mit hocherhobenen Armen wie

Naiurklänge.

Musik aus den Lüsten, den Meerestiesen und dem Wüstensand.

Von Dr. Emil Carthaus.

Zu welch großartigem und vielseitigem Klangzauber die atmosphärische Lust sich herleiht in der Hand des Menschen, das zeigen uns die neuen elektrischen Musikinstrumente, wie der Neo-Bechstein-, der Vierlingslugel, das Sphärophon, Trautonium, Herlertion und andere. Viel tiefer aber ergreifen einige teilweise heute noch wissenschaftlich nicht völlig auf­geklärte Klänge und Schallphänomene des Menschen Herz und Gemüt, durch welche die Natur die unübertreffliche Meisterin in verschie­denen Winkeln der Welt den Menschengeist bis in unsere Zeit hinein so in Verwunderung zu setzen vermochte, daß er zu ihrer Erklärung die so gern in das Reich des Ueberirdischen hineingreifende Sage zu Hilfe ge-

bern bestätigt zu haben. Cs gab auch für sie feine andere Erklärung des 8° CobÄroierte den Lieblings-Cocktail des alten Tomson. Dann setzte er lick, wie gewöhnlich in eine entfernte Ecke des Zimmers und legte Patiencen. So war es beim Vater gewesen, so hatten es die Bruder 0elfc Coy sprach deshalb unwillkürlich flüsternd. Aber alle seine Er­zählungen waren merkwürdig substanzlos. Er merkte es auch bald, daß er auAie Brüder keinen großen Eindruck machte, packte die Akten zu­sammen und erhob sich. An der Tür blieb er noch einen Augenblick stehen und besah sich liebevoll das Grammophon des alten Tomson

Schön hat der Feuerstein neulich gespielt , wemter er.Wer hat es benr. auf der Platte des alten Mr. Tomson gegeigt, Cobber ?

Der hob den Kopf:

Frih Kreisler, Herr Kommissar. , .. ... ,, .

Dh Kreisler" staunte er,wenn ich das einmal vergleichen durfte! "Aber bitte sehr", beeilten sich die Brüder Tomson 3U3ufhmmen.

Und (Jobber fügte hinzu: Oberste Reihe, ganz links die Erste. Platte Apollo Nr. 3000. Ich weih die Markennummer natürlich auswendig. Darf ld) ^Danke, danke, es geht schon", kam ihm Mac Coyzuvorundgrisf nach oben in den hohen, dichtgefüllten Plattenschrank. Dann hielt er die runde, schwarze Scheibe in der Hand. Er reichte sie Cobber.

Aber auflegen müssen Sie sie. Ich gehe nicht gern an fremde Appa- ra*e<Iobber stellte den elektrischen Anlasser ein. Lautlos setzte sich die Platte in Bewegung. Dann fuhr die Nadel in die erste Rille... .

Und statt des sansten Geigenstrichs von Kreisler ertönte ein wildes, markerschütterndes Schreien. Es heulte in schrillen Schreckensrufen von

nominen hat.

So lebt, umhüllt vom Schleier der Sage, in geheimnisvollen Klangen auf deutschem Boden noch V i n e t a im Volke fort, die ins Meer ver­sunkene reiche Handelsstadt, deren brausendes Derkehrsleben Adam von Bremen, ein Chronist des 1l. Jahrhunderts, so anschaulich schildert. Einige verlegen die alte Wunderstadt auf die Oftseeinsel Usedom, andere wohl mit mehr Recht an die Mündung der Oder, wo eine große Handels­stadt unter dem Namen Jumne (Jumneta) bestand. Uebereinftünmenb spricht der Volksmund von wunderbaren Kirchenglocken, welche zum Teil vom Boden der See aus, teils wie unsichtbar in der Luft schwebend an gewissen Tagen an der Stelle des versunkenen Vineta gehört werden. Glockenklänge will das Volk auch zu Zeiten auf dem an der Nordfeeküste gelegenen lieblichen Eiland Oldenoog an der Stelle einer vom Meere verschlungenen alten, volkreichen Handelsmetropole, sowie an der dem gleichen Schicksal verfallenen, einst so blühenden Stadt L a b o l k hören. Diese Töne sind von zu vielen durchaus glaubwürdigen Personen wirklich gehört worden, als daß sie ohne weiteres in das Reich der Phantasie zu verweisen wären. Sie lassen sich vielleicht ähnlich wie die der noch zu besprechenden Glockenberge erklären.

Was willst du denn, (Jobber? Bist du wahnsinnig geworden? Laß das" doch! Um Gotteswillen du reißt mir ja die Jacke herunter HUse Hilfe (Jobber! Die Tür die Tür laß die Tur zu hier haft du das Geld hier hier, 3)11 "

Dann starb die Stimme plötzlich. Der Apparat knackte, stand.

Die Brüder Tomson starrten sich entsetzt an, starrten auf (Jobber, der mit hocherhobenen Armen wie ein Wahnsinniger von dem Apparat zuruck- aetaumelt war, jetzt einen erstickten Laut der furchtbarsten Angst ausstieß und zur Tür hinaus stürzte. Man hörte ihn die Treppe hmaufiagen. Mac Coy war in langen Sätzen ihm nachgesprungen. Aber Cobber erreichte lein Zimmer im zweiten Stock doch vor dem Kommissar und riegelte ab, bevor dieser die Klinke ergreifen konnte. Kurz darauf fielen brtnnen zwei Schüße. Mac Gon hörte einen Körper butnpf zu Boben krachen. Er ging in Die Halle zu ben völlig verstörten Brübern Tomson zuruck:

Er hat sich erschossen. Entschulbigen Sie bitte, daß ich Sie in eine so große Ausregung stürzen mußte. Aber ich wollte Sie als Zeugen des Cobberschen Geständnisses haben. Die Platte da auf dem Apparat >st nicht , Apollo Nr. 3000", sondern eine Platte, die mir der Schauspieler Moore nach meinem Text besprochen hat. Ich habe sie durch ein Taschenspielerstuck vorhin beim Runternehmen umgetauscht. So ungesahr wird stch die Szene auf dem Flugzeug abgespielt haben. Cobber hat von der Mitnahme des Geldes gewußt. Er ist es gewesen, der Ihren Vater hinausgesturzt hat. Dann hat er schwere Gewissensbisse bekommen und sich noch wahrend des Fluges des Geldes wieder entledigt. Aber er hat Pech gehabt. Er hat im Nebel nicht gesehen, daß das Flugzeug schon über der Küste war. Gestern hat man mir von Calais den Fund der Brieftasche signalisiert.

Die Brüder Tomson fragten erschüttert wie aus einem Mund: Aber der Cobber dreißig Jahre lang?"

Mac Coy lächelte resigniert:Wer kennt den Menschen neben sich? (Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen von Manfred Georg.)

Sehr ausfallend müssen die wie Gesang klingenden Töne gewesen sein, welche man bis ins 4. Jahrhundert n. Ehr. an der Memnon -Säule bei Theben kurz nach Aufgang und vor Untergang der Sonne vernahm. Sie wurden als etwas so Wunderbares angesehen, daß Griechen und Römer, nur um sie zu hören, nach Aegypten gereift fein I°llen und der Säule göttliche Verehrung zuteil wurde. Der Sage nach «ar Memnon ein König der Aethiopier und dem Schoße der Aurora, der Göttin der Morgenröte, entsprossen. Das süße Singen, welches vornehmlich nach Aufgang der Sonne von der Säule ausging, wurde deshalb als ein Morgengruß des fürstlichen Aethiopiers an eine Mutter gedeutet In Wirklichkeit wurden die seltsamen Tone erst seit dem Jahre 27 v. Chr. vernommen, als die Memnonsäule durch ein Erdbeben tiefreichende Riße bekommen hatte. Da die Töne besonders zur Zeit des Sonnenaufganges oder Sonnenunterganges zu hören waren, durften sie wohl aus Schall wellen erregende Luftstöße zurückzufuhren sein, welche infolge der ver­schiedenen Erwärmung der Lust in dem Steinkoloß selbst und an seiner von den heißen Sonnenstrahlen getroffenen Außenfeite entstanden. Man hat zur Erklärung dieses, so viel Aufsehen erregenden Schallphanomens auch moM auf das Gehäuse großer Meeresschnecken hingewiesen. Legt man nämlich die Mündung derselben an das Ohr, so vernimmt man ein eigentümliches Klingen und Brausen.

Am Ausgang des Roten Meeres zum Indischen Ozean hin befindet sich die auf der asiatischen bzw. arabischen Seite ebensowohl wie aus der afrikanischen in steil aufragende hohe Gebirgsmassive eingeschloßene, an Klippen reiche und für Segelschiffe gefährliche Straße B°b e> Mandeb, was in der Sprache der Araber soviel wie Tor der Seufzer oder des Wehklagens heißt. Seefahrern und Reifenden, welche der Weg haufiger durch diese Meerenge führt, erklärt sich diese Bezeichnung leicht durch das lebhafte Spiel, welche dis zum Sturm ansteigende und zuwellen heulende^ oder winselnde Töne hervorrufende Winde so oft in ihr treiben. Aehnlich verhält es sich mit einem von Dichtung und Gage umwobenen kleinen Hügel in der Nähe der aus hohem Felsen in marchenha ter Schön­heit prangenden Alhambra von Granada. Mit dem NamenE 1 ul 11 m o sos Piro del Moro", d. i. der letzte Seufzer des Mauren, hat der spanisthe Volksmund eine Stelle an diesem Hügel belegt, von d" aus der Beherrscher des letzten maurischen Reiches in Spanien Boabdll. mit seinen Blicken für immer Abschied nahm von seiner prächtigen Residenz, als ihn König Ferdinand der Katholische 1492 aus Spanien »er rieb. Immer klingt, der Sage nach, in den Lüften der tiefe, laute Seufzer noch wieder, den der Maurenfürst dabei ausstieß. Und in der Tat ver­nimmt man dort noch heute zuweilen vorübergehend ein wie mensch- zu unserer germanischen Urväter Zeiten viel von sich reden gemacht, welches alter Volksglaube mit der bekannten Sage non. herro i Iben 3 a ab" ober bemwütenden Heer" verbindet, worin Gott Wotan unter dem' Namen Hackelberg in einigen Nächten des Fruhiahrs und Herbstes sowie in ben 12 heiligen Nächten um Weihnachten herum durch bie Eufte dabinzieht Das dieser Sage zugrundeliegende laute und beängstigende Geräusch wird, wie sich der Physiker B e nze n b e r g treffend - wenn mtrh nicht (Irena wissenschaftlich ausdruckt, durch eine isolierte llokal (ehr besthränkte) Windmasse oder Luftströmung hervorgerufen, welche durch ihr hohl klingendes, oft auch klapperndes Getose von gewöhnlichem Winde durchaus verschieden ist. Durch das Ungewöhnliche des Geräusches erwachen die Eulen und Rabenvögel des Waldes. Erschreckt laßen sie ihre Stimme erschallen und bilden so nach der Volksmeinung die Be­gleiter Wotans auf feiner gespenstischen Fahrt durch die Lust. Namentlich in Westfalen behaupten Forstleute, Kohler und Holzfäller, dieses eigen­tümliche Geräusch, das Hunden und Pferden Furcht einslohen soll, wieder­holt gehört zu haben; dort hat sich auch die Sage von derwilden Jagd

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oraanische Welt hervorgerufenen Töne und Klänge ganz außer acht ge­laßen ließen sich auch noch viele andere Stellen aus dem weiten (£ri>en= runbnennen, an benen zeitweise wunderliche Naturklänge vernommen werden. Es gilt das namentlich von Gebirgsgegenden, wie denen der Bnrenäen Abruzzen, Schweizer Alpen und einiger deutschen Berglander. fXTien aber nur noch einige seltsame Naturklänge besprochen, welche durch aufwirbelnden Sand namentlich an Berghangen und in Hugel- lanbfchaften der Wüste hervorgerufen werden und beren Entstehungs welle uns auch eine physikalische Erklärung ber .m Bereiche bes aus- getrockneten Dünensanbes ber Nord- und Ostsee bei dem sagenhaften Vineta und Labolk zuweilen vernommenen Glockentone an die Hand aphen dürfte. Schon ber berühmte italienische Forschungsreisenbe bes 13 Jahrhunberts Marco Polo berichtet umstänblich über Neckereien böser Geister, welche am Rande ber Wüste Gobi bei ber chinesischen Stabt ü d b die Lust mit ben Klängen zauberhafter Musik unb bem tarm von Trommeln ober Wasfengeklirr ersüllen. Wie griechische, arabische unb tootifdie Inschriften bekunden, bildet ein hoher Sandsteinkegel bei ber Ortschaft Thor seit Jahrhunberten einen besonberen Anziehungspunkt für die Besucher der Sinai-Halbinsel, die dorthin reiten, um die wunder­baren Gong-Tone zu hören, welche der Sage nach von einem verzoll- Herten unterirdischen Kloster ausgehen. Dschebel Nagus, b. i. (9 o n g = ober Glockenerg, nennt bie Volkssprache biesen ®

haben sich fchon vor mehr als 100 Jahren der beutsche Naturforscher Sechen und der berühmte Jnsusorienforscher E h r e n b e r g um tue Erklärung des wundersamen Getönes bemüht. Sitzen erkannte 'n dem den Bergabhang unter den Tritten von Menschen herabru schenden Sand die Ursache.8 Er äußerte sich, ebenso wie Ehrenberg, dahin, baß die in gleichmäßige Bewegung gesetzte Sandschicht wie em Fledelbogen aw

i darunter besindliche Bodensläche einwirke unb so ein wuchtiges orgel- artiges Brausen Hervorrufe, unter chelchem für Augenblicke ber ganz

> Berakeael su Ottern scheine. Sehr eingehend haben sich 1889 d,e Pro Moren Bo 1 ?on und I u l i e n mit der wissenschaftlichen Untersuchung des Dschebel Nagus und eines anderen Glockenberges auf der Sinai- Halbinsel im Wadi Werdan besaßt. Sie tarnen zu dem Ergebnis, daß