Ausgabe 
2.2.1934
 
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Da» fr! feine Männerarbelt. Nein Man» tönnc sich 6a»on J crnnüren, kaum eine Frau, zumal die Zetten immer schlechter " rückte sie daun mit einer ernsten Nachricht heraus.

Du erinnerst dich hodi au den Herrn Nagel In Passan, der feine Lebkucheubufte neben meinem Glaub statte?

Des Lebkucheumauueö erinnerte er sich sestr gut. Der Halle Ihm damals einen Lebkuchen geschenkt, mit einem Maudelsteru. Ein sehr netter Man».

Den heirate ich!" sagte sie.

Hei raten?" fragte er mH kindlichen Bedenken. Einen Angen- blkt war es still. Die (Miet atmete ihre kleine, wunderliche Ber- legenstelt ans.

Den Herrn Nagel ans Passan, eben den", bestätigte sie.Alles kommt, wie es sein muh. Wir haben unsere Aivcl Bnften znsam- niengenngetl, ein Kompanlegeschäsl gegriludet, der Nagel und ich. Wa" bMbl einem heutzutage schon anderes übrig? Mo aüe sich znsainmenschllehe», selbst grvhe GeschäfiSbänser. Lebkuchen, Hem­den, Spielware»!"

Sie machte eine leichte, scherzhafte Berbengnng.

Nun heiraten wir, die andere Woche. Wir sind schon lange auSgehäugi in Passau. ES ist altes in Ordnung. Wefiub mich nur Im Passauer Geschäft tu der großen Messergasse, nicht wahr? DaS ist eine Ueberraschung, gelt Fuppi? Zusaminenfchluß, Zusammen- schluht Man muh es beizeiten Inn, ehe es zu spät Ist und für eine Frau in meinem Alter ist es fast Immer zu spät..."

Gehst du den» fort von hier?" fragte er angstvoll.

Nach Passan zieh lest halt. In die Stadt", autivortete sie, und er tat Ihr leid, well eS ihm so arg zu Herzen ging.Hast Immer bei mir in Passan eine gute llnlerknnst, meint es einmal fein sollte. Komm nur tu die große Messergasse. Den Hauslerhaudel geb Ich auf. Dieses Fahr bitt ich auch gar «icht so recht zufrieden mit meinem Tragkvrb und dem Geldbeutel. Kein Geld Im Wald. Woher sollen es die Leute auch nehmen? Ans den Nippen schnei­den? Man läuft toastrhasiig mehr Stiesel zu schänden, als man jetzt bei dem Handel verdient..."

Da versank vor FnppiS Innerem Gesicht der ferne Wald In einem trüben Nebel. Klingenbrunn, Ningolan, Siebenellen wur­den von dem Rauch verschluugeit. Die Försterin, die seine Fichte in ihrem Aslergarteu, erlosch.

Uit 6 dein HäuScsten, Gr et?" fragte er.

Wird sich schon ein Käufer finden", tröstete sie und gab ihm aber dantii keinen Trost.

Abends baute er aus seinem Kasten eine Werkstatt vor sich ans. Die Geräte blihten ihn an: der Hammer wollte leicht geschwungen sein, die Säge flink geführt, der Meißel fest ange- setzt. Der Bohrer wollte bohren, der Meßstab messen lind der Hobel glätten Hilft spülte». Alle hungerten nach Holz. Er betrach­tete versuukeu die Anordnung, liebevoll hielt er Ding nm Ding.

Da enlschled er morgen»:Ich will Möbelschreiner werden. Mein Werkzeug stab Ich schon."

(Mret lobte seine» Platt, sand ist» sehr gescheit, lieft es seine» Wimmnift wißen, und bald war eilte Lehrstelle gesunden.

Bier Fahre Lehrzeit", sagte sie,gehn schnell vorbei,' dann bist du Geselle, kannst Möbel tlschler» itnft verdienst bereits dein erstes Geld."

Er nickte ugllidenkitch,

Die Werkstatt.

Fu Grafenau Im Anitsgerichtsgäßcheu hatte der Tischlermeister Wirtstetm feine Schreinerwerkstatt. Fuppi trat, nach mehrstün­diger Fnftwanfternng, mH Sack und Pack unter die Tür und fragte nach dem Herrn Meister. Fu der linken Hand hielt er feilte .ff(elfter und Wäscbebüuftel, in der rechten trug er den Werkzeugkasten. Er hatte sich daran warnt geschleppt.

Ha?" ries Ihm einer der beiden Gesellen zu, ohne sich in seiner Arbeit zu unterbreche». Beide spänien au der Hobelbank. Der Lehrling, der Drille In der Werkstatt, bohrte in ein großes Brett säuberlich Löcher.

Was ist los?" fragte nun wieder der eine Geselle,was bringst du da für Brocken? Willst du 'nen Bau scher? Suchst dune Bleibe? Türklinke» pulten?" Fuppi verstand nicht, was der Ge­selle fragte. Aber dessen Arbeltsgenossen, vertrant mit 6cm Knu­den nnft Lands! raßeulalelu, lachten wiehernd.

Fcl> bin der neue Lehrling", erklärte Fuppi schüchtern.

El fiel) da, das Aefschenl" ries der Geselle, bi der alten To» art sortsalirend.

Alle ließen nun Ihre Werkzeuge ruön itnft beschaute» beit Ne» Univ Fit ppi faßte Mut, trat näher itnft legte seine Sachen in die Ecke.

Deine Fleppr?" befahl der Erstgeselle.

Hilflos sai> Fuppi von einem zum andern. Mas für Neben?

Er weift nirtil, was die Fleppe ist", rief der Geselle.Wenn du Holzwurm werden willst, mufit du doch Fleppe mttbringen, Papiere. Ansivelse..

Da b'Vrill Fuppi und fühlte sich wie erlöst. Schnell riß er ans der ' Eche eilten Zettel seines Vormunde». Der Obergeselle la» den Ausweis durch.

Gutl" entschied er.Her die Flöße!"

Er angelte nach Fuppi» Hand und drückte ftc so kräftig, daß der sogleich knietief In die .ffnie ging. ES tat furchtbar web, aber er verzog keine Miene. Auch die andern drückten ihm die Hand mit ihren eisernen Klammerfingern.

Bist ausgenommen in blc Bube", verkünbete ber Geselle.Ich bin der Mürk, Obergeselle, versianften? ber da ist der Zum, Geselle, und die Dreckschwalbe dort", er beutete auf den Lehrling, der seinen 'Bohrer in der Faust hielt,heißt Otto. Dich neunen wir Fttp, verstehst? Fuppi istn weiberlatschiger Name."

Ist der Meister da?" fragte Fnppi.

Der Krauter? Den siehst du noch früh genug. Mißt gerade 'nen Kinftersarg an beim Schaber", sagte Zinn.

Mürk stieß mit dem Fuß gegen Fupptö Reisegepäck.

Deine Klainotten, ja?"

Kleider und Wäsche..." belehrte Fuppi.

Ach was! Klamotten und Standen. Und wa» ist das für 'n

Kasten?" . _

Er hob ihn ans unft warf ihn ans den Werktisch.

Mein Werkzeunkaften", erklärte Fuppi, etwas ängstlich.

AttsmachenI" ,

Fuppi öffnete ungern den Kaste». Die Werkzeuge blitzten. Dem Obergesell fielen über dem Anblick beinah die Augäpfel aus dem Gesicht. Da brachen die drei Tischler In lautes Lachen

aus

Zinn hielt sich den Bauch.

Mürk ergriff den rvigestielten Haiinner.

Sakerloit, n Hammer für einen Lobbermacher. Damit möchte man sich die Kuckucksuhr reparieren lassen. Den kannst du gut gebrauchen für siinszöllige Drahtstifte."

Geschrei, Gelächter. Der Hammer slog in den Kasten. Mittler- weile hatte Zinn den dreigefußten Leimtopf ^erauögezerrt und trieb feinen Unfug mit ihm. Er machte Austalten hincinzuspucken, aber Mürk hieb ihm den Topf aus der Hand.

Mit so einem Zahnstocher will er die Schraubcnköpf anzichn! Otto verspottete den Schraubenzieher.

So hatten sic ihren Spaß, bis der Meister kam.

Der neue Lehrling..." sagte der Obergeselle,er soll Sie schön von feinem Vormund grüßen."

Lassen Sie die unnöttgen Reden!" grollte der Tischlermeister, ber nicht mir beim Barbier das Maß genommen hatte, sondern auch in der Gaststube der Brauerei. So zeigte er sich auch höchst mißgelaunt über die Zusammenrottung seiner Arbeiter.Wenn er etwas auSznrichten bat, soll er es selber tun."

Aber Fuppi hatte nichts auszurichten. Er wartete auch, bis er gefragt wurde.

Wie heißt du?" rief Ihn der Meister an, nachdem er feine» Ansgehrvck mit der Schreinerjoppe vertauscht hatte.

Fup... Fup Hosschasser aus 6er Ortschaft Zwölfhäuser", ant­wortete 6er Gefragte. Fast hätte er vergessen, 6aß er jetzt einen abgekürzten Vornamen trug.

Dein Vater lebt nicht mehr?"

Mutter auch nicht", erklärte Fup.

Der Tischler, der ans dem rechten Weht hinkte, schüttelte den Kops.

Sachen gibtö!" wunderte sich der Meister.Die Leute sterben schneller, als man Särge schreinern kann."

Er nahm FuppiS lleberweisungspapier an sich, gab ihm die Hand und ermahnte ihn zu Fleiß, Gehorsam und handwerklicher Tüchtigkeit. Arbeit gebe eS genug, Holz auch, beides sei meist besser als mancher Tischler, sagte er eine Rede, die von einem mißbilligenden Seitenblick auf seine Leute begleitet ivar.

Fa!" versprach Fup.

Der Lehrling führte ihn hinauf in die gemeinsame Kamnier. Der .Schädel brummte ihm von all dein Neuen, er hörte nur halb ans 6aS Geschwätz seines Führers. Hofsentlich, dachte er, hat man es hier nicht zn schlecht. Fu der Kammer standen zwei hölzerne Betten mH Strohsäcken und Kissen, auch ein tiefer Schrank. An der Maud über dem eisernen Masrhgestell hing sogar ein gerahm­ter Spiegel: zwar verzerrte er einem das Abbild, aber das schadete nicht, er war fta und gesiel. Etwas dumpf roch cS in der Stube, nach abgestandener Lust, mnfsigen Bettfedern und alten Stionsäcken.

Der Alte ist nicht Übel", klärte Ihn Otto ans.aber sic ... eine böse Geige. Die seist dir was znsanimen. Der Alte bot nicht» zu lachen. Fett wirst du hier nicht. Sic knausert arg mit dem Hans..."

Was ist Hans?" fragte Fup.

Mensch, die Kost!"

Biel wird er hier fernen müssen, bevor er alles versteht. Ma» für merkwürdige Sprache die hatten.

Wie ein alter Maldkanz sah die Meisterin ans, scharf unft giftig. Der werkte inanS gleich an, sie kannte keinen Spaß. Fun­kelnd musterte sic Fuppi. Mit schriller Stimme keifte sie ihm die Tischzeiten vor. Pünktlichkeit verlange sie. Abends dürfe oben nicht zu lang Licht gebrannt werden, da« koste Geld. Um nenn Uhr hätte er daheim zu sein, daun werde die Haustür geschloßen. Das Herumbummcln sei ihr verhaßt. Sein Teller hätte einen Sprung, aber daß er ihn la nicht zerbräche, sonst... Unklare Drohungen cutfdmHrrtcii ihrem Mnnft, eine Mespcnfchar von Morten.

Der Meisterin fehlten eine Anzahl Norftcrzähue, was die Häßlichkeit Ihres Gesichts noch verstärkte. Sic konnte keinf" sprechen, und cs klana wie einft".

Del nur recht fleiftdig, ftonftt dpuktd in der Fechtdchnhl. Dan- ber auf kehren in der Werkstatt. Hvbelftpäne in den Hof bringen. Einen Korb voll jeden Abend In 61c Küche.. .*

(Fortsetzung folgt.)

Veranlivortlich: Dr. HanS Thyrlot. - »ruck unft Verlag: Brühl'fche Universität«.Buch- unft Steinftruckerei, R. Lange, Gießen.