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Sa. Maria novella zu Florenz, dos heute den, Andrea d a Firenze zugefchrieben wird. Im magischen Lichtschein schwebt hoch oben die Ge­stalt des Herrn, stets und majestätisch, mit segnend gehobenen Händen, von Engeln umrahmt; senkrecht darunter ist mit über der Brust gebeugten Armen die Madonna in ein demütiges Gebet versunken, und zu beiden Seiten knieen in strenger Reihenfolge, wie es die Hrmmelshierarchie ver­langt, die Apostel.

Gegen diese vom düstern Geist des Dominikanertums geformte Apo­theose des zum Himmel auffahrenden Gottes bedeutet Mantegnas Darstellung auf dem linken Flügel seines wundervollen Dreikönigsaltars eine liebenswürdige Vermenschlichung des Wunders. Der Herr, der auf einer von Engelsköpfen umrahmten, von Engeln getragenen Wolke fest und sicher wie auf einem Trittbrett steht, wendet sich mit liebevoll beruhi­gender, abschiednehmender Gebärde zur Mutter und den Jüngern her­nieder, die in Erstaunen, Schmerz und Anbetung zu ihm emporblicken. Wie die Berge mit ihren steilen Linien den Blick aufswärts leiten, wie die milde fanste Handbewegung des entschwindenden Heilandes ein viel­faches Echo widerstreitender Gefühle unter den Zurückbleibenden ent­zündet, das ist mit einer andächtigen Weihe und tiefen Heiligkeit dar- gestellt, die dem mystischen und menschlichen Element des Wunders gleich gerecht wird. Noch sträker tritt die Wehmut des Trennungsschmerzes in der Lünette Luca della Robhias im Dom von Florenz hervor. Aus der in tiefster Inbrunst zusammengeschlossenen Gruppe der Mutter amd der Jünger lotst sich der Meister, sanft entschwebend. Nichts verrät an ihm den Himmelssürsten, den Gottessohn. Sein Abschiedswort ruft er ihnen zu, die voll Inbrunst und Dank ihm nachschauen:Meinen Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch!"

Nicht lange nach dieser idyllischen Elegie, voll Trennung und Scheiden, sschuf ein größerer Zeitgenosse Lucas ein ähnlich geschlossen geformtes Relief der Himmelfahrt, in dem aber zum ersten Male eine ganz wilde, «aufgeregte Leidenschaft anklingt: Donatello in feinem grandiosen ; Spätwerk der Kanzel zu San Lorenzo in Florenz. In verzückter leiben« fchristlicher Hingabe drängen und ballen sich die Gestalten der Zurück- Reibe nden um den in starker Bewegung Ausfahrenden. Vergebens! Was hier ein ungestüm gewaltiger Geist der Spätgotik zu vollbringen suchte, tjaben erst spätere Zeiten vollendet. Die germanischen Meister der Gotik verzichteten vielfach auf eine Darstellung des auffahrenden Heilandes, I sondern ließen nur das nicht zu schildernde Wunder in den Mienen und Gebärden der Jünger sich abspielen. So Memlkng in dem Flügelbild seines Auferstehungs-Triptychons im Louvre, so Dürer in der Dar­stellung seiner kleinen Passion. Beidemal sind von Christus nur die Füße und ein Stückchen Gewand zu sehen, während die ganze ekstatische Erre­gung, die Mystik des Vorganges in den wildwogenden Massen, den in­brünstig gespannten Gesichtern zum Ausdruck kommt.

Zunächst trat im Quattrocento noch eine archaisiernde Richtung her- ior, die sich bei einigen Sienefen, z. B. Benvenuto di Giova n n i, n der steifen Stellung Christi in der Mandorla äußert und ihren künst- «erifchen Höhepunkt in den Gemälden Peruginos gefunden hat. Das schönste seiner Himmelfahrtsbilder wird im Museum zu Lyon bewahrt. Eine weiche, süß schwärmerische Stimmung spielt um diesen sich freund- ich herabbeugenden Christus, der in der Mandorla aufwärts getragen wird, um den musizierenden Engel liebliche Melodien ertönen lasten. In reii'biger Andacht und mit beglücktem Aufblick wohnen die zärtlich srom- ien Gläubigen dem weihevollen Schauspiel bei. Diesem schönheitsseligcn dindämmern tritt dann aber ein immer energischeres Betonen der gewal­tigen Bewegung, des eigentlichen stürmischen Auffahrens gegenüber. Eine : randios dramatische, von heißem inneren Pathos erfüllte Lösung brachte >'_er glänzende Techniker Melozzo da Forli, der 1480/81 die Apostel- ürche zu Rom mit einer Himmelfahrt des Erlösers fchmückte. Nur noch Bruchstücke dieses Werkes find erhalten. Doch Melozzos Werk war nur ne Vorstufe einer größeren, einer unvergänglichen Meisterleistung, der ixrllhmtesten Darstellung der Himmelfahrt, die die bildende Kunst hervor- «cbrächt: nach ihm schuf Correggio fein Gemälde an der Kuppel der : irdge von S. Giovanni Evangelista zu Parma. In der Mitte der gewal- : gen Fläche schwebt der himmelan fliegende Gottessohn empor, umflossen on einem Dunst von Licht und Luft; der Blick ist sieghaft nach oben '«richtet; weit ausgebreitet sind die Arme zu einer weltumspannenden Gebärde, die zugleich hinaufdeutet in die Ewigkeit und hinabsegnet aus iue Mensclcheit. Aas Fortissimo bet unvergleichlich stolzen Bewegung hallt 'srt in den aufgeregt beseligten Aposteln, die auf weißen Wolken im ' reife Herumlagern. Das ganze Weltall ist in ihnen aufgerufen, um den phärenklängen dieser Himmel und Erde mit Liebesmacht durchdringenden Himmelfahrt mit aller Anspannung ihrer Sinne zu lauschen.

3n Correggios Gemälde ist die höchste Steigerung und Verklarung Ger der künstlerischen Tendenzen erreicht, die den überirdischen Zauber "5 Aufschwebens und die harmonische Verbindung Christi und der dstel anstrebten. Die Vorliebe für das Thema ist nun überhaupt '"schöpft und tritt gegen die Himmelfahrt der Maria zurück. Wir erwähnen 5 selbständige und originale Leistungen nur noch die Werke dreier k'ußer Meister: Tintoretto, Rubens und R e mbrandt. Tinto- * Ito kehrt in dem ergreifenden Bild der Scuola di San Rocco zu dem echaistischen Typus des schreitenden Christus zurück, der Gottvater die Scmb entgegenllreckt. In einer gewaltigen, von Engelflügeln umwogten, ; «« Erde beschattenden Wolke steigt er auf, der große Weltenüberwinder.

Jünger starren, staunen empor: sie sehen ihn nicht mehr. Er hat Ees Irdische tief unter sich gelassen. Der auffliegende Christus von Ru- b sis, eine Skizze zu den verbrannten Deckenbildern der Antwerpener < suitenkirche, die sich in der Wiener Akademie befindet, ist ein in kühner srfütjung gegebener mantelumwalter Gliedermann voll bewegter Kraft, a er ohne jede Innerlichkeit; ein von tiefster Beseelung erfülltes Werk l'tr ist Rembrandts Himmelfahrt, die heute in München bewahrt wird. 52'/1 in der farbigen Lieblichkeit eines Blumenstraußes schimmerndes ,!/> das zugleich von allen Schauern magischen Lichtes und geheimnis- lller Schatten übergoßen ist, vereint Jdyllrk und Mystik. Die;er Christus, 1 so fest auf der vom Engelreigen umspielten Wolke steht und doch i Esam aufsteigt im Strome des heiligen Glanzes, ist Himmels- i "^^lcher und Menschenjohn zugleich.

Abenteuergeschichten hinter Glas.

Impressionen aus dem Aquarium.

Von Dr. Margot Rieh.

Das Wunderbarste ist immer der Schritt von draußen bis hinein: eben war man noch mitten zwischen Asphalt, Hotel- und Geschäftsbetrieb, durch ein Treppenhaus nur getrennt von der seltsamsten aller Unterwelten, die nach SchillersTaucher" die Göttergnädig bedecken mit Nacht und Grauen".

Man meint wohl, man brauche sich vor diesen seltsamen Ungetümen nicht zu fürchten, weil sie hinter Glas sind? Ich weiß nicht, irgendwie unheimlich ist es doch. Es ist jetzt im Zeitalter Freuds so viel von den Trieben" die Rede, die in beängstigender Weise gegen das wohlerzogene Ich, bzw. Ueber-Jch des Menschen Revolte machen sollen. Denkt man sich einmal solche Triebe gestalthast personifiziert, so sehen sie tatsächlich aus wie die mit ungehemmter Gier das Wasser durchrudernde Suppenschild­kröte, die riesenhafte Seespinne, die schadenfroh glotzende giftige Muräne. Es gibt heute Maler, die in ihrenabstrakten" Bildern ähnlich Geformtes malen, ohne je eine entsprechende Anschauung gehabt zu haben: sie malen die Dynamik ihrer eigenen Unterwelt, die Wallungen und Stre­bungen ihres ihnen selber unbewußten Trieblebens.

Da kroch's heran, regte hundert Gelenke zugleich" es ist der Tintenfisch, besser Tintenschdecke, im Aquarium sozusagen die prominen­teste Persönlichkeit. Als solche macht er sich auch gern rar und ist öfter wegen Todesfalls gerade nicht anwesend, wird aber meist schon nach wenigen Wochen durch einen Nachfolger von nicht minder abenteuerlichem Aussehen ersetzt. Oesters liegt er nur zu scheußlichen Klumpen geballt in einer Ecke, wenn es ihm aber gerade paßt, eine Vorstellung zu geben: kein noch so gewiegter Groteskentänzer könnte dieses Maß an beängstigen­der Geschmeidigkeit und eindrücklicher Ausdruckskraft zugleich aufbringen. So wie dieser Polyp durch mehr oder weniger heftige Kontraktionen seines Körpers und erregtes Umherfuchteln seiner acht bis zehn vom Kopf ausgehenden Arme beliebig seine Gestalt verändern kann, so vermag er auch fortwährend seine Farbe zu wechseln; ja, man könnte geradezu von einer ausgebildeten Farben-Mirnik sprechen von schleimigem Silber über Gelb, Grün bis Schwarz zu schillerndem Leuchten über die das Ungeheuer in gereiztem Zustande versügt. Nebenbei kann dieses seltsame Weichtier seine Umwelt gelegentlich dadurch verblüffen, daß es sich in Wolken von schwarzer Tinte einhüllt, wenn es Angreifer nahen wähnt. Zu weiteren Ausschreitungen kommt es dann im offenen Meere.

Dieses merkwürdige, wie ein Bündel von Schlangen wirkende greulich gräuliche Ungeheuer mit den menschenähnlichen Augen hat begreiflicher­weise schon öfters zu tiefsinnigen Betrachtungen Anlaß gegeben, von denen die des schwedischen Romanschriftstellers Werner von Heidenstam als besonders schlagende Metapher einige Berühmtheit erlangt hat. Durch das Bild des beutegierigen alles verschlingenden Tintenfisches wird hier das Seelenleben großer Menschen, des Künstlers und Grüblers im be­sonderen, in skeptischer Weise charakterisiert.Alles Lebende, was er er­reichte, fraß er, und danach versank er wieder in Grübeln, seine teuflischen Augen gegen die Sterne gehoben. Als ich an die klugen Menschenaugen dachte, schien es mir, daß, was die Tintenfische für die Menschen und . die Krabben sind, das sind die großen Männer und Frauen für uns Menschen. Alles Lebende, was in ihre Nähe kommt, verschlingen und zerquetschen sie, und dann ringeln sie sich wieder zusammen und setzen sich, die Sterne anzustarren. Aber wenn ich in ihre Äugen sehe, funkelt da ein Feuer der Holle, eine Flamme von der unheimlichen Tücke eines Toren ... und ich schaudere und fahre zurück."

Aber es gibt auch freundlichere Bilder in dieser Tiefe. Da ist der leuchtende Blumengarten der festgewachsenen Tiere, der Korallen, Pur­purrosen und See-Anemonen. Zwar sind sie im Grunde auf das Gleiche aus wie der Tintenfisch, denn das Beute-Errassen dürfte auch ihre Haupt­beschäftigung sein, so graziös und spielerisch sie auch ihre perlmutternen Fangarme in die Wellen dehnen und ringeln. Sie wissen eben nur, ihren Trieb ständig hinter einer bezaubernden Geste zu verbergen und worauf käme es sonst an? Wie reizend gewandt die bunten Samtkorallen­fischchen in der Stille dieser schön angelegten Wasserparks zwischen den Kvrallenbäumen hindurchschnellen! Hier wie nirgends läßt es sich von Wohlgefallen und Friede, wenn nicht auf Erden, so doch im Wasser, träumen!

Rücksichtsloser im Blohstellen ihres Unter-Jchs sind da oben die Schlangen, bei denen es hie und da zu Aufruhr und Tumult dadurch kommt, daß die eine blindlings in die andere hineinbeiht; sie sollen sich mitunter auch gegenseitig aussressen, aber das habe nichts weiter zu bedeuten, wird einem tröstend gejagt, da sie es ja auch in der Freiheit so gewohnt sind". Ganz zu schweigen von dem giftigen Vipern- und Otterngezücht der Riesen-, Schauerklapper- und Speischlange, welch letztere ihrem Verfolger ihr Gift schonungslos in die Augen spritzt, was öfter schon zur Erblindung führte. Ost bleibt es allerdings auch hier nur bei leeren Drohungen, und ganz im allgemeinen läßt sich von den Schlangen jagen, daß siebesser sind als ihr Ruk" und mit den grausigen Ge- jchöpfen der Märchen und Mythen oft nkcht mehr als den Namen teilen. Umgekehrt ist es eher bei den Krokodilen, die weit harmloser tun, als sie es in Wahrheit meinen. Eine geradezu behagliche Stimmung überkommt einen in dieser Urwaldatmosphäre angesichts der regungslos daliegenden Tiere, die selbst während der Fütterung zu faul scheinen, dem ihnen entgegengehaltenen Happen Fleisch auch nur durch eine geringe Be­wegung entgegenkommen. Aber das ist alles nur Bluff, d. h. es ist zweck­mäßigste Haltung, die ein auf Beute lauerndes Raubtier einnehmen kann, da jede überflüssige Bewegung die Opfer verscheuchen würde.

Von anderer Temperamentsart sind wieder die gleichfalls zu den Horn- und dickhäutigen Reptilien gehörigen Schildkröten. Die aus dem Lande wirken zwar zuerst mit ihrem mächtigen Panzer wie lebloses Felsgestein. Aber wenn die vogelköpfige Riesin sich einmal erhebt und einen anglotzt! Plastiken und Asrikaneger wirken ähnlich so bannend, drohend, verzaubernd, bändigend. Don humanerer Gemütsart scheinen unten diebemoosten" (d. h. hier oeralgten) Meeresschildkroten mit den