eine
entt3dmarU5gemem genug, darüber hinwegzusehen. Mit schlecht verhehlter Befriedigung wechselte ich die Feder aus, lchob Karlchen das Schreibheft vor die Nase und tauchte ein. Gerade wollte ich ihm den Halter in die Hand drücken, als ich seinem Gesich^ausdruck anmerkte, h’,6, er wieder etwas mißbilligte. Ich wollte mir nicht die Bloße geben, ei?e - vielleicht dumme - Frage zu stellen, und schwieg abwarten . Aber er schwieg auch. Er starrte mit höhnisch aufgeworfenen Rippen auf die neue lieber und reöete fein ®ort. ,,,
Ich konnte die Spannung nicht lange ertragen. Ueberhaupt merkte J allmachlich, daß meine Nerven dieser ganzen Sache nicht gewachsen waren. Ich raffte mich also zusammen und fragte möglichst harmlos. „Was nun los?" Karlchen legte sein Gesicht in normale Falten und blinzelte mich neckisch aus den Augenwinkeln an: „Du hast eingetaucht, jagte “ Ichchppte noch immer im Dunkeln. „Nun ja, und -???" erwiderte ich ungeduldig. Sein Blick wurde eisig. „Hast du die Feder vorher auch anaelectt9" fragte er mit schwerer Betonung. , .. r , ...
9'2ll]o nein, 9ch hatte nicht! — Ich glaube, daß ich äußerlich ziemlich 5mltiinq bewahrte, aber innerlich war es recht schlinun um mich bestellii. Ich hatte nur den einen Gedanken: jetzt keinen Disput. Mit ,Zitternd 5>and suchte ich in Karlchens Federkasten nach einem Tintenwijcher. d- natürlich nicht da mar, und wischte die Feder schließlich an einem S- "öjchpapier ab. Karlchen sah mir interessiert zu und fragte beiläufig. Schaft du ld—u—u—!) denn keinen Tintenwischer? Sein Ton war ziem- lich vorwurfsvoll, obwohl ihn das Fehlen feines eigenen Wischers nicht onderlich zu berühren schien.
Ich entgegnete kein Wort. Ich hielt ihm nur stumm den Halter hm. ß-r nnhin ihn gelassen entgegen, hob ihn noch einmal gegen das ua)t
M l-Ahd.ni«6 Wir rief ich'ichl Schadenfreude. „Jetzt hast du verge en, die Feder anzulecken! Cr s u,,t Me Sekunde, dann lachte er verächtlich. „Wenn die Feder schon ennrnrf eingetaucht war, braucht man sie nicht mehr anzulecken , erklärte er kühl — Hier fühlte ich mein gesamtes Innenleben mit einem schlage ZU-
Was^weller kam, ist nur eine unklare Erinnerung für mich. Ich glaube- daß ich Worte diktierte, die Karlchen nach ungezahlten Abschweifungeii und mehr oder minder spitzfindigen Fragen endlich niederschrieb. Vieltem, haben wir dann noch gerechnet. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, daß mir jeglicher Zeitbegriff abhanden gekommen war, und daß ich mich naM her, als di« Schularbeiten beendet waren, sehr gealtert fiihlte.
Am Abend brachte ich ihn nach Haus. Ich lieferte ihn bei seinen Eltern ab und hatte dann noch eine kurze, aber inhaltsreiche Aussprackl- mit seinem Bater. Ich erklärte ihm, es ginge über meme Kräfte, mem Bersprechen weiterhin einzulösen. Er müsse mich von allen roeitir Verpflichtungen entbinden. Zuerst tat er schmerzlich berührt und versucht-, mich umzustimmen. Als er aber sah, daß uh fest bl.ech und daß nntch mich wankend machen konnte, gab er klein bei. Er schien nicht elnmat sehr überrascht zu sein. Zum Schluß schüttelte er mir verstandm.' trös^end^ue jrf)eineiL ^aß ich mich meiner Fs-undespslicht
entzogen habe. Aber nie im Leben hat mich etwas mit ähnlicher B friedigung erfüllt. _____
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dekorativen Ruderslossen umgebildeten Beinen. Die jüngere mit dem taifiaen Profil führt stündig einen elegisch-sehnsüchtigen solo-Reigen aus, „ 9öer oberen Wassergrenze nach unten und im weiten Bogen zuruck, während die dickhalsige Alte genau die vorsichtig-beleidigten Bewegungen einer ältlichen Schwiegermutter mimt. Ein verzauberter Prinz scheint der goldschimmernde blaubebänderte Fisch dazwischem diese als langweilig verschriene Ordnung des Reizvollen, Senfatlone geiiuq mag man nun lieber dem zierlichen Menuett der Seepferdchen wiebii die schwungvoll-rhythmischen Schwimmbewegungen des nur nach Schiller scheußlichen" Rochen oder die bissige Physiognomie b-s Hais anstaunen oder es sich vor den räuberischen Muränen gruseln lassen, deren Vorfahren sich von römischen Sklaven genährt haben.
Der Einsiedlerkrebs und seine unvermeidliche Akt,nie dort wissen was sie ihrem Ruf, das vollendetste Musterbei Piel emer Symbiose (der Berel iqunq zu gegenseitigem Nutzen) darzustellen schuldig sind: gehor- io n chlevvt der Krebs seine Last aus dem ihm als Zuflucht dienenden Schneckenhaus von einer Stelle zur andern, sie bankt ihm dafür dur ) Ausschleudern ihrer Giftwassen, die sie beide vor Gefahren schützen, und nimmck außerdem die abfallenden Nahrungsbrocken, die: der Krebs- zu ihr emvorwirbelt gnädig an. Wird das Schneckenhaus für den Krebs zu eng fo fetzt er ohne" weitere Umstünde seine unentbehrliche Genossin nut Seinen Scheren auf das Dach eines neuen Hauses.
Ganz gespenstisch geht es oben im Jnsektarium zu, wo wir die tolstte Tiermaske9rade inden die sich denken läßt: tropische Heuschrecken, d.e genau wie dürre Aeste eines Baumes nussehen. So raffiniert können nur weibliche Wesen ihr wahres Ich verleugnen, konnte man behaupten und wirklich finden wir bei manchen dieser Formen das Ideal eures Frauenstaates konsequent durchgesührt. Noch unheimlicher wirkt eine andere Art das sog. „wandelnde Blatt , bei besten Beobachtung Cichenblätte'r, die herumwandeln, als gehörte es sich so — man an ber ^ueeckmnnasiähiakeit der eigenen Sinne zu zweifeln beginnt. Vlattschmet-
Ä’ fojar au«Sflbie Schäden des Insektenfraßes an Blattern aelreulich nach andere Falter wieder sind so geschmacklos schlecht bhmeckende Schmetterlingsarten zu kopieren, um so ihren ^Erfolgern von vornherein den Appetit zu verderben. Und dann ist auch noch die scheinheilige .Gottanbeterin", die die Männchen nach vollzogener Paarung sofort auffrißt, ebenso wie manche Spinnen ihrem Partner erst „em Netz über den Kopf werfen", um ihn dann unweigerlich zu morden.
r denen er diesen Aufbau würdigte, zu beachten, beförderte ich ihn kurzerhand zuoberst auf den Sitz und gab mich dem angenehmen Gedanken ' hin nunmehr mit der Arbeit beginnen zu können. Ich will es gleich be- ken'nen: meine grenzenlose Unerfahrenheit hatte mich zu früh triumphieren lassen. Ich kann beschwören, daß es zwe, gm>z gewöhnliche und m keiner Weise bemerkenswerte Kissen waren, tue ,ch auf den Stuhl gelegt hatte aber sie schienen plötzlich die Lebendigkeit von zehn bockenden Wildeseln zu besitzen. Was eigentlich geschah, werde ich nur nie erklären kennen Ich kann nur sogen, daß Karlchen in ledern Augenblick an einer anderen ©teile vom Stuhl herabzufallen drohte. Sein Körper schwankte und rutschte in erschreckenden und nie vorauszusehenden Kurven von^einer Seite auf die andere, und sein Höhen- und Tiefenniveau wechselte nutJo entnervender Geschwindigkeit, daß ich den lebhaften Wunsch empfand, mindestens ein Dutzend Hönde mehr zu haben. Ich konntewir nichtanders helfen, als ihm in aller Heimlichkeit von unten herauf einen Knuff zu versetzen — was ihn zu erschüttern schien, aber sein Gleichgewicht doch «* l-mSch,» 3CUo vor ihn hin. Mit nachdenklichem Gesicht ergriff er den Federhalter unb hielt die Feder prüfend gegen das Licht. „Kaputt!" meldete er
Das Knäblein.
Bon Peter M a 11 h e u s.
Bei Rommels war Hausputz. Die ganze Wohnung wurde ponfflrunb auf neu herqerichtet. Jeder weiß ja, wie fo etwas ist. Die Handwerker hielten sämtliche Zimmer besetzt bis auf ein einziges, in dem der Familie Rommel gestattet war, zu^ schlafen und zu essen. In allen anderen ! Räumen wurde gemalt, gekleistert und gehämmert. Herr und Frau Rommel sanden den Zustand äußerst ungemütlich; Karlchen fand ihn wun- t’frSrld)en war neun Jahre alt und fand fo ziemlich a^es wundervoll, • was Erwachsene mit Schaudern erfüllte. Er war begeistert als die Handwerker anrückten. Gleich am ersten Tag nahm er unmittelbar nach der Schule eine genaue Besichtigung der Wohnung vor. Es ging verhaltnis- mökiia alatt ab Nur zwei Farbtöpse blieben auf der Strecke, ein brauner "ab ei« grüner unb eZr ber Maler hatte hinterher e.ne Beule an ber Stirn weil er von der Leiter gefallen war. Karlchen hatte nur ganz wenig daran gewackelt. Im weiteren Verlauf des Nachnuttags mußte jedoch ein großer Bottich mit Topetenkleifter daran glauben, unb jum Schluß passierte die Geschichte mit bem Ball. Karlchen brauchte unbedingt mal seinen Ball Er lag im Kinderzimmer ganz hinten auf einem Regal, unb ber Fußboden war gerabe gestrichen worben Als Karlchen seinen Ball hatte, muhte ber Fnßboben noch einmal gestrichen werben, unb Her H ° tc'müej'nu ch Tn.^Die^omme (s unb ich sind nämlich seit vielenJahren eng befreunbet. Rommel ries mich also an und beschwor mich, ihm Karl- ihen für die nächsten Nachmittage vom Halse zu schassen. Genau so druckte er sich aus. Der Junge sei ihnen allen fürchterlich m Wege, und ,ch könne bei der Gelegenheit auch gleich ein bißchen auf feine Schularbeiten i.chtgeben Es sei ja ein Aufwaschen, nicht wahr? Zum Schluß berief er sich auf unsere alte Freundschaft, und da sagte ich natürlich zu. Ganz ehrlich: ich fühlte mich sogar ein wenig geschmeichelt. Aber das gab '' ^ 'Ani' nöchsten ^Nachmittag, pünktlich nm drei Uhr, traf Karlchen bei mir ein. Er murmelte etwas, was „Guten -Tag oder ähnliches bedeuten konnte, pfefferte feine Mappe in die nächstbeste ^e und stürzte sich auf den Bücherschrank. Er wußte ganz genau wo bei mir die Karl Mays stehen. Die nächste Viertelstunde verstrich unter dem fruchtlosen Bemühen, ihn zu einer Lebensaußerung zu veranlassen. Er lag, den Kops in beide Hände gestützt, halb aus dem Tisch und las. Ich will nicht sagen, daß er blind war. Aber taub war er auf alle Falle. Nachdem ich enblid) — ohne fein freundliches Zutun — feine Mappe in einem buntlen Winkel bes Flurs aufgeftöbert hatte, entführte ich ihm mit ßift unb Ti das Buch unter ber Nase hinweg unb schleifte ihn, sanfte Gewalt an- wenbenb, zum Schreibtisch. , .,.
2(uf bem Stuhl <be—e—e—em Stuhl!) kann ich aber nicht sitzen , ertlarte er sofort unb mißhandelte meinen Schreibtifchfefsel mit verrnchten- öai tücg, !ß 6enn „jchk?" erkundigte ich mich. Er schob die Unterlippe vor und sah an mir vorbei in die Lust. „Viel zu niedrig! fönte er endlich und machte im selben Augenblick den Versuch, mir unter den Händen zu entwischen, um zu seinem Buch zurückzukommen. Für ihn war ber Fall anscheinenb erlebigt. ,. . . . ___.
Er war sichtlich enttäuscht, als ich seine Flucht verhinderte und Zwei dicke Kissen auf den Stuhl warf. Ohne die mißbilligenden Blicke, mit
„Schön, schön", sagte ich bereitwillig, „nehmen wir eme andere. Er blickte mich mit freundlicher Gelaffenhelt an. „Hast du eine
Ich-?" fragte ich erstaunt. „Wieso ich? Hast du denn keine? Er schüttelte beinahe gekränkt den Kopf. Anscheinend fand er die Fuwutung, eine Ersotzfeder bei sich zu führen, beleidigend. Aber es log noch mehr in diesem Kopfschütteln. Ich hatte ganz den Eindruck als wolle er bamit seine persönliche Meinung über mich zum Ausbruck bringen. Ziemlich ratlos sagte ich: „Ja, was macht man da?
Mit unbeschreiblich holdseligem Lächeln sah er mir lange ms Gesicht. e*tiSS‘tie*>*Vä£ StÄt teste*- Federn zu holen. Da^heißt: ich sah ihn Setmssenhast vor allen Schaufenstern verweilen, ich sah ihn ,edes, aber auch ledes Automobil auf oer Straße einaeh-nd besichtigen, und - ich sah mich warten. NeinlHjer mußte um jeden Fußbreit Boden gjämpft werden Emer verschwom menen Erinnerung nachiagend, tauchte ich^ Hals über - bl . Schreibtisch und förderte nach langem Suchen eine Pappschachtel Zutage hie - ein Ueberbleibsel aus süllhalterlosen Zeiten - .ein. ganzes Sortiment von Siahlsedern enthielt. Das Glück war nur günstig: die richtige war darunter Aber ich kann mir nicht helfen, Karlchen sah wiederum


