-renzen.
Fenster auf! Denn diese waren alle geschlossen worden, um mit hohlem Wugeninnern dem Wind keinen Hebepunkt zu bieten. Der Schweiß 30g 8äche über die sandbedeckten Stirnen. Das Innere des Wagens war so mit Sand bedeckt, daß, als über einem unbeobachteten Loch der Wagen iinen Hopser machte, eine Wolke von Sand aus den Polstern aufrauchte. wund, Argen, Ohren voll Sand. Die Uhren in der Tasche hatte ein- ’.tbrungener Sand zum Stehen gebracht. Die photographischen Apparate •i ihren Kasten, die Kleider in den Koffern, wie sich nachher heraus- Mte — in allem war Sand. . ..
Und die Fußbremse versagte. Der mehlfeine Sand war auch in die Bremsgeftänge eingedrungen und hatte die Schmierbüchsen oersiopst. Da '"eß es mit dem Del freigebig sein. . . . ,
Man wird mir die Genugtuung glauben, die wir empfanden, als wir :>n die Flußoase kamen. Kamen? Aber der Verkehr wurde, eines Strecken- aus wegen, für eine Meile durch die Wüste umgeleitet Bald saßen nur 1,1 den Sandschanzen fest. Erster Gang und Vollgas — doch die Maschine iiab einige erbärmliche Töne von sich, die Hinterräder drehten sich im Leeren — im Sand. Noch einmal der Versuch, und wieder, das Getriebe 5"9 sich hoch — der Wagen stand. Hinaus und mit den Händen den Bädern Bahn gegraben. Der Sand war heiß von der Reckung der Rader m -hm — umsonst. Vor uns steckte ein Omnibus in der Wehe, und hinter »5 war bald eine Kolonne von anderen Wagen aufgefahren. Und alle Maschinen sangen. Und alle Hände gruben.
Wir sind erst losgekommen, als wir dornige Trockengewächfe der Halb- ^ppe herausrissen und sie in die tiefen Spuren vor den Radern stopsten. y°r uns wackelte der Omnibus durch die Hügel der Hartgewachse. Schuetz- ch brachte die brave Maschine uns hinaus auf das Harte der »traBe.
Die Oase! Oase ist eines der kostbarsten Worte des Menschen..Da war '» Rio abgeleitet, in breiten Kanälen floß das starke Wafser entlang den Listen des Tales und netzte durch wohlregulierte Auslasse den Tnlgrund.
Land war rot. Und Grün stand darauf, Grün von einer Farbkrast man sie sich nicht denken kann. Und Pfirsichbaume und Pappeln. Uns _ „Der ° Paß"' van Mexiko. Eine eintönige, ordentliche, amerikanische Madt, ihre Ordentlichkeit hat sogar auf das über dem Rio liegende ^exikanifche Juurez abgefärbt. Eisenbahnzuge einer uns nur zu gut oe- innten Art rollen hereini der erste Teil der Züge bestand aus Personen' »°gen mit Männern in Khaki an den Fenstern, der zweite aus offenen ' oren mit Kanonen darauf, der dritte aus geschlossenen Loren a^ den Schiebefenstern steckten durstige Pferde die Kopfe. Denn drüben in Mexiko *Qr Bürgerkrieg, und die Union schützt ihre Grenzen.
Aber die Holzbrücke ins Amerikanische zurückgingen. Dann mußten wir oon neuem in Steppen, Prärien und Wüsten hinein, wir kreuzten trockne bunte Canontäler und auch das nasse des Nebenflusses des Rio Grande, Vas des Rio Pecos. Ihn überschritt nach Westen, heißt es, einstens einmal der Bison auf seinen Jahreszügen durch die Prärien — als das heilige Tier der Indianer noch nicht der furchtbareu Dämonie des Schießgewehres der Weißen erlegen war.
Wir kamen in phantastische Landschaften des Trockenklimas, bunt von Farbe und abenteuerlich oon Form. Die meist schwarzen und fast immer jarten Stoffe eines späten Vulkanismus lagen über den hellen Sanden und Mergeln eines Binnenmeervermächtnisses. Sonnenauf- und -Untergänge überfärbten das farbenreiche Land. Aber an den grellen Mittagen und ersten Nachmittagsstunden mit einförmigem und ertönendem Licht war das Steuern für den Führer eine nur halbe Luft, die zur Augenqual wurde, wenn die Westfahrt genau in die gleißende Sonne hineinging. Man schützte sich mit grünem Stirnschirm aus Zelluloid und gelben Augengläsern; aber es kam wohl vor, daß gehalten werden muhte und der Fahrer um zehn Minuten Ruhe bat und, das Gesicht in den dunklen Wagen gekehrt, sofort in einen kurzen erregten Schlaf fiel.
Doch das Licht war nicht allein die Mittagsqual. Um Mittag erhebt ich, wie meist in heißen trockenen Ländern, der Wind. Die durch Boden- irahlung erhitzte Luft steigt auf und rührt sich durcheinander. Sand- jofen stehen in der Wüste auf, im sonnenklaren, weiten, grenzenlosen Üanbe ziehen sie wirbelnd ihre Straße, und es ist oftmals nicht durch wngsamer oder schneller Fahren zu vermeiden, daß der Wagen in den n seinem Gang nicht berechenbaren Wirbel hineingerät. Dann wird es einen Augenblick kühl, der Sand reibt auf Haubenblech und Scheibe, knirscht auch bald zwischen den Zähnen und wird aus den Augenwinkeln gerieben. Früher, als die Lackfarbe des Wagens noch nicht gebrannt wurde, ereignete cs sich, daß Kraftwagen aus einem solchen Sturm, durch bas Sandgebläse nackt gemocht, in der reinen Aluminium- oder Blech- jiirbe des Aufbaus herauskamen.
Immer sieht man in der Stunde der hohen Sonne die gelben Sand- iojen durch die Landschaft tanzen, und öfter erblickt man auch Sand- äürme, breite, dunkle, gewitterbahnähnliche Gebilde, wie sie über die »lauen fernen Randgebirge herauf- und fernabziehen. Ziehen sie nicht iitrnou und fürchtet man ihr Herüberkommen, so sucht man wohl einen Unterstand. Aber wo finden? Meilen um Meilen entfernt liegen die Siedlungen, man fährt wohl zehn, auch zwanzig Meilen nach der Karte, »uf der ein „Ort" eingetragen ist, und findet vielleicht eine einsame ■ Lenzinstation.
Einmal stieg die dunkle Sandwand gerade vor uns auf, der nächste 3rt vor uns, ob auch weit entfernt, war näher als der nächste hinter 1 uns In jedem Falle würden wir in den Sandsturm hineingeraten — iso hindurch! Die Temperatur fiel. Die Sonne verschwand. Die Luft wurde undurchsichtig. Die Nähe verhüllte sich tief. Und dann kam der Sturm. Er überschüttete uns mit Sand. Es war so unsichtig vor den l Augen, daß ich nur wenige Meter über den Kühler hinausschauen konnte mb aufs Gratewohl und auf gut Glück fuhr. Es war mir bekannt, daß m diesem Amerika, in dem der Wind im Durchschnitt und allgemeinen ie doppelte Stärke des Windes in Europa hat, Kraftwagen vom Sturm vohl aus der Bahn gehoben, fortgeschleudert und auch zertrümmert wer- en. Aber dieser Sturm war nur schwach... Die Wand war bald durch- ühren, die Sonne erschien wieder, eine rote Scheibe in der Sandlust, die Atmosphäre beruhigte sich, Sand und Sturm waren hinter uns.
Am anderen Tag fahren wir im Riotal nach Norden. Ja, das ist der Nil! Eine langgestreckte rote Oase mit dem intensivsten Grün der Pflanzungen und so breit ober schmal, wie das Wasser zugeführt werden kann. Darüber hinaus Wüste, beschlossen von schonen, kahlen Bergen mit spanischen Heiligennamen. Die Dörfer gesund und stattlich, die kubischen Häuser wie in Aegypten aus Lehm, der an der Sonne steinhart wird, erbaut, die Männer in riesigen Sombreros, die Frauen in bunten Seidenschals, denn es ist Sonntag. Auch die Kirchen aus Lehm, die Mauern geböscht wie die der ägyptischen Steintempel, denn diese für den Sseinbau unnötige Böschungsformen ist in Aegypten Ueberlieferung aus dem Lehmbau. Die Pfirsichbäume blühen zartrot, die Pappeln, cottonwood, Baum- wcllbaum, geheißen wegen der flockigen Blüten, führen mit zarten Grün den Blick weit hinauf, wo man den Rio nicht mehr steht, als Begleiter des Flusses. Der graue Baum mit der rissigen Rinde ist der Charakterbaum dieser Wüsten; er steht immer dort, wo offenes Wasser ist. Es ist ohne Frage derselbe Baum, den Hedin aus den Wüsten in Turkestan und den Tarim entlang abgebildet hat. Die Straße, dem Wohlstand und dem Verkehr der dicht besiedelten Gegend entsprechend, ist in gutem, ja in bestem Stand. Auf der Zementdecke dahingleitend, die Morgenso'nne im blauen Gezeit über uns — und Sonntagsstimmung und die Genugtuung über die Oase nach der Wüstenfahrt in uns — es war eine herrliche Fahrt! Die Maschine hatte ihre Anstrengung von gestern und vorgestern vergessen, wie wir.
Aber es kam wieder der Mittag und sein ödes Licht, die Landschaft wurde von Bewohnern leer, die Menschen gingen in die Kühle ihrer fast fensterlosen Häuser, Sandhosen standen wieder am Rande der Wüste auf und wagten sich auch in die Fruchtgelände, wo sie, ungenährt, bald zu- sammenbrachen, die schonen, farbenfrohen Vogel Amerikas, „redwinged blackbirds“ — schwarz mit roten Streifen auf den Flügeln gleich Ehrenlegionsbändern auf Fräcken — „bluebirds“, taubengroße Vögel vorn herrlichsten schimmernden Blau, suchten den Baumschatten; aber wir Reisenden mußten fahren.
Der Abend ist das Herrlichste in der Wüste. Es ist, als ob die Natur durch Kühle der Luft und Entfaltung von Farben um Vergebung bitten wollte für das, was sie am Tage dem Auge und Gemüt des Reifenden auszustehen gegeben hat. Den Fluß mit den zarten Farben feiner Vegetation mußten wir verlasfen, denn Terrassen, die er in diesen stofflichen Niederschlägen eines tertiären, einst zwischen den Randbergen stehenden Binnenmeeres ausmodelliert hat, schoben sich heran, und es ging hinauf und hinab durch die trockenen Täler der Zuflüsse der Regenzeit auf nicht ungefährlichen Wegen. Die Hupe tönte unaufhörlich von den riesigen Nasen der Krümmungen. Aber die am gänzlich wolkenlosen Himmel in Gelb und Gold untergehende Sonne zauberte ein Blau und dann ein Violett über die Berge, wie wir es wahrlich niemals gesehen haben. Reste von Veilchen waren die Berge. Bald aber flieg im Osten über dem tiefen Bergblau das kalte, leere, leichte Blau des Schattens herauf, den der Ball der Erde wirft, der kosmische, flachrunde Schatten stieg in dem Maß, in dem im Westen die Sonne unter den Horizont tief und tiefer versank, im Osten hoch und hoher, und die Sterne der erlösenden Nacht blinkten herein und immer stärker herein.
Als sie spitzen und „Nun zur
Zur „Wald- und Wafferfreude".
Novelle von Theodor Storm.
(Fortsetzung.)
mit der Sonate fertig waren, hob Kätti sich auf den Fuß- langte über dem Klaviere ihre Guitarre von der Wand.
Belohnung!" sagte sie, lächelnd auf ehren Spielgenossen blickend, und dieser, als ob er nun das Höchste leisten müsse, drehte
emsig an den Stimmwirbeln, klimperte und strich und drückte fast das Ohr an seine Geige.
„Strittet — Strafet!" rief wiederum die junge Stimme; da kletterte er eilig von feinem Thron herab, und bald wanderten trie beiden nebeneinander im Saale auf und ab; sie leicht dahinschreitend und mit ihrer lichten Sopranstimme singend, daß es von den leeren Wänden schallte; er mit seinem lahmen Fuße stets nach einer Seite wippend und zu ihrer Gitarre begeistert feine Geige streichen di Was hatten sie nicht alles schon gefungen, den „Jäger aus Kurpfalz" nicht weniger als „So viel Stern' am Himmel stehen". Plötzlich mitten in einem Schelmliedchen brach sie ab; „Sträkelstrakel!" rief sie, indem sie stehenblieb.
Er war in seinem Perpendikelgange schon um ein paar Schritte weiter; als er Posto gefaßt hatte, wandte er sich um, und -das schlichte, staubfarbene Haar von seiner mageren Nase streichend, erwartete er ehrerbietig das Orakel aus ihrem jungen Munde. .
„Peter Jensen!" sagte Kätti feierlich und nannte ihn bei seinem vollen Tausnahmen; „was kann Er geigen!"
„O, aber Mamsellchen!"
Und ist Er auch noch niemals draußen in der Welt gewesen?" "Draußen in der Welt? — Was sollt' ich da, Mamsellchen?" "Ja " jagte sie träumerisch und heftete die Augen auf das arme Körperchen des Musikanten, als wolle sie selbst das Wunder nun vollbringen; „wenn er doch jung und hübsch wär', Sträkelstrakel!"
Er nickte nachdenklich, als ob ihm das schon wohl gefallen mochte. „Was bann, Mamsellchen?" frug er schüchtern. .
„Dann — aber das versteht Er nicht, bann wollten wir beide mtt- oinander in die Welt hinaus!"
Ex fugte nichts; er kniff die dünnen Lippen zusammen und sah sie halb anbetend und halb traurig an.
Nun?" frug sie endlich.
Der arme kleine Musikant hatte sie wirklich nicht verstanden, er fand es hier im Dorfe setzt so schön wie niemals noch zuvor bei seinen bald rterkia Jahren „Warum denn in die weite Welt, Mamsellchen?"
Warum?" — Wer sie blieb selbst die Antwort schuldig; der Anfang eines Liedes tauchte plötzlich in ihr auf, -dessen Worte sie kaum jemals recht gefaßt hatte Wsi tastend griff sie einen Akkort und hob mit halber Stimme an:


