Ausgabe 
2.11.1934
 
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Vordecks.

Das Unverlierbare.

es schnell verteilt, mit Be

F

Von Superintendent i. R. Eigenbrodt, Gießen.

Wer kennt noch dieses berühmteste und beste Kriegslieb aus Deutsch­lands größter Zeit 1870/71, an den wir Alten uns als Knaben be­geisterten und werden jetzt noch ersrischt von seinen heldenhaften un- humorvollen Weisen? Und wer kennt vor allem auch seinen Dichter, der, wie sein einzigartiges Gedicht, es wert ist, unvergessen zu bleiben oder wieder bekannt zu werden. Es war ein glückliches Zusammentreffen, als die Muse der Kriegsdichtkunst auf ihrem Suchen nach einem deutschen Menschen, dem sie ihre diesmal für Deutschland freundliche Ge­danken einhauchen konnte, aus Wolrad Kreusler traf, der nun diese göttliche Gabe seinem prachtvollen Humor zur weiteren Bearbeitung übergab und dies Lied schuf und es seinem Volke wetterschenkte, beson­ders den in Frankreich kämpfenden blauen Jungen, unter denen auch sein Sohn marschierte. DerKladderadatsch" druckte das Lied als Flug­blatt. Unter den Soldaten im Felde wurde es schnell verteilt mit Be­geisterung aufgenommen, und bald klang es draußen und m der Heimat von den Lippen Unzähliger. Dem alten König schien es so be­deutsam für die Herzerfrischung seiner Soldaten, daß er sagte, es sei ihm ein Armeekorps wert. Und sein Enkel, Wilhelm II., sandte gelegent­lich durch den Sohn des Dichters diesem einen Gruß und ließ ihm sagen.

Verantwortlich: vr. Hans Thyriot. - Druck und Verlag: Vrühl'sche Univerfitäts-Vuch. und Lteindruckerei. L. Lange. Gieße».

\ b, ' rr ... fCvrta.,< hnÄ $TTiiuiter etties Soldaten- und Volksliedes. Auss i angeeignet unb dann dochC Ö 0 l<J ft Dervolkstümlichung DWWSSS ZZM-LS-MZ;

keinen Lebensformen erzogenen Bewohnern und fernen prachttgen Bauern, mit ^feinen ^fruchtbaren Feldern und herrttchen Waldern at dem deut. icben Vaterlande eine Reihe berühmter Manner geschenkt. Der Maler Wilhelm von Kaulbach, der Bildhauer Christian Rauch, aus der Rach- reformationszett schon''Philipp Nicolai, der Sanger der L. ber W

Pe?sönttchkeiten aus der Welt der Wissenschaft und Kunst genannt werden, bie L°'WaldeL°7war S°auchW°lrad Kreusler. Ein LebensbiU, vwi ihm entwarf Pfarrer Boelcke in Brandenburg a. d. Havel er chnenen be Wieficke daselbst. Dem aus ihm Geschöpften konnte der Verfasser dieser Zeilen aus eigenen Familienerinnerungen manches hlnMugen. Dor^ kabren unseres Dichters waren im 17. und 18. Jahrhundert Fechtmelste in Gießen und Jena. Von dreien der Jenenser Hainen noch heute Oel- aemälde in der dortigen Universität und stehen Grabmaler aus dem dortigen Friedhof. Von dem berühmtesten unter diesem Johann Wilhelm Kreusler wird erzählt, daß er mit seiner neuen deutschen Fechtkunji ve stärksten Mann und größten Fechter seiner Zeit, den Kursursten Augus I den Starken, besiegt und damit der französischen Fechtkunst m Deutsch. ' land den Todesstoß versetzt habe. Das Geschlecht der Kreusler laßt s ch i bis 1560 und auf einen Schultheißen in Hessen-Nassau zurucksuhren.

I Wolrad Kreusler, der Dichter unseres Liedes, wurde 1817 in Arolsen geboren, wo sein Vater Leibarzt des Fürsten war Früh seiner Mut e ' beraubt erhielt er in ihrer Schwester eine vortreffliche Sttesmutter von feinster Bildung, Tochter des damaligen ersten Beamten des Lande» namens Schumacher. Von ihr wurde er geistig aufs Stärkste beeinflußt Racb der Schülerzeit auf dem Landesgymnasium in Korbach studierte er ; ÄÄ und Gießen und war ein flotter Student wovon die gewaltige Tiesquart auf dem seiner oben genannten Biographie be - i gegebenen Bilde zeugt. Bald nach dem Beginn seiner Praxis als Arzt führte er eine prächtige Pfarrerstochter als Gattin in sein Haus die ihm , sieben begabte Kinder schenkte, von denen eine Tochter noch

; heute in Berlin lebt, eine selten frische und muntere Greisin Kreusler ' war ein Mann voll kräftigen Humors. Wegen Nichiemrelchung des jährlich fälligen Berichtes des Kreisphyfikus, der er war, über die Ge sundheitsverhältnisse seines Bezirks von der fürstlichen Regierung «

, rüffelt, berichtete er im folgenden Jahre, daß m seinem Bezirk eme Bem bruchepidemie ausgebrochen fei. In dem kleinen Walbeckschcn Land- ftädtchen mag den geistig hochstehenden Mann oft die^Sehnsucht nach arößeren Verhältnissen und umfaffenberer Tätigkeit erfaßt haveir D«

| kam der Krieg, und die Mufe fchenkte ihm fein Kriegslied. DornKon'S empfing er den Roten Adlerorden und em Geldgefchenk von 600 Talern, bie er,' ber nicht wohl zu wirtschaften verstanch gut gebrauchen tonnte. Mit diesem Lieb blühte nun auch fein äußeres Gluck aus. Der alte Kais« vergaß ihn nach bem Kriege nicht. Er sorgte bafur baff S/reusler, besten tiefe Liebe zu bem alten Helben biesem aus ben behaglich humorvollen Versen bes Liebes so warm entgegenschlug, als Strafanstaltsarzt unv Kreisphyfikus nach Branbenburg a. b. Havel berufen würbe Im Laufe ber Jahre würbe er bann Sanitätsrat unb Geheimer Santtatsrat. unD bei feinem fünfzigjährigen Doktorjubiläum ernannte ben allgemein als Arzt unb Mensch hochgeschätzten Mann biefe Stabt zu >hrem Ehren bürger Ein geistig sehr angeregter Familienkreis unb bie »reundschaN hervorragenber Männer, auch Theobor Fontanes, trug bazu bet daß -r bis ins höchste Alter frisch und im Berufe tätig blieb Er ist in ben Sielen gestorben, am 9. Januar 1901, im Alter von 83 Jahren.

Der oben genannten Lebensbeschreibung sinb noch anbere Gebichd von ihm beigefügt, wie fein Kriegslieb voll blühenben Humors, zum Mi eine tiefe Innerlichkeit zeigend und auch feine auf die Erfüllung tni Jenseits wartende Frömmigkeit.

Arolsen hat seinem berühmten Sohn in der prachtvollen großen A. " den Kreusler-Brunnen mit plastischen Kinderszenen und seinem Bild, errichtet, Sachsenhausen, die Stadt seiner ersten Wirksamkeit, ihr Kneger denkmal zugleich zu einem Kreusler-Denkmal gestalten lassen. In Bran. denburg trägt eine Straße seinen Namen. -

Möge fein Lied und seine prächtige echt deutsche Gestalt eine Aus erstehung für uns erleben, in dieser Zeit großer deutscher Umgestaltung, die er selbst gewiß aus vollem Herzen begrüßt hätte.

-,abrt er seinen Stil. Er wartet nicht auf bie Anweisungen ber

ben Gesechtsschnallen ausgezeichnet wurde schenkte ihm Sohne.

Dir Familie lebte in Stille em glückliches Jahrzehnt. Doch Der o M-LMHWZZU Man neriaat ihm bas Gelb. Da nimmt er es aus der eigenen Am Tage des Kriegsausbruches stellt fein Bezirk em bewaffnetes Frei- fotps von 3000 deutschen Kämpfern.

An der Spitze eines Freikorps.

Die ®nalänb»r wollen in die Kolonie einbrechen. Tom von Prince komm ihnen zuvor Sein Freikorps geht über die Grenze ms engttfche Gebiet unb nimmt bie Befestigung Taveta. Erft nach zwei Jahren.geling es ben Englänbern, mit Hunberten von Panzerwagen biefen wichtig Bunkt wieber zu nehmen, ben eine Hanbvoll Leute verteibigte.

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'£«"£ Ä**. X. ä Euroväer-Kvmpanien auf ber Bahn herbei. Sie werben ausgelaben, als bie Linien schon zurückweichen unb bie Schwarzen in regelloser Fluch burtheinanberlaufen. Mit einem Male erkennen ihn ein paar Askaris unb rufen in bas Durcheinanber ben alten Siegesruf:Sakkaraml D

I« «°»--, ------- >-- Molchineag.wchrs.uer. Englische Scharfschützen hallen seme Ko-Np--.'- auf unb seine besten Leute fallen. Auch ihn trifft bie Kugel mitten m bie Stirn Er sinkt zu Boben. Ein Leutnant, ber den Hauptmann wie feinen eigenen Vater liebt, schreit bie Linie entlang:Unser Hauptmann ist tot." Da stehen alle aus unb stürzen in bas wilbeste Feuer l)mem unb in meniaen Setunben sinb bie englischen Limen aufgerissen, unb alles liM zu ben Schiften zurück. Der RufSakkarani" ber die Kolonie gewann, rettet sie in dieser schwersten Stunbe Vom Grade bes Haupt­manns Tom von Prince beginnt ber große Helbenzug Lettow-

Was an Erinnerungen von Tom von sprmce übrig bheb, tfi . in bte Hände ber Engländer gefallen, unb was er an Besitz hatte, wird heute von indischen Farmern verwaltet. Es ist alles dahin. Dahm ist alles das, was er an Wegen, an Städten bauen ließ, bte Brunnen, bie er grub, bie Felber, bie er umbrach, bie Waffen, bte er in gute Hanbe gab. Ader nicht babin ist fein Name. Wenn bie Eingeborenen heute noch bie beutfdje Fahne grüßen, wo sie ihr begegnen, jo grüßen sie in ihr Sakka­rani, ihren besten Vater, ihren gerechtesten Richter. ,

Der Waisenknabe aus bem inbischen Ozean, ber ohne einen Pfenmg nach Deutschlanb kam unb ohne einen Pfennig für d'e deutsche Sache alle Ehre einholte unb mit fernem Tobe alles wieber verlor, hat uns dennoch als Besitz, als unverlierbares Gefchenk fern heroisches Vorbttb hinterlassen. Er hat außer ein paar bescheibenen Erinnerungen nichts nieberqeleqt. Er hat keine Reben gehalten unb ist nie an bie deutsche Deffentliditeit getreten. Er wollte Preuße sein und das hieß ihn überall mehr tun als befohlen war, mehr von sich fordern als von anderen, nie am Siege zweifeln, wenn er auch mit 23 Mann gegen em paar Tausend loszog. Das hieß ihn vor allem ein Offizier sein, der sich immer vor die 2ll121betr'bas Größte an ihm ist, baß er weit weg von ben festen Stütz­punkten bes Lebens, weit weg von ben Kasinos ferner Kameraden unö ben bequemeren Hanbelsplätzen sich in bas gefährliche Niemanbsland hinauswaqte, wo mit jebem Schritt alles zu verlieren war. Da er auf alles verzichtete, was ihn hätte in Sicherheit bringen können gewann er die größte Sicherheit dem Leben gegenüber, gewann er bte Macht eines Befehls, ber bie Schwächen feiner Solbaten aufhob unb ihnen bie deutsche Sache zu einem freubigen Opfer werben ließ, weil em Hew voranging, ber so unbesiegbar war, baß sie ihn in ihrer Sprache nur ben trunkenen Stürmer nennen konnten.

König Wilhelm sah ganz heiter". . .