Hummer 31
zreltag, den 22. April
Jahrgang 1932
Bon PaulEipper.
hinaus.
maligen Pflegling,
Ich will hier keinen Hasenroman schreiben, Meister Lampe, nicht mit der schönen Häsin verheiraten, auch keine rührenden ^bh'mgsgesprache zwischen Mutter und den Hasenkindern wiedergeben, denn ich bin ,a em h’XÄ "L'LeNIpaLL'Augenbliike, Geschehnisse die fast aLaubL find und Einblicke gewähren ini den^nUmps Hr Hasentiere. Dazu kommt noch der Vorzug, daß hier kein ^ageriarein am
' Im Spätsommer darauf begegnete di- Försterin P-rfonlich dem ehemaligen Pflegling, der ja nun schon fast dreiiahrig geworden war. Das Getreide sollte am anderen Tag geschnitten werden die F°rsterssrau pflückte am Kornschlag entlang roten Mohn und sah damr eine Weile am Rain Da schob sich schnuppernd ein Hasenkopf durch die Halme, stellte einen Löffel auf, und ehe die Menschenfrau sich fassen konnte, war die Erscheinung wieder weggehuscht: ein schmaler, «chnurgerader toteig durchs Korn wies die Fahrtrichtung.
Das war die letzte, einwandfrei festgestellte 'Begegnung Emohrs mit
Gießener KnnilienbMer
Unterhaltungsbeilage zürn Giehener Anzeiger
den Försterleuten. t
Jedenfalls ist dein Schützling ein Vagabund geworden", meinte der "Förster, „vielleicht ist er auch an Altersschwache emgegangen: sechs Jahre sind es ja her, seit du ihn zu den Karnickeln gesetzt halt.
Auf den Tag sechs Jahre", bestätigte die Hausfrau und chob ihrem Mann ein paar Butterbrote in die Pelzjoppe: denn er wollte mit dem Adjunkten „auf Sauen drücken", und da konnte es spat werden
Sauen kamen nicht vor im Trieb: aber ganz zuletzt - das Buchstn- lirfit reichte eben noch — slitzte ein alter Hase dicht vor dem Forster durch Ein Knall, das Tier „zeichnete" und verschwand. Leichte Nach-
Waldchaussee Einohr sichte, und daß jeden Morgen die Häsin zuweilen ogar frech ein Männchen mache, während er auf drei Schritte Entfernung an ihr vorbeiradle. .
Deshalb begleitete die Försterin ihren Mann auf der nächsten Abendpirsch. „Ich werde Einohr locken, und du wirst sehen sie folgt und kommt zu mir." Sei es nun, daß die umgehängte Buchsslinte der Häsin einen unangenehmen Eindruck machte, jedenfalls kam die Frau gar nicht dazu, ihren Pflegling anzurufen. Denn als sie noch vierzig Schritte vom betreffenden Platz entfernt war, flitzte ein rötliches Etwas über die Straße ins Unterholz, und die Pflegemutter stand enttäuscht am leeren Lager, das dicht neben der Chaussee vielleicht handbreit eingedruckt war im Moos. e
Der Sommer verging, ohne daß von Einohr irgendwelche Kunde gekommen wäre. Aber beim Frühstück in der zweiten Septemberwoche schmunzelte der Forster. „Einohr läßt dich grüßen. Ich bin ihr kurz vor 5 Uhr heute morgen begegnet, am Schwarzwassersee. cht Mutter ge- worden, aber keine gute; ich hätte ihr beu ganzen Wurf wegnehmen ^"sie vor Neugier ganz aufgeregte Försterin preßte aus ihrem mundfaulen Mann jede Einzelheit seiner Beobachtung heraus. Er war von y.4 Uhr an im Schirmsitz gesessen am Seeufer, hatte die Reiher beobachtet und die Kraniche: da hoppelte hinter ihm plötzlich eine Häsin aus dem Tusch mit drei winzigen Junghasen, machte einen Kegel, stellte das rechte Ohr während das andere schlapp nach unten hing. „«roß tft sie geworden, deine Freundin, und muntere Kinder hat sie, sage ,ch dir. Sie tanzten und hüpften wie verrückt, spielten allerliebst, versteckten sich, machten sogar Männchen, als sorgten sie selbst für ihre Sicherheitz Na, ich saß gut unter Wind, rührte mich nicht. Die Burschen konnten bodjfteip fünf Tage alt fein, hatten noch ganz versaltete Löffel. Die Satzhasin nahm ein Sandbad, wälzte sich, ließ mich ihren weißen Bauch sehen, und mit einenimal schossen alle drei Jungen auf sie zu durstig gewiß. Die Alte hat sich auf die Seite gelegt, die Hinterlaufe stell nach oben gestellt, die vorderen unter den Hals gezogen. Aber viel Geduld zeigte sie nicht." — _
Auch im Winter traf der Forstmann em,geniale Einohr.
Sie wurde eine richtige Berühmtheit im Revier. Anfang Marz erzählte der Forftadjunkt, daß er bei Einohrs Hochzeit Gast gewesen fei. Er habe einen furchtbaren Krach gehört, sei gerade noch behutsam auf die Lichtung gekommen, als ein alter Rammler brummend, mit gesenktem Kops hinter der schlappohrigen Häsin einherjagte. Kreisläufen, Keaelschlagen die beiden tobten wie verrückt, und plötzlich hatte die Häsin genug vom Fangspiel, zeigte dem Werber deutlich, was sie wolle. Da erschien aus dem Ginster ein Rivale, und es kam zu herzhaftem Kampf zwischen den beiden Männern. „Ich Hölle es nicht für mog ich gehalten, daß Hafen-Ohrfeigen so toll knallen können. Einohr saß während der Rauferei still am Lichtungssaum, und da erschien harmlos ein dritter Hasenfreier auf den Plan, und genoß den Lohn, um den sich die beiden andern prügelten. *
Raft ein Jahr stockte jede Verbindung mit Einohr: dafür hätte sie der ftöriter im folgenden Februar beinahe totgetreten. Er ging bet Neuschnee quer durch den Forst, auf einem Wildwechsel, den man eher ahnen als sthen konnte, weil eine fast zwanzig Zentimeter hohe F ockendecke in den beiden Nächten gefallen war. Kurz vor dem Austritt auf die Chaufsee sank der Försterstiefel plötzlich ein: es stob, als explodierte eine Granate unter dem Schnee, und mit schrecklichem G-gmek, das sich wie Kinderschreien anhörte, slitzte ein e,nge,chneiter Ha,e aus die Chaufsee
Häsin nur ein gesundes, normales Ohr hatte, ist sie dem betreffenden Forstmann ausgefallen: er traf sie d° und dort, kannst U Entwicklung verfolgen, ihr Schicksal von dem hrer Bruder u ° " e
(fern unstrlcbeiden Und als sich .ihre Zeit erfüllet hatte tzur rvuoyege gehört nämlich im Interesse der gesunden Arterhaltung auch der waiü^ gerechte Abschuß), da blies jener Forster dem Halen Einohr das groß
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Reihenfolge die Schicksale der Häsin Einohr.
35e£= -s-WSSZ Shiiw fnh Rn her Silvesternacht war nämlich tfroft eingeueien, '
und ein rechter Jäger muhte deshalb vom ersten F H . bd5 sein, die Futterplätze immer wieder freischlagen, Heu auslegen T """Schau Gr^bloß meine Obstbäume an: die jungen Apfelbäumesind alle geschält, deine Waldhasen ruinieren unsI Das gefiel de p natürlich nicht: er überlegte, ob man den „Hasso Ur Nachts °en Garten setzen sollte, mitsamt der Hundehütte, stopf s ) besehen. Pfeife, ging dann in die Dämmerung hst'ous, um den schaden zu v y
Etwas Eigenartiges fand er da, einen Junghasen der si-Y "einer Raubzeugfalle gefangen hatte, feftgetlemmt mit m Ser("fo im das ist doch gar nicht möglich", und doch stak derJle.ne Her |o m Eisen' „Hier hast du einen von den Mißtatern ich werde ihn v>rJjmcQ obnicken", rief der Forstmann; aber davon wollte st $ gtiefte so nichts wissen. Er sei ein herzloser Kerl, das kleine oxasa- roarmen ängstlich, und sie wolle es zu den Karnickeln I tz
d^Aufdiese Weise kam eine rötlich graue Waldhäsin ein halber, Kümmerling aus verspätetem Oktoberwurf, in menschich „ wohnte sich schnell an die Förster,,., wurde ^d und feistem Pflege; aber der linke Löffel hing allezeit "elanch sck) „rstört wor- mußte wohl durch den klemmenden ochlag der tfaue z I den fein. *
Ende April, als nach trüben Regentagen d" Frlihtzng^die WU Forsthaus leuchtend und farbig machst, versch tfoinmen verstand Häsin das fertig brachte, aus ihrem Berfchlag Z brummte der
weder der Förster noch seine Frau „Heul doch nicht - Grünrock, „ich werde deinem Ausreißer schon nned g schick ich ihm den Hasso nach mit einem Gruß- moftbote erzählte
Aber die erste Nachricht kam nicht vom Förster. ^ I , & Mitte Juni, daß er fast jeden Morgen an der gieren toteue auf
Edler Frühling.
Bon Paul Appet.
Hellgelobt sei du, Frühling! singen Ne Dichter.
Großgelobt sei er! beten sie all und schon.
Und sie tauschen und zittern stark.
Blumen, fingen sie, legt er den Menschen ins -lug,
Legt Wind in die Blumen, legt ihn in Bluten, Daß er da singend einschläft und süß erwacht.
Seine Zeit ist offene Zeit! ,
Emsig blau ist sein Himmel, t«n Sid>ttag!
Alle Kinder gehn emsig und weiß: v Frühling!
Unter dem Munde quillt ihr Herz, das Herz der Dichter, Und löst sich hoch zur Sonne, schön! schon.
Goldne Wünschelrute! rufen sie auf.
Dann neigen sie atmend sich Und denken der Sterbenden.
Oie Häsin Einohr.


