Ausgabe 
30.1.1931
 
Einzelbild herunterladen

} Auch andere Probleme dieses Gebietes, die wir neu sür uns eU deckt zu haben glauben, wurden schon damals lebhaft diskutiert, zu Beispiel das von Klang und Farbe So konstruiere ,chon m 2ah 1725 ein französischer Jesuit, namens Castel, der auch als Mathematiker

Mechanische Musik in alter Zeit.

Bon Frank Warschauer.

Die mechanische Musikwiedergabe in Rundfunk und Schallplatte in ihrer jetzigen Vollendung ist ein Resultat der letzten Jahre. Aber die Aelteren unter uns wissen, daß die mechanische Musikreproduktion aus primitive Art, wie sie früher möglich war, auch schon vor dem Auf­kommen von Grammophon und Rundfunk bet alt unb jung mel Ber- qnüqen bereitet tjot; meist erfolgte sie mit Hilfe jener kleinen Spiel­dosen die eine geringe Anzahl von Musikstücken wiedergeben konnten und jetzt vollständig verschwunden sind. Und doch hatten sie einen seinen, sond-rbaren Klang, und es wäre vielleicht sehr reizvoll, wieder einmal ""Äm«"ÄfÜ|S »*>«< °m W der mechanischen Musikwiedergabe bemüht, und zwa^ keineswegs er­folglos. Bereits im 16. Jahrhundert konnte man in Augsburg Tanz- müfik durch eine Walze abrollen lassen. Augsburg war nämlich ein Zentrum der Musikinstrumenten-Jndustrie. Allerdings von einer Jn- dvslrie heutigen Sinnes konnte man nicht reden; es handelte sichurn einzelne' besonders geschickte Handwerker, für deren Schulung abe. in Augsburg eine besonders ausgezeichnete Irabition bettanb Lmer con ihnen, der Goldschmied Achilles Lanzenbucher, soll für eine Kirche einen

leiten der Tanten und Basen her unbescholten sein müsse, um auf die I ! 1)OtiebridTSu? Wölkchen, die von Zweibrücken !

unKresKn her die HMsche Zukunft umfloren wollen, versteht es den < russischen Brautwerber, Baron Asseburg, ganz ?kir seine Zwecke zu g- I winnen aber die Aengste der Landgräsin wollen nicht welchen. Friedrich daaeaen betrachtet die Sache schon als abgemacht und glossiert b.e rutfijdie Freude an Siegesfeiern und Festen in sehr amüsanter Weise. Ich werde mit meinem Glückwunsch an den Großfürsten noch warten, I hie OH Romanzoff noch ein paar Dutzend Schlachten gewonnen hat, I K» Ws «*" WÄpÄ

überfuttert worden ist, dann sicherlich in diesem Kriege! Keine Rat on der Welt hat ihrer je so viele fingen lassen wie Rußland! Wie gluck! ch Sie sind teure Landgräsin, daß Sie dem Hause nahestehen, von d so viel Licht und Ruhm ausstrahlen!"

Ach die Landgräsin ist gar nicht überzeugt, daß sie dem ^yaufe i Roman'oss wirklich9 nahesteht! Asseburg reist ja nicht «ur nach Darm­stadt sondern auch an alle anderen Hofe, und an jedem steht ^Me eine Prinzessin gestiefelt und gespornt da, um unverzüglich nach Ruß­land zu kutschieren. Bon den Reizen ihrer Töchter scheint die ßantgrafin | nicht recht überzeugt; immer wieder beteuert fie, bah ityre Prinzessinnen weder Feen noch Göttinnen gleichen, unb nun geht Aßeburg nat& -53 r j tembern um dort eine Prinzeß zu besichtigen, bie als sehr hmstch gilt! Die Landgräsin schöpft erst wieder Mut, als ihr Friedrich versichert die I Württembergerin sei zu dick, nicht vielleicht für östliche Schonhecksbe- I grisfe wohl aber für die Aussicht auf Nachkommenschaft. Kaum ist aber die übermollige Württembergerin in den Hintergrund gezetert, s° taucht | schon eine andere Konkurrentin, die Tochter eines Prinzen Georg auf. .

Ein viermonatlicher Aufenthalt in Paris hat der Tochter des grinse. Georg eine Grazie des Benehmens unb des Tons gegeben rote ihn meine Töchter in Darmstadt nicht lernen konnten, und dreiviertel aller Männer lassen sich durch Aeuherlichkeiten bestechen! Man hat diese Prinzessin in Paris sehr in den Dordergrund gedrängt, vieie Rusen ! find dort und ich weiß, daß ihr Vater, der Prinz Georg schon Schntte unternommen hat ... Sobald es gilt. ein Ziel zu erreichen, versteht er es schmiegsam zu sei», und ich müßte jede Hosfnung begraben, wenn ich nicht auf (Euer 9Jlaiefiät zählen bürfte. I

J Da die endgültige Wahl dem jungen Großsursten uberlasjen bleibt, schreibt Friedrich in seiner köstlichen Skrupellosigkeit, daß die Laiidgrasin, sobald man erst über den Geichmack des Großsursten unterrichte,, sei, | diejenige Tochter, die sie ihm geben wolle, eben genau so schildern und malen 0assen solle, wie Paul sich die Zukünftige träumt!3m allgemeinen n'ciü ich daß man von ihr Sanftmut, tadellose Haltung und Fruchtbar­keit erwartet" Reizend frivol fügt er hinzu:Im letzten Punkt muß man sich allerdings auf Wahrscheinlichkeiten verlassen. Erfahrungen waren bier nicht zulässig." Die Landgräfin, die alles ins Treffen fuhren will, | was für ihre Töchter sprechen könnte, meint:Nein, Erfahrungen sind hier wirklich nicht ziilässig, aber nach den Proben, die meine zwei ver­heirateten Töchter ablegen, darf man auch der jüngeren mit einem günstigeren Vorurteil entgegenfthen."

9 Endlich rückt der Friedensschluß in greifbare R°he, und Friedrich, der Spötter, schickt sich an, im Madrigalstil zu schreiben. (Er fabelt etliches von Romanen, die nach unzähligen Hintermssen zu beglückende.» Ende führen und von denMyrten der Liebe , die man den2otbei.ren des Mars" vermählen wird ... Weniger blumig aber desto herzlicher beteuert er der Landgräfin feine Freude, daß die Reife nach Rußland ubcr Be m gehen soll:Ihr Aufenthalt hier wird mein Kuppelpelz sein! Kurz vor der Abreise läßt sich auch einmal der Brautvater vernehmen in einem Stil dem man die Freude am Trommeln und rmlitarischen Exerzitien deutlich anmerkt. Der Herr Landgraf, an äußerste Pünktlichkeit9°^, ift nämlich wütend, daß sich die Heirat so lange verzögert und schnauzt daher seine Frau brieflich an:Die Bildnisse sind nun balö em Jahr m Petersburg und nun verlangt man, daß sie mit Armee und Bagage mar­schieren, d9h. mit unseren Töchtern. Meine Gedanke» darüber will ich nicht aussprechen, ich glaube aber, daß sie sehr richtig sind.

Run, niemand drängte ihn, seine richtigen oder unrichtigen Gedanke» zu offenbaren! Er hatte die formelle Einwilligung zur russischen Heirat gegeben alles andere erledigte sie ohne ihn. Die Landgrafin verließ Darmstadt im Frühjahr 1773, um der russischen Krone entgegenzufahren die sich auch wirklich auf Wilhelmines Stirne senkte Das Leben der Großfürstin Paul sollte aber nur einem tragischen Idyll gleichen: die junge, von ihrem Manne vergötterte Frau starb an den Folgen der erjten Niederkunft ...

Musikautomaten gebaut haben, dereine ganze SBcfper oon 2000 Xa.ten von selbst schlug", wie es in den alten Berichten heißt. In den folgenden Jahren und Jahrhunderten tauchten dann immer wieder merkwürdige Erfindungen auf, deren Ziel teils neuartige Klangkombinationen, tetts aber auch die reine Reproduktion von Musik war. So ließ sich U» 17 Jahrhundert in Görlitz der Hoforganist Nicolai auf feiner neuer^n- denen Glockenharmonika hören, wobei er sich durch Violine und Baß begleiten «eh. Besonders berühmt war im 18. Jahrhundert der ine ch a - nii ch e Flötenspieler, den der Franzose Jacques de Vaueanson konstruiert hatte. Das Instrument wurde folgendermaßen beschrieben: Der Künstler hatte eine Statue von Holz verfertiget, die einen Flo en- ivieler vorstellt. Die Statue ist innenroenbig mit vielen Flöten und »öthigen Blasebälgen versehen und dadurch in den Stand gesetzt, verschie­dene Flötenstückgen von selber spielen zu können, wobey der Künstler die Einrichtung gemachet, daß die Statue, indem sie spielet, Sugleich die Finger und Lippen beweget, und also einen ganz natürlichen Flötenspieler ^Äadundert hatte sich die Menschheit noch ein^gut Teil der Naivität erhalten; und so wird berichtet, daß an dieser Eur die Be­wegung der Lippen und Finger mehr bewundert wurde, als die mecha- "' Dieser" Flötechcheler nun war zwar besonders gelungen, aber es gab mehr Apparate solcher Art; das ganze Genre scheint im 18.3al)rljunu_ert (ehr beliebt gewesen zu sein. Es wird erzählt, daß zum Beispiel eine Musikstatue des Ejirten Pan und ein blasender Trompeter«

I automa t besonders viel Erfolg hatten. Jntere sank ist übrigens, daß diese SpElautomaten im großen undganzen m Deutschland besonders

! gut hergestellt wurden.Die Deutschen", so jchrieb man damalssindi so I erfinderisch, daß sie mehr als fünfzig verschiedene Stucke mit Hilfe von mehreren Federn spielen lassen, die sogar bewirken, daß Ballette von verschiedenen Figuren von selbst getanzt werden. Die F.guren springen und bewegen sich nach der Kadenz der Lieder (Chansons), nachdem man d.e Fed^Oaufgezogeen hat, ohne daß es nötig wäre, das Instrument an- *SfS wurden mit Hilfe solcher Instrumente besonders schone

I Klanacsfekte erzielt, die uns jetzt besonders durch die Entwicklung der mechanischen Jnftrumentenmufik immer mehr verloren gehe». Dazu ge­hört auch das Glockenspiel das übrigens in besonders kostbaren und kunstvollen Exemplaren in Holland verbrei.et ist.

Auch die künstlerischen Probleme der mechanischen, Musil! waren der | bamaliaen Zeit keineswegs ganz fremd. Jetzt wird bekanntlich vielfach I die Frage diskutiert, ob es richtig ist,für Rundfunk und Schallplatte I eigene Musikstücke zu schaffen, die dafür 'hren 'nstrumentalen und formalen Vorbedingungen besonders vorbereitet frnb. G'Sentlich ist d

I Diskulllon darüber schon abgeschlossen: man ist eben zu dem Refmtal I gekommen, daß es relativ grinst g sei, diese Rücksichten walten zu lassen, I men» es irgendwie möglich ist. In der Tat sind ja >n den letzten Jahren I eine Reihe von bemerkenswerten, speziell für de" Rundsrink geschriebenen

Originalmusiken entstanden. Merkwürdigerweise hat sich oor hun I hertunbfünhia Jahre» kein Geringerer als 'M ozart viit Aehnlichem

beschäftigt. Wir finden zuweilen in Konzerten einige Kompositionen von ! ihm die den nicht ohne weiteres verständlichen Titel tragen ,,K o m p o-

Ui on für ein e Orgelwalz e". Die meisten Hörer denken sich nichts dabei, und wissen nicht, daß sie hier eine kulturhistorische KuriOiitat vor sich haben. Denn was war diese Orgelwalze, für die Mozart ge schrieben bat? Sie war nichts Geringeres als ein Teil einer mechanischen Orgel welche Musikstücke automatisch wiederzugeben bestimmt war. Wie

I diese Orgel im einzelne» beschaffen war, davon ist uns nichts Genaueres bekannt; jedenfalls handelt es sich um ein primitives UI,rro®rL®°r3nQ^ selbst war von ihrem Klang keineswegs begeistert. »Wenneine groß

I Uhr wäre und das Ding wie eine Orgel lautete , so schreibt er,da würde es »Üch ftenen; so aber besteht das Werk aus lauter kleinen

I Pfeifchen, welche hoch und mir zu kindisch lauten.

Es war also nicht die Freude °>n neuartigen Klang die mH» zu dieser Schöpfung veranlaßte, sondern vielmehr andere, und zwar ehr banale Gründe. Er mußte sich dieser Arbeit wohl oder »bei unterziehen, ' denn es handelte sich um einen Auftrag, der ihm das >n diesem Augen- ! I blick besonders notwendige Geld brachte; war er doch um btefe 3 . I in seinen letzten beiden Lebensjahren finanziell in Serabeju troft!ofer : i pnn g;n mrjef von ihm berichtet über die Arbeit.Ich habe mu (0 teft9 ooraTnommen" fchreibt er,gleich das Adagio für den Uhrmacher zu schreiben bann' meinem lieben Weibchen etwelche Bucaten in die ^ände zu spielen; that es auch - war aber, weil es mir eine sehr verhaßte Arbeit ist, so unglücklich, es nicht zu Ende bringen zu könne» irh Schreibe alle Tage daran muh aber immer aussetzen, weil es »vch^nnuEt __ und gewiß, wen» es nicht einer so wichtigen Ursache

willen geschähe, roürbc ich es sicher ganz bleibe» lassen so hosse ich aber doch, es so nach und nach zu erzwingen. <

anteresiant ift jedenfalls, daß der Erfinder ober Besitzer des mechrn

Nischen Uhrwerks schon banials Wert barauf legte, eine Drigmalmufit von Mozart für die Walzen zu besitzen. Im Grunde hatte er sich j auch mit3 irgendeinem bekannten Stücke des Meisters begnügen tonne , finanziell wäre das sogar für ihn von wesentlichem Vorteil gewesen bemi irgendwelche Lizenzgebühren hatte er damals nicht bezahlen brauche . Man sieht also, der Mann war nicht nur ein feiner tSrf.nbertopt, f dem auch ein Idealist. Ob er freilich mit d«n Mozartscheii Sluckeii schäfte gemacht hat, davon ist nichts bekannt. Für den Betrauter m ,i kali cher Formen aber ist es von ffiert, feftju 5Wg

stilistisch und klanglich durchaus den besonderen Möglichkeiten der vrge walze anqepatzt hat, also schon damals im Grunde ebenso vorgegangen st" wie die Komponisten, die heute für Rundfunk und ««Watte