Ausgabe 
3.9.1934
 
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Gießener ZamilienbMer

Unterhaltungsbeilage zum Siebener Anzeiger

Kummer 68

Jahrgang 1934

Montag, den 3. September

trauere um zwei Brüder, Herr Oberst."

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Das Volk wacht auf.

Roman von Walter von Molo.

Die Menschenpflicht ist nicht Ruhe, Kampf ist sie, Kampf in Ewigkeit.

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Ziekruten-Korporal.

Bon Theodor Fontane.

In Würzburg, bei den Bischöflichen, Sind ihm schon sieben Jahr« verstrichen; Seiner Potsdamer Tage, manch liebes Mal, Denkt der alte Korporal.

Auf dem Platze, hart an der Würzburger Brück'

Exerziert er Rekruten vor und zurück,

Zählt und wettert:Rechten, linken, Verfluchter Kerl, Speck und Schinken ..."

Ein blutjunger Leutnant, neunzehn schon, Aergert sich über den preußischen Ton Und fährt dazwischen:Euer Rekrut Macht alles richtig, macht alles gut.

Ihr versteht nicht den Dienst ..." Der Alte grient:

Ich habe dem König von Preußen gedient/

zuletzt» lelnber fr aber jung«

Wie ein Sie darf!" Ich Röte

Hause zu.

Ein Wort noch, Madame!"

Frau von Möllendorf steht; liebevoll streichelt der Wind das Blond­haar der Frau. Als wollte er sie trösten.

Weisen Sie die Mannschaft an", gebietet der Oberst seinem Begleiter, wie sie den Tanzsaal schmücken soll! Alle Gärten stehen voll Blumen. Es müssen zweihundert Sträuße für die Damen gebunden werden!" Sehr wohl, Herr Oberst."Und Sie, Madame, Sie werden von heute ab, damit Sie mir nicht zuviel in Ihrem Tacitus lesen, mit mir zu Tisch speisen! Ich erwarte Sie in einer Stunde zum zweiten Früh­stück!" Er wendet sich, sporenklingend steigt der Oberst die Freitreppe hinan. Frau von Möllendorf senkt den Kopf, mit nachdenkenden Schritten geht sie um das Herrenhaus herum, zur Schreibstube ihres Gatten. Frau von Möllendorf stutzt: schimpfend poltert des alten Jägers Stimme hinter der Türe:Sie gehen vor die Hunde, Herr Baron, wenn Sie weiter so schlapp sind! Mit Respekt zu sagen! Hundert Jahre braucht Ihr Wald, damit er wieder so dasteht wie jetzt! Wer soll ihn denn auf­forsten? Haben Sie Geld? Herr Baron, mit der Demut is nischt! Raus mit der Demut! Denken Sie an. Ihren alten Herrn! Immer rin ins Feuer! Herr Baron! Die Weltgeschichte is noch lange nich aus! Wir haben eene aufs Dach gekriegt, jut, aber: bet nächste Mal verkloppen doch wir wieder die Franzosen? Ick steh' Ihnen dafür, Herr Baron! Ick steh' Ihnen dafür! Ick knall' jeden nieder, der mir in den Wald kommt. Stoppeln geben keen Korn, Herr Baron! Wer mir bestiehlt, Herr Major, der will mir ans Leben, wer mir ans Leben will, den mach' ick kalt!" ..

Frau von Möllendorf tritt ein.

Schrei nicht so, Christian."

Nischt für ungut, halten zu Gnaden, gnädige Frau. Guten Morgen, Frau Baronin. Is einer von den Hunden draußen?" Drohend um­krampft der alte Jäger sein Gewehr.Soll ick ihm Beene machen?"

Niemand ist draußen, Christian", sorgenvoll sieht Frau von Möllen- darf ins bleiche Antlitz ihres Gatten,aber es könnte leicht jemand draußen sei! Du muht, deines Herrn wegen, vorsichtiger sein, Christian!" Det is richtig! Stimmt! Werd' mir daran halten! Herr Baron, daß ick meine Meldung ganz mach: Heut' nacht is wieder in der Freimühle eingebrochen worden! Allens die Folge von Ihrer Laschets!" Ungestüm, als könne er sich dort Hilse ausgraben, kratzt sich der Jäger seinen haar­losen Hinterkopf.Ach Jotie doch, der olle Fritz jeht uns grausam ab! Herr Baron! Der ließ man stramm an die Kiefern hangen! Wir müssen uns selber Helsen! Wir müssen! Es wird anders nich besser! Befehlen Sie! Ick bin zu allem bereit!" Zerrissen lächelt der junge Gutsherr, er zuckt die Achseln.

Die Gerichtsbarkeit ist mir genommen', sagt er.Ich darf nicht mehr in die Justiz eingreisen; das geht jetzt alles das Amtsgericht an."

Hahah!" Der Jäger wendet sich zur Türe.Det Amtsgericht! Wenn einer hangt, hangt er; ick grantier' Ihnen, es wird bald einer hangen! Wie sollen denn die Kanaillen Ordres parieren", schreit der Alte,wenn sie keene Angst nich vor Ihnen haben?"

Angst haben wir alle, Christian." Schmerzlich, selbstzerfleischend ist be* jungen Gutsherrn Blick.Vor den Franzosen haben wir alle Angst."

Ick hab' keene Angst!" brüllt der Veteran.Mein Großvater hat die Schweden verkloppt; mein Vater und ick kloppen die Franzosen! Det is unser Metier. Ick hab' gar keene Angst nid), Herr Major, «ar keene, dagegen verwahre ick mir! Wovor haben Sie Angst?"

Du hättest auch Angst, Christian, süß' dir das Messer an der Kehle mie Heben Sie die Kehle, Herr Baron! Nischt für ungut. Adjes! Mahl­zeit" Frau Baronin. Solang' ick leb', wird keen Holz in meinem Wald gestohlen!" , . ...

Der Alte öffnet die Türe; schrill, herausfordernd beginnt er, über den Hof daoonschreitend, das Schlachtlied des alten Dessauers zu pfeifen. Frau von Möllendors faßt die Hand ihres Gatten.Fritz", fleht die Frau.Behalte den Kops oben. Wir müssen durch, mir werden durch- tommen.ja, TOoberatjon Unftet, haltlos schiebt er die Papiere auf dem Schreibtisch durcheinander.Wenn du und die Kinder nicht wären..

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_____ steigt in das Antlitz des Offiziers.

Dann wird Sie Ihre Freundin vertreten! Diese Witwe, mit den schönen Armen, die so schmachtend zur Laute zu singen weiß! Haben Sie verstanden, Madame? Ich müßte sonst befehlen!"

Mit langsamer Bewegung wendet sich Frau von Möllendorf dem

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einem ausgeräumten Gutshof steht eine junge Frau vor einer Schar verlumpter, halbverhungerter Dorfkinder. Gebeugt. Mit vorsichtig vbwägender Bewegung, damit nur ja nichts verloren geht, schöpft die Fran die Morgensuppe in die Schälchen und Blechteller der gierig Zu- sehenden. Leer und tot ist das Hofgeviert, traurig schwingt in einsamer Höhe, in der Mitte des Hofes im Winde das aufgerissene Türchen des Taubenschlages.Heute mittag müßt ihr früher als sonst kommen, Kinder", spricht die Frau freundlich, beruhigend nickt sie den unruhig aufsehenden Kleinen zu.Kommt Mittag hinter das Haus! Hier wird

viel Fuhrwerk fein."

Ein kleiner Junge mit zerrissenem Hemd wittert.

Da tanzen wohl die französischen Herrens wieder bei Ihnen?"

weiter, Klaus. Lieschen", sagt die Frau zu einem Mädchen, das scharfe, unkindliche Sorgenfurchen um das Mündchen im blaffen Kinder- gxsicht hat,war deine Mutter nachts noch einmal anfällig?"

Starr sieht das Kind geradeausMutter wird nie wieder gesund.'

Das darfst du nicht sagen. Vielleicht hilft der liebe Gott doch." Das Kind schüttelt traurig den Kopf. Hoffnungslos, trocken weinend geht des Kindes Blick über den Hof, über die abgetragenen Stohdächer des Dorfes zum erhöhten Waldrand. Dort ragt schief ein großes, rohgezimmertes Holzkreuz. Unordentlich, in breiter Fläche ist unter ihm die Erde durch­einander gewühlt, über etwas geworfen, das sich in wirrer Gruppe dem Lichte zu wieder aufzubäumen scheint. .

Die Unfern, Frau Baronin, sind feit dem Regen wieder obenauf! flüstert der Junge.

weiter, mein Kind."

Fröhlich hallt über den Hof Gesang der französischen (Einquartierung Wie eine Erscheinung, die nicht zur kargen gelähmt liegenden Landschaft paßt, kommen auf der Dorfstraße zwei Reiter. Aus dem Prunk der Uniformen der französischen Offiziere blitzen herausfordernd diereffen und goldenen Schnüre, die Orden der gemächlich Herantrabenden.

Geht jetzt nachhause, Kinder", spricht unruhig die Frau,nehmt

Die Kinder nicken verstehend. Scheu trollen sie sich m weitem B^gen dem Hoftor zu. Sie stehen zögernd. In kurzem Galopp reiten die Ost,- ziere in den Gutshof ein. In schöner, selbstbewußter Kurve ^"8 sie an die Freitreppe heran; sie svringen. stolz auf die guten Figuren, bie sie dabei machen, aus den Sätteln. Mit einem Ruck, wie hinaus- geronrfen verschwindet die Kinderschar durch das lor nfr. .

Madame! Unsere Fete ist gesichert!" spricht ber altere ber

Die Verhaftung des Herrn von Strachwitz hat Wunder gewirkt. Es wird jetzt alles unserer Einladung Folge leisten. . , h n

Ein Knecht kommt gelaufen Mit Todesangst im Blick nimmt er den Offizieren die prallfchönen Pferde ab.

Mit reinem Hafer füttern!"

Gewiß! Freilich. Herr General."

Hochkobrend wendet sich der Oberst zur Gutsfrau zurück.

Sind Sie vorbereitet? Alle Ihre Nachbarn werden unser Gast Zem. ,Es ist alles aeschehen Herr Oberst, um Sie jufriedenzustellen.

Zürnen Sie mir noch immer, schöne Frau?" Rem fragend 'st de Blick der Frau im Antlitz des Osfiziers. Der Oberst fast einen Schnurr bart, hastig, verlegen dreht er ihn herum, aggressiv, hilflos zornig sucht

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fein Blick ins Innere der verfchlossenen Frau zu stoßen. Er prallt ab. unsichtbarer Stahlfturz umsteht etwas die preußische Frau, werden heute mit mir den Ball eröffnen, Frau von Möllen-