Ausgabe 
5.10.1934
 
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Verantwortlich: Dr. Hans Thyrioi. - Druck und Verlag: Brühl sche Univerf itälS-Buch. und Steindruckerei. 2L Lange. Sieben.

Zwei Minuten später stand Mtchelsen vor f)unbertmart Gefesselt neben sich zwei Hünen mit gezogenen langen chinesischen Schwertern.

Sie sagen?" fragte der Chinesenführer.

Käv'n" sagte Michelfen besonnen,machen Sie meinetwegen keme Dummheiten. Ich habe am Skagerrak dem Tod ins Gesicht geguckt. Dieser hier ist auch nicht schlechter. Ein deutscher Seemann steht für sein Schiff..."

Ftundertmark schüttelte den Kopf. ,

Für eine Sache sterben, Michelsen, für fein ßanb v^bluten, gut. Aber für ein paar idiotische Banditen das dulde ich nicht. Ich führe das Schiff!" wandte er sich an den Chinesen.

Allrightl nickte der.Aber wenn Sie machen Dummheiten, wir werden hinrichten. Meine Boys haben Appetit auf Blut wir haben lange keinen hübschen Kamps gehabt!"

Bewacht stand Hundertmark nachher auf der Brücke. Hinter »hm drohten Messer und Gewehre und neben ihm stand reglos der chlnesische cviaer der ihn anwies, vor jeder an der Kimmung auftauchenden Rauch- fahne einen Kreis zu beschreiben. Elf Tage dauerte die Fahrt. 3n Der Nackt sollte dieWare" von drei Küstenbooten übernommen werden. Sie kreuzten mit halber Fahrt immer in gleicher Entfernung vom Land Der Gelbe lieh nun, da er Gewißheit hatte, von Hundertmark richtig geführt worden zu sein, dem Alten etwas Bewegungsfreiheit an Bord. Was konnte auch passieren? Die Weißen sahen gefangen m den Bunkern und überall standen die Boys mit geladenen Gewehren umher. Hundertmark grübelte. Er kam an der Kombüse vorbei, schnupperte und fragte den chinesischen Koch:

Was hast du da? Nur Reis?

Ja Fleisch sein alle. Leute haben Hunger, aber nur Stets.

Eine Idee! Hundertmark fragte schnell:

,Zch habe noch eine Dose Fleischextrakt. Willst du haben?

O, very fine Reis besser schmecken, wenn nicht nur Wasser!"

Drei Minuten später gab Hundertmark dem Koch eme Stembuchse. Er fürchtete, fein Plan könnte mihlingen aber wie sollte der Mongole die lateinische Inschrift lesen?Pharmazeutische Fabrik Dr. Desselm... Gut, bah der Hafenarzt ihm dieses Betäubungsmittel für die Schiffs- apotheke gegeben hatte es sollte bei Gelbfieber die Kranken jur Siutje bringen. Wenn die Dosis ausreichte, muhten bie Banditen auch zur

I Die Chinesenmannschast nahm im Verglühen der letzten Sonne stoisch die Reismahlzeit zu sich. Ein Gelber fragt nicht ob etwas gut schmeckt

I er will den Magen füllen. Der Reis sah bräunlich aus, als fei Sofee ober I Fleischextrakt hineingemengt, also munbete er ihnen. Von der Brücke aus sah der Kapitän, wie einer und noch einer der Kerle einfach um«

I klappte. Der frühere Heizer kroch mit schweren Gliedern die Treppe zu ihm herauf.Was Sie haben gemacht mit meine Leute? lallte er rnude. Hundertmark wendete sich ruhig zu ihm um. Da verdrehte auch der Banditenführer die Augen und klappte zu Boden. Nur der Koch, der seinen eigenen Reis gemieden hatte, hantierte noch ahnungslos in der Küche. Hundertmark nahm den ersten besten Revolver und hielt ihn durch die Luke:Los, hilf oder ich leg dich um!" Winselnd kam das »eine gelbe Etwas aus dem Küchendunst. Sie stiegen ins Schiffsinnere, ent­fernten unter Schweihdächen die Eisen von den Bunkerturen.

I Los Jungs!" rief Hunderfmark.Alle Mann an Bord!

Aber so dunkel es im matten Licht der beiden Bordlaternen war, ihn I schüttelte doch das Grauen, als er seine Kerle sah. Diese elf Tage hatten sie zu Skeletten abmagern lassen. Sie hatten in Schanghai, solange der Kurs unbestimmt war, keinen Proviant eingenommen An den Resten I hatten sich die Selben gütlich getan und elf Tage Reis mit Wasser und Wasser mit fReis, das kann der beste Fahrensmann nicht verknusen! I Hilft nicht!" sagte Hundertmark, indem er jedem die Hand druckte, als'sie an Bord standen.In einer halben Stunde müßt ihr die gelben Hunde sicher verstaut haben. Aber so, daß sie nicht die Munition hoch- qehen lassen können. Jeden einzelnen fesseln, denn langer als drei Stun­den reicht die Belaubung nicht. Und bann muß die Maschine die letzten I Knoten hergeben in achtzehn Stunden ist der nächste Konsulatshasen I erreicht. Dort werden wir die gute Fracht in gute Hande abhefern. Ihr sollt euch nicht unnütz gequält haben.. "

I Aber es dauerte keine achtzehn Stunden. Die Meldung der Hamburger Reederei war auch an den englischen TorpedojägerStel on weiter- qeqeben worden: Dampfer verschwunden Piratengesahr! Das hatte genügt, um die nächsten Küstenstrecken nach allen Regeln der Kunst abzu­kämmen. Im aufstrahlenden Scheinwerfer wehte die schwarzweihrote Flagge durch die Nacht. Hundertmark ließ sofort Notsignal geben und dann dampfte es stampfend und dröhnend heran. Schnelle Verständigung I durch Megaphon ohne Zeitverlust wurde der kleine Dampfer ms Schlepp genommen und los gings zur nächsten menschenwürdigen Statwn. (ge((jen! |Qgte Hundertmark, der neben dem englischen Kom­mandanten den Abmarsch der Gefangenen über die Kais ansah,man muß ihre stoische Ruhe bewundern! Keiner zuckt auch nur mit einer

I Miene "

Bewundern?" der Engländer zuckte die Achseln.Haben Sie schon mal" eine chinesische Hinrichtung erlebt?" Nein na, dann können Sie sich wohl wundern. Was geschieht ihnen? Sie werden ein paar Jahr« I eingesperrt, roenns schlimm wird, Strafarbeit. Arbeit schadet denen nicht, und roenns viehische ist. Aber in China richtet man mit glühenden Eisen hin. Das kann hier ja nicht geschehen, und darum sind die Kerle beinahe zufrieden. Uebrigens, ich habe Ihnen zweitausend Dollar Belohnung

Ächtest"" sagte Hundertmark.Meiner Mannschaft. Und außerdem bekommt jeder Mann jetzt zwei Tage Landurlaub, umschichtig. Ich habe zwar den Kops auch nicht verloren aber von meinen Serien war jeder ein Held, denn ich wäre wohl bei den elf Tagen im Bunker oer rückt geworden, und die haben gleich nachher wieder ihre Pflicht getan.

führen. Ohne sich hineindenken zu können und die Vorstellung wie eine I lästige Fliege damit abwehrend, daß es sich sagt: das war tn alten, wre I lonae vergangenen Zeiten so und kann nie wieder kommen, dämmern doch Ahnungen von Furchtbarkeit, die das Leben in seinem märchen­haften Zukunftsdunkel vielleicht verbirgt.her

Aber rasch ist solches Erschauern in der fortleuchtenden Sonne ober I In neuen Eindrücken oder im tiefen Schlafe der Kindheit vergessen...

ZRofe Dschunken vor Schanghai.

Von Walter Per sich.

Kapitän Hundertmarks kleiner Dampfkahn war eigentlich Ur Aus­reise bereit. Aber auch an diesem Morgen war die drahtlose Nachrich I aus Hamburg ausgeblieben. Irgend etwas mit ber 5U ubern^menben Labung mußte noch nicht stimmen. Der Alte gab ber Mannschaft An- I Weisung, Deck unb Reling gehörig zu putzen. .

Mann Mickelsen", fragte er seinen Steuermann beim Stunbgang. I WoMr kommen benn bloß die verdammten roten Segel auf der Reede? Gestern sind diese Art von Dschunken doch noch nicht zu sehen gewesen?

^'ch Ireß' V Besen^wenn bas nicht Piratenschifse sind! Die Chin^ slsch'er haben boch gelbe unb braune Segel btefes Rot will mir auch nickt nifaaen ... aber was geht uns bas an?

Eigentlich ging es ja auch bie Deutschen nichts an, was sich in der I ©trommünbung Herumtrieb. Sollten bie Chinesen selb st ""Waffen unb I die internationale Wasserpolizei war ja auch noch da. Aber esfolleste I wohl doch was angehen. Denn die Geschichte begann am Nachmittag. I Mit dem auffrischenden Wind setzten sich zwei der großten Dschunken aus I ber Flotte in Bewegung, und als das erste Dammer dunstig an die Kais I fant, schusterten die breiten Chinesenfahrzeuge batfborbs unb steuerbords I an die frei im Strom ankerndeElbe" heran. . . I

Ehe die Deckswache viel fragen konnte, waren zwei von den Kerlen I mit den breiten Basthüten die Gangway rauf unb standen schon an Bord. In ihren Gürteln blitzten Messer unb Pistolenlaufe unb tn ben I gelben Fäusten trugen sie Säcke. Der bitte von ben Chinamen trat auf I Klausen, ben Maat, zu unb fragte englisch:

Your Captain? _ .

Michelsen war aufmerksam geworben, kam von ber Brücke.

Der Selbe grinste nur gegen seine bösen Worte.

Oh, Käp'n Hundertmark mich kennen gut. Wir sein alte ^Bekannte von Singapor und werden machen ein großen Geschäft...

Michelsen konnte die Kerle nicht loswerden. Ueberrascht durch die Behauptung desSeeräubers", wie er ben Kerl im stillen nannte, weckte er ben Alten in seinem Nachmittagsschlas. Hunbertmark rieb sich die Augen. Der Chinese war ihm tatsächlich bekannt. Er hatte ihn einmal in Singapor als Heizer heuern müssen, weil sein weißer Mann an Schwarzfieber erkrankt war, unb war auch mit bem Gelben ganz gut bis nach Afrika rübergekommen. In seinem Deckstuhlhorte er an, was ber Kerl zu sagen hatte. Er wollte zwei Sack Elfenbein verkaufen in Jnbien geflaut, wie Hunbertmark sofort erkannte.

Verbammt!" brüllt er los,soll ich vielleicht um eure Gaunerei mit den Behörben hier Scherereien kriegen...?"

,0h, wenn Mister nicht wollen bies günstige Angebot, wir gehen zu englischen Kapitän, ber immer kauft aber ich kannte Mister...

Runter!" schrie Hunbertmarkweg von bem Schiff!

Mit reglosen Gesichtern kletterten bie Chinesen bte Gangway runter. Warum bloß guckten sie vorher so seltsam in bie Runbe?

Warum? Nun, bas würbe Hunbertmark unb seinen Leuten genau sieben Stunden später klar. Der Alte erwachte nämlich, alles war finster, vom Stampfen der Maschine. Hatte er Befehl zur Ausfahrt gegeben? Drei Minuten Besinnung nein! Auf sprang er, rüttelte an ber Xur ber Kajüte Verschlossen. Hunbertmark tobte. Niemanb öffnete. Er schlug das kleine Fenster nach außen auf ihm entgegen schob sich ein Ge­wehrlaus unb im Schwarz erkannte er bie Umrisse eines ber oerbammten Basthüte.Still!" sagte ber Mann.Gewehr geloben!

Hundertmark mußte kuschen. Er sann nach. Mso doch Seeräuber. Sie hätten ihre Vermutungen doch besser gleich in die Niederlas ung gemeldet. Das mußte ihm passieren er hatte immer den Kops geschüttelt, wenn er von Piratenüberfällen auf dem Stillen Ozean Meldung bekam. Un­genügende Wachsamkeit jetzt war ihm das kaum tausend Meter von den Kais passiert! Die roten Dschunken mußten im Dunkel lautlos ran- gefahren fein. Wie Affen können die Kerle an den Wanten hoch und mit drei Fausthieben ist die beste Wache hingestreckt. Na, unb bie tn ber Hjke schlafenbe Mannschaft, halb tot vom Tagesklima, hat man im Augenblick entwaffnet unb wehrlos gemacht. Ueberhaupt mehr als em halbes Dutzenb Schießeisen hatten sie auch gar nicht an Boro! tatsächlich hatten bie nächtlichen Vorgänge sich so ähnlich abgespielt, wie ber Kapi­tän vermutete. Klarheit über bie Absichten ber Banbiten erhielt er erst am Morgen auf freiem Meer. Unter bem Schutz einiger Gewehre betrat feinFreunb" die Kabine.

Darf ich Sie zum Frühstück einlaben?"

Der Teufel soll bich holen!" fuhr Hundertmark auf.

Oh, Teufel ich nicht kennen!" meinte der einstige Heizer gemütlich. Wir aber müssen sprechen über Kurs nach Jndochina...

I ch bin der Kapitän!"

Allright. Und Sie werden sühren Schiss nach Jndochina...

Was soll ich dort?" : v

Wir haben an Bord genommen auf leeres Schiss zweitausend Ma­schinengewehre. Und Munition. Jndochina braucht sowas, zahlt gute Preise. Uedernahme erfolgt auf offener See. Ich bereit fein, zu geben Sie unb Ihre Mannschaft ein Halb von mein Gewinn. Wenn nicht gut­mütig Sie sagen Ja, ich lasten solange einen Mann jebe Stunbe von Ihre Mannschaft köpfen, bis Sie haben sich besonnen! Hallo, Boys! rief er nach braußen.Steuermann bringen?"