und fünf Roßschweifen, die Siegesmeldung überbringend, in Wien ein. 160 Geschütze waren erobert. „ k
Im folgenden Frühjahr, an dem Tage, an dem von den Wallen der Kailerftadt die Batterien die Geburt Maria Therefias begrüßten, fuhr der Prinz wieder ins Feld. Im Sommer stand er jenseits von Donau und Save vor Belgrad. 70 000 Mann, unter denen das Feuer der Türken- fejtung, Ruhr und das Fieber der Donaufümpfe wütete, gehorchten seinem Kommando. Das war nicht mehr als allein schon die Reiterei des Großwejirs zählte, der, aus Serbien heraufziehend, mit 150 000 Mann Infanterie plötzlich im Rücken der Kaiserlichen erschien.
Die Katastrophe schien unausweichlich. Eingekeilt stand das eugenische Heer zwischen der mächtigen, aus allen Rohren feuernden Türkensestung, der Armee des Großwejirs und dem Donaustrom. Rur zwei schwache, von türkischen Donauflottillen gefährlich bedrohte Kriegsbrücken verbanden die kaiserlichen Truppen mit ihren Rückzugsstraßen.
Da befahl der Prinz Eugen den Angriff auf das Enksatzheer. Es war das der Entschluß, mit verkehrter Front, das hoch aufragende Belgrad im Rücken, die Schlacht gegen dreifache Uebermacht zu wagen.
In der Nacht auf den 16. August tastete sich das Heer, von Nebeln verschleiert, an das türkische Lager heran. Die Osmanen ahnten nichts. Aber sie waren auf der Hut, denn als Reiter unversehens auf eine türkische Feldwache stießen, war es, als steche man in ein Wespennest. Der Grohwesir, der wußte, daß Eugen immer gerade das tat, was dem Gegner am unwahrscheinlichsten schien, begriff sofort, daß der kaiserliche Feldherr den Angriff wage. In einem Augenblick war das türkische Heer unter Waffen. Stundenlang kämpfte man, ohne daß man weiter hätte sehen können als ein Lanzenstoß reichte. Als dann endlich der Morgenwind die weißen Nebel zerteilte, sah Eugen, daß feine Armee in der Mitte weit auseinanderklasfte und die osmanische Hauptmacht schon tief in seinen durchstoßenen Tressen stand. Da nützte er den Augenblick, der ebenso gefährlich wie glücklich war. Er stellte sich zum letzten Male an die Spitze seiner geliebten Reiter und erzwang, während kaiserliches, bayerisches und hessisches Fußvolk mit dem Bajonett sich in die Flanke der Türkenflut warf, durch den Sturmritt seiner hinter ihm herjagenden Schwadronen die Entscheidung. Gegen zehn Uhr morgens schon war das scharf verfolgte Osmanenheer in voller Flucht. Auch Belgrad ergab sich. Fast 1000 Kanonen konnte Eugen über die Save führen.
Als man vorn hochgebauten Belgrad Viktoria schoß über Donau und Save, da hat im Feldlager von Sernlin ein kurbrandenburgischer Wachtmeister das Lied erdacht vom Prinz Eugen.
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Es war dieser Sieg, um im Bilde des Barock zu bleiben, dessen österreichischem Teil Prinz Eugen als Feldherr, Staatsmann und Mäzen so beispiellosen Glanz verliehen, die heroische Apotheose seines Soldatentums. Als er fast 20 Jahre später wieder für ein Erbe — im polnischen Erbfolgekrieg — ein Heer an den Rhein führte, hatten ihm Alter und die fast drei Jahrzehnte, die er in den Feldlagern verbracht, die Schwingen gebrochen. Es sind keine strahlenden Siege mehr, die sich mit dem Namen des greisen Eugen verbinden. Und doch hat Friedrich der Große, der oft mit Stolz erzählte, daß ihm, als er im Lager der Kaiserlichen weilte zu Bruchsal, noch vergönnt gewesen wäre, unter dem großen Eugen den Krieck zu lernen, über das letzte Feldherrntum des Helden geurteilt, daß die Ruhe dieses Feldzuges den Prinzen nicht minder ehrte als seine früheren großen Schlachten.
Ajenn es auch nicht zum Bilde des großen Soldaten Eugen gehört, so muh man doch daran erinnern, daß er, der schließlich der erste Ratgeber Karls VI. wurde, auch ein Staatsmann von ungewöhnlicher Bedeutung und Größe war. lieber Oesterreich und Habsburg hinweg, dem doch jeder Schlag seines Herzens zugehörte, wollte er Deutschland einen. Darum riet er in seiner großen Staatsschrift zur Heirat zwischen der jungen Maria Theresia und dem Kurprinzen von Bayern, dem künftigen römisch-deutschen Kaiser. Wohl wäre damit das Haus Oesterreich wittelsbachischen Stammes geworden. Aber sein klarer Geist erkannte, daß durch diese auch territoriale Vereinigung Bayerns und Oesterreichs die Dtacht des deutschen Kaisers so übermächtig im Reiche geworden wäre, daß die deutsche Einigung zwangsläufig von selbst hätte erfolgen müssen. Es nimmt dem Leben Eugens nichts von seinem Ruhm, daß Karl VI. nach langen inneren Kämpfen sich diesem großen Rat versagte.
Als des deutschen Volkes Held, als Reiter des Reichs, als der Begründer und Mehrer der österreichischen Großmacht, welche die eugenischen Waffen fast auf das Dreifache vergrößert hatten, ist Prinz Eugen durch die letzten Tage seines Lebens geschritten. Ursache seiner wahren Volkstümlichkeit war aber nicht nur der Lorbeer, der ihn krönte. Was das Volk an ihm so liebte, war die echte Güte und Milde, die Schlichtheit, die er sich inmitten seines wahrhaft fürstlichen Glanzes bewahrte. Auch ehrte das Volk feine in jener Zeit an einem Staatsmann oder Feldherrn noch keineswegs selbstverständliche Redlichkeit.
Eugen war unter feinen Zeitgenossen einer der wenigen aus Armut Zu hohen Stellen Gekommenen, deren späterer Reichtum nicht aus Bestechungsgeldern, dunklen Zielen dienenden Geschenken, durch Beute oder Plünderung entstanden war. Er verdankte feinen bald fürstlichen Besitz, seine Schlösser und Herrschaften einzig und allein dem Danke jener drei Kaiser, denen er gedient. Niemals hat er von der Beute, außer Trophäen, auch nur das Geringste für sich behalten. Wie er auch immer den Krieg nach den Gesetzen der Menschlichkeit zu führen sich bemühte. Es war sein Stolz, daß im Bereiche seiner Armeen, die doch zu Beginn [einer Laufbahn noch ganz wallensteinifcher Prägung gewesen waren, auch im Feindesland der Bauer in Frieden pflügen oder ernten konnte.
2n der Nacht zum 21. April 1736 ist Prinz Eugen von Savoyen, fast 73 Jahre alt, in seinem Schlosse Belvedere plötzlich verschieden. Noch am 2(benb hatten die Wiener seine Karosse mit den Jsabellenschimmeln um- iubelt.
2er größte Feldherr des Reiches aller Deutschen war nicht mehr.
Seelotse beim Feuerschiff Weser.
Von Hans R i e b a u.
Möchten Sie Seelotse werden? Nichts einfacher als das. Sie muffen drei Jahre Seefahrtszeit nachweisen, und dann brauchen Sie nur 12 bis 15 Jahre Dienst als Matrose auf einem Lotfenschoner zu tun, im Sommer und im Winter, bei strahlendem Sonnenschein und bei Windstärke 11 mit Schneesturm. Und bann brauchen Sie, eben diese 12 bis 15 Jahre lang, die Lotsen — draußen bei Feuerschiff Weser, zwischen Rotesandleuchtturm und hinter der Insel Wangerooge — vom Schoner hinüberzurudern zu dem großen Dampfer, in einem sechs Meter langen Ruderboot übrigens, das im Winter mit einer zentimeterdicken Eisschicht überkrustet ist, und in dem Rettungsringe für Ruderer und Lotsen nicht zum Spaß liegen, sondern zum — sozusagen — täglichen Gebrauch. Und dann müssen Sie noch das Kapitänsexamen bestehen, und englisch und französisch sprechen müssen Sie natürlich auch ... ।
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Es ist also, wie man sieht, nicht leicht, Seelotse zu sein und zu werden. Neulich allerdings, als wir auf Einladung des Lotsenkommandanten des Weserbezirkes mitfuhren mit dem Motor- und Segelschoner „Prinz Adal- bert", um den draußen diensttuenden Dampfer abzulösen, schien alles sehr einfach, sehr leicht, und das Leben auf dem blitzsauberen und nicht ohne Komfort eingerichteten Schiff schien uns die beste Sommerfrische zu fein, die man sich nur wünschen kann.
„Sie bekommen einen vollkommen falschen Eindruck von unserer Arbeit", sagte der Kapitän des Schoners und blickte mißmutig in den strahlenden Sonnenschein. „So ein Wetter wie heute gibt es vierzehn Tage im Jahr, und nicht mehr."
„Um (o besser läßt sich erzählen", lachten wir. „Unsere Leser im Binnenland — können Sie sich so etwas benter? — wissen nicht mehr von ber Lotserei, als was im Lexikon steht: .Lotse, ortsfunbiger Seemann, nach dessen Anweisungen Schisse in und aus dem Hasen geführt werben'."
„Unsinn", knurrte der Kapitän, das sind ja" — und ein Zug ber Geringschätzung, so schien es uns, legte sich um seinen Munb — „bas sind ja nur die Hafenlotsen. Die Seelotsen, meine Herren, haben andere Aufgaben. Wir liegen weit draußen vor den Flußmündungen in See. Es ist noch nicht lange her, da standen uns nur kleine Segelsahrzeuge zur Verfügung, und auch dieser Schoner" — der Kapitän klopfte mit dem Pfeifenstiel an das Deckshaus — „hat erst seit vier Jahren einen Motor. Bei jedem Wetter sind wir da draußen, warten aus die Dampfer, die einen von uns gebrauchen, warten darauf, daß sie die Lotsenflagge — schwarzweißrot in weißem Feld — zeigen; bann lassen wir unser kleines offenes Ruderboot zu Wasser, und zwei Mann rudern, ber Seegang mag fein wie er will, ben Lotsen hinüber. Der Lotse übernimmt bie Führung i bes Dampfers unb steuert ihn burch bas schwierige Flußmünbungsgebiet, । bas überall von Sanb- unb Schlickbänken, von Strömungen unb anberen 1 Hindernissen durchsetzt ist, in den Fluß. Dort erst wird der Seelotse vom \ Fluhlotsen ober vom Hafenlotsen abgelöst, ber bann ben Dampfer bie
Weser hinauf unb in ben Hafen bringt."
„Ja, aber —" werfen wir ein. „Und wie kommt ber Lotse wieber auf seinen Schoner?"
„Wenn nötig, bringt ein Hilssfahrzeug bie Lotsen von Bremerhaven hinaus auf ben Schoner. In ber letzten Zeit" — ber Kapitän seufzte — „ist es leiber nicht nötig. Der Schoner ober ber Lotsendampser bleibt vierzehn Tage bis drei Wochen draußen. Sechzehn Lotsen sind an Bord. Aber meistens sind es nicht einmal sechzehn Dampfer, die während dieser Zeit einen Lotsen anfordern."
„Also nicht jeder Dampfer braucht einen Lotsen?"
„Leider nicht. UeberaU auf der Welt, auch auf der Elbe, auf der Ems usw. besteht Lotsenzwang. Nur auf der Weser steht es den Kapitänen der Dampfer frei, einen Lotsen zu nehmen oder das Schiss selbst in ben Strom zu steuern. Da bie Not ber Zeit bie Reebereien, auch bie ausländischen, zu äußerster Sparsamkeit zwingt, da außerdem das Fahrwasser der Weser — fast möchte ich sagen: leider — außerordentlich gut ist, sparen viele Dampfer das Lotsengeld und mir" — der Kapitän zuckt die Achsel — „sind die Leidtragenden."
„Wieso die Leidtragenden? Sie sind doch Beamte und stehen in festem Gehalt?"
„Aber nein, im Gegenteil. Wir sind freie Gewerbetreibende und vom Staat lediglich konzessioniert. Die Seelotfen der Wefer bilden eine Genossenschaft, die sich vollkommen selbständig verwaltet, selbst für ihren Nachwuchs sorgt, die Lotsengelder sestsetzt. eintreibt und auf die einzelnen Lotsen völlig gleichmäßig verteilt."
„Und wem gehören die Schoner, das Inventar, das Lotsenhaus?" ,
„Das alles", sagte der Kapitän nicht ohne Staig, „gehört uns. Nur der Dampfer ist vorn Reich gebaut und uns zur Verfügung gestellt. Ader den Betrieb, die Kohlen, die Besatzung — das alles bezahlen wir."
„Dann find Ihre Unkosten also sehr hoch?"
„Allerdings. Und das schlimmste: Die Unkosten halten sich — das find wir nicht nur uns, sondern auch der Schiffahrt unb ber Verkehrssicherheit schuldig — stets in ber gleichen Hohe, währenb sich bie Einnahmen seit langem in abfteigenber Linie bewegen."
„Ader bas ist boch auf bie Dauer ein unhaltbarer Zustand! Wie denken Sie sich ben weiteren Verlauf ber Dinge?"
„Im Augenblick", sagte ber Kapitän — unb man merkt, baß es nicht eine Redensart sein soll — „hoffen wir auf eine Belebung der Schifffahrt, die automatisch auch auf uns zurückwirken würde. Wir erhoffen gerade von der Reichsregierung entsprechende Maßnahmen. Sollte aber der Erfolg ausbleiben, so bliebe nur die Einführung des Lotsenzwanges auch auf der Weser übrig, und schlimmstenfalls eine Einschränkung bes Lotsendienstes überhaupt."
„Das würbe sich aber zum Schaben der Schiffahrtssreguenz und damit der deutschen Gesamtwirtschaft auswirken."
„Selbstverständlich", nickte her Kapitän, „und deshalb hoffen wir, daß wir diesen letzten Ausweg nicht zu wühlen brauchen."


