Ausgabe 
26.2.1932
 
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aus ihr Zimmer zu.

*

anders' sein. Denn die, die

heute nicht."

Er hatte sich, während er diese letzten Worte sprach, erhoben und sah, seine Hand auf Stines Stuhl lehnend, in den Sonnenball, der eben zwi­schen den nach Westen stehenden Bäumen des Jnvalidenparks nieder­ging. Alles schwamm in einem goldenen Schimmer, und das Schweigen, in das er verfiel, zeigte, daß er auf Augenblicke von nichts als von der Schönheit des sich vor ihm auftuenden Bildes hingenommen war. Endlich aber nahm er sich Stines Hand und sagte:Was hab ich da gesprochen von Freiheit geben und Sie wieder losmachen wollen! Geben Sie mir keine Antwort darauf! Alles falsch und eingebildet und töricht zu. Weil ich mich selber hilfebedürftig fühle, war ich wohl des Glaubens, Sie müßten auch hilfebedürftig fein. Aber ich empfinde mit einem Male, daß Sie's nicht sind, daß Sie's nicht fein können."

dem ihm eigentümlich elegischen Tone Kranksein, das eigentlich von Jugend hat auch seine Borteile; man kriegt Fingerspitzen und fühlt es den Men- sie glücklich sind oder nicht. Und mit« die Menschen wohnen. Und hier lehren

aut mein Lebensberuf war, es allerlei Nerven in seinen zehn scheu und Verhältnissen ab, ob unter sogar den Räumen, darin

9tG Jhtb doch sagte sie mir, als ich vorgestern nach Olga fragte: .Danach dürfen Sie nicht fragen. Einen Vater hat sie, das ist gewiß. Aber mehr kann ich Ihnen nicht sagen.'"

(Fortsetzung folgt.)

Stine lächelte vor sich hin. Der junge Graf aber, der es nicht sah oder nicht.sehen wollte, fuhr in " ' ' '

fort:Ja, Fräulein Stine, das

<a: mnr,;n hotte solange das Gespräch dauerte, beobachtend an ihrem 2LHZW

rundes Landbrot, von dem sie jedesmal zwei kaufte,weil sich das frische W %«-aafStee&3jn,was meinst du, Mutter? Drei Mark mehr is nu du hin? Wenigstens fünfe., Man bloß, daß es

noch nich sicher is. Er war so zittrig und bibberte so.

Und bei diesen Worten legte sie das Ohr wieder an die Wand, wahrend Polzin, der mit seiner Klapperei die Horcherszene nicht stören wollte, von seiner Arbeit aufstand und sich an sein Abendbrot machte.

Achtes Kapitel.

Der unerwartete Besuch war inzwischen in das Frontzimmer em- qetreten, und während Stine wieder auf das Fenster und ihre hier auf aritellte Rahmenstickerei zuschritt, forderte sie den jungen Grafen auf, auf dem schräg zur Seite stehenden Sofa Platz zu nehmen. Er lehnte dies aber ab lind schob statt dessen einen Stuhl in die Nahe Stines die sich ihrerseits sofort wieder ihrer Arbeit zuwandte, freilich m sichtt cher Erre­gung. Die Radel flog, und der orangefarbene Faden von Flockseide blitzte bei jedem neuen Stich, den sie machte.

Run Herr Gras", begann sie, während sich ihr Sopf immer tiefer auf' üie Stickerei senkte,was verschafft mir die Ehre? Was fuhrt Sie zu mir?"

Aber ehe der, an den sich die Frage richtete, noch antworten konnte, fuhr sie schon mit einer ihr sonst fremden Lebendigkeit fort:Ich glaube. Sie verkennen mich. Sie mögen darüber lachen, aber ich bin ein ordent­liches Mädchen, und ist keiner in der Welt, der hintreten und zu mir sagen kann: ,Du lügst/ Ich sehe ja, wie's geht, ... nein, nein, lassen Sie mich ausreden ... und solch ein Leben, wie s meine Schwester fuhrt, ver­führt mich nicht; es schreckt mich bloß ab, und ich will mich lieber mein Leben lang quälen und im Spital sterben, als jeden Tag alte Herren um mich haben, bloß um Unanständigkeiten mit anhören zu muffen oder Anzüglichkeiten und Scherze, die vielleicht noch schlimmer sind. Das kann ich nicht, das will ich nicht. Und nun wissen Sie, woran Sie sind.

Fräulein Stine", sagte der junge Graf,Sie sagen, ich irrte mich in Ihnen. Ich glaube nicht, daß ich mich in Ihnen irre. Aber selbst wenn es so wäre, so lassen Sie mich Ihnen sagen: Sie irren sich auch in nur. Ich komme zu Ihnen, well Sie mir gefallen und mir eine Teilnahme eiugestößk haben ober, lieber rundheraus, weil Sie nur leid tun. Ich hab es Ihnen wohl angesehen, daß an dem Abende neulich nicht alles nach Ihrem Sinn und Geschmack war, und da nahm ich mir vor, du willst sehen, wie's dem Fräulein Stine geht. Ja, Fräulein, das nahm ich mir vor, und wenn ich Ihnen helfen kann, so will ich Ihnen helfen und Ihnen Ihre Freiheit wiedergeben und Sie losmachen aus dieser Umgebung. Ich glaube, daß ich es kann, trotzdem ich kein Prinz bin und noch weniger ein Wundertäter. Und Sie dürfen auch nicht furchten, daß ich eines Tags mit der Absicht kommen werde, mir einen schönen Dank dafür zu holen. Nein, nichts davon! Ich bin krank und ohne Sinn für das, was die Glücklichen und Gesunden ihre Zerstreuung nennen. Eine lange Geschichte, womit ich Sie nicht behelligen will, wenigstens

mochte, kam rasch und öffnete.

Gott, Herr Graf!" *

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Nein ich will nicht zu Ihrer Schwester; ich will zu Ihnen, Fräulein

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^Er lächelte.Wenn es so ist, Fräulein Stine, dann ist rasches Eintreten immer noch das Sicherste."

Und"darnit tta7 si/vor'der Korridortüre zurück und ging ihm voran,

mick meine Sinne, Sie kSnnen nicht unglücklich sein. Es ist nicht em tmwrhn d^L S°E jeL Abend"7 Mündlich blicktz das ist ein gutes Zimmer.-s seines Glückes

nich't^'hmen, schon, ums nicht zu berufen. Aber es ist wahr, ich bin 9!ÜB«'iunge Graf sah sie bei diesen Worten forschend und beinah ver- ÄBÄ&S Ä 1? 5

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Und das Zusammenleben mit Ihrer Schwesterl Ist er Ihnen keine ~a|t Rein Ich* ltttw meine Schwester, und sie liebt mich."

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dem fk (MW E- mubdoch

redet werden und Anstoß geben bet, Leuten, die noch ihren Katechismus ^b^7"bei^"gibt^fteillch Anstoß, und meine Schwester wenn s'-'nni so-chen »usammentrifft muh^oft. böse Wortt^horen.^^ k

sich in den Rauch hängt, der wird schwarz.

? M..N nut Aber einen je bessern Verstand Ihre Schwester hat, und >e

Ge V verurtellen und d e mitunter lieber schweigen sollten), dae. sind ganz anders darüber.

Wie das?"

Ja das ist schwer zu sagen, aber es ist so und kann auch kaum

mellten) und reden und spotten, daß man was Apartes fein wolle. ,.li 7enkt wohl, sie fei es.' Ach, wie oft hab ich das Horen muffen!

Welche Berworrenheit der Begriffe!" x

!0 nennen Sies, und ich mag nicht widersprechen Aber dieselben Leute die so verworren scheinen, sind auch Wiederkehr hell und halten auk Vflickt wo sie sich aus freien Stücken verpflichtet Haden. Und das gleicht manches wieder aus. Reden ihrem bloßen Gerede, das tjeute fo üt und morgen so, gibt es auch was, das ihnen feststeht, und das ist das Kort und die Zusage. Mit dein .sich gut halten f°lan9.e main fr« ft tann man'- am Ende halten, roie man will; aber nut dem Kontrakte 2 mnn6 halten wie man soll. Was ich übernehme, das gilt, und Ehrlichkeit ift die Hauptsache geworden. Und so kann es einer armen Zau passieren, sn einem Verhältnis, das nicht löblich ist, doch noch ge-

Und dieses Vorzuges genießt Ihre Schwester? . ,

"Ja. Daß sie das Verhältnis hat, ist ihr kein Lob, aber bei der großen Mehrzahl auch keine Schande. Die arme Frau, so sagen sie, He Hatt tteb« anders Aber stt muß. Und Muh ist eint harte Nuß. Und so iätzt man sie's nicht entgelten und fordert nur das eine von ihr, daß sie was" sie versprochen, auch respektiere. Wanda darf tun unb la en, mäs sie will meine Schwester Pauline darf es nichtz Die muß hatten, 7°zu sie sich verpflichtet, und ich darf Ihnen versichern, es wird ge- ^Olt*Unb in das alles hat sich Ihre Schwester hineingefunden? Vielleicht

Doch nicht^lelcht. Eher schwer. Aber, die Wahrheit zu gestehen, nicht schwer von Tugend wegen (davon will sie nichts wissen) sondern nur beshalb wett ihr, von Natur, an einem Leben nichts liegt, wie sie s zu führen gezwungen ist. Meine Schwester ist arbeitsam und ordentlich und ganz ohne Passion. Wenigstens» hat sie mir das hundertmal versichert.

Und aufrichtig?"

Wer sieht ins Herz? Aber ich glaube: ganz aufrichtig. Und wenn Sie" meine Schwester so gut kennten wie ich, so wurden Sie s auch

Verantwortlich: vr. Hans Thyriot. - Druck und Verlag: Vrühl'sche Univers itäts.Vuch. und Steindruckerei, D. Lange, Gießen.