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Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger
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Nummer 76
Montag, den l. Oktober
Jahrgang 195$
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1. Kapitel.
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Der Konsul fand sich leicht in die oft getane Arbeit. Er wiegte den Kops. „Du bildest dir auf die Mita zu viel ein", sagte er. „Das Mädchen sieht dir ähnlich, Gott sei Dank nicht mir, aber deine Schönheit hat sie doch nicht ganz mitbekommen." '
Frau Olga drehte sich zurück, sie lächelte stärker. „Dafür", meinte sie, „hat Mita ihre 19 Jahre in die bekannte Waagschale zu werfen."
Der Konsul nickte. „Und die Modekrankheit der 19 Jahre", ergänzte «r, „den Filmfimmel. Die Schwester des Assessors Luzius ist ja wohl
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„Du kannst dich darauf verlassen", sagte Konsul Finkendey zu seiner Gattin in der Halle, „diese jungen Leute kommen wegen meiner guten Zigarren und weil es hier bei uns nett ist." Dabei warf er seine Zigarre in den vorgesehenen Messingbehälter, wo sie im Wasser verzischte, und hob die nun leere Hand, auszählend: „Assessor Luzius ist 34, Ewald Brendel nicht viel jünger; unsere Mita ist knapp 19, für diese Leute ein Kind. Ich lege meine Hand dafür ins Feuer, daß keiner von beiden sich
«ine Größe beim Film?" . . , . „
Frau Olga neigte den Kopf. „Eine reizende Schauspielerin, Vera £Ui,*6o, na, ich kenne sie nicht. Jedenfalls liegt Mita dem Assessor ständig in den Ohren, er möge sie an diese Schwester empfehlen."
„Eine Möglichkeit auszunutzen, Lorenz —"
„Unsinn", verwies der Konsul abrupt.
Bestimmt hätte das Thema jetzt sowieso ein Ende gefunden, denn durch den kleinen Vorgarten kamen zwei jüngere Manner heran, denen das Ehepaar Finkendey entgegensah. Sie waren gute Freunde des Hauses, das merkte man an der Begrüßung, die ihnen zuteil wurde Der Konsul schätzte es, Jugend um sich zu wissen. Mit den griesgrämigen alten Rechnern habe ich geschäftlich genug zu tun, pflegte er zu erklären Brendel und Luzius genossen seine besondere Sympathie. Vielleicht, weil sie als Juristen niemals von Geschäften anfingen, keine Borsentlps erfragten und an der letzten Santosabladung gänzlich uninteressiert waren. Er ging ihnen entgegen, begrüßte sie auf seine herzliche Art und sagte. „Die ersten werden die letzten auch sein, hoffe ich." „ , , —
„Wir gehen nur mit Nasenlänge durchs Herr Konsul. Dich, hinter uns fauchte Herrn Strombecks maisgelber Achtzylinder heran. Da lft Jan Strombeck winkte. Ohne Hut entstieg er seinem Wagen den der Fahrer sofort davonführte. Rot, haarlos und wohlgenährt schien Jan Strombeck ständig zu transpirieren, obgleich ihm, der aus holländischen Kolonien Indiens für ein paar Monate m Europa weilte, dies Kl>jna kaum besonders warm erscheinen konnte.
Der gute Strombeck ist ein Frauensreund, Olga h""e der Konsul gesagt, ehe er den Geschäftsfreund in sein Haus emfuhrte. Strombeck hcht dein Bild auf meinem Kontortisch gesehen und war Laß ihn
das bleiben. Er ist mein bester Produktenlieserarck au Borneo. Aber sieh dich vor, diese Leute dort drüben leben em bißchen hemmungsloser.
Der Konsul^hatt7stine schöne Olga angelacht. Welcher Mann ist es nicht, wenn es um die Frau geht? „ < cÄnnönher
Vielleicht dachte Frau Olga just diese Wori^ als sie dem Hollander die Hand reichte. Aber heute wußte sie, daß "'cht ft- es gewesen war die diesen Mann entflammt hatte. Das war gut; ste war es ledenfall zufrieden. Sie neidete Barbara Zurrhelm den Hollander nicht. S>e dachie nur mit einer gewissen Unbehaglichkeit daran, d°ß dies alles in ihrem Hause sich angesponnen hatte und sich noch io^setzte. 6 .. .
jungen sympathischen Reginald Zurrhelm, an diese Eh ?ntiorossen
schien, trotzdem ihr die kleine, nun >4°" funfiahrige Lilly entsproßen war. Wenn Jan Strombeck wirklich der Wolf war, der hier erbreche würde..., war sich Barbara Zurrhelm des Spiels klar, das fie (p.elte/ i»n in ton =«b.,l.||dn nnd
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Abendkleid, überall rosig: blond und.blauäugig. . Su braute ben turnen siebenjährigen Bruder mit, der ein bißchen kränklich
unterricht im Hause genoß. Der Junge, geistig rege, machte seine -ller
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. „Ich tue das nicht, Lorenz", sagte Frau Olga lächelnd. Sie hielt das
t ein breite, Perlenkollier mit den bekannten großen Perlen in der Hand, tat es 15 gebunm d^n um den Hals und bat, ihrem Gatten den Rücken drehend: „Hake ilt. Aschgm bitte ein, Lorenz." jien Mto r- - - - - - - ..... - ■■ ~ • ■
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beugungen und erwiderte ein Scherzwort Brendels, des großen Vetters. Dann zog er sich wieder zurück, machte noch seinem Lehrer eine artige Verneigung, als sie sich auf der Treppe begegneten.
Herr Doktor Bellmann tarn herab, auf merkwürdige Art einem Nachtvogel vergleichbar, mit großen schwarzgerandeten Brillenaugen; scheu und ein bißchen unsicher. Erst des Konsuls gutmütiger derber Zuruf veranlaßte ihn, sich in einen der Sessel niederzusetzen.
„Hast du dem Justizrat wieder die Abendpost aufgepackt, Ewald?', rief Konsul Finkendey.
Brendel schüttelte den Kopf. „Wir waren um fünf Uhr fertig , sagte er.
Frau Olga beschwichtigte. „Es ist doch noch viel zu früh."
Wartete man also auf Justizrat Reußner mit Gattin und Sohn? Die Herrschaften kamen noch nicht. Es erschien erst vorher Reginald Zurrhelm mit seiner Gattin Barbara. Sofort nach der Begrüßung kam fetzt Schwung in die bis dahin sanft plätschernde Konversation. Jan Strombeck erzählte eine gewagte Geschichte. Sie spielte in Batavia und war so, daß die Damen die Decke ansahen, ob diese sich nicht senke. Aber dann rettete sich Jan Strombeck noch gerade an der Entgleisung vorbei und steuerte in eine allgemeine Sittenbeschreibung. Brendel verzog den Mund; Luzius hatte helle kreisrunde Augen und fein Blick suchte zu Mita hinüber, die von einem Palmenkübel verdeckt im Hintergrund saß. Der Konsul schaute zu Boden, seine Mundecken zuckten verdächtig. Verflixter Kerl, dachte er und kontrollierte aus eigener Anschauung die Möglichkeit dieses Strobeckschen Abenteuers. Nur Doktor Bellmann saß unbewegt. Er hielt die Hände stach auf den Schenkeln. Wahrscheinlich hatte er gar nicht recht zugehört.
Als Jan Strombeck eine Atempause einschaltete, sprach Frau Olga schnell etwas anderes und lenkte damit endgültig vom gefährlichen Thema ab. Aber die Szene war sowieso zu Ende, denn gerade kam Justizrat Reußner, des Konsuls alter Freund, der verlegen seine Gattin vorschob, die etwaigen Vorwürfe über das späte Kommen aufzusangen — denn io gut kannte man einander, daß man sich Wahrheiten sagte. Er und der Sohn Wingart blieben im Hintergrund.
Wingart Reußner, die weiße seidene Primanermütze in der Hand, beugte sich zu Brendel herab: „Herr Brendel", bat er, „war ein Brief für mich in der Abendpost?"
Brendel schüttelte den Kopf. Luzius sah ihn verdutzt an, aber er wehrte ab. Mit einem tief anklagenden Blick suchte Wingart Reußner hinter den Palmkübel zu gelangen. Aber sein Vorwurf prallte glatt ab an Mitas strahlendem Lächeln. „Tag, Wingart! Man sieht dich ja gar nicht mehr! Büffelst du für das Examen?" Wingart wurde blaß. Oh, sie war eine Schlange! Gestern erst hatte er sie von der Klavierstunde nach Hause begleitet! Aber beglückt stellte er eine geheime Gemeinschaft fest und log mit ihr: „Ja, man muß sich allmählich um die Examensarbeit kümmern. Früher war es so, daß die Pauker für die Arbeiten Stoffe wählten, die im letzten halben Jahre durchgefprochen waren. Aber das hat sich leider geändert. Man muß sich heutzutage eklig heranhalten."
Frau Justizrat Reußner wandte sich lächelnd an den reglosen Herrn Doktor Bellmann. „Hören Sie nicht auf den Jungen", bat sie, „diese Tonart ist ihm nicht abzugewöhnen. Pauker bedeutet aber nichts Häßliches, Herr Doktor Bellmann."
Doktor Bellmann fuhr erschreckt hoch. „Oh, bitte, gnädige Frau", sagte er, „ich kenne das; ich war auch einmal Primaner. Es ist immer dasselbe. Wollten nur alle Kollegen sich erinnern, wieviel Nervenkrast vermöchten sie zu sparen."
Frau Justizrat wandte sich ab. „Ein sympathischer Mann, Olga", meinte sie, „bringt er deinen Jungen gut vorwärts?" „Sehr gut", antwortete Frau Olga. „Wir sind mit ihm recht zufrieden."
Gerade als Assessor Luzius den neuen Film, in dem seine Schwester Vera die Hauptrolle spielte, zu Ende erzählt hatte — das Mädchen aus Java —, Jan Strombeck hatte danach gefragt, wurde der Frau Konsul Finkendey gemeldet, daß angerichtet sei, und die Gesellschaft erhob sich und wechselte die Räumlichkeit. Luzius schritt hinter Frau Barbara Zurr- helm, die neben Strombeck ging. Er dachte: wir haben unsere besten Jahre im Schützengraben gelegen; als wir zurückkamen, wahrscheinlich irrtümlich, denn es ging alles bereits gut ohne uns, waren wir müde; die Revolution; die Geldentwertung, ein böser Traum, den wir wach erleben mußten. Nun sind wir zu alt. Ich spiele den ewigen Assessor. Wirklich, unsere Zeit ist vorbei und verpaßt. Aber wenn man diese Barbara Zurrhelm ansieht, könnte man wirklich noch einmal beginnen, an den Wechsel des Zustandes zu glauben. Sie ist schön; und seltsam und


