Nummer 26

Montag, den 4. April

Jahrgang (952

schmalen Fenstern. In Zoagli stiegen wir aus und lernten ein italienisches Nest in der heißesten Mittagsstunde kennen: Die glühenden Straßen wie ausgestorben, alle Läden geschlossen, hinter manchen vergitterten Fenstern war etwas verstummt und wartete. So, seltsam verzaubert, lag das Städt­chen, von dem aus die Straße voller Entzückungen begann.

Auf einem breiten, gewundenen Fahrweg kann man nach Rapallo gehen und hat dann unter sich endlos das Meer. An den Biegungen sieht man den tief einschneidenden Golf, über dem sich die Häuser hoch den Berg hinauf staffeln. Es sind häßliche, aufdringliche Kasten dabei, «der sie bedeuten wenig zwischen den grausilbernen Oliven mit der barocken Zeichnung ihrer dünnen, vieloerästelten Zweige. Sie blühten jetzt im Frühsommer, in dichten Büscheln mit winzigen gelblichweißen Blüten.

Steil gleiten die Gärten ins Meer ab, als könnten sie die Fülle glän­zender, glatter Blätter nicht aufhalten: Lorbeerhaine, quellend üppig, da- zwischen Bäume mit einer kleinen, orangenartig aussehenden Frucht, nespole genannt, Feigenbäume mit riesigen bizarren Blättern, deren milchig weißer süßer Saft einen die Hände verklebt. Hell und prall bieten sich schon die Früchte an i-m runden Korb der wirr ineinandergeflochtenen Zweige. Eine Magnolienart blüht noch und steckt die großen weißen Blütenkelche fremd und unberührbar zwischen die Blätter, kühl und glatt und glänzend, wie alle hier. Nur die zartgesiederten Mimosenbäume haben ein stumpfes, weißliches Grün und wehen leise und abwesend. Hoch und stell stehen die Palmen, an vielen sind die Blätter nach dem ungewöhnlich kalten Winter trocken und gelb nach abwärts geknickt, aber ander« haben herrlich geschwungene Wedel, die zu einer großartigen, unvergeßlichen Geste ausholen. Dicht unter der Krone quellen ihre Früchte in Büscheln blauer Trauben, an den Stämmen herab rieseln märchenhafte rote Blüten eine Kakteenart, die man in die Kronen pflanzt wie in eine Ampel.

Unten am Meer schlagen dann die Agaven mit riesigem Schwung aus kargen Felsen und Mauern. Man begreift nicht, woher sie die Kraft nehmen, ihre Blätter starre breite Schwerter, bläulich beschlagen, eine Waffe, die lange nicht gebraucht wurde, wie eine Strandwacht herauf­zustoßen. Erst wenn sie ururalt geworden sind, vergessen sie ihre strenge, abwehrende Haltung und überhöhen sich mit mehr als mannshohen Blü­tenstengeln, die, anmutig geneigt, weiße Rispenblüten tragen. Opuntien mit breiten, fleischigen Blättern blühen in einem duftigen, lockeren Gelb. Sie stehen im quellenden Teppich einer niedrigen, hauswurzartigen Kakteenart, die den Boden mit rosaroten, unendlich zarten Blüten bestickt.

Wenn sie so he^abgekommen sind bis ans Meer, die wuchernden, ver­wirrenden Gärten, dann lassen sie sich zuletzt in der farbigen Kaskade der Rosen, die fast beängstigend über alle Zäune stürzt, in die weiß anrollende Brandung fallen. Sie hat von dem fernen gläsernen Streifen am Horizont das Grün herangetragen, es ist bis in die Oliven hinaufgestiegen und hockt dort nur trockener, verstaubter zwischen den Aesten.

Am Morgen saßen wir im ©arten unter schwankem Bambusgebüsch, das in einem sirrenden Tone singt, wie hroße Insekten. Wir aßen den Honig, der nach lauter fremden Blüten schmeckte, in dem die ganze milde und farbige Süße dieses Landes war, die man so in einer wunderbaren Weise aufzunehmen glaubte in sein Blut, im geheimnisvollen Ritus jener Wandlung und Verkörperung, die Brot und Wein in eine Kraft erhöht.

Das Meer war heute ganz ruhig. In den Buchten stand das Wasser klar rote Glas, daß man den Spiegel nicht erkennen konnte und tief unten fremd und fern die Wälder der Algen und Moose sah, in denen sich lang­sam kleine Muscheltiere bewegten. Wie schön, wenn zwischen den Felsen die bronzenen Gestalten Badender lehnten, lässig und in unnachahmlicher Anmut, mit runden Gliedern, denen trotzdem die spielende Kraft nicht fehlte. Einer rief durch die dunkle Muschel seiner Hände:Filippo, Filippo." Er rief es mit dem runden, singenden Mund, den diese schöne, stolze Sprache ausbildet, er warf die Silben wie goldene Bälle dem Angerufenen über das Wasser hin zu. Wie schön auch, wenn in farbigen Kähnen die braunen Leiber der Fischer gegen das blaue Meer standen, roenn sie die Netze einzogen mit jener zeitlosen Bewegung, schön und voll einfacher Größe, wie die Bewegung des Pflügens, des Samenftreuens, des Mähens, alles, was die Menschen von Anbeginn tun und was ihrem Körper lelbftverständlich ist wie das Gehen.

Es kam der sanfteste Abend mit einer Luft, die sich unbeschreiblich leicht atmete, die sich anfühlte wie Samt und zärtlich das Gesicht, die Arme streichelte, daß man lächelnd stillhielt unter süßester Berührung. Oft kamen schwere Wellen unbekannter Düfte, in die sich manchmal der scharfe salzige Fischgeruch des Meeres gebietend drängte.

Wir gingen von Rapallo aus die breite Straße nach Santa Margherita bin die sich bald hoch über die Häuser schwingt und über üppigste Garten hin'den Blick auf das Meer hinauslockt, das in Perlmutterfarben mit dem Horizont verschwimmt, und in den mütterlich geöffneten Golf, in dem das Wasser schon nachtblau wird, jene unvergleichliche Farbe, die aus der Tiefe heraufzusteigen scheint. Nahe Pinien verdämmerten schon mit dem fernen dunstigen Umriß des Monte di Portosino, eine feine Rauchsaule entstieg ihm ihr Stamm und ihre Krone breitete sich darüber wie die dunkle Wolk« über einem Vulkan.

Morgenlied.

Von Paul Appel.

Alle Auen haben

Die Augen aufgetant Sonne und Veilchenbäche Sehen sich wieder anl

Wälder heben die Wimpern, Haben grünen Glanz, Halten Schlehen in Händen, Beten den Rosenkranz!

Lerchen, ins Blau geklammert. Tun, roies die Erde tut: Streuen ihre Lieder Wie Blumen aus dem Blut,

Winden weite Kränze,

Tragen Ranken aus, Streuen Festgirlanden lieber das weiße Haus.

Die darinnen wohnen, Lachen lind und frei.

Kinder erwachen und fragen. Wo die Mutter fei.

Straße nach Santa Margherita.

Von Lina Staab.

Wenn man im Sommer einige Tage in dem graugelben, steinernen Florenz zugebracht hat - selbst der Arno ist gelb, rote Lehm - ertappt man fick/ plötzlich darauf, daß man immer mit leicht geöffnetem, gleich­sam erwartungsvollem Munde geht, als müsse durch die heiße slimmernde Luit ein kühler Strom auf einen zukommen. Dann ist es Zeit, die «tast zst verlassen und ans Meer zu gehen, nach Santa Margherita zum Be.-

Ste MlnSSi »U"ur<l> « "d Stein Mte«. Immer greller wurde das Licht, die Straßen flimmerten weiß, glühend, sie brannten einen die Augen aus. Alles lag unter emer. ump, en - -

schicht. Nach einer Weile begann sie hie und da zu glitzern das is i i men, verstärkte sich und sammelte sich dann in riesigen Holsten wie e angehäufter Schatz: Marmorbrüche. Die Gegend von ® e

aen Brücke sind phantastische Märchengrotten, die weißen schimmern wie LchnAL,, UN- -m-" «nrrnarbrnd, t*n n»r, »« »,« «>- ste.mpi.un- --'duntelte sich «u grauen Castellen ^unb kleinen, verstummten Städtchen nut Mauern und ^Lehriürmen. Und noch lieh der Stein uns nicht los er A

noch einmal ganz und gar, als der Zug bei Sp die Tunne s fuhr. In den Wagen brannte kein Licht, das d'e.Fmsternis em wemg fort schöbe, es war eine vollkommene Dunkelheit die man auf der Haut fühlte sie taa auf uns, eng, beklemmend, drohend, vofe.

fuytte, sieg( brennendes

leuchtendes Blau, ein so unwirkliches Blau, daß man hmemzu,liege glaubt. - Einen Augenblick nur Dann wieder dichte Stnftanw.

Hatte man nicht Felsen gesehenEme La me . , bie

gewesen? Eine Spiegelung von innen her, Wunschbild der Augen, Die MW Ku7«16 in. 3unM - -i-d» - .und «* der, rasch nacheinander. Die Nacht knistert sch" Boaenausschnitt Einschlag, sie verbrennt und stürzt in sich zusammen. Em Logenausschn im Tunnel gibt das Meer frei. «(»s.» in her

Erregend vorbereitet durch die schmalen, blinzelnden schütze m der steinernen Wand, liegt nun draußen vor dem Zug, d .

Steilküste hinfährt, ganz dicht am Wasser, das vollendete ^ld. Die un v sehbare Fläche des Meeres, von einem o funkelndenLaudatz man es nicht 3u ertragen glaubt und davor erschrickt A ganz hohen Wellen schlägt es gegen die weit vorspringenden Fe sen Durch cke ^nen,^ 5 [ich in [flnQGV v^eit uu5cicn)ü|d)cn pnt, illeßt ? > ' .

schaumig zurück, in immer' gleichen Mustern und . -

riefel zarter Spitzen, leicht und ipieterifcf) "b-r den Stein gebreltet.^iah hundertealtes Spitzenmotiv dieser Küste. Manchmal schl etz 3 gerundete, atmende Bucht sich auf, in der das Waffe sch_ über der ein ganz lichter, gläserner Himmel das funkelnde -blau

Chiavari, Zoagli - lehnen sich hübsche kteme Kustenstadte m die Luchten. Die Häuser sind kubisch, viele mit flachen Dächern, alle 11

GiehenerZainüienbMek

Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger