Tr ift noch bei der Toilette und wird in ein paar Minuten bei Ihnen
sehen wolle.
(Fortsetzung folgt.)
fremde Mensch. , m
Dr. Kircheisen trat In die Orchideenabteilung. Der große Raum sah ganz verändert aus, kahl, leer, dürftig, irgend etwas fehlte, irgend etwas, was in den Raum gehörte, mar nicht da. Der Mangobaum! Das war es! Wo mar der Mangobaum? Der mächtige Stamm mit seinen großen, blaugrüUen Blättern und den goldgelben Früchten — er war verschwunden. Ein dünnes Stämmchen, dessen dürftige Zweige ein paar kümmerliche grüne Blattknospen trugen, stand an seiner Stelle. Ver- i-lllsft trat Dr. Kircheisen an das Bäumchen heran. Aber im nächsten
ganz wirr ... sind doch beide
Beranlwörtlich: Or. Hans Thyriot. — Druck und Verlag: Vrühl'sche Universitäts-Duch. und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.
Der Tempelgarten in Agra.
«Sie starren mich noch immer an, Doktor, -ich sehe ein wenig ver- änbert aus nicht r^hr? Ja, ich hatte einen schlechten Tag gestern, da» tonnen Sie mir glauben. Setzen Sie sich, Doktor, denn ich will Ihnen letzt alle» erklären Wie die Tik Paluga in mein Treibhaus gekommen sind, wer die fremde Frau war, di« meine Tochter heute nacht gesehen hat, und wie ich in den furchtbaren Zustand gekommen bin,^n dem Sie mich vorgestern abend angetroffen haben, ... das alles sollen Sie letzt ers h ren9 Aber ich muß weit zurück greifen und mit dem Tag beginnen, an bem ich rum erstenmal jenes unglückselige Experiment mit der Orchidee gesehen hX. Das ist in der Stadt 'sügra gewesen, im Winter vorigen Jahres, aus meiner indischen Reise.
Das Datum weiß ich freilich heute nicht mehr ganz genau. Aber ich erinnere mich, daß es tagsüber sehr heiß war, obwohl die Hindus am frühen Morgen kleine Feuer auf den Straßen angezundet hatten um sich zu erwärmen. Kält« ajn Morgen, Hitze bet Tag .. durfte also Aw fang Januar gewesen sein. Es war der Tag bevor ich Agra verl etz, ,ch wollte nur noch die große Prozession abwarten die du! Hindupricster der Stadt zu Ehren der Pravati, Bishnus Gattin, der Göttin mit den Fisch' augen, abhalten wollten. Man hatte mir in „Hamiltons Hotel meloon der malerischen Wirkung dieser Zeremonie erzählt. Leider kam sie schließ- lich nicht zustande, zweier fanatischer Mohammedaner wegen ... aber davon später.
Ich verließ Hamilton» Hotel gegen sieben Uhr früh, um zwei angloindische Freunde zu einer Spazierfahrt abzuholen, den Captain Elliot und den Arzt Reginald Fawcett, einen Vetter meiner verstorbenen Frau, die eine Engländerin gewesen ist. Ich ging zu Fuß. Ich sehe die Landschaft noch heute so lebendig vor mir, als hätte ich sie erst gestern verlassen. Der Weg sührte anfangs durch eine Allee von Kokospalmen. Eine Herde Kühe kam mir entgegen, bann zwei Hinbufrciuen in ihren Festkleibern. Die kupferne Kuppel bes Vishnuternpels leuchtete vom Ende der Allee her zu mir herüber, und ich hörte das Geschrei der heiligen Papageien, । die in den Ornamenten ber Tempelfassade nisten. Dann brach die Palmen- allee ab und ber Weg führte zwischen Indigo-, Baumwoll- und Zucker- rohrfelbern weiter bis zu einem Garten, der schon zum Tempel Dishnu» 9^Am Eingang dieses Gartens stand Utam Singh. Er war damals einer von den Dienern des Heiligtums, das konnte ich schon aus den Aschenlinien erkennen, mit denen er seinen nackten Oberkörper zu Ehren Shivas, des Todesgottes, bemalt hatte.
Ich war diese Straße schon öfters gegangen und hatte Utam Singh häufig über den Gartenzaun hinweg bei seiner Arbeit beobachtet, wenn er seine Nelken und benghalischen Rosen begoß. Aber niemals vorher hatte ich ihn so erregt gesehen. Er kam auf mich zu und sprach mich an.
Er sprach maharattisch. Ich beherrschte diesen indischen Dialekt nur unvollkctmmen, aber er wiederholte seine Bitte sogleich in gebrochenem Englisch Ob ich nicht in den Garten eintreten und seine Blumen an-
-in ber Rinde des Bäumchens war ein Herz eingeschnitten und Buch- staben, G. v. V. utib darunter F. K., winzig klein alles, kaum wahrnehmbar, und dennoch dieselben Zeichen, die er tagszuvor in großen Zügen in die Rinde des stolzen Mangobaumes gegraben hatte!
Sie staunen über bas Mangobaumwunder, Doktor sagte der Riese, der bes Barons Kleider trug, und tupfte mit einem blutigen Taschentuch (einen Racken. „Ja, Ulam Singh hat sein letztes Experiment beendet.
Greil!" schrie Dr. Kircheisen auf und blickte sich um. Die Sonnenstrahlen fielen durch die schrägen Fenster und blendeten ihn. Nirgend» '^Wr’aJFeinen? der grünen Gartenstühle erhob sich jetzt ein sonder- bares Geschöpf: Ein kleines Mäderl, zart und schmächtig, doch beladen und belastet mit einem unförmigen, blaßblauen Kleid, einem wahren Ungetüm von Kleid, das das Kind mit beiden Händen raffen und in die Höhe heben mußte, um einen Schritt tun ju tonnen, und das den- norti als riesige Schleppe hinter ihr her floß. In viel zu großen Schuhen schwimmend, mit Aermeln, die leer bis aus die Erde herabhingen, so tam das seltsame Wesen auf Dr. Kircheisen zugetrippelt.
„Greil!" rief der Arzt noch immer suchend, mit einem jammervollen - St3benr Ta' koch^Hier bin ich!" zwitscherte da» Kind, stolperte über sein Kleid verfing sich in seinen Aermeln, erhob sich wi^er und stand endliäi neben dem Arzt. Ein schmales, blasses Kindergesicht, das er nie junor gejeVen hatte, blickte aus ihren, aus Greils großen, blauen Augen
fpin lief über Dr. Kircheisens Rücken. Er tastete nach einer
Stuhllehne. Der Orchideensaal mit seinen Stühlen, Tischen Topsblumen und Gartengeräten drehte sich in einem wilden Tanz um ihn.
Grell'" erklang die Stimme des breitschultrigen Menschen. „Lauf hinauf, mein Liebling, zieh dich rasch um und geh bann mit Mama im Garten spazieren. Sag ihr, baß ich halb nachkomme. Nun, tor! Erkennen Sie mich noch immer nicht? ..
Mechanisch roanbte sich Dr. Kircheisen um. Der Riese, ber bi« Kleider des Barons trug, stand noch immer hinter ihm und hatte, das erkannte l Dr Kircheisen erst jetzt, des Barons Kopf auf seinen machiigni Schul- lern- Die kühne, gebogene Nase, di« buschigen Brauen, das dichte Haar — nur die tausend Falten und Runzeln waren verschwunden, ein straf ses, sonnengebräuntes Männerantlitz blickte den Arzt an.
Setzen Sie sich, Doktor", klang es an Dr Kirche,sens Ohr. „Es 'st i<b Jbnen alles erzähle ... Sie haben -mich gestern nach meinem Alter gefragt. Ich konnte Ihnen keine Antwort daraus geben: Nun Doktor jetzt will ich's Ihnen sagen: Ich bin achtunddreihlg -bahre A Und meine kleine Greil, die ist wirklich heute wiedergekommen ...
verstehe nicht, Gnädigste", sagte Dr. Kircheisen befremdet, „warum Sie fortgesetzt an dem Emst meiner Mitteilung zu zweiseln betiebem ?enn> mtcf) ;n Ihnen schon selbst nicht mehr aus. Wenn das"Ihr Ernst ist, dann sind Sie Übergeschnappt."
„Uebergeschnappt?" ries der Arzt bestürzt.
Ja Komplett verrückt. Es tut mir leib, aber wenn das Ihr Ernst war, dann gibt's keinen andern Ausdruck."
,'Ader wir lieben uns! Ich vergöttere die Baronesse und auch sie hat mir ihre Neigung gestanden." — .
, Neigung gestanden! Was reden Sie bat Als ob der Spatz ... Sie ist doch noch ein Kind!" rief die Schauspielerin. „
, Mer gerade das ist es ja, was mich so zu ihr hinzieht.
Und das sagen Sie mir so ins Gesicht, ohne dabei rot zu werben? Schämen Sie sich! Man muß sich ja fürchten, mit Ihnen allein zu bleiben, Sie Wüstling!"
„Ader Gnädigste ..." stammelte ber Arzt.
.Ihre Schuld, wenn Sie Grobheiten bekommen haben. Man hcht einen Witz nicht zu Tode, merken Sie sich das. Auch beim Theater nicht, er wird sonst langweilig." Sie gähnte, laut und provokant. „Bas rft Felix, nicht wahr?"
Die Türe hatte sich geöffnet. Aber nicht der Baron war es, der eintrat, sondern der alte Philipp.
Herr Doktor möchten rasch herunterkommen. Herr Doktor werden gebraucht, ich glaube, der Gärtner will sterben", flüsterte er dem Arzt zu.
„Gnädigste entschuldigen mich. Man benötigt meine Hilfe, sagte der ^^JstZchmi"g>it. Gehens nur", verabschiedete ihn die Melitta Ziegler in.gna^^i fo[gte bem alten Diener ins Treibhaus. Er war be- stürzt und verzweifelt. Mit solcher Mühe hatte er die Abneigung des Barons gegen diese Verbindung beseitigt, und nun kam ein neuer Widerstand von einer Seite, von der er ihn nicht erwartet hatte. Ader es gab kein Zurück, es durfte keines geben! Auch dieser Widerstand mußte gebrochen werden. Grell mußte fort mit ihm aus diesem Haus, wo in jedem Winkel eine Tollheit oder ein Geheimnis lauerte, wo jedes Ding auf dem Kopf stand. .
Wahrhaftig. Alles stand auf dem Kopf in diesem Haus: In der Kammer Ulam Singhs erwartete den Arzt ein großer, breitschultriger Mensch, der sonderbarerweise in den Kleidern des Barons steckte. Sie kommen zu späte, Doktor!" sagte er vertraulich und drückte ein Taschen- tuch an seinen Hals. „Er ist schon tot. Ich hab' ihn gleich hinaustragen lassen."
„Wo ist Grell?" tief der Arzt. „Wo ist meine Brant?
„Jbre Braut? Gehen Sie nur hinein, sie erwartet Sie", sagte der
Wieder wohlauf! Doktor, das haben wir Ahnen zu danken!" ries
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schwunden. Ein dünnes Stämmchen, desser kümmerliche grüne Blattknospen trugen, ft blufft trat Dr. Kircheisen an das Bäumch Augenblick fuhr er entsetzt und verstört zurück.
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® »w.»r .... „ h„.e mld, "Zu Ihrer allernächsten Verwandtschaft. Gnädigste, ich habe mich
^d^Melitta Ziegler stand auf und blickte den Arzt an.
„Warten Sie, Doktor", sagte sie. ,,Mir ist das alles cirh hab zwei Kusinen, die Litt und die Gerti, aber die „-i; ., verheirate! Ledig ist in meiner Familie nur noch die Tante Rest, die bas einige Rheuma hat, ... Doktor, Sie werden doch nicht die Resitant
S°i?glrade auf das Nächstliegende nicht verfallen! Die Daro- nefs'e und ich, wir haben uns verlobt "
Die Baronesse? Welche Baronesse? „
"Nun die Tochtre des Hauses natürlich. Die Grell.
Die Schauspielerin ließ sich mit enttäuschter Miene wieder in ihren Schaukelstuhl zurücksatten. „Da bin ich Ihnen schon hineingefallen, Do - tor Nun ja. Sie haben den Spaß aber auch mit einem so ernsten Gesicht gebracht ... jeder wär' Jhgen hineingefatten aus den Witz.
Auf welchen Witz?" fragte Dr. Kircheisen erjtaunt.
"Nun, auf Ihre Verlobung mit dem Spatzen. „ „ f„ ' "Aber ich versichere Ihnen, Gnädigste, es ist mein voller Emst.
"Sie sind ein geborener Schauspieler, Nicht einmal die Mundwinkel suden Ihnen Ich muh immer gleich lachen, wenn ich mir aus jemanben einen Narren mach'. Ich werd' meinen Direktor auf Sie aufmerksam machen, der ist eh das ganze Jahr in der Provinz hinter neuen Talenten


