Ein- und Ausschatten und zur Regelung der Geschwindigkeit bient. Dieses Schaltbrett wird mit drei kleinen Kreiseln ausgestattet, von denen jeder mit einem der großen elektrisch verbunden ist. Die kleinen Kreisel machen alle Bewegungen der großen mit und können leichter beobachtet werden als diese. Vor allem sind sie empsindlicher gegen das Schlingern. Sie zeigen mittels besonderer Vorrichtungen an, bis zu welchem Grade und ob es gleichmäßig auf beiden Hälften des Schiffes abgedämpft ist. Die großen Kreisel haben oben einen Durchmesser von 4,3 Metern und werden 750 Umdrehungen in der Minute machen. Der Schiffskörper der „Conte di Savoia" wird außer der Kreiselanlage eine Anzahl technischer Einzelheiten enthalten, die in der Schiffbauversuchsanstalt zu Hamburg ausgearbeitet wurden. Das Schiff soll im Laufe des Jahres 1932 in See stechen und feine erste Reise zwischen Neapel und Neuyork antreten. Die mächtige Kreiselanlage wird sicherlich dazu beitragen, die Fahrt zu einem Vergnügen zu machen.
Das Bestreben, dem Meer die Schätze zu entreißen, die es im Laufe der Zeiten verschlungen hat, wirkt befruchtend auf alles, was mit der Tiefseetaucherei zusammenhängt. Vor allem hat man sich bemüht, das Absuchen des Meeresgrundes zu erleichtern und zugleich Einrichtungen zu schaffen, die von hier größere Lasten mitnehmen können. Diesem Zweck dient eine von dem Ingenieur B o w d o i n gebaute Taucherglocke, die eine Art wanderndes oder schwimmendes Haus darstellt, das sich in eigenartiger Weise unter dem Wasser dahin bewegt. Die Taucherglocke besteht aus einem großen, aus Eisenplatten zusammengenieteten Gehäuse, das mehrere Mann aufnehmen kann. Eingesetzte Fenster und mitgeführte Scheinwerfer gewähren von innen aus einen Ueberblick über die Umgebung. Ein außen hängender Kran mit Greifer ermöglicht es, den Seeboden abzuschaufeln und zu untersuchen, sowie hier lagernde Güter aufzunehmen. Das Eigenartige an dieser Taucherglocke aber ist, daß sie an ihrem Boden mit Propellern versehen wurde. Der Boden befindet sich etwa in Kniehöhe über dem Meeresgrund. Er ruht auf Stützen, die auf Rädern laufen. Es ist aber nicht nötig, daß die Fortbewegung auf Rädern erfolgt. Die Glocke hängt an Ketten, die die Verbindung mit dem Schiff herstellen. Für gewöhnlich wird sie etwas über dem Boden dahinschweben, wobei sie ihren Antrieb durch die Propeller erhält. Diese werden auf elektrischem Wege in Umdrehungen versetzt. Der Strom wird durch ein Kabel vom Schiff aus zugeleitet. Damit sich die Propeller nicht in Unterseepflanzen oder sonst verfangen, sind sie von einem kräftigen Drahtnetz umschlossen. Mit Hilfe dieser Taucherglocke gelingt es, rasch verhältnismäßig große Strecken des Meeresgrundes abzusuchen.
Paradies.
Novell« von Ina Seidel.
(Schluß)
Herkner warf fich vornüber, daß der Kahn ins Schwanken geriet. Soin formloses, großes, blasses Gesicht, über dem die vollen, fahlen Haare nach allen Seiten in ungebändigten Wirbeln auseinanderstrebten, leuchtete und strahlt« auf einmal, und er legte sein« schmalen Hände auf die Lüsches.
Kleine Lusche!" rief er, und Tränen waren nicht in seinen grauen Augen mit den erstaunlich weiten und tiefen Pupillen, aber in feiner Stimme, — klein« Lusche, du hast ja so recht. Ja, sie ist ,überhaupt schön'! Gott mag wissen, woran es liegt, — an ihrer Haltung, — an ihrem Lächeln, das [o erschütternd ist, als wollt« plötzlich im Winter ein Rosenstock blühen, — ich habe einmal gesehen, wie sie ein Kind liebkoste, das war wie eine Offenbarung. Denke an ihre Hände, Lusche, ach, ihre Hände..
Er bedeckte fein Gesicht und bemerkte kaum, daß Lusche das Boot wandte und anfing, die Ruder eifrig und geräuschlos zu handhaben. Nach Hause! Ja! Denn es war doch ein wenig unheimlich wenn em großer Mensch so redete, und wollte er nun etwa weinen Aber Anton Herkner ließ die Hände wieder sinken und fuhr fort, als patte er Lusche jetzt ganz vergessen und redete zu einer unsichtbaren Gefahrtm.
„Ich weiß auch gut, ganz gut weiß ich es, warum ich dich so lieben muß," sprach er zu der Unsichtbaren mit der Vertraulichkeit, wie sie die Gewohnheit des innerlichen Umgangs verleiht, „all die verzweifelte, vojt= nungslose, enttänfchte Liebe und Sehnsucht deines Lebens flutet durch mich zu dir zurück, — mein Gott, durch mich, der eben o einsam ist wie du, der gleiches Schicksal trägt, zu lieben, — nicht geliebt zu werden, — und dessen Schicksal du nur erfüllst, wenn du an ihm vorubergehst. Ja, du glaubst es vielleicht nicht, Lusche," wandte er sich lebt mit einem gleichsam erwachenden Blick wieder an das Kind, „du glaubst es nicht, daß sie der Liebe fähig ist, dies« Katharina, die unter euch “«"beit chw ihr eigenes kühles Spiegelbild? Oh, wie ihr euch tauschen laßt, w,e ihr gutgläubig seid, ihr Harmlosen, und wie bequem es euch m, De Augenschein zu trauen!" Wieder schien Lusche für ihn zu verfchwmden und die Unsichtbare ihre Stell« einzunehmen „Em mürrisches Kind, nicht hübsch und ohne Talente" — Lusche zuckte ein wenig Zrsiammen und starrte ihn mißtrauisch an,. — „ein schwieriges Kind, dem man das nicht verzieh, weil es durch nichts glanzte, — fing es o an, ^em ßiri>- ling? - Unscheinbares kleines Mädchen und °wl Zartttchkeit von Anbeginn, und nie ein Mensch, der sie haben wallte, -ach-weiß >« alles- Einsamkeit, wachsend wie Flut von Jahr zu Jahr, Land JL-/ das auftauchen wollte, lockte und wieder ver ank, - und endichendttch die Einsicht, mein Gott, diese furchtbare, lahmende^Einsicht und Cr- gebung, daß es nichts damit fei, — nichts. Und damit tf J • beschließt, dich des Volkes anzunehmen, alten Frauen die ^"toffeln zu wärmen, fremde Säuglinge zu säubern, - was weiß ich Du meinst gereift zu fein nicht wahr, Du sprichst von einem Lebensinhalt, la nun ja - Du fyaft Ruhe gefunden und bist doch nur ermattet Und nun kommt ein Men ch zu dir, wie die Verkörperung™ Leere gegebenen Sehnsucht, die zurück will in de,n uwerstesHerz, aber du erkennst sie nicht mehr, deine eigene Sehnsucht mit dem frem
den Gesicht ...“ Herkner stöhnte auf. Dann sprach er leise und kummervoll: „Geahnt hat sie es, Lusche, daß meine Siebe ein Teil von ihrem Leben ist, sie hat mich im Anfang nicht zurückgewiesen, sie hat mich heimlich angeftaunt, sie hat mich neugierig ausgeforscht, — sie hat mich wie spielend angezogen, — die Menschen haben ein böses Wort Dafür, aber Gott verzeihe ihr, sie wußte nicht, was sie tat, als sie mich hoffen ließ. Und dann ist sie ja auch zurückgeglitten — Schritt für Schritt..."
Er wurde still und sah vor sich. Lusche hatte zu rudern ausgehört und wartete achtungsvoll eine Weile. „Herr Herkner," sagt« sie dann demütig, „wollen Sie nun, bitte, einmal steuern, damit wir richtig in die Schiffshütte kommen?"
Und indem sie manchmal nach rückwärts sah, als traute sie seiner Kunst nicht ganz, brachte sie die „Fanny" an ihren Platz neben den großen, plumpen Fischerkahn", der „Petri Heil" hieß, und den Roller bestieg, wenn er zur Hechtstreise fuhr. Knirschend lief das Boot auf, Lusche löste die Ruder von den Stiften und befestigte Die Tau« an dem Trapez, das vom Dachbalken herab über Der Steuerbank hing. Herkner war ausgeftiegen und wickelte gleichfalls emsig Das Tau der Bootspitze um den Doppelhaken an der Wand. Dann sah er sich in dem dämmerigen Raum um, in dem ein leichter Geruch nach Teer und Werg herrschte, während Lusche unter Dem quietschenden und rasselnden Geleier des gezahnten Rades die Tür zum See herabließ, bis sie den Wasserspiegel berührte.
„Spielst du hier manchmal?" fragte er angelegentlich. „Es ich hübfch hier. St« mal, AngelnI"
Er macht« einen großen Schritt über eine modrige, geborstene Planke, unter Der man das Wasser blinken sah, und vertiefte sich mit Lusche in die verschiedenen Arten zu fischen, als gäbe es auf Der Welt nichts Wichtigeres für hin. *
Lusche Durfte aufbleiben „bis zum letzten Schiff", aber heute war Das letzte Schiff mit Dem Juwelengeleucht seiner blauen, grünen und tief rubinroten Laternen längst vorübergebraust, und Lusche war immer noch auf. Es war ihr letzter Abend in ßanbsect, morgen um dies« Zeit würde sie schon ein paar Stunden unterwegs nach Norden sein, und zwar in Tante Katharinas Begleitung, deren Zeit gleichfalls abgelaufen war, während Mama mit dem Kleinen nach vierzehn Tage bei den Großeltern verweilte. Sv blieb es großmütig unbeachtet, als sie, klein und vorsichtig, wieder herauskam und sich auf die Stufen, Die vom Eßzimmer auf Die Loggia führten, neben Tante Katharina Niederließ und über Paul, der etwas tiefer saß. Großpapa mit einer Decke auf Den Knien, Großmama an seiner Seite und die Großtanten bei ihnen in Schals und Pelzchen gehüllt, — die alten Leute saßen fo ruhevoll um den Tisch herum, und Mondlicht schien von ihnen auszugehen, wie es draußen silberblau über Garten und See lag, so klar, daß die Berg« Drüben toi« durchsichtige Schatten sichtbar waren. Ein zärtlicher Dust van Heliotrop atmete zuweilen in Dem kaum merklichen Kommen unD Gehen Des Windes vorüber, und auf Dem Rasenplatz schrillten Die Maulwurfsgrillen, Die Lusche am Tage so gern mit Grashalmen aus ihren Löchern kitzelt«. Jetzt mußt« sie sich vorstellen, wie fie im Schutz Der Nacht freiwillig hervorgekommen waren und, vor ihren Höhlen hockenD, mit erhobenen Dickköpfen unb feierlichen Glotzaugen den Mond lobten, fich selbst betäubend mit ihrem eintönigen Gesang. Aber es war nichts zum Lachen bei dieser Vorstellung, — sie würden morgen um diese Zeit auch da fitzen unb schreien, unb bann war Lusche fort! Und die Unten, sie sangen ihr Hulala! Und in Dem hohlen Baum an Der kleinen Brücke saß die dicke Kröte, Deren Umfang ihr ein Verlassen ihrer Wohnung nicht mehr gestattete. Lusche beschloß, morgen noch einen Abschiedsbesuch vor jenem Astloch zu machen. — Mama unb Tante Maria saßen für sich auf Stühlen im Garten, Regina aber lehnt« an einem Pfeiler, Die Arme wie erschöpft hängen laffenb unb Den Kopf zurückgebogen. Zu ihren Fußen hockte eine zusammengekrümmte kleine Gestatt, Der Rubi Leckster, ben fein Unstern gerabe an Diesem Abend herbeigeführt hatte. Denn er „mopste" sich, wenn oorgelefen wurde, wie er unbefangen zu erklären p^Paül mopste sich ja auch, aber Das sprach man Doch nicht aus! Unter Der offenen Tür Des „Gartenzimmers" nämlich saß Anton Herkner unb las vor ober vielmehr, er sprach Verse in Die Nacht hinaus. Unb man vergaß ihn, vergaß, baß Dort ein Mensch saß, — eine Quelle war aus- gebrochen, kristallen aus buntlem Gestein, nun brang gteitenbe Flut hervor unb' Gestatten schwebten barüber wie bläulicher Rauch, — war s Baum unb Landschaft, Tier und Fels ober Mensch, trauervoll wallend, binftürmenb, selig tanzenb, — es quoll, es quoll unb ging über die Herzen hin. Ihr werdet ja alle so schön, dachte Lusche staunend unb meinte eigentlich nur Regina, deren zartes Prosil sie vor Augen hatte, deren Augen geschlossen und deren Lippen halb geöffnet waren, als dulde fie ben zärtlichen Ansturm eines anberen Munbes. Sahen nicht alle Regina an? Großpapas Bart sprühte Silberfunken, unb Großmamas milbes Antlitz glich der wunbervollen Monbesfcheibe broben hinter ben Wipfeln ber Pappeln. Ganz vorsichtig wollte Lusche zu Tante Katharina aussehen aber in biefem Augenblick schwoll Herkners Stimme an wie eine wachsende Woge, bebrohlich süß, wie ersehnter Tob, näher unb naher kommenb zurückweichend unb roieber fteigenb ... Katharinas Arm lag auf einmal um Lüsches schmale Schulter, unb Lusche rührte sich nicht mehr. Ein großes, zärtliches „Oh!" war in ihrer kleinen Brust, sie fühlte Tante Katharina» Herz schlagen unb ben Arm, ber sie hielt, beben. Unb plötzlich ftanb Anton Herkner bort unten, bas blasse Gesicht mit fremden dunklen Augen zu ihnen erhoben. Hatte er Denn ausg«hort zu sprechen? Aber ber tönenbe Atem seiner Verse war noch in ber Lust, alle spurten ihn, und keiner sprach. Nur Katharina — ihr Arm glitt von Lüsches Schulter, sie sah verwirrt auf Herkner, dessen Blick sie nicht losließ —, Katharina erhob sich und strich an ihrem Kleid herunter.
Ein großer Genuß, Herr Doktor!" sagte sie vernehmlich, und vielleicht nahm nur Lusche es wahr, daß ihre Stimme anders klang als sonst. Irgend etwas tat weh in ihr, sie dachte: Warum sagt fie das nur? Herkner wandte sich jäh ab. Jedoch es war, als hätten Katharinas Worte ben


