe, lange Tour heute Ach, die Alten! Die Jungen waren ihr lieber. Drüben im Haus war Besuch wie Imke erzählt batte Sa tarina. Gute Zeit zum Einschleichen ... Sie reckte
Im Garten knirschte der Kies kaum vernehmlich in dem starken
er ungern, ’2ll]0 eine ziüienrung r jjeriei tag nuu; ajcmycv.
pladderte es: eine rauschende Begleitmusik zu ihrem Pfeifen.--
Eben war Klüter noch einmal unter dem strömenden Wolkenhimmel ums Haus geschlichen. Der Wächter begann erst nach halb elf seine Runden. Klüter sicherte das Haus, zog die Zugbrücken hoch, richtete die Pechpfannen und Flammenwerfer gegen die Raubgude der Stadt. Jrn übrigen hatte er bloß noch „Bereitschaftsdienst", bis die Gnädige ab« führe Sie schien noch nicht dran zu denken? Klüter schnalzte wie ein
Paukentremolo endete.--
Auch in Tills Himmelsbude im Seitenflügel war es hell. Sie war vorhin im Regenmantel durch den Garten gehuscht und hatte auf dem Balkon Stimmen gehört, Licht gesehen. Besuch —? Besuch... Sie hatte das Kinn gehoben und die Mundwinkel gesenkt. So war sie rasch durch die kleine Kellerpforte ins Haus geschlüpft, hinter der eine eiferne Wendeltreppe nach ihrer Mansarde führte.
Jetzt stand sie unter der großen Pendellampe, über aufgespannte Blätter gebeugt. Das weiche blonde Haar fiel ihr in die Stirn; sie warf es zurück. Hantierte kräftig mit Kohle und Wischer; dicke Motten stießen gegen den gelben Pappschirm und sielen herab
Sie versuchte und entwarf etwas, das eine scharfe Wendung in ihr Leben bringen konnte. Uebrigens eine Idee des einfallreichen Rikodem Glod... Er hatte ihr mit feiner raschen, nervösen Phantasie gut bezahlte Möglichkeiten vorgezaubert, so daß sie seit etlichen Abenden Hals über Kops hierherstürzte, denn die Erweiterunaspläne für die Reklamezeitschrift der „Vegumag", mit denen Tills Leben und Verdienst wachsen sollten waren wieder ins Stocken geraten, trotz Brosses Wohlwollen.
Ein fabelhaft wendiger Mensch, dieser Glod! Mischung von Genie- knaben und herrisch-zartem Liebling, in mancher Hinsicht zu sehr ... Danke, mein Herr, für geneigtes Interesse! So mitteilsam und rührselig ist On'kos Wahlnichte schon lange nicht mehr! — Von Katarina sprach ungern. Also eine Ablenkung? Derlei lag ihr noch weniger. Draußen idderte es: eine rauschende Begleitmusik zu ihrem Pfeifen.--
Katarina kann sich nicht entscheiden.
Roman von Viktor von Kohlenegg.
Copyright 1932 by August Scherl G. m. b. H„ Berlin.
(Fortsetzung.!
Die hohe Frau blickte fragend auf. Da machte er eine weite, befreiende, fast gewaltsame Armbewegung. Jeder Entschluß liegt beim Mann. Dieses festlich reife, in der bunten, zarten Maskenhülle schmale, wunderbare Wesen! Einmal mußte die Frage klipp und klar gestellt werden; darum herumgedreht war genug. Eine sehr einfache Frage... Sie waren keine Kinder oder sentimentale Schwärmer; waren reife, unabhängige Menschen. Sie: eine lebenskundige, temperamentvolle Frau, die — hm — mancherlei erlebt hatte... Ach, was — eine unzerstörbar neue Frau, wie ihre täglich sich erneuernde Haut!"
„Wir sollten eine weite Reise machen, Katarinal" sagte er kurz.
Sie legte die Zigarette weg und richtete die Augen langsam aus ihn. Er sah förmlich verschönt aus in seiner Erregung, trotz seiner in Weiß noch wuchtigeren Erscheinung. Sie hatte ihn längst ernsthaft gern mit ihrer entzündlichen, starken Phantasie, die mühelos und heftig im Augenblick lebte; liebte den großen, starken, besonderen Mann da drüben auch mit den Sinnen, feine zart und zärtlich und stürmisch bergende Verwöhnung ... Dann stand sie lautlos auf, als fei nichts Bemerkenswertes gesprochen worden.
Eine Hoffnung stürzte über ihn hin, wie ein Schwindel.
Sie ging schon, mit engen, kleinen Schritten in der zarten, festen Umhüllung, hinein. Sie trat an den großen Apparat und suchte. „Bitte, Platz zu nehmen, mein Herr! Machen mir eine kleine weite Reise, Freund Lu! Das ist Rom... Hörnermusik — nein: zu lärmend." Danach bekam sie Holland: frische, herbe Seeluft. Sie nickte, nahm, schlicht ergriffen, die Hände im Schoß, Platz und schaute ihn undurchdringlich an.
Er blies starke Wolken in die Luft und lauschte mit schlecht gesammelter Seele einer leidenschaftlichen, süßen Frauenstimme, die in einem
getrennt, in denen kleine Fenster angebracht waren, durch die man sich sehen, sprechen und berühren konnte. Auf den umlaufenden Galerien wandelten ungeniert Mannsleute und schauten den badenden Nymphen S. In dem Bad selbst speiste man an einem Tische, der auf dem Wasser wamm. Zuweilen vereinigte sich mit diesem leiblichen Genuß noch ein Ohrenschmaus, bargeboten durch eine konzertierende Damenkapelle. Stundenlang blieb man oft in dem warmen Wasser. Kein Wunder, daß durch den anhaltenden thermischen und chemischen Reiz eine Hautentzündung entstand, die man Badeausschlag nannte. Man sah darin einen Genesungsvorgang und setzte alles daran, durch unausgesetztes Training ihn so schnell wie möglich herbeizuführen.
Während im Mittelalter die Kuren noch möglichst in der Nähe des Wohnortes oorgenommen wurden, scheute man im 16. und 17. Jahrhundert auch den Besuch entlegener Bäder nicht. Namentlich Frauen reiften gern. Es heißt darum nicht mit Unrecht in einem Sprüchlein, das unter einem alten Kupferstich prangt:
„Der Mann schafft Tag und Nacht, badet in feinem Schweiß, Alles die Frau verzehrt in ihrem Bad mit Fleiß."
Der steigende Besuch der Bäder veranlaßte die Vervollkommnung der hygienischen Einrichtungen. Größere Badeorte hielten sich einen ständigen Arzt, in kleineren waren Bader und Schröpser gewöhnlich die Ratgeber der Badegäste. Ganz wohlhabende Patienten brachten sogar ihren eigenen Arzt mit. Es geschah auch schon damals, daß der Rus der Bäder wechselte. Wurde irgendwo ein Wunderbrunnen entdeckt, von dem es hieß. Blinde, Taube, Lahme, Gichtbrüchige seien von ihm geheilt worden, so ergoß sich der ganze Strom der Genesung Suchenden nach dem betressenden Ort. Im Jahre 1556 wurde beispielsweise Pyrmont als besonders wunderkräftig gepriesen und es sollen im Lause von vier Wochen sich dort 10 000 Menschen zur Kur eingesunden haben, die überall In den umliegenden Dörfern Wohnung nahmen. Hornhausen, Bielefeld, Rastenberg im Thüringischen, Weihenzell bei Ansbach genossen alle eine Zeitlang den Rus eines Wunderbrunnens. Im 18. Jahrhundert machte sich insofern eine Aenderung bemerkbar, als die Trinkkuren jetzt zu überwiegen begannen. Darum wurden Orte wie Karlsbad, Marienbad, Pyrmont, Lauchstädt beliebt.
Jetzt trat aber auch der Zeitpunkt ein, wo man die Bäder nicht bloß um ihrer heilkräftigen Wirkung willen aufsuchte, sondern um sich überhaupt zu erholen und zu zerstreuen. Einzelne Bader, wie z. B. Lauchstädt, wurden Treffpunkte der Gesellschaft. In den Kurpromenaden wandelte, an strenge Etikettevorschriften gebunden, die vornehme Welt, und abends zerstreute man sich bei Lchornbre, Musik, Tanz ober Theater. Kurzum bas Treiben war in seinem Maßstabe natürlich viel anders wie heute, nur daß die Stände sich strenger voneinander absonderten. So muhte das Bürgertum von den Belustigungen des Adels, falls es nicht zur Oeifteselite gehörte, sich fernhalten.
Folgende ergötzliche Anekdote illustriert diese ständische Abgeschlossenheit Ein kurländischer Gras besuchte mit einem bürgerlichen Begleiter in Lauchstädt einen Ball. Der Begleiter forderte eine Dame zu einer Ecossaise auf. Während des Tanzes fragte sie ihn nach feinem Namen.
Mickwitz", erwiderte er. — „Baron Mickwitz wohl?" fragte fie. „’Rein, bloß Mickwitz", lautete die Antwort. — „Also kein Baron? Oh, verzeihen Sie mir. Meine Mutter hat mir nur zu tanzen gestattet, wenn mein Tänzer wenigstens ein Baron ist." Mickwitz trat ab und erzählte den Vorfall seinem Landsmann. Dieser nahm sofort, um dem Freunde Genugtuung zu verschaffen, die Baronesse aufs Korn und engagierte fie zum nächsten Menuett. Sie waren kaum zum Tanz angetreten, als ber Graf seine hübsche Partnerin nach ihrem Namen fragte. „Baronesse N N." „Komtesse wollten Sie wohl sagen?" „’Rein, Baronesse.' „O Der« zeihen Sie, mein Vater erlaubt mir nur mit Gräfinnen zu tanzen. Sagte es unb ließ bie Dame stehen.
Als internationaler Kurort zur klassischen Zeit galt Karlsbab, wie Überhaupt die böhmischen Bäder schon damals eine starke Anziehungskraft ausübten. Karlsbad war der Treffpunkt ber großen Welt Dorthin tarnen aber nicht nur regierende Fürsten und Aristokraten mit klingenden Namen, sondern auch Prominente der Wissenschaft und Kunst. Da entfaltete sich am Brunnen und in den Kursälen ein glanzendes Leben. Auch für Goethe war Karlsbad ein beliebter Kuraufenthalt. Dreizehnmai weilte er hier zur Kur und jedesmal kehrte er erfrischt nach Weimar zurück. Oft bewegte er sich hier unter den schönen Damen und sah sich gern von ihnen umschwärmt. Solcher diskrete Flirt, der dann meist mit der Eintragung einiger sinniger Verse in das Stammbuch der reizenden Verehrerin endete, besagte dem für Herzenswirrungen stets empfänglichen Dichter. „Eine kleine Liebschaft ist das einzige, was uns einen Badeaufenthalt erträglich machen kann", sagte: er; „fonft stirbt man vor Langweile. Auch war ich fast jedesmal fo glücklich — irgendeine kl^ne Wahlverwandtschaft zu finden, die mir während der wenigen Wochen eine Unterhaltung gab."
Abe>- alle jene Bäder, zu denen man früher wallfahrte, waren doch nur einer kleinen Schicht ber Menschheit zugänglich. Solange man noch in eigenem Wagen ober in ber Postkutsche reifen wußte^ konnten sich eine solche Badereise doch nur Begüterte leisten. Erst Eisenbahn und Dampfschiff haben das Reisen volkstümlich gemacht. Die Lust, fremde Orte kennenzulernen, der uralte Wandertrieb, in die Ferne hiuaus- zuschweilen, bemächtigte sich der Seele eines leben Deutschen ohne Unterschied seiner Stellung im Leben. Hunderttausende suchen in lebem Jahr dieses Sehnen zu stillen und sei es auch nur m 5orm_ einer bescheidenen Badereise, lediglich von dem Wunsch nach Abwechslung und Erholung geleitet Zwar ist das Posthorn verstummt und damit auch viel romantische Poesie gestorben. Aber das Dampfroß hat dafür einen neuen Zauber des Reifens erschlossen. Die Entfernungen haben sich ver- kürzt und mancher, der früher mit der Post nur eine Tagereise we fuhr, kann heute in der gleichen Zeit Lander durcheilen. Die Möglichkeit einer breiteren Kenntnis ber Welt ist jedem geboten.


