es überall in sandigem Gelände zur Bildung von Glockenbergen und klingenden Dünen kommt, wo der Sand sehr rein und grobkörnig ist, aus ziemlich gleichmäßigen Quarzkörnern von 1,5 bis 3,0 Millimeter be­steht und gewisse meteorologische Verhältnisse vorliegen.

Neben musikalischem Sand gibt es in Asrlka auch klingende Bäume, welche in Nubien und Senaar ganze Wälder bilden. Es handelt sich dabei um eine Akazienart (Acacia fistula), den Haushöhe erreichenden dornigen Schosar- oder Flötenbaum. Zum Flöten bringt den Baum ein Insekt, welches seine Eier an die Basis der Stacheln oder Dornen unter die Rinde legt. Hierdurch entsteht eine zwiebelförmige Anschwellung der Rinde mit einem darunter befindlichen kleinen Hohl­raum. Beim Ausschlüpfen bohrt das Insekt eine kleine kreisrunde Oefs- nung durch die Rinde, und wenn dann der Wind in sie hineinbläst, hört man einen deutlichen Flötenton. Das Zusammenwirken all dieser sonder­baren Naturslöten in einem Schosarwalde soll oft sehr melodisch klingen und einen unvergeßlichen Eindruck Hervorrufen.

Der Kriegszug auf dem Amazonenstrom.

Bilder aus einem unheimlichen Kampfgebiet.

Von E o. Ungern-Sternberg.

Um das Gebiet von Leticia am Oberlauf des Amazonenstromes ist zwischen Peru und Kolumbien ein bewaffneter Konflikt ausgebrochen, in den sich vielleicht auch Ecuador und Brasilien einmischen werden. Für den europäischen Beobachter ist die völkerzwingende Notwendigkeit dieses Krieges schwer zu begreifen, noch schwerer als der blutige Wassengang zwischen Paraguan und Bolivien im Urwald des Gran-Chaco, aber schließlich ist die Psychologie der spanisch-indianischen Völker Südamerikas eine andere, ihre Leidenschaften sind leicht erregt, und wenn sie sich nicht in den gewohnten Revolutionen Luft machen können, so ziehen sie, wie es scheint, gegeneinander ins Feld.

Nun dämpft aber den Kriegseifer der Umstand, daß das Kriegsführen für beide Teile eine überaus beschwerliche und umständliche Angelegenheit ist. Zwischen Peru und Kolumbien liegt als breite Enclave Ecuador. Wenn man einen Atlas zur Hand nimmt, so wird man sehen, daß beide Staaten nur im Leticiadistrikt sich berühren und dort, irgendwo im Ur­walde auch mit Brasilien und Ecuador zusammenstotzen. Man kann sich kaum ein unzugänglicheres Gelände vorstellen. Im Westen türmen sich wildzerklüstete Gebirge über 6000 Meter hoch auf, mit ewigem Schnee bedeckt, über denen Adler und Kondor schweben, und auf deren Oralen Lamas weiden. Nach Kolumbien sind die Berge unpassierbar, nach Peru führt eine schwindelnde Paßstraße in 5100 Meter Höhe über Tarma. Den vorwitzigen Reisenden überfällt unvermeidlich die Bergkrankheit. Das Blut fließt ihm aus der Nase und aus den Ohren, Schwindel ergreift ihn an den Abhängen, und wenn er keinen Sauerstoffapparat mit sich führt, läuft er Gefahr, auf dem Felsen liegen zu bleiben und im eisigen Frostwind zu erstarren.

Dem Geographiebuch gemäß zerfallen die Staaten an der Westküste Südamerikas, Peru, Ecuador und Kolumbien in drei Teile: in den tro­pischen Küstenstrich, ins Hochgebirge der Kordilleren und wiederum in den tropischen Urwald im Osten. Ein Kenner des Landes macht eine anschaulichere Einteilung. Er meint, am Küstenstrich würde man geneppt und von Moskitos geplagt, im Gebirge erkranke man an der Puna (Berg­krankheit) und friere in phantastischen Felseneinöden, jenseits der Kordil­leren aber würde man gefressen. Der Leticia-Bezirk nun liegt in jenem dritten Teil, in dem der Eindringling, wenn er in die Hände der Ein­geborenen fällt, alle Aussicht hat, sachverständig am Lagerfeuer gebraten und als Kannibalenfchmaus verzehrt zu werden. Die Ehibaro-Jndianer, die federgefchmückt mit ihren Giftpfeilen durch den dortigen Urwald strei­fen, sind bekannt durch ihreKunst", abgeschnittene Mädchenköpfe und Skalpe präparieren, so daß sie wohl einschrumpfen, aber ein durchaus frisches Aussehen behalten. Diese Köpfchen werdenZanzas" genannt, und mit ihnen wird ein geheimer Handel getrieben. Andenken sammelnde Nordamerikaner zahlen in Quito und Bogota 70 bis 120 Dollar, je nach Qualität für diese grausame Reliquie der Ehibaro-Jndianer. Die wilden Kavaliere der Urwaldindianer dürfen erst heiraten, wenn sie dem Kaziken bereits einen abgefdjnittenen Mädchenkopf vorweifen können. Sie tragen ihn als Andenken am Gürtel. Dem Frauenüberschuß wird durch dieses drastische Mittel vorgebeugt. Auch die Eayapostämme sind Kannibalen, sie haben kürzlich die kleine Gummisiedlung Eonceirao am Oberen Ama­zonenstrom überfallen, die Erwachsenen am Marterpsahl gebraten und die Kinder in den Wald entführt. Im übrigen ist der Urwald im Leticia- Gebiet ein Paradies für die gefährlichen Anacondas, für Springschlangen und für giftige Insekten.

In den wenigen Siedlungen des Distrikts hätten nun Peruaner, Ko­lumbier, Brasilianer und Ecuadorianer Raum genug gehabt, in Frieden zu leben und unter den wilden Stämmen Sitte und Kultur zu verbreiten: aber das ist nicht der Fall. Peruaner und Ecuadorianer, die räumlich Nachbarn, aber durch die Kordilleren«unerreichbar getrennt sind, zanken sich schon lange um das Seticiagebiet, sie begnügen sich aber vorläufig mit diplomatischen Protesten, und damit, daß sie auf ihren staatlichen Karten das strittige Gebiet mit den Farben ihrer Länder übermalen. Mit Kolum­bien hatte Peru nach längeren Verhandlungen ein neues Grenzabkommen geschlossen, demgemäß einige Landstriche an Kolumbien fielen. Dies Ab­kommen empörte die peruanischen Patrioten in Puerto Arturo, sie zogen auf eigene Hand unter Führung eines Generals gegen die columbianifche Stadt Tarapaca, vertrieben die kleine Garnison und begannen somit einen Krieg. In Lima und in Bogota entstand eine wilde Erregung, Ver­mittlungsaktionen schlugen fehl, und so werden denn jetzt in der Wildnis des Amazonenstromes Kriegsfanfaren geblafen.

Kolumbien ist der drittgrößte der füdamerikanifchen Staaten mit Küstenstrichen am Stillen und am Atlantischen Ozean. Es kann seine Soldaten nicht im Schatten des Ehimborasio lassen, und mit dem Krieg wäre es vielleicht niemals Ernst geworden, wenn die Regierung nicht aus den Gedanken verfallen wäre, in Europa einige Transportschiffe und Kanonenboote zu kaufen, auf ihnen Soldaten und Artillerie zu verladen

und sie auf einem Umweg van Tausenden von Kilometer über die Mün­dung des Amazonas bei Para nach dem Kriegsschauplatz zu senden. Dort den Amazonenstrom hinaus dampsen nun die kolumbianischen Kriegs­schiffe und bringen Brasilien in arge Verlegenheit, da es nicht gerne in diesen Konflikt verwickelt werden möchte. Der Amazonenstrom ist zwar laut Verträgen neutral, aber da er auf mehr als neun Zehntel durch brasilianisches Gebiet fließt und die Entfernung nach Leticia mehr als 4000 Kilometer von der Mündung beträgt, so können die columbianifdjen Kriegsboote die Strecke nicht ohne an den Ufern anzulegen bewältigen. So hat denn auch Brasilien unter dem Beseht des General Moura einige Bataillone mobilisiert, und sie, um die Neutralität zu wahren, an den Oberlauf des Amazonenstromes entsandt. Dort aber wurde ein brasilia­nisches Flachboot mit Truppen vom peruanischen KanonenbootFloriano" versenkt: kurz, der Konslikt droht sich auszudehnen.

Von Para bis Manaos, dem brasilianischen Gummizentrum im tropi­schen Urwalde, beträgt die Entfernung etwa 1500 Kilometer. Bis dorthin wird der Amazonenstrom auch von Passagierdampfern befahren. Schon in Manaos führen die Straßenbahnen und Autos direkt in wilde Dschungels des Urwaldes. Sobald die elektrischen Lichter der Stadt er­löschen, melden sich die wilden Tiere des Urwaldes, und Indianer schlei­chen um die letzten Umzäunungen. Hinter Manaos hört die Welt der Zi­vilisation auf. Wohl gibt es flußaufwärts noch einige Niederlassungen und Militärposten, aber sie sind in der Tropenwildnis isoliert, und auf end­losen Strecken liegen rechts und links von ihnen Gebiete, die auf dem Atlas als weiße Flecken bezeichnet werden mühten. Dorthin wird nun der Kriegslärm getragen. Fieber herrschen, an den Ufern lauern zu Tausenden Krokodile, an den Lianen tummeln sich Affenherden und dienen als Beute für die Riesenschlangen, die an den Aesten der Bäume hängen. Ab und zu stößt man auf wilde Indianer, die die Boote mit ihren Pfeilen beschießen. Untiefen und treibende Bauminseln erschweren die Strom- fahrt. Die Eolumbianer haben es nicht letot, auf ihren Kanonenbooten bis zum Kriegsschauplatz zu gelangen. Wochen werden vergehen, ehe sie ihr Ziel erreichen. Offiziere und Soldaten aber werden Proben einer eisernen Disziplin abgegeben haben, wenn sie die weite Stromfahrt mit allen ihren Beschwerden glücklich überstanden haben. Vielleicht wird ihr Kriegseifer bis dahin ein wenig abgekühlt sein, und anstatt sich mit den Peruanern in einen blutigen Kampf wegen des Leticiadistriktes einzu­lassen, werden sich möglicherweise beide Teile zuerst von den ungeheuren Strapazen des Aufmarsches erholen wollen und sich versöhnen. Bei der Geistesverfassung der beiden Völker bleibt diese Lösung der Vernunft leider unwahrscheinlich.

Das Mangobaumwunver.

Roman von Leo Perutz und Paul Frank.

Nachdruck verboten. Copyright by Albert Langen, München.

(Fortletzung.i

Dieses junge Mädchen ... dachte Dr. Kircheisen und ging ruhelos im Zimmer auf und ab... Um ihretwillen bin ich dem Zufall dankbar, der mich in das Haus des Barons geführt hat. Wer das gedacht hätte I Ich hab' mir doch die ganzen Jahre hindurch nichts aus Frauen gemacht. Hab' mich nicht um sie gekümmert, hab' mich immer nur mit meinen Büchern beschäftigt und mit meiner Arbeit. Nie hab' ich es bedauert, daß ich solch ein Eremitendasein führe. Ich habe immer so eine Art innere» Uebergeugung gehabt, daß nicht an mir, sondern an den Frauen di« Schuld gelegen ist. Oh ... ich hab' mir vielleicht nicht die nötige Müh« gegeben, aber es war eben keine diese Mühe wert. Und mit einem Mal» ist eine da, die genau so ist, wie ich sie immer gern gewollt hab'. Diese eine Frau, von der ich eigentlich mein ganzes Leben hindurck, geträumt hab', die sehe ich jetzt wahrhaftig vor mir! Sie ist kein Spiel meiner Phan­tasie, nein! Sie hat Fleisch und Blut und lebt auch nicht in einem (rem- ben Erbteil in meiner nächsten Nähe finb ich sie, in berfelben Stabt, täglich, wenn ich will, in fünfundzwanzig Minuten für mich erreichbar! Welcher Zufall, baß ich sie niemals vorher gesehen hab'. Wer weiß, wie oft wir beibe um biefelbe Stunbe über benGraben" gegangen, vor bemfelben Schaufenster stehen geblieben sind ober wie oft wir am gleichen Vormittag in der Kriau gefrühstückt haben. Und ich Pechvogel bin sicher immer fünf Minuten zu früh dort gewesen, ober fünf Minuten zu spät.

Daß sie schön ist, bas allein ist es ja nicht, was mich so vernarrt in sie gemacht hat. Nein: biefer rounberbare Seelenzustanb, ben ich bisher noch bei keiner Frau getroffen hab'. Wie sie burch ben Garten hinter bem Reifen her gesprungen ist ... ganz Spitzbub, ganz Wilbsang, ganz Toll­kopf! Aber bann, auf ber Terrasse, ba war sie roieber bie große Same, ... jebe ihrer Bewegungen voll Hoheit unb Stolz. Wie anmutig sie boch bas Köpfchen senkte, als ihr Vater mich ihr vorstellte. Die Dame von Welt ... unb im nächsten Augenblick kniete sie schon roieber auf ber Erbe unb zerschlug ihre Sparbüchse so reizenb erregt unb so neugierig erhitzt. Welch ein Wunder, dieses Mädchen, bas trotz aller Erziehung, trotz allen Erlebnissen, trotz allen Wanblungen ihres Körpers bie fuße Kinbhaftigkeit ihrer Seele nicht verloren hat.

... Ich habe mit meinen Freunben oft gestritten. Ich hab' immer gesagt: die Frau, der meine Neigung gehören sollte, die müßte beides sein: Kind und Weib. Aber sie haben mich immer ausgelacht.Das ist unvereinbar", haben sie gesagt.Das ist ein Nacheinander, Kind und Weib, das gibt es nicht gleichzeitig."

Unb nun hab' ich boch ein Wesen gefunben, bas Kinb unb Weid zu­gleich ist. Unter Hunberttausenben vielleicht bie einzige, unb gerabe mir ist sie begegnet. Ein Wunber, ein Märchen, so unglaubhaft, bah ich bei­nahe fürchte, es könnte mir zwischen ben Fingern in nichts zerrinnen. Aber ich will es schon sesthalten!

Dr. Kircheisen glättete mit einigen kräftigen Strichen bie Krawatte unb zerrte energisch bie Weste nach unten. Seine Toilette war beenbet.

... Allerbings: Vorsichtig heißt's fein, ... überlegte er, währenb er in sein Arbeitszimmer ging ... Vor allem gilt es zu erforschen, wer eigentlich | bie beiben finb: der alte Mann und das junge Mädchen, die sich Baron