k - suche: in großen roten Sternen lag der Schweif auf dem Schnee^ weit konnte Mümmelmann nicht gekommen (ein. Schon nach dreißig Schritten hörte die Schweißspur auf, an einem alten Eichenbaum. „Nanu. Hier ist doch ein Fuchsbau. Sollte der Hase in (einer Angst ...? Ja, so mar es Der Kutscher mußte nach der Försterei laufen, den Teckel holen und einen Spaten. Das Rauhhaar fuhr mit Begeisterung in den Bau und zerrte bald darauf Einohr ans fahle Licht der Schneenacht, die Häsin Einohr, alt und mager, mit einem welk herabhangenden Löffel. „Du bist wirklich ein toller Bursche", brummte der Forster in seinen Bart. „Mit diesem Schuß im Leben noch Mut und lieber» lequnq genug, um auf der Todesfahrt in einen Fuchsbau einzufahren, alle Achtung! Aber ich bin froh, daß du so waidgerecht hinübergingst, altes Einohr!"
Friedrich Fröbel, em bodenständiger Volkserzieher.
Eine Betrachtung zu seinem 150. Geburtstage.
Von Dr. Fritz Halfter.
Es ist zur Zeit stiller geworden im Lande von Weltverbesserern. Man hat zuviele Enttäuschungen erlebt und versteht jetzt vielleicht die Mahnung Schillers an einen solchen besser:
„Dem Menschen, der dir im engen Leben begegnet, Reich' ihm, wenn er sie mag, freundlich die helfende Hand.
Rur für Regen und Tau und fürs Wohl der Menschengeschlechter Laß du den Himmel, Freund, sorgen wie gestern so heut'."
Dazu ist nötig, sich historisch zu besinnen. Suchen wir in der Schwere unserer Zeit und — gestehen wir es ruhig: in unserer Ratlosigkeit, nach Führern aus der Tiefe, dann tritt aus den Rebeln der Vergangenheit Friedrich pröbel uns entgegen, dessen Geburtstag am 21.April d.I. zum hundertsünfzigsten Male wiederkehrte.
Was Fröbel, unbeschadet seiner menschheitlichen Ziele, auszeichnet, ist seine deutsche Bodenständigkeit. In ihm erschien das deutsche Gemüt mit selbstlosem Tatwillen. Geboren 1782, zählt er zur romantischen Generation, war aber mit Gedanken Arndts, Schillers und Fichtes auf die Idee deutscher Menschheit eingeschworen. Man hat ihn gelegentlich in Abhängigkeit zu bringen gesucht von dem sreimaurerischen Weltbeglücker Krause, dessen tiefgründige Philosophie, in Amerika weit verbreitet, Wilson in der Idee eines Völkerbundes beeinflußt haben soll. Indessen beweist das Leben Fröbels, daß er durchaus selbständig zu seiner Form der Menschenerziehung gekommen ist. Er, der schlichte Sohn Oberweißbachs, das Kind einer damals fast noch hinterwäldlerischen, heute Geschichts-, Natur- und Sportsfreunden zu empfehlenden Gegend, hoch oben in der Nähe des Thüringer Rennftiegs, lebte zuerst feyie Lehre, ehe er sie gab in seinem Hauptwerk „Die Menschenerziehung" 1826. Die einfältige, aber immer lebendige Entwicklung seiner geprägten Form erlaubte ihm aus eigener Kraft eine Fülle von Einblicken in die naturgemäße Erziehung, deren Gediegenheit damit bewiesen wird, daß es in der Gegenwart kaum einen wertvollen erzieherischen Gedanken gibt, der nicht bei ihm anklingt, mehr noch: durch ihn erprobt wurde.
Seine Kindheit in der Heimat der „Balsamträger" verlief einsiedlerisch. Sie blieb beschränkt auf den Umgang mit der Natur im Garten seines Vaters, des Pfarrers; bei den Kindern fast ausschließlich auf die Gemeinschaft mit den hundert Unmündigen in der Schule der Mädchen (!) (eines Ortes; fein höheres Sinnen legten die Predigten des Vaters auf die Forderung fest: „Jesu nachfolgen!" Er hörte diese Forderung beständig und an alle Menschen gerichtet, dennoch stets einsam in der Sakristei sitzend, also ausgeschlossen von der Gemeinde. Sein Blick ging dabei durch die breite Fensteröffnung in der Sakristei hinaus in die Ferne, die sich ihm als ein schmaler Erdensaum mit hoch darüber gewölbtem Himmel darbot. Während er den strengen Vater fürchtete und doch auf ihn als den Verkünder christlicher Sittlichkeit stolz wurde, nahm sein Sehnen sehr bald eine verantwortliche Form an. Hier liegt die Quelle des Strebens, das seine „Menschenerziehung" ganz auf den Boden stellte, jedes Kind dort zu verwurzeln, wo es geboren ist: der Mensch solle auswochsen wie die Lilie im Garten, um sich als Kind wie der zwölsjährige Jesus im Tempel wiederzufinden in dem, „das des Vaters ist".
Es läuft das hinaus auf die Lehre Pestalozzis von der „Wohn- ftubenfraft", nur mit der klareren Betonung, daß die ganze Erde eine Wohnstube Gottes fei und das gesamte All eine einzige Erziehungsveranstaltung Gottes. Wir sehen also, daß Fröbel unvergleichlich naiver und darum gläubiger den Ruf Rousseaus aufnahm: zurück zur Natur! Im Endziel mündete darum seine Erziehungskunst in der Ausgabe, die freilich eine ewige bleiben wird: nämlich den gegenwartsfrohen, den sinnenkräftigen Menschen der Antike zu vermählen mit dem Menschen christlichen Erbes. Die unbedingte Voraussetzung ist -dabei ein unbedingter Glaube an ein ursprünglich Gutes der Menschennatur. Das scheint Fröbels Achillesserse. Aber noch einmal sei es gesagt, er hat seinen Glauben an seinem eigenen Werden erlebt. Er hielt an ihm fest, trotz einer ungewöhnlich harten Kindheit, während der er von fast allen seinen Nächsten verkannt worden war, wie während seines ganzen Ledens von der breiteren Oeffentlichkeit. Und als ihn 1851, ein Jahr vor seinem Tode, das preußische Ministerium gottlos und Dolksverführer nannte, um seine „Kindergärten" verbieten zu können, bezeichnete er sich selbst als Vollstrecker des Testamentes Jesu.
Man hat seinen weltbekannten Ruf: „Kommt, laßt uns unfern Kindern leben!" nie anders zu verstehen, denn als Mahnung zur praktischen Ausschöpfung des Jesuswortes: „Ihrer ist das Himmelreich!" Auf die Linie feines Tuns verpflichtete er feine Jünger im Jahre des Verbots mit dem Bekenntnis: er fetze fein Heil nicht in eine „Methode", sondern ausschließlich „auf und in die Idee", die in jedem Menschen bereit liege. Eine solche Menschheit sei die wahre, „und nicht die durch den Prägstock geformte". Eine Erziehung, die so stark in mystisch-religiösem Empfinden wurzelt, gleichzeitig aber der Erde verhaftet bleibt, konnte nur aus dem romantisierten deutschen Idealismus der Sensation um 1800 entspringen. Es ist abwegig, bei dem selbst
gewachsenen Fröbel von schulischer Abhängigkeit, etwa von der Einheitsphilosophie Schellings, zu reden. Als Volkserzieher aus ber liefe tarn Fröbel weit über dem Nationalerziehungsgedanken, wie er in Fichtes „Reden" unter Ausschluß an das „Gemüt" Pestalozzis laut wurde. Nur macht das bisher Gesagte deutlich, daß Fröbel doch der von Fichte gehaßten „niederen" Natur zu innig gegenüberstand, um wiederum etwa Fichtes Nachfolger genannt werden zu dürfen.
Der Weg seiner Erziehung in stillschweigendem Festhalten der Hand Jesu als seines „Seelenfreundes" und „ersten Lehrers zu erziehen die Menschen" erscheint so durchaus zunächst als Selbsterziehung. Erst danach macht er das zur Ausgabe auch bei und an andern.
Sein Gang war zwar sinnierend angetreten, aber nicht spekulativ philosophisch. Vor allem wurde sein Weg unterbaut durch exaktes Natur- studium und zwar an den Kristallen, die ihm die stummen Lehrer für eine „Frobel-Gaben" wurden. Ehe er zu diesen kam, herrschte bei ihm die praktische Umschau vor. Das unterscheidet ihn vom utopischen Planen wie es rein spekulativen Köpfen eignet. Schlagend wird das bewiesen mit der Tatsache, daß dieser ausübende Erzieher, trotz ner» lockender Anerbieten, aus weitesten Kreisen erziehender Betätigung sich immer kleinere Wirkungsfelder suchte. Bescheidenere, sosern man mit äußeren Maßstäben kommt: denn innerlich gab Fröbel von seiner vielseitig erprobten Idee und von den mit ihr gefundenen Gedanken der Volkserziehung nicht das geringste auf. Wir hören, daß ihm 1816 zu einer Professur an schwedischer Universität geraten wurde; er r>h sich von Berlin los und — schritt zur Gründung einer „Allgemeinen deutschen Erziehungsanstalt". 1831 machte er, mit diesem feinem Kellhau im damaligen Deutschland scheiternd, in der deutschen Schweiz die Wendung zu einfachen Schulen in Wartensee und Willisau. Die höchste Beglückung solchen Berufslebens erfuhr er 1834 als Leiter eines Wiederholungskurses für sechzig schlichte Landschullehrer und entsagte doch der Lockung, 1836 in Burgdorf als Waisenhausdirektor zu bleiben und dadurch unter günstigen äußeren Umständen als zweiter Pestalozzi in der Schweiz etwas zu bedeuten.
Damals fand er für das Wort „Bildung" den kühnen, aber Wege weifenden Ausdruck „Freiung". Um diese Freiung zu wahren gegen alle verfrühten Bindungen an politische oder religiöse Parteien, kehrte er 1836 der unmittelbaren Lehrtätigkeit den Rücken und ging in die Heimat zurück. In Blankenburg am Ausgang der Schwarza ließ er sich als Fabrikant und Verkäufer jener „Gaben" nieder. Naturnotwendig folgte diesem Tun die Schöpfung seines „Kindergartens" im Jahre 1840; man kann sie ebensogut eine Entdeckung nennen. Es handelte sich darin um die Sicherung des rechten Gebrauches eben jener „Gaben", die dem Bildungstrieb der Natur abgelauscht waren. Ihr Gebrauch sollte den Kindern den Charakter eines „schassenden Wesens" (wir würden sagen: des kleinen Gottes der Erde) erhalten. Von keinem andern „Gesetz" soll das Spiel mit Kugel, Walze, Würfel usw. geleitet werden, als von dem der „Stete" oder reinen „Stufenfolge". Es führt der Logos die kleinen Nachschöpfer nach Fröbels Glauben gleich einer liebend magnetischen Kraft ohne Bruch von den untersten, einfachen Gestaltungen (ober Schöpfungen der Natur!) über den Umgang mit Pflanzen, mit andern Worten: es führt der Selbstbetätigungsdrang göttlicher Kraft im selbstvergessenen Spiel das Menschlein an Hand der „Folge" oder „Stete" zwanglos hinein in das Gemeinschaftsleben.
Es wird dadurch der Mensch erzogen, der zwar den Lohn seiner Arbeit für Brot, Kleidung und sonstige Notdurst erwarten muß, dem aber die Arbeit selbst das höchste Glück bedeutet. Nirgends mehr als in diesem Gedanken wird Fröbels Evangelium vo unserer Zeit, der Zeit erzwungener Arbeitslosigkeit, verstanden werden.
Fröbel, trotz aller äußern Bedrängnis in bezug auf Broterwerb unter glücklicheren Zeiten lebend, erwartete von der Hingabe an die schöpferischen Kräfte im Menschen das höchste der ganzen Menschheit. Es ist das der Goethesche Gedanke inetanrorphosischer Entwicklung, den Schiller in die Worte faßte:
„Suchst du das Höchste, das Beste? —Die Pflanze kann es dich Was sie willenlos ist, fei du es wollend.— Das ist's." (lehren.
Erst von hier aus erschließt sich die ganze Bedeutung des Menschenerziehers Fröbel, der über den „Kindergarten" den Weg der Volkserziehung mit dem Ziele der Erziehung zur Menschheit und in Menschheit ging. Es erschließt sich zugleich die ganze Sinnigkeit der Bezeichnung „Der Kindergärtner", die Fröbels Namen über die ganze Welt trug.
Aranjuez und seine Gärten.
Bon Hans Roesel, Madrid.
Wie ein Traum von Fruchtbarkeit und buntem, farbenfrohem Leben liegt Aranjuez inmitten einer grauen Ebene. Ringsum dehnen sich die weichen, kahlen Sandhügel der kastilischen Hochebene, auf der kein Baum, fein Strauch gedeiht, nichts als ein paar schon im Mai überreife Getreideäcker und magere Rübenfelder, die nur unter mühevollster Arbeit vor dem Verdorren geschützt werden können. Tag um Tag, Wochen und Monate trotten die Maulesel um den Schöpfbrunnen, die Kanäle zu füllen, die diese wenigen grünen Flecken bewässern. Sonst nichts als Sand, grauer, unfruchtbarer Sand. Und darüber ein tiefblauer Himmel und eine Sonne, die unbarmherzig jede Feuchtigkeit wieder aus dem Boden saugt, daß die Erde springt unter den glühenden Strahlen. Kein Busch, kein Strauch, der Schatten bieten könnte. Die wenigen kleinen Dörfer verlieren sich zwischen den grauen Sandwellen, in der unendlichen Weite.
In dieser fast afrikanischen Steppenlandschaft, die sich Stunden um Stunden im Herzen Spaniens dehnt, liegt am Ufer des Tajo Aranjuez, die kleine Sommerresidenz der spanischen Könige, mit den farbigen Schlössern, schattigen Gärten, fruchtbaren Obstanlagen und kühlenden Wasserspiegeln. Es scheint, als ob die Erde alles, was sie den Bewohnern der umliegenden Ebene versagte, hier auf einem einzigen kleinen Flecken konzentriert hätte, um inmitten dieser Trostlosigkeit den Traum von kühlen Schatten, fließenden Wassern und fruchtbaren Gärten lebendig


