Ausgabe 
7.7.1933
 
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Freitag, den 7. Juli

Nummer 5<

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die

herrlichen Schwarzwald-Wanderung

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Oer falsche Bräutigam und die falsche Braut,

Von Börries, Freiherrn d. Münchhausen (®DS.)

Herrlich, was für Pläne in der alten Kneipe auf dem Riesenstein all­odendlich aufblühen! Die Kerzen auf den zerschnittenen Tischen flackern, M Augen leuchten, die jungen Lippen sprudeln vor Uebermut, Lebens- httde, Gesundheit, Tollheit ...

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jtM lieber gleich die Polizei ...?

g »Aber nein, auf keinen Fall!" schrie Magnus.Wo ist sie denn jetzt?" »Ja, wir wolle grab Kaffee trinke auf der Veranda, awer ich hab

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Von der Poesie des Mondes.

Von Wilhelm Busch.

Der Mond. Dies Wort so ahnungsreich, so treffend, weil es rund und weich wer wäre wohl so kalt-bedächtig, so herzlos, hart und niederträchtig, daß es ihm nicht, wenn er es liest, sanftschaudernd durch die Seele flieht!

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[([[!!Dchon am nächsten Tage telephonierte Fräulein Rebstöckel, daß rL »rl froren geglaubte Braut von einer herrlichen Schwarzwald-Wander-.

u8 ntit ihrem Bräutigam, dem Baron v. Merck, heimgekehrt sei. Ob sie nicht

doch so Angst vor dem Fräulein, wo doch der Herr Baron se vielleicht gar net kenne!"

Wozu Angst, Fräulein Rebstöckel! Aber sagen sie ihr nur ja nichts von Ihrem Telephonieren, und daß Sie Verdacht haben! In einer Viertel­stunde bin ich bei Ihnen und gucke sie mir an, einen Korpsbruder bring ich auch mit."

Begeistert über das Abenteuer warfen sich die beiden großen Jungen in die Droschke, ihr unbekümmertes Lachen füllte die Heidelberger Haupt­straße mit fröhlichem Lärm.

Die Klingel bet Fräulein Rebstöckel schrillte, von ihrem Kasfeeplatz, gegenüber einem großen, auffallend hübschen Mädchen schrak die Ver­mieterin auf und lief zur Vorplatztür. Jedes Wort von innen war auf der Veranda zu hören.

Gestatten Sie, Fräulein Rebstöckel: Schwan, Saxoborussiae, darf ich meinen Korpsbruder Baron Merck vorstellen, Magnus Merck ist Ihnen dankbar, daß Sie seiner Braut so eine vorzügliche Wirtin sind!"

Eine andere Jungmännerstimme:

Freilich, nu was denn, Fräulein Rebstöckel! Mir warn doch die Dage im Schwarzwald, meine Braut un ich. Nu, wollt ich doch gleich mal gom- men un frage: wie meiner geliebten Liselotte der Schnefter begommen is." Das große, schöne Mädchen wurde weiß wie das Tischtuch vor ihr. Einen Augenblick schien es, als ob sie daran dächte, durch den Garten zu fliehen. Ader dadurch hätte sie ja nichts gebessert an ihrer verzweifelten Lage. Ihre Habseligkeiten durste sie nicht zurücklassen ... die Polizei hätte sie schnell genug gefaßt ... der törichte falsche (und so durchsichtig falsche!) Name wäre schnell genug durch den richtigen ersetzt ... der arme alte Vater in Itzehoe, der ihr so dringend vom Studieren abgeraten hatte ... nun hatte sie sich wieder in der Gewalt und beschloß, ihre Rolle weiter zu spielen, obgleich ihr ein Grauen über den Rücken lief bei diesem plötz­lich auftauchenden Mitspieler, dessen Namen sie bloß durch Zufall er­fahren und für sich ausgenutzt hatte.

Und da betrat er auch schon, strahlend in guter Laune und Unbefangen­heit die Veranda, dick, brünett, etwas untersetzt und streckte die beiden kurzen Arme lebhaft aus.

Meine Liselotte, Herzensmädel, gomm her un laß dr eenen Guß gäm ...! Der Freiherr von Merck nahm es ernst mit seiner Rolle, das mußte ihm der Neid lassen! Vielleicht verkörperte sich dieser in seinen Korpsbruder, dem langen blonden Matthäus Schwan, Saxoborussiae, während Fräulein Rebstöckel über solche Empfindungen hinausgewachsen schien. Mit mütterlichem Wohlgefallen sah sie der Umarmung zu, holte ein paar weitere Tassen aus dem Eckschrank des Wohnzimmers und schenkte den beiden Studenten ein. Eine leise Befriedigung im Hinblick auf die ausstehende Miete war unverkennbar an ihr zu beobachten.

Liselotte Paiz mußte zur Seite rücken, neben ihr auf dem Korbsofa ließ sich breit und behäbig der glückliche Bräutigam nieder. Es schien ihm bequemer, den rechten Arm um die Schulter des Mädchens zu legen, manche, vor allem korpulente Herren sitzen gern mit hochgelegten Armen. Auch gehörte es zu feinen Gewohnheiten sich in seinen Zärtlichkeiten nicht durch die Anwesenheit anderer stören zu lassen. Das Mädchen litt ... vielleicht litt sie doppelt, wenn sie auf den blonden Korpsbruder ihres Verlobten blickte. Aber die Anwesenheit Fräulein Rebstöckels litt nicht das geringste Abweichen von der Rolle einer glücklichen Braut.

Das Gespräch war lebhaft und herzerfrischend unbefangen wenigstens soweit es die Studenten betraf. Sie tranken Kaffee,

als ob es Bierjungen wären, sie aßen Fräulein Rebstöckels Napf­kuchen, wobei der Bräutigam in heimatlicher Gewohnheit jeden Bissen tief in der Tasse oollsaugen ließ. Der Baron wußte mit prachtvoller Naturtreue immer neue und leider auch recht zärtliche Erinnerungen aufzufrischen:

Weest du nid), Liselotte, damals der Abend, als wir von der Stifts­mühle im Boot neckarabwärts trieben ...?"

Das Mädchen wurde abwechselnd blaß und tiefrot:Aber laß doch, Magnus, das kann doch deinen Korpsbruder gar nicht interessieren."

Aber gewiß, gnädiges Fräulein! Mein Freund Matthäus hat mir ja immer so von Ihnen vorgeschwärmt, nun bin ich ganz glücklich. Sie endlich kennen zu lernen und sestzustellen, was für einen vorzüg­lichen Geschmack er hat ... ja, einen vorzüglichen Geschmack ... einen ganz vorzüglichen ...!"

Fräulein Liselotte hätte gern auch ihren Geschmack gepriesen aber man kann nicht alles haben.

Der Baron hatte nach dem siebten Stück Napfkuchen den verständ­lichen Wunsch, mit seiner Braut etwas allein zu sein. Er schlug einen Spaziergang durch den Garten vor und stieß sich offenbar gar nicht daran, daß fein Korpsbruder und Fräulein Rebstöckel gar keine Lust zum ge­meinsamen Herumwandeln hatten, sondern lieber sitzen blieben. Er zog den Arm des Mädchens tatkräftig durch den seinen und trippelte neben der großen Studentin den Kiesweg hin.

Als sie außer Hörweite der anderen waren, wurde das Mädchen

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Der Jungbursch Magnus Freiherr von Merck hob den Stürmer recht errascht von der Stirne und kraulte sich mit den freien Fingern etwas nerftört in den wirren blonden Locken, als er sich im Stuhl zurücklehnte uib den Korpsdiener fragte:Fräulein Rebstöckel? Aber die kenne ich doch z r nicht! Und jetzt während der Kneipe?"

Der Diener lächelte:Vielleicht hawe der Herr Baron die Dame ein« mal angepumpt? Oder vielleicht hawe der Herr Baron das Türschild ...? Di er vielleicht mit em Spazierstock Rolläde geraffelt am Haus der Fröu- lein Rebstöckel?" Weitere menschliche Verbindungen zwischen dem Frei­herrn und einer Heidelberger Vermieterin fielen ihm nicht ein, und er Moß:Awer die Fräulein Rebstöckel tut sage, es wäre sehr eilig, un sie wisse den Herrn Baron gleich einmal spreche, sie wartet am Telephon."

Der Jungbursch bat den ersten Chargierten um Dispens und ging hin- iiis. Eine Heidelberger Pensionsinhaberin, unverkennbar in Sprache und Schaben, begrüßte ihn hastig und verstört aus der Muschel des Hörers: verzeihe Se, Herr Baron, aber wisse Sie net, wo Ihr Fräulein Braut fleckt?"

Der Student kriegte Augen so groß wie blaue Meißner Teetassen: See, aber ich wäre froh, wenn ich es wüßte meine ... eine ftaut?!"

Ja, sie wohnt doch feit einem Semester bei mir und Ijat mir immer wagt, der Herr Baron von Merck von de Saxo-Borusfen wäre ihr Sräutigam und würde schon alles bezahle! Und se is doch säst alle Awende mtgegange, letschte Montag noch, um mit Ihne nach Neckarsteinach P fahre!"

Aber Montag hatten wir doch Rezeptions-Kneipe, und ich bin ... ten, das ist doch toll!"

Die Stimme am Telephon kämpfte mit Tränen:Herr Baron, denke 6t doch nach, Fräulein Lifelott Paiz, is denn das nicht doch vielleicht Ihre Amt ... oder eine Freundin von Ihne? Und nu is fe feit zwei Tage fort ... und wer bezahlt denn ihre Rechnung, das Loschi inklusive, und die Busch und alle Tag die Plätterei von bene Bluse und Röcke!"

Magnus Freiherr von Merck fuhr sich noch wilder durch den Haar­sh ps und rieb nachdenklich die noch nicht ganz verheilte Terz unter der Arnlocke:Na foroas! Fräulein Rebstöckel, hat die Liselotte denn ihre 6cchen bei Ihnen gelassen, ober ist sie mit ihren Koffern abgehauen?"

Nein, bie Sachen finb noch da, Gottlob, de Schränk hänge noch voll ' ®it immer!"

Dann kommt sie auch wieder, Fräulein Rebstöckel, verlassen Sie sich Mus! Aber tun Sie mir einen Gefallen, Fräulein Rebstöckel: Wenn Üi Liselotte wieder da ist, klingeln Sie mich an, ich komme dann und jnke sie mir einmal an, vielleicht ist sie doch meine Braut, und ich ferne sie nur noch nicht, oder hab sie nur momentan vergessen ..."

Er hängte lachend den Hörer an.

Großes Hallo rings um den Tisch, als er wiederkam. Sein Leibbursch «Uthäus Schwan war ganz außer sich vor Vergnügen über das Erleb­te:Nee, Magnus, foroas gann doch noch bloß dir baffieren! Nee, foroas!

wenn du iw hingehft, da mach ich aber mit, Gottverdimian, das wird i1rofjartd)!"

(Herr Schwan war aus Freiberg, demfälschen Freiberg", wie er ftr hinzusetzte, obgleich der Zusatz für Kenner deutscher Mundarten über« flöilig war.

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Unterhaltungsbeilage znm Siebener Anzeiger