Ausgabe 
29.1.1932
 
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erfcfjeint unter dem TitelR Hein und Wolga (Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart). Der Wolgadeutsche Auswanderer kehrt an den Rhein, in die Heimat seiner Vorväter zurück. Rheinlandschaft, Schicksalsstunden deutscher Geschichte werden lebendig, denn eines Stammes sind die Deutschen am Rhein und an der Wolga, deren Voreltern die brennende Pfalz zur Wegfackel wurde auf der Suche nach neuem Lebensraum.

Als der neue Tag kam, grau, trübe und kalt, fand er eine veränderte Welt, ein eingestürztes Stadtwesen, eine pockennarbige Stadtlandl chatt vor, aus der es da und dort noch schwelte und rauchte, zum Husten reizender kalter Brandschmauch aufstieg und unter bedecktem Himmel träge einherzog.

Mit dem neuen Tage rückten die Pioniere ein auf die Brandstätte, um einzureihen, was sich nicht ohne weiteres der Majestät von (Frankreich gefügt hatte: die stehengebliebenen Mauern der Gebäude aus Stein und die wie kleine Türme aus der Brandflur noch aufragenden Kamme der Holz- und Fachwerkhäuser. Die Werksoldaten kamen mit Brech- und Stemmeisen, mit Picken, Hebeln und den fahrbaren Efsen. An ^en -Jus« fallstrahen der Stadt wurden Schilder errichtet, Zuoberst in französischer, darunter in deutscher Sprache wurde denehemaligen Bewohnern der gewesenen Stadt Speyer" bei Guts-, und Lebensstrafe verboten, das Gelände der Stadt wieder zu besiedeln und auch nur zu betreten. Denn gtnhMMnnh» in Tiulunit als

aus in den Rhein!

ngen Bach stand eine Postenkette, Rücken zu den An- Gesicht nach dem Dome. Die Sargwände des Lang- nen, die in die klotzigen Pfeiler gebohrt worden waren, : soeben unter furchtbarem Krachen und Donnern zur Wolke von Kalkstaub stieg auf, und alle, Soldaten und ich die Augen. Als die Staubwolke sich davongehoben Soldaten die Bürger.

da, ihr deutschen Lauskerle!" riefen die Soldaten und gutmütig. Die Speyerer wichen ein wenig zurück.

aus Augenblicke so still in der toten Stadt, daß Heins- rt die flüsternd geführte Unterhaltung von ein paar Sie haben die Gräber aufgebrochen ... Gräber?

i ... Gräber von was? ... ihrer Kaiser ... Ei, Kaiser! Lin gefunden? ... Alte Lumpen. Ein paar blinde Steine. Nichts von Wert ... Nicht zu verwundern. Was soll denn so ein schäbiges Volk auch seinen Kaisern mitgeben? Denkt, tot ist tot, er merkt doch nichts mehr ... Ja, ja, warum sich noch Kosten machen, wenn s schons

Die werkelnden Soldaten und die eine oder andere Strahenwache hatten die Zivilisten vorbeiziehen lassen, denn es ist schwer, gegen den Ernst, und die Würde des Unglücks aufzutreten. So kamen die Manner bis zum Domplatz. Ei schau, der Speyerbach, durch die in ihn gestürzten Haustrümmer und den Brandunrat gestaut, hat sein Bett verlassen, seinen Lauf verlegt und sich durch die Ruinen des Reichskammergerichts, durch oanes^ Hölle und die große und kleine Himmelsgasse seinen pictäty e Breite Straße gesucht, läßt den Dom, den er früher zu atte, zu seiner Linken und fließt durch die Ueberrefte

jiou, oas avilyemicy rocy, aDgejprengte «reine uno tue öertmuerrett Drähte an denen die Lampen der Straßenbeleuchtung gehangen hatten, versperrten den Weg. Der Altstädtmeister hob einen Draht nut Ieinem Stabe hoch und man schlüpfte darunter durch. Eine Wolke von Dunst ausgelaufenen Weines kämpfte säuerlich riechend mit dem Brandgeruch. Tote Hunde mit angesengtem Fell lagen im Wege. Die Pioniere rissen die Reste der Häuser ein. «ie lösten von ihren Wagen die Deichseth, steckten deren eisernen Schuh in eine Mauerfuge und legten den «Hast über einen dicken Stein in der «traße: wenn dann das «-haftende mit der Kraft und der Last von vier oder sechs Mann niedergewuchtet wurde, siel die Mauer nach innen auf die Hausslelle. In den todesstillen Gassen, wohin die Einreißer noch nicht gekommen waren, strichen Ka.zen um die Stätten ihrer Heime. Manchmal hielten die Speyerer sich die flache Hand vor Mund und Nase, denn es stank entsetzlich aus den Ruinen, «ie beichleunigten den Schritt. Sie sahen Plünderer, Soldaten und Bauern der Nachbardörfer, verstohlen um die Ecken schleichen und m den eklen Ruinen nach vergessenen und verschonten Werten stochern. Erschüttert von den Schritten des Dutzends Menschen fiel m der Armbrustgaste eine Mauer zusammen. Die Männer kamen auf.Markt und Breite S>ia.,e, der Ort des Domes leitete ihre «chritte.

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'ganze Leben kostet? ..." . .

Die Generale Melac und Monclar standen nut ihrem Stabe nn brockenbefäten Hof des Domkreuzgangs. Ihnen wurden ein paar Soldaten zugeführt. In der Nacht hatten sie sich in den Dom geschlichen und die auf der Chorempore liegenden Gräber von der Krypta her angebohrt. Die Generale blickten streng. Ein Hauptmann erklärte:Nichts von Bedeutung gefunden. Zwei Gräber erbrochen mit diesen den Leichen beigefügten Steintäfelchen: Adolf von Nassau, Albrecht von Oester­reich *>.."Kennen wir nicht", sagten die Generale ...Ein anderes: Rudolf von Habsburg ..."Kennen wir nicht", sagten die Generale ...Hier ist sein Schädel", sagte der Hauptmann.Eine Schramme darin. Der Kaiser war vor seiner Wahl ein streitbarer Land­graf ..."Die Deutschen waren immer Raufbolde, schlagen sich die Köpfe ein ..."... Landgraf im Elsaß :.."So? Also in Frank­reich! Ein französischer Graf! Rasch, anständig wieder begraben!"Noch -wei Frauengräber, einer Beatrix, Kaiserin, und eines Kindes, Agnes, Frau und Tochter von Friedrich Barbarossa ..."Aha, kennen mir, Barberousse! ..."Und hier ist das Gehirn des Kindes, der Kerl da hatte es in der Tasche." Der Hauptmann reichte dem General Melac das zur Größe eines Aepfelchens zusammengetrocknete und hartgewordene Gehirn.Haben Ball damit gespielt", fügte der Hauptmann hinzu, denn er war in Wut über die Ruchlosigkeiten. ..

Zum neuen Jahre.

Von I. W. v. G o e t h e.

Die Jahre sind allerliebste Leute:

Sie brachten gestern, sie bringen heule,

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Deutschen mag mun's gönnen. Was ist es denn schon grofj mit igren Königen und Kaisern? Alles Bauernkaiser und Raufbolde! Schramme im Schädel! Hat man je so was gehört? Kann man sich einen französischen König mit einer Schramme im Schädel denken? Aber den Wilhelm von Oranien mag es gegen Frankreich aufbringen, unsere Majestät fürchtet olmehin eine europäische Koalition. Und außerdem, unseres Königs legi­timer Sinn könnte sich verletzt fühlen. Wenn es auch nur Deutsche waren, es waren doch Könige ... Also" statt der Aufforderung: Schweigen! die der General nicht aussprach, legte er, sich im Kreise umsehend den Knopf seiner Reitpeitsche an die Lippen, und der ganze Stab führte lächelnd den Zeigefinger an den geschlossenen Mund.

Der Hauptmann kam eilig und geradezu atemlos wieder daher.Mein General! Die Mine, die in den Hauptpfeiler gebohrt wird um die Kuppel und ihre Türme niederzulegen diePioniere haben eine Grabplatte gefunden mit dem Namen: Karl..."Karl? Karl der Großes Liegt er nicht in Aachen begraben? Aber die verfluchten Deut­schen könnten unfern Karl ihren Strauchkaisern hier an die Seite gelegt haben . . Charlemagne! Erster Kaiser der Franzosen! «vfort alle Zer- törungsarbeiten einstellen! Der Rest der Ruine mag erhalten bleiben!

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