Ceylons zu besuchen. Don ihnen ist 6er Adamspik bas größte. Ebenso gilt der Berg den Hindus und Mohammedanern als heilig. So waren denn auch unzählige Pilgerzüge entweder voraus oder unter uns im Anmarsch. Ihr eigentümlich eintöniger Gesang, der wie der Verzwetflungsschrei einer großen Menschenmenge sich anhört und im Dunkel der Nacht doppelt unheimlich wirkt, erhöht das Fremdartige der Lage. E.ine Unterhaltung durch Fragen über dies und jenes Unerklärliche vermochte nicht in Gang zu kommen, weil jeder auf den steilen Weg und die hohen, ausgetretenen Stufen zu achten hatte,- so kämpfte man sich schweigend weiter, an manchen Stellen an Ketten tastend, an anderen nach den glatt abgegriffenen Bäumen greifend; die Stunden verrannen. Wenn ich fragte, wie weit es noch zum Gipfel märe, kam stets als Antwort des vorausgehcnden Führers zurück: Noch eine gute Meile. Es war gegen 4 Uhr morgens, als ich die am Arm getragene Decke an einer Halt bietenden Stelle neben dem ausgetretenen Pfad aus- brcitete und mich darauf niederließ. Die Unvorsichtigkeit des anstrengenden Marsches am Nachmittag, nach einer schlecht verbrachten Nacht in Vandarawela rächte sich. Die Beine versagten den Dienst. Meine Leute umstanden mich schweigend. Nach einer Weile huschte etwas lautlos vorüber. Es waren Menschen. Der Boy sprach sie an. Auf meine Frage bekam ich eine gut gemeinte Grobheit zu hören: Ein Inder, so erzählte er, sei mit der 12jährigen Tochter von Indien zu Fuß herübergekommen und im Begriff, auf dem Adamspik für die verstorbene Mutter des Mädchens zu beten. Ich sei ein großer, kräftiger Mann und ein Weißer und der Meinung, das nicht fertigzubringen, wozu ein 12jähriges Kind imstande sei. Das genügte. Ich war wieder auf den Beinen, die Begleitung mit mir. Ich habe nach einigen Minuten noch einmal gefragt, obschon ich die Antwort vorher kannte. Es war immer noch die bekannte Meile, aber wir standen fünf Minuten später am Ziel.
Liier oben, auf kleinstem Raum dicht zusammengedrängt, stand eine dunkle Menschenmaucr. Dazu wehte ein eisig kalter Wind durch die von Schweiß feuchte Tropenkleidung. Was blieb übrig, als noch länger als eine Stunde auf den oberen Stufen auf und ab zu steigen, denn der wärmende Mantel war nicht mitgenommen worden. Endlich rötete sich im Osten der Himmel, doch das Leuchtfeuer vom Hafen von Colombo blitzte noch immer auf, die Sterne verblaßten, es wurde Tag.
Als der einzige Weiße genoß ich ein besonderes Vorrecht. Der oben stationierte Buddhapriester holte mich aus der Menge, öffnete mit seinen unglaublich einfachen Wohnranm, wo ich mich der Schuhe eutledigen mußte. Dann winkte er mir, ihm über etne Anzahl Stufen zu folgen, welche auf den oberen Teil des schwarzen Gneisfelsens führten. Unter einem baldachmartcgen Aufbau hob er einen bunten Teppich empor und der große Fußeindruck, den Allvater Adam nach dem Glauben der Buddhisten, Hindus und der Mohammedaner während feines tausendjährigen Harrens auf dem Felsen hinterlassen hat, bevor er in das Jensects ausgenommen werben konnte, lag vor mir. Man war von dem Anblick geblendet, die Umriffe der Fußspur glitzerten und leuchteten in allen Farben von großen Edelsteinen in Rot, Blau, Gelb und Weiß. Ich stand eine Weile Betroffen, dann wnrde der Teppich wieder aufgelegt. Der Priester wandte sich nunmehr der wartenden Menge zu, die am Rande des Felsblocks, ans dem der Priester kniete, vorüberzog und durch Handauflegen und Gebeten gesegnet wurde. Hier ist nachzutragen, daß die Religionen des Ostens dw Stätte des verlorenen Paradieses und Erschaffung des Menschen- geschlechts auf die Insel Ceylon verlegen, ein Glaube, der tn der Schönheit des Landes eine Stütze findet.
Ich mar herabgestiegen. Dann kam ein unvergeßlicher Augenblick. Die Sonne war aufgegangen, die Menschen wurden aus einmal still. Man hörte nur das Wehen des Morgenwindes um den Berggipfel. Im gleichen Atemzuge erschien am "östlichen Himmel ickars umrisien der tiefschwarze Schatten des Berges. v>ch hatte bequem Zeit, den umständlichen Stativ-Apparcck aufzubauen und zwei Aufnahmen von der Erscheinung zu machen. Wahrend der Schattenriß kürzer und kürzer ward nnd schließ ich in der bodenlosen Tiefe verschwand, zogen wie duftige Watteflocken durchsichtige Wolkenfetzen um den Gipfel, um int Sonnenschein tnt Nichts zu ^"W'erst fand man Zeit zum Betrachten der näheren Um- aebnna Der den Felsen des Heiligtums umgebende Hof ist ein ßrÄteck ?on eirügen 100 Meter und gegen die nach allen Setten aälmende Tiefe durch eine solide Mauer gesichert, ilnter den beiden Glockensttthlen (untere ^^10,^’FtnJ etne &uM6tftti*e Einrichtung» waren die Opfergaben, bestehend aus Blumen, dar unter Blütenstände der Betelpalme, Fruchten aller Artz Reis in größeren Mengen und, was sonst die Menschen hoch schatzem niedergelegt. Auch wir brachten unser Opfer dar, indem die mlt- aebrachten Kerzen entzündet wurden. Hierbei passierte etn Unfall Kaum flackerten die Flämmchen un Winde, so hatte ancb schon eine der zahlreichen Papiergirlanden Feuer gefangen, das sich m Nu weiter fortpflanzte und die gesamte Dekoration troffen — Er schrieb mir noch kurz vor Aiicbrucy oes jtrregee, meine festeren Briese kamen unbestellt zurück, er durfte im Weltkriege an der Westfront gefallen fein. Pflanzen gab es fiter nicht, ■"'ä'»“« ssw«®yiae”«,«»«.«n ,->» rend der Nacht vorüber gekommen waren. Sie liegt vielleicht SX' ÄKÄWSlSffÄ LS'LL'S'-K°S" föff» 5FU ---
Opfer mit und wickelt ihr Garn fmeift englischen Ursprungs» Ner ab. Auf der anderen Seite, wo der Abstieg in die heißen Wälder der Provinz Samaragamuwa führt, ist eine ähnliche Opferstätte, an der an Stelle der Nähfäden Bambusstöcke uiedergelegt werden müssen.
Die überaus reiche Flora des Adamspik ist einzig in ihrer Art. Zahlreich sind die Pflanzen, welche nur hier und sonst nirgends auf der Erde wild vorkommen. Der Blütenreichtum an den wenigen Stellen der steilen Wände, wo Ansammlungen von Verwitterungsprodukten und Humus möglich sind, ist unvergleichlich schon. Nur sehr wenig davon ist in europäischen Gewächshäusern eingeführt worden. Das dürfte auch noch längere Zeit so hleiben. Der Berg ist nur während einer kurzen Zeit des Jahres besteig- bar. Wenn die Regenzeit naht, verläßt auch der Priester feinen Posten und zieht zu Tal. Himmlische Mächte in Gestalt fortwährender Gewitter mit niederstürzenden Regenmassen, Blitz und Donner überiiehmen dann die Wache über das Heiligtum auf dem sturmumtosten Gipfel. Was ich oben während des Abstiegs an reifen Samen sammeln konnte, habe ich an verschiedene Stellen nach Deutschland geschickt. Wie vieles andere sind auch die daraus hervorgegangenen Pflanzen das Opfer des Weltkrieges geworden.
Wohl jedem Futzwanderer wird es schon vorgekommen fein, daß die Angaben über Entfernungen nach diesem oder jenem Ort von verschiedenen Menschen, die man fragte, sehr verschieden au§= gefallen sind. So konnten sich vielleicht auch die irreführenden Angaben meines Führers, der selbst nach Stunden immer noch von einer Meile (englisch zu 1,8 Kilometers sprach, erklären lassen. Der Mann war aber nach eigenen Angaben wiederholt in seiner Eigenschaft als Führer oben gewesen und sprach bewußt die Unwahrheit, um den ermüdeten Europäer mutlos zu machen und auf halbem Wege zur Umkehr zu veranlassen. Je eher dies geschieht, um so früher haben er, der Kuli samt Kutscher mit seinen Pferden ihr im voraus erhaltenes Geld verdient. Ich habe mir sagen lassen, daß der Schwindel oft gelingen soll.
So finden wir hier, wie überall in der Welt, und selbst an geheiligter Stätte, neben tiefer, ungeheuchelter Religiosität die krasse Selbstsucht. Das vermag jedoch den Eindruck nicht abzuschwächen, daß die allgütige Natur dem Menschen sich hier in einer Große und Schönheit zn offenbaren vermag, die unvergeßlich sein innerstes Wesen erfaßt.
Oer Siernenboum.
Roman von Friedrich Schnack.
(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
Er verstand und verstand nicht. Als er sich all das angehört hatte, erschien ihm die Sprache hierzuland noch verwickelter. Ein Glück, daß er wenigstens den Meister genau verstand. Das war fiter ja wie in Böhmen, wo die Menschen wie die Zigeuner redeten. ~
In der Werkstatt roch es nach Leim, Staub und Holz. Die Gerüche der Bretter hatte er gern. Sie dufteten nach Harz, nach Wald und nach der Sägemühle des alten Tiit. Es machte ihm Spaß, seine Nase zu schulen, aus den Gerüchen gleich einem schwebenden Geist den Baum herauszuziehn, dessen Holzduft die Werkstatt durchzog, als verzweigte er sich noch im Tod in den Raum. Da wuchs manchmal vor Juppis innerem Waldsinn eine schlanke Kiefer, dünn und hoch, von Krähen und Winden umflogen. Dann wieder verflüchtigte sich der Dunst, als wäre der Baum noch einmal gestorben und endgültig vergangen. Die nächste Woche aber begann mit dem Lebenshauch einer Fichte, von der nur noch die Bretter erhalten waren. Der Lehrling Otto schreinerte einen Kasten daraus. Ihr Holz roch wie das Holz jener Sagenfichte, die so himmelhoch stand und eines Tages so ttef hinabstürzen mußte zur Sägemühle, wo der kupferne Christus in ihrem Stamm aufschrie. Ein Duft von verschollener Weihnacht geisterte Juppi an und weckte ihm Seelengeheimnisse, freuöen= reiche Bilder, darin Lichter und Sterne schimmerten. Aber rasch entwich die verschwiegene Berückung, es war Sommer: der Erinnerungsschnee, die Christabende der Einbildung hatten keinen Bestand in der warmen Luft: die Hämmer schallten, die Stemmeisen fugten und das Handwerksburschenlatein Mürks prahlte auf.
'Vielerlei Arbeit kam. Juppi mußte lernen, wie man ruhig und glatt ein Brett durchsägte, eine Leiste durchschuttt. Es war gar nicht so leicht, einen Drahtstift einzuschlagen: man mußte ihn ein wenig schies ansetzen zwischen den Fingern, dann Schlag um Schlag, gleichmäßig, fühlend. Oft waren 6ie_ Nagel eigensinnig,- sie ließen sich eher krumm klopfen, als daß ite ins Brett hinein- rutfefiten. Und wie weh tat es, wenn der ungeschickte Hammer den Daumen traf anstatt den Nagelkopf. Auch mit der Zange um- ftugefin, mußte verstanden sein — und 10 verlangte jedes Werkzeug feine besondere Behandlung.
Greis Werkzeugkasten verstaubte oben in der Bodenkammer. Nie war er dazu benützt worden, eine Tiroler Bauernstube zu tischlern. Ein anderer Hammer führte nun d<^ Machtwort, wenn er aufklang auf Nagelköpfen und Kanten. Mit der Kindersage war flink und bequem zu arbeiten gewesen, die hatte sich als zugig gezeigt. Aber die Erwachsenensäge! sie erforderte Kraft und Vorsicht. Fest die Griffleiste gepackt. Zug und Druck. Manchmal war das Stahlblatt widerspenstig: es blieb mitten im schnitt hangen und wollte weder vor- noch rückwärts. Das war ja fast !O ermüdend wie das Futterschneiden mit Flunk.
Nun war Juppi schon vierzehn Tage tn der Lehre. Eines Abends nach Feierabend, als er sieb allein noch in $er . .itatt Befand unö aufräumte, kam der Meister, von einem Ge-chafts- gang heimkehrend, herein. Juppi beachtete ihn zuerst nicyt, er


