Ausgabe 
15.8.1932
 
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farmoniter von schönster Leuchtkraft, auch die choreographischen Bilder von Margarete Wallmann zum Teil sehr ausdrucksvoll.

Damit auch der internationale Gedanke zur Geltung komme, brachte ein von dem Pariser Philippe (Säubert dirigiertes Konzert einen Querschnitt durch die moderne sranzösische Musikliteratur. In der Haupt­sache waren es Impressionisten, Debussy, Dukas, Florent Schmitt, von -dem eine 1907 komponierteSalome" sehr interessierte und dem an- we enden Autor Hervorruse eintrug. Und Jaques Th iba ut spielte mit großer Delikatesse und bestrickendem Ton Salos Symphonie Espagnole, hem internationalen Publikum zu höchstem Dank.

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Eines fehlt im Salzburger Festspielprogramm 1932 gänzlich: das Schauspiel. Nicht einmal für Iphigenie" oderStella" war Raum. Oder liegt's am Geld? Geblieben ist nur das Mysterienspiel vor dem Dom, der .Jedermann", wenn auch ohne Alexander Moissi, der sich klug 3urutf= gezogen hat. In der Eindruckskraft seiner asketischen Leldensgebarde bleibt er uns unvergessen: Paul Hartmann, sein Nachfolger, ist em männlicher, ein guter Sprecher, aber sonst nicht sonderlich überzeugungs- krästiq Dafür aber hat Max Reinhardt die Ausführung nur auf- «efrkscht. Nicht nur mit farbigeren Kostümen, sondern auch mit dem dringend notwendigen Zuschuß an künstlerischer Vertiefung und Diszi­plin Und wenn die Abendschatten sich über die herrliche Fasfade des Domes senken und aus dem Innern des Gotteshauses Orgel- und Engels- aesanqe den reuigen Büßer Jedermann in die Gruft geleiten, ein groß­artiges Unisono von erhabener Kulisse und religiöser Stimmung, wird auch der Setzte des vielsprachigen Publikums in feinem Innern getroffen. Einen Atemzug lang stockt jedes Menschenherz. _ .

Allein um dieses Atemzuges willen lohnt sich der SalzburgerJeder­mann".

Haustiere machen Weltgeschichte.

Von Dr. Ernst Feige.

Europäisierung der Erde - das bedeutet nicht nur fu^itung des weihen Europäers, sondern auch den Sieg seiner Wirt chafts- und Kulturverfasfung in fremdartigen Gebieten. Manchmal hat nur ein glück­licher Zufall den Kampf entscheiden können, gewöhnlich steht der Sieg des europäischen Kulturgedankens aber im engen Zusammenhang mit den treuesten Hilfsgefährten des europäischen Menschen, mit seinen Haustieren. Nur in wenigen Gebieten der Erde haben sich uns Europäern ver­trauten Haustiere nicht einbürgern können, und dort ist es auch dem Europäer nicht gelungen, sieghaft Fuß zu f aff en. Wir mögen babei: an die arabischen oder asiatischen Wüsten denken, wo nur ..komelfuhrend« Völker ihr Dasein behaupten können aber auch an "ordsichen Rand der Neuen und Alten Welt, wo das Dasein des Menschen an das uns.ere Renntier geknüpft ist, oder endlich an die tibetische H°^Ssbirgszone nu ihren Grunzochsen. Und umgekehrt brauchen wir "urdw Wirtschaft^ veriaisuna Amerikas uns zu vergegenwärtigen, wo nicht etwa der -ucais und das Lama dem Europäer die Ueberlegenheit über die Angeborenen Kulturen gesichert haben, sondern neben den europäischen Getreidearten das Schaft das Rind oder das Pferd. Freilich berichtet oon bieten frieb= lichen Ursachen des Europäerfieges in der Welt

und kein Denkmal. Nur wenn das Haustier als Teilnehmer kriegerischer Handlungen auftritt, finden sich in unferen

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rifnfipn im Nähre 387 v. Ehr. geworden sein soll, die auch sonst vewayrie Wachsamkeit der Kapitoigänse 'kündigte den Ansturm der sremden Go ier unter Brennus an, so daß diese trotz der Eroberung der,St°dt selbst schließlich unverrichteter Sache umkehren mußten Vb^s-Anekdote wahr ist oder nicht, an der Wachsamkeit der Gans und ihrem Mißtrauen gegen jede fremde Erscheinung ist nicht zu zweifeln. Es besteht also durchaus v Möglichkeit, daß die Erzählung auf emern wirklichen Vorgänge beruyk Nur ein Zufall - die Anwesenheit der Ganse °uf dem befestigten Kapital hätte demnach verhütet, daß ganz Italien ch 1 Schnattern der unter eine nichtrömifche Herrschaft gelangte, un römischen Welt- Gänse in jener Schicksalsnacht hat die Entwicklung bes römischen reiches gesichert. Ohne jenes klassische Schnattern h . Dorherr-

römischen Pandekten zu plagen, die alte pd°uiz'sch-karthagi^ Vorher^

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her, denn wiederum vermochten Haustiere der erblherrn fr a n n i = ta »ä -* st bamit taud)ten in ber überlieferten europai[d)en !$./) über den euro- tiere anderer Weltteile auf, 6ie .Seitmeiüg ein e%rQqe aufwerfen, päischen Menschen gestatteten. Wiederum laß f $ b e 5 mnd)t be5 welche Folgen, der karthagischeSieg überd,i dam il J ent[$eibenbe

europäischen Südwestens gehabtJatte. Si$erl ) 9 ^ s^önizier, Zurückdrängung der Römer durch ine TOaAt b« lartöaßtW w# « deren Spuren sich schon in der °°rgesch.chtl-ch-nZett^s no-y nien hie verfolgen baffen, poütvsch und k . <in ba®en die alten Gestaltung der europäischen Welt verursacht, h h

Mömer schon manche Kulturerrungenschaften b überlegene Kul-

tion weiter fortgeschrittenen Karthager uberno unt) Sprache ähn- tur jener Mittelmeerbeherrscher hatte auf b Noamen unb Griechen- Iidje Einwirkungen ausgeubt wie schon voch P g M^telmeer hinein

land, das ganze Schwergewicht der stuuurmeit u

wäre, wie einst in ber ägyptischen ober babylonischen Zeit, von Europa wegoerlegt worben, ber Elefant hätte auch in Europa ein dauerndes Bürgerrecht erlangt.

In langen Kämpfen hatten die alten Romer schon vor dem Auftreten .ber Karthager in Italien den Elefanten als Kriegsgegner tennen*?Iernt und Methoden zu feiner Abwehr entwickelt. Das an sich so kluge Riefe»- tier ließ sich durch kleine Ueberraschungen in Verwirrung bringen unb gefährdete bann feine eigenen Freunbe. Dieser Umstand hat sicherlich weit mehr zum Verzicht auf diesen gewaltigen Gehilfen beigetragen als die Schwierigkeiten seines Fanges unb feiner Abrichtung. Viel nachhaltiger blieb jeboch bis Rolle, welche bas flüchtige und wehrlosere Pferd in der Weltgeschichte spielte. Obwohl es ursprünglich wahrscheinlich als Haustier gar nicht europäischer Herkunft ist ober minbestens in ben europäisch- asiatischen Grenzgebieten als Kriegshelfererfunben" wurde, ist es doch tief in das europäische Kulturleben verankert worden. Der Umstand, daß noch Hannibal seine militärische Ueberlegenheit zum großen Teile feiner Reiterei verdankte, beweist die lange Zeit fremdartige Stellung des Reit­pferdes in ber politischen Geschichte Alteuropas. Unb selbst in bem benach­barten Mittelmeergebiet hat das Pferd oftmals Vorsehung gespielt, wenn die entsprechenden Vorgänge auch nur sehr dunkel aus der Geschichte her­vorleuchten. Jene fremdartigen Hyksoskönige Aegyptens, welche das hoch­kultivierte Sand fo lange beherrschen konnten (1875 bis 1580 v. Ehr.), ver­dankten ihre militärische Ueberlegenheit ihrer Reiterei, die zu jener Zeit eine unerhörte Neuheit für die überraschten Aegypter gebildet haben muß. Und jene Zeit der ägyptischen Revolukions- und Kriegswirren, die sich in ihren Folgen am ehesten mit unserem Weltkriege vergleichen laßt, hat offenbar in Aegypten eine Entwicklung beschleunigt und abgeschlossen, die vorher nur sehr zögernd vor sich gegangen war: die ägyptischeAutar­kie" des Haustierbesitzes war endgültig aufgegeben, europäisch-asiatische Haustierformen hatten den Sieg über die einheimische altägyptische Haus­tierwelt davongetragen, an die Stelle ber Nilgans, der zahmen Antilopen und des Söroen traten unsere gewöhnliche Graugans, das Pferd, die uns gewohnten Rinder, Schafe und sonstiges Getier. Die ganze ägyptische Ex­pansion ist dadurch zweifellos in eine andere Richtung gedrängt wordeiz, die europäische Welt ist nicht ägyptisiert worden, sie hat das griechisch- lateinische Alphabet statt der ägyptischen Hieroglyphen angenommen, Aegyptens kulturpolitische Vorherrschaft blieb auf feine unmittelbaren Nachbargebiete beschränkt, unb in ber Gegenwart ist das Sand bekanntlich ganz unter europäische Vorherrschaft geraten.

Auch viel später noch hat bas Pferd auf europäischem Boden große Verwirrung in der Weltgeschichte angericfjtet; aus denselben Unruhe­gebieten, aus denen die schwer zu lokalisierenden Hyksos in Aegypten ein­brachen, sind vielleicht die Reiterstürme des Ostens in das politisch erschütt terte Europa des Mittelalters eingedrungen und liehen sich nur dadurch abwehren daß sich der Europäer des neuartigen Kulturgutes sehr nach­drücklich unb geschickt annahm, ähnlich wie in ber Gegenwart jene Euro­päer bes fernen Ostens, die Japaner, welche den Europäer mit (einen eigenen Waffen zu schlagen vermochten. Das ist aber ein seltenes Bei­spiel in der Menschheitsgeschichte, in der Regel wußte der Europäer zu- gleich mit seinen überlegenen Haustieren ber fremdartigen Welt sem Ge­präge aufzudrücken, ein Beweis dafür, baß die Wahl seiner Haustiere glücklicher war als bei ben farbigen Volkern der Erde. Selbst ber Hund hat in dieser Beziehung feine Rolle gespielt; so konnten die amerikanischen Völker trotz ihrer hohen Kultur doch den grausamen Hetzhunden der Spa­nier unb Portugiesen nichts Gleichwertiges entgegenstellen, unb der Hund hat neben bem Pferde die schnelle Unterjochung des neuen Ausbreitungs­gebietes europäischer Kultur und Unkultur überhaupt erst ermöglicht Un- zählig sind die Fälle, in denen der entscheidende Einfluß ber europäischen Haustiere auf den Gang ber Weltgeschichte durchleuchtet. Mag es sich um das Geschnatter der kapitolinischen Gänse handeln, um die schmerzhafte Empörung der von den Römern ihren Feinden entgegengeroorfenen Bie­nenschwärme ober um die spanischen Kriegshunde, selten hat in dem großen Ringen um den Einfluß in der Welt das Haustier feine Rolle verfehlt, und ein künftiger Gefchichtsfchreiber sollte untersuchen, ob feine Wirksam- feit bei ben großen Entscheidungen über den Verlauf unserer ganzen Kultur nicht weit größer gewesen ist als die manches gerühmten Knegs- helden.

Oie Brüder vom guten Vollmondgesicht.

Flämische Segenbe von Charles d e Coster.

(Fortsetzung.)

Aber eine Alte schwang ihren Stock in der Lust und redete für die andern.Wir wollen euch, ihr Säufer, Neuigkeiten von Stocken berichten und strafen, wie solches sich gebührt." ...

Wehe, wehe", heulte da Pieter Gans,ich vernehme da die Stimme meiner Ahne recht, du Nichtsnutz", rief da die Alte.

Während die guten Vollmondgesichter bei diesen Reden gar lustig ihre Wänste vor Sachen schüttelten, fugte Blaeskaek:Tretet doch ein tretet ein hr Weiber, auf daß wir sehen, wie ihr uns schlagen werbet. Habt ihr' gute Stäbe von grünem Holze?" -Ja." -Des bm ich. froh. Wir aber wir haben hier gute Ruten, in Essig getaucht, womit wir die Knäblein schlagen, die nicht gehorchen wollen. Euch wird es ein himm­lisches Vergnügen sein, zur Erinnerung an eure Kindheit, derart ge­strichelt zu werden. Wollt ihr davon kosten? Wir geben euch gern für

Die ^Mten^abei erschraken gar sehr bei diesen feinen Vorschlägen und flohen von bannen eiligen Saufes, in Sonderheit 6rau Syske, und sie ährten so schreckliche drohende Reden, daß solches den fröhlichen Brudern gleich dem Geschwätz der Raben glich, die durch die stillschweigenden ®aDi1e Jungen' waren unter der Türe geblieben unb sie waren kläglich annischauen wie sie ehrbar, sanft und demütiglich einige Zärtliche Worte ihrer Männer unb Versprochenen mit ©ebulb erwarteten.

; __$e", fugte Blaeskaek,beliebt es euch hier ein$utreten?