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)Uf gleicher Höhe Mischen uns und dem Mttelmeer, ein großes Fracht- toot kommt von Südamerika oder Madeira westlich um Kap Sportel di« isrikanische Küste herauf, zwei Frachtschiff« und ein hoher Dreimast- choner — er reitet mit allen Segeln norm Wind — stehn nm Mittelneer mit dem Bug gegen uns, und von Kap Trafalgar her, mit Kurs iMdost, kommt ein riesiger Dampfer mit drei schwarzen Schornsteinen tnö dem grellgelben Ausbau der englischen Ostasienlinie. Ich blicke um nid), ich visier« gegen das Ufer und sehe, daß wir trotz voller Fahrt ,nb guter Lage im Ostwind kaum von der Stelle kommen, ich erinnere nid), daß das die berühmte Strömung der Straße von Gibraltar ist, lie vom Atlantik gegen das Mittelländische Meer drückt und zäh überwunden fein will — ich sehe also eben noch, daß wir still liegen, sehe tie Schiffe, sehe drüben die mächtige, sonnenverbrannte Kahlheit des mdalufischen Landes mit seinen verwitterten Wachttürmen — da fällt liebel ein. Aus der schmalen Bucht von Algeciras quillt, jagt er her- :or, rennt westlich, südlich, rennt östlich gegen den Wind, die Sonne -wird stechend rot, wird grau, ist verschwunden, verschwunden sind die Fifer, verschwunden die Schisse, grau gespenstisch zerflossen die Gesichter i«r Mitfahrer zwei, drei Meter nah auf dem Boot. Die nächste Welle .st blass« Milch, die zweite ist schon nur mehr ein zergehender Hügel, fier Wind versickert, das Meer liegt glatt, glatt, glatt in einem weihen, dnnenwarmen, nassen, beklemmenden, undurchdringlichen Dunst.
Die Lustigkeit der Andalusier ist nach einem letzten Flattern ver- -iimmt, das Segel wird eingezogen, der Hilfsmotor springt an und gibt iroei schüchterne Explosionen in der Sekunde, und vom Mittelmeer her iiökt schon ein großes Nebelhorn dunkel klagend, suchend hinter einer wallenden Wand. Ein anderes, näher, heller, gibt Antwort — wohl der Souristendampfer, der auf gleicher Höhe mit uns liegt, dann meldet sich ler aus Madeira, dann wieder einer vom Mittelmeer — und schließlich, :ur schräger, näher, südlicher und durchaus anderswoher, als zu erwarten stand, brüllte eine dreifach, fünffach mächtigere Sirene ihren iufpeitschenden Löwenschrei über zwei Meere: der Koloß, der gelbe dstasiensahrer ruft Warnung. Die Antwort von Ost her ist ein schreiendes Doppelsignal: der klein« Dampfer aus Gibraltar hat gestoppt, wagt richt weiter zu fahren. Rechts, links, ringsum die gleichen Doppelsignale: lie Schiffe liegen ohne Maschmenkrast. Nur der Ostasiate brüllt einmal ins: er hat keine Zeit, er fürchtet nichts, er hält Fahrt. Brüllt also auf — und seltsamer und beklemmender Weise hinter unserem Boot und entfernter. Es ist offenbar, daß wir uns drehen. Sie Andalusier schreien itroas, lassen die Finger flattern, mit einem ruhigen Handgriff, unbe- oegten Gesichtes, schattet der Mann am Steuer den Motor aus — wir Ireiben, treiben blicklos und hilflos in der Sttaße von Gibraltar, zwi- . ihen heulenden, blökenden, suchenden, warnenden Ozeandampfern, deren kleinster mit fernem Bugmesser unser Boot zerschneiden muß wie Papier.
Es geschah dies: der Ostasienfahrer kam näher. Unsichtbar hinter zehnfachen Wänden warmen, milchigen Dunstes brüllte er, brüllte Fahrt. Dir drehten uns um und selbst wie irgendein verendendes Tier, und las Heulen fiel uns bald von der ©eite an, bald vornher, bald vom Säcken. Aber Heller mit jedem Mal. Näher mit jedes Mal. Zerreibender lit jedem Mal. Die Andalusier waren aufgesprungen, warfen flatternde bände hoch und schrien, schrien. Der Steuermann hatte sich abgewandt :nb suchte durch den Nebel zu schauen. Mir schräg gegenüber saßen die leiben Araber auf ihrer Bank, ©ehr aufrecht, die eine Hand in bie Sordwand gekrallt, ohne Regung, mit geschlossenen Lippen. Wie man in solchen Augenblicken nun einmal sinnlos an Kleinem haften bleibt, fejchah es mir, daß ich mich wunderte, dunkelhäutige Menschen so sehr «rblaßt zu sehen.
Dann teilte sich schräg backbords der Dunst, und keine zwanzig Meter mtsernt kam das Schwarze auf unser Boot $u. Ich nahm wahr, im Laufe zweier, dreier Sekunden: den Bug haushoch, an der Schneide mit toter Rostfarbe angelegt und unten von der stiebenden Weiße des zer- chn-ittenen Wassers umschäumt; die Andalusier, schreiend, schreiend; trüben, droben zwei Matrosen, die Arme werfend in verrenktem Signal; <lne Glocke; das Schrillen elektrischer Klingeln. Dann wurden wir ab- (ebränqt machtvoll sanft, auf die Sette. Legten uns steuerbords schräg iah eine breite Welle Wassers hereinschlug. Neben uns, über uns, aus lern gelben Aufbau brüllte, drohte, fluchte ein Mensch >n tveißer Ofsi- jiersuniform. Eine Reihe Gesichter schwamm vorüber — Menschen rmt Stoibs, mit Hüten, in Sommerkleidern, Kinder, Matrosen. Und wieder, tefer und höher, lebend, winkend, rufend hingesetzt vor die grelle »etbe des Riesenhauses, lange Menschenreihen eine Brüstung entlang, dann spie eine Schraub« grünliche Wirbel. Und bann war das Mach- l ge nur mehr «in graues Gespenst. Blasser, blaß. Und zerrann.
Die Andalusier lachten, sohlten. Schüttelten drohende Fäuste hinter iem entgleitenden, entglittenen Spukbild. Die beiden Stroter mären >hn« Regung geblieben. Der ältere grauen Gesichts, di« Hohle
ies Schluntes sichtbar zwischen halb geöffneten Kiefern. Der >ungere ichtet« sich plötzlich halb aus. Er neigte sich an die Bordwand, ungenanntes Mundes, und erbrach.
Wasser stand im Boot um unsere Füße. Die Andalusier hotten Brot 'nd einen Schlauch Wein. Durch milchiges Wogen M ug f off« eines großen Hais um das Doot, zog machtvou unb.
*nn die schon gewittert« Deut«. _ ..
Als der Nebel bodwina fanden wir uns von der Strömung weil 'ach Osten getragen, ms Drittelländische Meer etwa dreMg.funfunb- iroißig Kilometer nordöstlich von Ceuta. Don be ngr o ße n«chfi .
^chts mehr zu sehen. Wind sprang auf. Der Motor war durch em Du n der unbesihädigt geblieben. Es war Abend, als wir um den We- lrecher ins Hafenwaffer einbogen, und die „Katendrecht ri f ttit kurzen ©irenenfignalen an Bord.
Dem Nachkommen Perez be Guzmüns habe Jihrlohn v«>
teigert. Er hat feine Würde nicht verloren. Er hat mich i »erlichen Worten verflucht.
©er Kriegskommiffar des Königs.
Roman von Friedrich F r e t (a.
Copyright 1931 by August Scherl, G. m. b. H., Berlin.
(Fortsetzung.)
,©o‘, sagte der Major, der wieder in der Wachtstube stand, .trinken will Er? Kann Er haben! Unterzeichne Er nur hier, daß er aus freien Stücken den Fahneneid schwören wolle und Soldat werden?
.Das ist ein« Lüge vor Gott und vor mir!' rief ich. .Und es kann nicht fein, daß unser gerechter König verlangt, daß einer seinen Fahneneid mit verneinendem Herzen schwört.'
Der Major schüttelte den Kops. .Keine Unterfd)rift — keinen Trunk!'
.Dann gehe ich!' sagte ich und schob bie Kerls zur Linken und Rechten von mir und gewann die Tür. Wär' mir nicht einer in den Nacken gesprungen, hätte mir nicht einer die Beine weggeschlagen, wären es nicht so viel« gewesen, ich wäre 'davongekommen.
.Stark ist der Kerl wie ein Bulle und will den Pfarrer machen!' schrie der Major. .Das wäre eine Schande vor Gott und dem König!"
Ich habe einen Tag und eine Nacht gedurstet, aber bann ging’s nicht mehr, zumal sie ganz höhnisch noch schönes kühles Bier nahmen, einschenkten unb sich zutranken. — Also, ich lang' nach dem Glas, ba steckt mir auch schon einer bie Feder in die Hand, da war bie Unterschrift auch schon gestellt — und da konnfi ich trinken, was ich mochte, und gaben mir Braten zu essen und Wurst und redeten mir gut zu, waren ganz freundlich, und der Major meinte, ich wär' der Zweitlängste in des Königs Garde unb würde des Königs Wohlgefallen erregen.
Ich war innerlich aufs üefste betrübt, sah ich doch meine ganze Lebenshoffnung vernichtet durch diesen Wechsel in meinem Schicksal und fühlte ich doch, daß eine große Ungerechtigkeit an mir begangen fei. Aber ich schwor mir, ich wollt's geduldig ertragen, doch, sobald ich konnte, Gerechtigkeit vom König erflehen.
So machte ich mehrere Monate in Potsdam das ganze Exerzitium und den ganzen Dienst eines gemeinen Soldaten durch. Es ist für mich eine harte und bittere Zeit der Entsagung gewesen, wenngleich ich nicht geschlagen wurde.
Endlich ist Seine Majestät ber König von einer Inspektionsreise wieder nach Potsdam gekommen und hat, wie es sein« Gewohnheit war, befohlen, alle inzwischen eingestellten Rekruten seines Garberegiments sollten zur persönlichen Vorstellung vorgesührt werden.
Das war bann nun eine große Aufregung bei den Offiziers und Korporalen, und haben uns vermahnt und uns eingebläut, wie wir uns vor bem König zu verhalten hätten.
Ich aber hatte mir zugeschworen, koste es, was es wolle, ich würde sprechen. Und ist auch bi« Gelegenheit gekommen! Der König ging bie ganze Reihe ber Rekruten entlang, schaute jeden sorgsam an von Kops bis zu den Füßen, unb als er mich gesehen, ber ber Längste von den neuen war, hat er wohlwollend mit dem Kops genickt, und ich sah ihm an, er hat sich über meine Person gefreut. Diesen Augenblick habe ich benutzt, bin mit einem Schritt vor den König nah hingetreten und habe mit fester Stimme gesprochen: .Majestät, ich bitte um Gnade und Gerechtigkeit! Ich bin ein studiosus theologiae aus Wittenberg und als solcher vom Soldateirdienst befreit. Man hat mich aber mit Gewalt angeworben und mir meine Studentenmatrikel fortgenommen.'
Auf diese Wort« ist ber König ganz rot geworden, Jähzorn stieg ihm ms Gesicht, hat seinen Krückstock hochgehoben, ais wollt' er mich auf den Kops fchlagen. Und mit zorniger Stimme hat er geschrien: .Was Er sagt, ist ein« ausgestunkene Lüge, unb Er, Kerl, ist ein infamigter Halunke! Wie kann Er beweisen, daß Er ein Student ber Gottesge- lahrtheit ist? So ein Grenadier, der über sechs Fuß Maß hat, den lass' ich nicht mieber fort!'
Aber ich hatte mein Herz befohlen, hab' bem erzürnten König grab ins Gesicht geschaut und hab' geantwortet: .Eure Majestät sind jetzt ber Herr meines Körpers und können mich jeden Augenblick schlagen lassen, daß ich tot zusammensinke, aber ber Herr meiner Seele sind Sie nicht und haben nicht bas Recht, mich einer Lüge zu beschuldigen; denn Lügen ist Sünde, und dieser habe ich mich noch niemals schuldig gemacht!'
Alle die umstehenden Offiziere rissen Augen und Mund auf, und die Korporale hatten das Zittern, als würden sie innerlich geschüttelt, weil ein gemeiner Soldat sich's erkühnte, öffentlich auf seinen Monarchen einzu- reben. Und ein Leutnant schrie: .Der Halunke muß sogleich in Eisen gelegt und als Arrestant abgesührt werden und dann Spießrutenlaufen, daß er am Leben verzagt!'
Der König aber hatte den Stock wieder sinken lassen, die Augen geschlossen und ganz ruhig gesprochen: .Courage hat Er, das merke ich! In einer Stunde soll Er sich bei mir im Schlosse melden!' Dann hat er mich groß angeschaut. Das war schlimmer als zuvor, ba er den Stock hob.
Auf dem Absatz hat er scharf kehrt gemacht und zum Hauptmann meiner Kompanie hingeworfen: .Dem Kerl geschieht nichts, hört Er?!'
Nach einer Stunde bin ich bann vom Adjutanten des Regiments ins Schloß geführt und alsbald bei Seiner Majestät vorgelassen worden. Der König mit geöffnetem Rock unb Gilet, auf einem Holzstuhl am Fenster, hat eine mit holländischem Tabak gestopfte weiße Gaudapfeife im Mund aehabt unb eifrig ben Tateksdampf in die Luft geblasen. Wie ich str-nnm- stehe, ist er aufgesprungen unb mit großen Schritten im Zimmer auf und ab gegangen plötzlich vor mir stehengeblieben und hat mich wieder mit diesem einen langen Blick von Kopf zu Füßen gemustert, daß nrir's war, als ob man mir durch bie Fersen eine Geigensaite zöge. Dann hat er gesagt, ganz leise: .Also Er will Student der Gottesgelahrtheit sein! Hat Er Beweise?'
Hab« ich geantwortet: Meine Matrikel hat man mir gewaltsam geraubt, und was für einen andern Beweis kann ich Eurer Majestät im Augenblick liefern?"
.Hör' Er, wenn Er seine Sache gut studiert hat, muß Er verstehen, «ine Predigt zu halten. Kann Er bas?' hat mich der König inquiriert.
Ist meine Antwort gewesen: Fxib' zwar in meinem Leben noch nie-


