Durant spielte verlegen mit seinem Hut. „Ich dachte ... ich i erinnerte mich... Pat Sullivan hat einen weißen Studebaker...
„Kluges Kind," lobte Wells, „das blieb uns auf die Dauer auch nicht verborgen. Der Wagen war schnell gefunden, wozu haben wir schließlich unsere Streifen mit Radio ausgerüstet. Er stand an einer Straßenecke in Bronx, und Pat Sullivan verhafteten wir einen Häuserblock weiter in „Harpers Inn“.
Jim Durant atmete auf. „Da haben Sie aber etn schnelles Stück Arbeit geliefert, Inspektor, alle Achtung! Aber was soll ich bei der ganzen Angelegenheit?" I
„Warten Sie doch ab," fauchte Wells gereizt, „dachten Sie vielleicht, ich wollte Ihnen die Nachricht von Pirellis Tod schonend beibringen, damit Sie keinen Herzschlag kriegen, wenn Sre fte in der Zeitung lesen? Sie sind immerhin die besten Freunde gewesen und können uns vielleicht etwas über das Verhältnis sagen, in welchem er zu Pat Sullivan stand. Schade ist's zwar nicht um ihn, ich bin sogar überzeugt, daß dies für ihn die einzige Art war, dem elektrischen Stuhl zu entgehen, aber wir müssen den Fall natürlich ganz klären. Also heraus mit der Sprache!
Jim machte einen schwachen Versuch, eine engere Freundschaft mit dem erschossenen Gangster abzuleugnen, aber es half ihm roC1,1,8Bii haben uns in den letzten Tagen kaum gesehen, Inspektor, eine kleine Verstimmung, wissen Sie... Er ging seiner Wege, ich die meinigen. Und wenn Sie denken, daß ich bei der Sache meine Hand dringehabt habe, dann irren Sie sich. Ich weiß von nichts. Und die letzten zwei Stunden habe ich in einem Kino zugebracht ... hier habe ich sogar noch meine Eintrittskarte!
Er hatte sich in eine regelrechte Aufregung hineingeredet und der Inspektor redete ihm nun zu. ~
„Seien Sie doch vernünftig, Mann, es verdächtigt Sie ja hier keiner. Alle Indizien sprechen dafür, daß Sullivan der Täter ist, wir haben in seinem Wagen auch den hellen Staubmantel nebst Brille und Kappe gefunden, es ist alles ziemlich klar ... nur finde ich kein Motiv zu dem Mord — das ist es, was mir Ge- I banken macht! Und da sollen Sie uns nun helfen, Durant, verstehen Sie?"
Er spielte mit der Kinokarte, die ihm Jim hinübergereicht $Ot*Regent Cinema,“ las er halblaut, „ist das nicht auch in 93 lOttl' ?"
Durant nickte. „Müssen sich mal den Film ansehen, Inspektor, .Gefallene Engel', eine tolle Sache. Besonders die eine Szene wo..." Wells unterbrach ihn.
„Williams", sagte er zu dem Polizisten, der in der Ecke stand, bringen Sie mir mal den .Herald' von heute mittag!' Der Mann
/,Sie glauben mir wohl nicht ganz, Inspektor", lächelte« Jim, „weil Sie in der Zeitung nachsehen wollen..." |
Wells grinste. „Mann ... für so dumm halte ich Sie schon nicht, daß Sie mich derartig ungeschickt anlügen, mir fiel etwas ganz anderes ein, erzählen Sie nur weiter. Was ift das alsp für eine ^Durant erging sich des längeren über einen Abschnitt des Films, der ihm anscheinend sehr imponiert hatte, wahrend der Inspektor in der Zeitung blätterte, die von dem Polizisten gebracht worden war.
„Diese Szene ist wirklich großartig Inspektor, wenngleich ich sagen muß, daß ich von meinem moralischen Standpunkt aus...
Wells lachte plötzlich schallend auf und hieb den Herald auf &CtI Mensch "..^Jimmy ... seit wann haben Sie einen moralischen Standpunkt?" Er stand auf und legte dem Verblüfften die Hand auf die Schulter. „Und wenn. Sie sich neuerdings einen angeschafft haben sollten ... warum hat er Sie dann nicht von letzten Verbrechen abgehalten? Ich verhafte Sie unter dem Verdacht des Mordes an Tomeo Pirelli!" $
Jim war totenbleich geworden.
Sir ..ich schwöre ..." stotterte er mühsam.
Wells lackte sarkastisch. „Sie würden noch ganz andere Sachen beschwören, mein Lieber. Aber warten Sie nur, ich komme Ihnen schon bei. Ich zweifle keinen Moment daran, daß Sie im Kino ,v""'n. ich bin überzeugt davon, daß Sie auch dafür gesorgt haben, do -ich das Personal an Sie erinnert, man kann das leicht nnt einem Trinkgeld oder einem Witz erreichen — aber ich weiß auch, daß Sie die Vorstellung heimlich verlassen haben, um Pirelli zu
Durant war ganz ruhig geworden. „Und wie soll ich in dieser Zeit nach dem Hotel gekommen sein ... kann ich Stegen?
Wells lächelte. „Fliegen nicht, aber ganz aut Auto fahren und Sullivans Wagen ist recht schnell, wie ich festgestellt habe!
„Und Sie meinen, Inspektor, daß mir Pat seinen ausfallenden Wagen borgt, um damit zu einem Mord zu fahren? a
Der Beamte tippte mit seinem dicken Zeigefinger auf Jims ^^Das ist es ja eben, mein Junge! Noch viel weniger wird er sich' selbst hineinsetzen, um einen Mord zu begehen, da nimmt man ein Taxi. Gerade das ließ mich an seiner Schuld zweifeln.
Wells blieb vor dem Polizisten stehen. ."Williams, Sie haben aebört um was es sich hier handelt. Es steht für mich bombenfest, daß sich Durant während der Vorstellung entfernt hat. Bestimmt nicht auf einem legale Wege. Sie fahren f/'i°/i^u deni R6rrent Cinema* und stellen fest, wo er unbemerkt HUmus und wieder hineinkonnte. Sobald Sie etwas finden, rufen S,e an!
Der Polizist salutierte und verschwand. Eine brütende Stille lag über dem Raum, kaum unterbrochen durch die Atemzüge der beiden Männer. Durant hielt das nicht mehr aus.
„Inspektor ... das wäre doch ein unglaublicher Zufall, wenn Sullivans Wagen so ganz in der Nähe gestanden hätte — finden Sie nicht auch?" .
Wells nickte. „Sullivan hat ausgesagt, daß er durch cm Telephongespräch in Harpers Kneipe gelockt worden ist und dort umsonst gewartet hat — hoffentlich sind Sie so schlau gewesen, Jimmy, ihn von einem Automaten aus anzurufen, wäre doch peinlich für Sie, wenn sich das Telcphonfräulein an die Verbindung erinnerte, rote?"
Durant konnte nichts antworten, dieser Mann war ja fürchterlich. Ein Grauen schlich ihm zum Herzen empor... Nur nicht dieses stumme Dasitzen!
Das Telephon schrillte. Wells nahm den Hörer ab und lauschte angestrengt hinein. „Sehr gut, Williams", meinte er schließlich, „nehmen Sie eine Probe von der Stelle und kommen Sie schnellstens hierher!" Er hängte an. „ „
„Nun zu Ihnen, mein Sohn. Ich kann mir ja vorstellen, daß das alles ein bißchen peinlich ist für Sie, aber wir sind gleich am Ende." Er stand wieder vor dem Arrestanten und musterte ihn spöttisch.en @te ma( 6ic Schuhe aus, aber schnell!!" So überraschend kam der Befehl, daß Jim ganz mechanisch gehorchte. Wells nahm die Dinger und stellte sie auf den Tisch.
„Tut mir leid, Jimmy, daß ich Ihnen keine Hausschuhe anbieten kann, aber es ist da einer in dem Regent Cinema durch das Toilettenfenster gekrochen und hat die ganze Wand zerkratzt . sollte mich wundern, wenn wir an den Tretern hier nicht einen Teil des Mörtels finden würden..."
Das war zuviel für Jimmy Durant. Mit einem Stöhnen brach er zusammen und gestand.
*
„Chief..." meinte Williams, nachdem er die Schuhe sorgfältig eingepackt hatte, um sie dem Chemiker zu bringen, ,,... rote sind I Sie nur darauf gekommen, daß Durant das Kino auf enttge Zeit verlassen hatte?"
Wells grinste und legte den Herald auf den Tisch.
„Da lies mal, vielleicht lernst du roas. Hier steht:
.Der American Women Association ist es endlich gelungen, das Verbot einer gewissen Szene in dem Film .Fallen Angels* durchzudrücken. Von heute ab läuft der Film ohne diesen Abschnitt.*
Diese Pressenachricht fiel mir ein, als Durant von dem Film zu erzählen begann. Da er mir nun die Szene schilderte, die an jenem Tage gar nicht mehr lief, hatte er erstens den Film schon einmal vorher gesehen und sich zweitens während der Vorstellung entfernt, weil er sonst das Fehlen der Szene hätte bemerken muffeln, t saI gut, Williams, wenn man anderen Leuten seinen moralischen Standpunkt erklärt, besonders wenn man nicht danach gefragt wird. Merk dir das, mein Sohn!"
Oie Schustert! gl.
Roman von Hans Franck.
(Fortsetzung.» «Nachdruck verboten.)
„Hast du denn keine Angst, daß die Micheelsens zu schnell nach oben kommen?" .„
„Angst? Warum? Es kann gar nicht schnell genug mit dem Nachobenkommen gehen!" . ... ,
„Warum? Weil das Hinab in demselben Augenblick anfangt, wenn man oben ist." , m
„Es liegt am Menschen, rote lange er sich oben halt. Wenn rott Micheelsens es erst einmal geschasst haben — ich werde es la nicht I soweit bringen, denn vieles, was in bet Jugend an mir versäumt wurde, läßt sich auch bei einem Leben von hundert Jahren nicht nachholen —, aber wenn Jupp Micheelsen es erst für uns alle, die wir Micheelsen heißen, geschafft hat, dann werden wir uns
Auf°der"Wippe oder, wie ihr Mecklenburger sagt, auf der Wippwapp, kann man nicht oben bleiben. Mit dem Ob en sein be- I ginnt, auch wenn man sich noch so sehr dagegen wehrt, bas Wieder- nachunten. 6eI aIten Stelle? Es lohnt wirklich nicht, mit dir darüber zu reden. Ich und Jupp und Jupps Junge werden dir das Gegenteil mit der Tat beweisen. Und nun laß uns schlafen. Gute Nacht."
Trotzdem" wurde die Altjungfernivohnung für ihn und Jupp, den schwarzhaarigen, der ungehindert gedieh, von Monat zu Monat enger.^ 6arü6er- Aber wenn sein Unmut ihm den Taa zu vergällen drohte, tröstete er sich mit dem Gedanken, daß die alte Senatorkalesche nicht ewig auf Erden rumrumpeln konnte. Für ein paar Jahre Wartezeit mußte er sich allerdings wolst noch einrichten. Denn nach dem Sprichwort hielten knarrende Wagen I neunten Jahre nach der Heimkehr Gusts starb in der Tat binnen wenigen Minuten die einundachtzigjährige Senatorswitwe.
Der wohlhabend gewordene Holzpantoffelmacherssproyling aus den Baracken kaufte von den Senatorserben das ehemalige Pa- triziergrundstück an der Hohen Straße Nummer 78. Um einen Preis, der nur die Hälfte jener Summe ausmachte, welch« et


