Nummer 25
8reitag, den April
Jahrgang <932
Äubi-
Neisezehrung.
Von I. W. von Goethe.
Entwöhnen sollt' ich mich vom Glanz der Blicke, Mein Leben sollten sie nicht mehr verschonen. Was man Geschick nennt, läßt sich nicht versöhnen: Ich weiß es wohl und trat bestiirzt zurücke.
Nun mußt' ich auch von keinem weitern Glücke: Gleich sing ich an von diesen und von jenen Notwend'gen Dingen sonst mich zu entwöhnen: Notwendig schien mir nichts, als ihre Blicke.
Des Weines Glut, den Vielgenuß der Speisen, Bequemlichkeit und Schlaf und sonst'ge Gaben, Gesellschaft wies ich weg, daß wenig bliebe.
So kann ich ruhig durch die Welt nun reisen: Was ich bedarf, ist überall ,u haben, Und Unentbehrlich's bring' ich mit — die Liebe.
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Karlsbader Novelle.
Von Erwin Guido Kolben Heyer. Copyright by Verlag Georg Müller, München.
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GiehenerZamilienbMer
Unterhaltungsbeilage zmn Gießener Anzeiger
wicht den ganzen Leipziger Kommerz ausgewogen hätte, nicht nur einen Kaufmann Richter, Kolonialwaren und Pelze, senkte er die, Lider und ließ ohne den Kops zu wenden auf die junge, pausbäckig« Beschränktheit, die neben ihm stand, seine Worte fallen:
„Er ist durch den Zufall gewürdiget, Johannes, etliche Stunden angesichts eines Genies den engen Raum einer ordinären Chaise zu kommunizieren. Er wird durch ein lautloses Wesen", diesen Satzteil dehnte und betonte er, „ihre Exzellenz den Herren Geheimerat von Goethe zu üistinguieren haben!"
Damit war auch entschieden, daß der Kandidat Henze sich nicht beim Postillion begnügen werde, und Herr Richter, nun auch von der Angst frei, diesen dürren Gesellen mit einem Teil der wohlgefüllten Reise- behältnisfe dem Zwodauer Schicksale überliefern zu müssen, ließ den Magister seine Anstalten treffen. Es wurde möglichst viel zu dem Schwager geladen, die andere Bagage auf dem Dache und dem Hinterbord festgeschnürt und -gekettet. Herr Richter hatte an Trinkgeld nicht gespart: es kam trotz der Besorgnisse Vogels ein fast bedrohlicher Bau zustande. Aber man konnte an bessere Straßen glauben, und das Gebirge war überwunden.
Der Geheimrat saß vor dem abgelegten Besteck und hatte einer zweiten Flasche Wein sattsam zugesprochen, als der junge Kanzelist von ihm aufgefordert wurde, gleichfalls zuzulangen.
Christian Vogel war mitgenommen worden, um das Schriftwerk der ersten vier Bände einer Gesamtausgabe für den Buchhändler Göschen zu besorgen: ein stiller bereiter Mann, nicht unlustig, aber durch das verhaltene Wesen des Geheimrats merklich in sich verstaut. — Es lag auf den gemeinsamen stunden und besonders auf solchen, die nicht der Arbeit zugewandt fein konnten, ein Druck, dem Vogel nicht ungern entglitt. Er verstand den Grund dieses Unbehagens nicht recht. Er wußte nur, daß in der Thermenstadt, auf die er begieriger war, als seine Pflichten es zulassen würden, eine strenge Arbeit bevorstand, und es drückte ihn, daß der berühmte Poet von einer sonderbaren Ungeduld nicht loszukommen vermochte, trotzdem nunmehr alles in Fluß geraten war. Man konnte sich zu etlichen Erklärungen finden: wußte, daß ihre Exzellenz längst der Frau Oberstallmeisterin von Stein in das Bad nachgereist wäre und sehr zu Unbaß in Weimar zu verharren genötigt gewesen, weil sich die Geburt der Prinzessin um Wochen verzögert hatte. So war in Weimar die Arbeit für Göschen mir das ungeduldige Füllsel einer Wartezeit geblieben, denn auch die Amtsgeschäfte des Geheimerates waren längst für seine Abwesenheit aufgearbeitet oder dahin geführt worden, daß sie unbesehen weitergeleitet werden konnten. Sie liefen allein und vergrößerten den toten Raum. Uebrigens die ganze Hofgesellschaft, etliche Kreise selbst des Bürgertums hatten in den letzten Wochen Stunden zählen gelernt, gewartet und gewartet. Doch auch dann, als alle Erwartung zum glücklichen Ereignisse wurde, und die Welt der thüringischen Residenz aufatmete, schien es, als fei dem Geheimrat nur die Möglichkeit eröffnet, feine Arbeitspläne zu übersteigern und unverminderten Dranges in einen viel zu engen Raum zu pressen. Christian Vogel wußte, daß in Karlsbad das Werk dieser vier Bünde nicht zu leisten sein werde. Dabei war der Schöpfer des weltbekannten Werther und Götzens von einer rätselhaften Unzufriedenheit mit dem eigenen Werke besessen. Richt nur, daß er in unangemessener Eile zu vollbringen suchte, worauf der Verleger geduldig gewartet hätte, die Unentschlossenheit des Dichters vor der letzten Form seines Werkes verzehrte und verzettelte Kraft und Zeit.
Der junge Mann aß und traut unter dem Schweigen seines Gönners, und sie hatten kaum ein Wort gewechselt, als der Posthalter zur Abfahrt lud.
Die Chaise war heiß. Der beleibte Kaufmann hatte sich neben den Geheimrat gelagert, Vogel mußte den Sitz mit dem Kandidaten und dessen Zögling teilen. Die Augen des Theologen brannten gespannt nach dem berühmten Fahrtgenossen, seine ganze Person hielt sich sprungbereit auf der Kante, um einer Anrede geistvoll und gewandt zu begegnen: er beachtete seinen Schüler nicht, der faul zurückgelümmelt den großen Mann beglotzte und, in den Anblick verloren, die Stumpfnase bohrte. Der Kaufmann hingegen hatte das gleichgültigste Wesen angenommen. Als einem deutschen Mann von wohlbegründeter Bürgerlichkeit lag es ihm ob, diesem Genie, unangesehen öe't höfischen Stellung, von der man unbekannterweise keine Notiz zu nehmen brauchte, zu beweisen, daß Dichter nicht von Gottes, sondern auch von Publici Gnaden seien: Herr Richter war Publikum, las er auch nur die „Leipziger". Im übrigen war olles durchgesetzt und gegen Hitze konnte man die Weste aufknöpfen: das Gerüttel entwickelte die Verdauung und schläferte ein.
Die Weimarer Exzellenz hielt den Kopf in die Hand gestützt und sah durch das Fenster auf eine Landschaft, die aus ernsten Waldungen, schütteren Feldern und versumpften Wiesen ihre wortkarge Sprache führte. Hier mochte ein zäher Schlag Menschen leben, der feinem Boden Treue hielt, gerade um dessen Kargheit willen. Er kannte Landvolk solcher Art.
Unter dem Schnarchen des Kaufmannes, der unverminderten Gespanntheit des Theologen, dem Düsen des fetten Knaben und der träumerischen
Als sie ein letztes Mal vor Karlsbad, die Pferde zu wechseln und etwas verspätet Mittag zu halten, vor dein Posthause in Zwodau aus- stiegen, war dieser Herr Richter mit seiner erregten Leiblichkeit auf ihn gestoßen. Herr Richter, Kaufmann aus Leipzig — Solin unö -ihrer wartete zwei Schritte abseits und auch der Posthalter war lebhaft zuru gedrängt worden - Herr Richter also aus Leipzig wäre mit seiner Berline verunglückt. Das Gebirge! Die erweichten Straßen! Der Wagen hatte kaum die Koffers und Beutel hierher zu schleifen vermocht. ~a stünde er mit einem gerissenen Riemen und schlimmer noch, mit dem verrenkten Hinterrade. Herr Richter, Sohn und Lehrer leiei, ein« Meile zu Fuß — man übersehe gütigst die Verfassung, trotzdem k'e sich^nzwihhen gereinigt und erholt hätten, und man danke dem Allmächtigen, daß i- nur eine Meile gewesen s«i — in die Poslhalterei gelangt unb nun ... h nun, ein anderer Wagen sei nicht aufzutreiben ... die ,m Augenblicke angekommene Herrschaft Hütte, wie man sehe zu gutem Glucke wenig Koffers ... so möchte man, obwohl die Postchaise eigentlich nur meh zween Mitreisenden bequemen Platz böte ... Übrigens Kandidat Nenze würde beim Postillion vorlieb nehmen - -. hm, fo mochte man trotz des einen mangelnden Platzes bitten ...
Unter den großen, dunklen Blicken des bestürmten Ankömmlings hinter dem ein junger Mann in zurückhaltender Bereitschaft stand,^rsiegte die Leipziger Zunge, und das von innerer Bedrangniv, vielleicht auch von einer allzu reichlichen Mahlzeit gerötete Gesicht des Kaufmannes nahm ?inen De liegt? neu, fuft weinerlichen Ausdruck nn.
„Sie wünschen mitzukommen. Wir werden zusammenrücken, zumal wir Genossen desselben Mißgeschickes sind.
Das war sehr verbindlich gesprochen, und Herr Richter wollte neu beginnen, aber man wandt« sich von ihm.
„Vogel, Er bringt unsere Bagage in eine schickliche Ordnung, ich will mich in der Wirtschaft umfehen und Ihn erwarten."
Um seine Kümmernis leichter, haschte der Leipziger den jungen Mann beim Aermel und fragte flüsternd.
Di« Antwort war: „Es ist ihr« Exzellenz der Herr Geheimerat von Goethe aus Weimar."
Der Kaufmann blühte die Wangen und zog die Brauen hoch, führte die Finger an den Mund, blies ihre Spitzen, als hatte er sie verbrannt, dann spreizte er die Hand gegen Sohn und Präzeptor.
„Kandidat, weiß Er, hat Er gehört?" „ h &
Der hagere Theologe faltete abweisend leine ahnte. Im Gefühle daß für den Rest dieser Fahrt einer überfüllten Postkut|ck>e da-, geistige 1
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Diese Erzählung, welche allen Goethefreunden im lüumsjahr eine willkommene Lektüre sein wird, ist dem bei Georg Müller in München erschienenen Karlsbad-Buche „Kämpfender Quell" von E. G. Kolbenheyer entnommen.
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