Ausgabe 
8.1.1932
 
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an jedem sind, nach

heran, wo sich eine Gruppe gebildet hatte; manchmal blieb er lauschend stehen, und Queis wußte: da wurde von Gertie Rose gesprochen; manch­mal wandte er sich enttäuscht ab, und bann las man aus seinem Gesicht:

tutierte. .

Sie faßte gar nicht, was auf sie einstürmte. Sie verneigte sich nur wieder und immer wieder. Sie hörte ihren Namen aus dem Publikum, fremde Menschen riefen ihn. Einen Augenblick dachte sie:Peter". Ihr war, als hätte sie seine Stimme gehört, sie versuchte ihn in der Menge zu entdecken: unmöglich.

Ihr Herz klopfte. Ihre Knie zitterten. Jetzt merkte sie: es war doch eine maßlose Anstrengung gewesen, ein Hochgepeitschtsein. Die Nerven ließe«: nun nach.

Fast war sie froh, als Fleischmann rief:Schluß den Eisernen! Er rief es, trotzdem draußen immer noch Beifall war.

Sie wankte in ihre Garderobe, sank auf ihren Stuhl, die Blumen im Arm.

Froh war sie, stolz, aber matt, müde.

So sah sie eine ganze Weile, genoß, daß es plötzlich still um sie war, empfand dankbar, daß auch Frau Schneider und die Negendank nichts sagten. Sie saß und dachte:Wie schön ist es doch zu sitzen."

Erft nach einer Weile richtete sie sich ein wenig auf, sah aus ihre Blumen, löste die kleinen Umschläge vom Draht, riß sie auf: Der Autor hatte Rosen geschickt, Queis Tulpen, an einem kleinen bunten Strauß hing ein Brief mit lauter Mädelnamen: das war das Pensionat von gestern. Das letzte waren rote Nelken: von Peter. Gertie hob sie zum Gesicht: der liebe Kerl, der gute Peter, er hätte nicht so verschwenden sollen.

Frau Schneider zeigte auf einen wundervollen Korb Chrysanthemen. Der ist heute früh schon gekommen, gnädiges Fräulein, mit Eilboten aus Berlin." Sie reichte ihr den Begleitbrief:Unserer lieben Gertie. Vaters Handschrift. _ ... .

Da verlor Gertie die letzte Fassung: sie ließ den Kopf vornuberfallen bis auf die Platte vor dem großen Spiegel und weinte.

Eine Stunde später war aller Kummer, alle Müdigkeit vergessen.

Sie hatte den Ehrenplatz an der langen Tafel im Prinzenhof: zwischen dem Autor und Fleischmann. Ihr gegenüber saß Queis neben der Wöl­ling und etwas weiter unten Peter. Ein paar Fremde hatten sich auch eingefunden, der Koburger Intendant und der große Herr aus Hamburg, vor dem selbst Fleischmann Respekt hatte.

Fleischmann! Sie hatte ja so lachen müssen: er hatte noch im Theater von einem neuen Kontrakt zu reden angefangen: zwei Jahre fest. Und gestern hatte er sie noch herauswerfen wollen. Auch der Hamburger hatte sie schon gefragt:Wie lange sind Sie hier gebunden, Fräulein Rose? Gefreut hatte sie es: war sie denn jetzt plötzlich berühmt? Sie war doch dieselbe Gertie wie ehedem, sie hatte doch nicht anders gespielt wie auf den Proben. Aber sie begriff auch: der Erfolg macht's. Und sie sagte sich: nur heute nichts ab schließen. L

Eins tat ihr leid: Peter hatte gar keine frohen Augen, eie hatte ihm nur kurz die Hand geben, ihm für die Nelken danken können, als sie in den Prinzenhof kam. Alle hatten sie ja umdrängt. Sie mußte ihm nachher etwas zuliebe tun.

Man, man tränt. Reden wurden gehalten: auf den Autor, auf Fleischmann, auf sie. Man riefHoch!", stieß an. Alles war froh, alles war zufrieden.

Nur Peter nicht. .

Er stand zwar auch mit den anderen auf und machte die Runde, um mit Gertie anzustoßen, er sagte ihr auch seinen Glückwunsch, aber in ihm war ein Wünschen:Wenn du sie doch für dich allein hättest, nur fünf Minuten. Neulich gehörte sie noch dir, heute aller Welt." Er war ent­täuscht. Nicht einmal, daß er ihr sagen konnte, wie er sie gefunden, wie er sie bewundert, was er über sie gehört. ~

Die Stunden liefen davon. Man brach auf. Die Wallmg nahm Gerties Arm, sie sah, wie müde die Kleine war.Mein Mann und ich bringen Sie heim, Kind. Wir wohnen ja in der Nähe."

Queis und Peter standen zusammen, als sich Gertie verabschiedete. Ich bin mit Ihrem Wagen hier, gnädiges Fräulein. Wollen wir morgen in Scherkalden eine kleine Nachfeier halten? Kleinster Kreis alter Freunde: Sie, Peter und ich? Abfahrt zwölf Uhr vor Ihrer Tür?

Einen Augenblick zögerte Gertie. Gewiß, sie hatte Zeit, sie spielte erst Dienstag wieder. Aber sie zögerte doch. _

Da sah sie in Peters Gesicht, sah feine bittenden Augen. So mckte sie: Gern. Also um zwölf."

Sie gab Queis die Hand, dann Peter.

Hab' Dank, Gertie", sagte er.

Alles verzögerte sich etwas am nächsten Morgen.

Leo und Peter fuhren später vom Prinzenhof ab, als sie geplant hatten. Sie mußten dann vor dem Hause in der Jenaer otrafjc auf Gertie warten, die sich einfach verschlafen hatte. Ihre gesunde Jugend hatte aufholen wollen, was in den letzten Nächten durch nervöses Wach- iiegen dem Körper, was in den letzten Tagen durch seelische Erregungen dem Innern an Kräften abgezapft worden war. Die Wirtin hatte sie nicht wecken lassen, und so war es fast Mittag, als sie die Augen aufschlug. Dafür war ihr springfrisch zumute. Sie sah die Fülle der Blumen, die sie trotz aller Müdigkeit gestern nacht noch versorgt hatte, und alles Erin­nern war da: sie hatte eine Schlacht gewonnen.

(Sortierung.)

klatschte mit, unentwegt, pausenlos. Er stand rote festgewurzelt

auch er. , v QZ,

Draußen stieß er auf den Vetter.Mfo was sagst du, Leo.

Queis war ehrlich entzückt.Das hätte ich der Siemen gar nicht zugetraut." ....

Ich hab's gewußt; ich versichere dir: ich hab s gewußt. Eine ganz große Künstlerin." _ ,, m , ...

Nun lächelte Queis ein wenig überlegen.Sachte, Peter, sachte. Es steckt was in ihr gewiß. Aber gleich: ganz große Künstlerin .. .

Peter ließ sich nicht irremachen.Du wirst es erleben.' Und dann: Ich muß jetzt weiter. Ich muh horchen, was die Menschen sagen, damit ich ihr's nachher erzählen kann."

Hast du alles für nachher feftgemacht?"

Ich habe mich erkundigt. Sie kommen in den Prinzenhof.

Queis nickte:Ist mir recht. Ich bleibe heute nacht hier. Du wohl auch? Mein Wagen hatte plötzlich Panne; ich mußte Fräulein Roses Roadster nehmen und fitze bei Dunkelheit nicht gern am fremden Steuer. Willst du morgen mit nach Scherkalden kommen?"

Ich weiß noch nicht. Ich muß erst fehen, was Gertie macht. Fort war er. ..

Der andere blickte ihm nach und lächelte wieder: Da drängte sich Peter

Zwei wollen zum Theater.

Roman von Hans-Cafpar von Zobeltitz. Copyright 1930 by Carl Duncker-Verlag, Berlin.

(Nachdruck verboten.)

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auf seinem Platz und begriff die Leute nicht, die hinausdrangten, um ihren Schwatz im Foyer zu machen. Mehr noch: er mißbilligte ihr Be­nehmen, er verachtete sie. Wie konnte man gehen, solange noch Aussicht war, daß sich der Vorhang noch einmal hob.

Er wartete bis zuletzt, erst als der Beifall ganz eingeschlafen, ging

Tabletten" in Gestalt von Zuckerstückchen. Aehnlich Ist es mit den fiatao= bahnen: Wir essen sie ebenfalls in Tafeln, nämlich als Schokolade. Fleisch­ertrakt bekommen wir schon lange in kleinen irdenen Töpfchen, und manche Fische essen mir aus Tuben, z. B. als Anchovis- ober Sardellen­paste. Diese Beispiele mögen genügen und zeigen, daß es zur Gänse­braten- und Spargeltablette vielleicht gar nicht mehr so weit ist, wie manche Leute glauben. Die Erbswurst und die Suppenwürfel schreien ordentlich nach Gesellschaft, wenn man auch die Nahrungsmittel der Zukunft wahrscheinlich aus billigeren Rohstoffen wie Holz, Kohle usw.

Herstellen wird. m ,, . . .. .

Da mir gerade bei der Umwandlung von Brennstoffen m andere sind, so wollen wir auch eine andere Hoffnung vieler Menschen erwähnen, nämlich die daß es gelingen werde, aus der Kohle oder aus flüssigen Brennstoffen immer mehr Energie herauszuholen und auf diesem Wege die Elektrizität zu verbilligen. In der Tat ist der Brennstoffverbrauch .zur Erzeugung einer Kilowattstunde in den letzten 30 Jahren auf etwa ein Drittel zurückgegangen, aber leider ist man damit am Ende angekom­men, da man mit diesem Verbrauch so dicht an der theoretisch möglichen Grenze angelangt ist, daß eine weitere wesentliche Verbesserung nicht mehr möglich ist. Wenn wir also die Energie in den Formen, in den wir sie brauchen, insbesondere also als Licht, Wärme- und Bewegungs­energie die elektrische Energie ist ja für uns eine Zwischenstufe, die wir nicht unmittelbar ausnutzen billiger haben wollen, fo müssen wir uns schon nach anderen Energiequellen umsehen. .... ,

Nun hört man immer das Wort Energieerzeugung, ja dieses Wort findet sich sogar in Fachzeitschriften. Es ist ein törichtes Wort, denn Energie kann man nicht erzeugen: man kann nur eine Energieform tn den gleichen Betrag einer anderen Energieform umwandeln, also etwa Wärme in Bewegung, Bewegung in Elektrizität und diese wieder in Wärme oder in Bewegung. Die Energie, über die wir verfügen, stammt ausnahmslos aus dem Weltall. Meist bekommen wir sie aus Zweiter Hand nämlich von der Sonne; aber einen Weg haben wir doch schon gefunden, uns die Energie des Weltalls ohne Mitwirkung der Sonne nutzbar zu machen, wenn auch über einen kleinen Umweg: Die Ebbe- und Flutkraftwerke, von denen augenblicklich ein gewaltiges auf der Grenze zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten im Bau ist, stellen aus dem Weltall kommende Kräfte unmittelbar in unseren Dienst. Damit wird ein Weg beschritten, dessen Ausbau in anderer Form die größte Zukunstsaufgäbe der Technik ist. Unsere jetzige Hauptenergiequelle die Kohle, geht eines Tages zu Ende, und es ist belanglos, ob dies in hun­dert, tausend ober zehntausend Jahren der Fall sein wird, da diese Zeit­räume im Weltgeschehen und auch im Leben der Menschheit verschwin­denden Bruchteilen von Sekunden vergleichbar sind. Ehe diese Cnergie- quellen erschöpft sind, müssen wir andere haben, wenn nicht der »roßte Teil der Menschheit zum Aussterben verurteilt sein soll. Auf die Atom­zertrümmerung zu hoffen, scheint mir trügerisch, denn zur Zertrümme­rung der Atome ist wahrscheinlich ebensoviel Energie erforderlich, rote sie liefert. Dagegen kann voraussichtlich der künstliche Aufbau schwererer Atome aus leichteren Energie liefern, und zwar in einem Ausmaße, dessen gewaltige Größe uns fast unvorstellbar ist. Und doch sind auch die auf diese Weise gewinnbaren Energiemengen verschwindend klein gegen die die wir dereinst unmittelbar aus dem Weltall einfangen werden.

Man sieht aus diesen Beispielen, daß die Zukunstsausgaben der Tech­nik noch lange nicht erschöpft sind, wenn wir auch die Elektrizität und das Fliegen haben. Es werden sich immer wieder neue Ausgaben finden und der Mensch wird sich die Energien der Natur über den engen Bezirk der Erde und unsere Sonnenwelt tjinausgreifenb in zunehmendem Matze dienstbar machen. Unsere Nachfahren aber werden die Kopfe .darüber schütteln in wie kindlicher Weise wir in unseren Kraftwerken jur ihre Vorstellungen verschwindend kleine Energiemengen in andere umgeroam beit unb sie durch Drähte den Verbrauchern zugeleitet haben, wo doch Ort schier unvorstellbar große (Energiemengen allgegenwärtig denen man nur zu greifen braucht.

sich enttäuscht ab, und bann las man auf feinem Gesicht: Die Banausen haben ein anberes Thema.

Glückliche Jugend", dachte Leo Queis.

Es wurde ein Bombenerfolg.

Wie eine Mauer stand nach dem dritten Akt das Publikum, klatschte, rief nach dem Autor, rief nach Gertie, rief nach Fleischmann.

Immer wieder mußten die Darsteller an die Rampe, und alle schoben freiwillig und neidlos Gertie nach vorn. Sie mutzten anerkennen: Dies junge Ding hatte den Abend gemacht, und sie erkannten es gern an.

Der Vorhangzieher zählte und meldete den Rekord der Spielzeit: fechsundzwanzigmal hatte er ziehen müssen. ..

Gertie schwindelte. Blumen wurden ihr in den Arm gedruckt. Die Kolleginnen küßten sie. Der Autor umarmte sie. Fleischmann lobte, gra-