Ausgabe 
12.6.1931
 
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fort und mir. ihn.

Ihr dürft ... eine schwere Tat ..." Da zog ihn der andere Mir ist", sagte er,ich habe hier atmen hören."

Wirklich, die feuchte Nachtluft drückte den lauschenden -Feldherrn benahm ihm den Atem. Er keuchte leise. Jetzt sagte mich er:Gehen Tau fällt, und Verderben brütet in der Lust." Sie drängte sich an

Drei Hornstöße ertönten, vom alten Schlosse her.

Ein Kurier. Ich werde heute noch zu lesen haben."

Verant» örtlich: vr. HanSTHhriot. Druck und DerlagiBrühl'sche Univ ersitäts^Duch« und Steindrucker ei» N. Lange, Giehnn-

Zuflucht ick offen." '

Jetzt ' idcn sie in der kleinen Halle des Landhauses, und Pescara weckte den auf einem Schemel schlummernden Ippolito.Geh hinüber. befahl er,und bringe, was eben angelangt ist." Dann sagte er ;V Viktorien:Ich meine, es ist von Madrid, vielleicht eine Zeile der Mai^ skat selbst, die mir zuweilen schreibt, ohne das Wissen ihrer Minister., o. bin doch begierig." ...nh

Jetzt schlug die Turmuhr des alten Schlosses Mitternacht, müde ui zitternd, mit so weit ausholenden Schlägen^ daß je zwischen zweien ci Leben Raum zu haben schien. Der zwölfte Schlag unwiderruflich.

(Fortsetzung folgt.) ___

Ihr meint?"

Du ziehst deine Truppen zusammen, und wir verhaften ihn.

Er wird sich zur Wehr setzen."

Dann fällt er."

Und die Majestät?" .. r

Besorge nichts, die Majestät bedarf unser, wir beherrschen fie. wr= weigerst du mir deine Hilfe, so muß ich ihn durch eine gedungene Hano töten lassen. Kann ich auf dich zählen?"

hineinzudenken!' Und ein faunischer Jubel. Der Aretiner lacht, daß er fast mit dem Stuhl überschlägt, er schüttelt sich, er lacht aus vollem Halse -

Bräche er ihn, der Schamlose!" schluchzte Viktoria: denn Petrn? Are'tinus und sein Wesen waren schon damals weltkundig.

Brav, meine Römerin!" begütigte Pescara.In einem aber hat er recht, Geliebte: dein Vornahme hat schon den Bräutigam begeistert. Es ist schön, mit dem Siege vermählt zu fein."

Aber die Colonna verstand keinen Scherz mehr. Sie war in den Tiefen ihrer Seele aufgewühlt, in den Wurzeln ihres Wesens erschüttert, voller Tränen und zugleich voller Glut und Leidenschaft.Doch in dem andern hat er unrecht!" redete sie heftig.Ich weiß nicht, aus welchen Geist du lauschest, und mühe mich umsonst, in deinem Herzen zu lesen Du spielst mit deinem Weibe! Du umarmst mich, und du druckst mich weg! Hast du Grausamer mich doch nicht einmal meine Botschaft ausrichten lassen, die ich dir bringen wollte in dem Jubel meines Herzens!

Weil ich sie erriet. Ich tadle den Heiligen Vater, mein edles Weib zur Dienerin mißbraucht und dir, der Wahrhaften, eine Botschaft aup gelistet zu haben, eine Botschaft seiner und deiner unwürdig, voller Luge werde zu widerrufen und zu verleugnen. Die Heiligkeit gibt mir Neapel, wenn ich es erobere, und absolviert mein Gewissen, wenn ich es abstump e. Ich aber glaube nicht an ein solcher Binden und Losen, nicht in welk- Hdien Dingen, weder ich noch irgendein anderer mehr, und , sagte er höhnisch,auch in geistlichen nicht. Das ist vorbei, seit Savonarola und dem germanischen Mönche." . ... r, .

, Und mein Italien, das du wie ein Magnet anziehst lassest du es an dir scheitern? Achtest du es für nichts? Verachtest du es? schrie Viktoria verzweiselnd.

Der Feldherr erwiderte sanft:Wie dürste ich ein Volk verachten, das mir dich gegeben hat? Aber ich will dir nicht verhehlen: Italien redet umsonst, es verliert seine Mühe. Ich kannte die Versuchung lange, ich sah sie kommen und sich gipfeln wie eine heranrollende Woge und habe nicht geschwankt, nicht einen Augenblick, mit dem leisesten (yebflnten nicht. Denn keine Wahl ist an mich herangetreten, ich gehörte nicht Mir, ich stand außerhalb der Dinge." . m ...

Viktoria entsetzte sich.Wie? Bist du kein Mensch? Bist du em Geist ohne Fleisch und Blut? Betrittst du den Boden nicht, über den du wandelst?"

Meine Gottheit", antwortete er,hat den Sturm rings um meine ^Da ^leht^ Viktoria:Deine Gottheit?" und sie umschlang ihn mit beiden Armen,ich lasse dich nicht, du nennest mir denn deinen Gott!

Pescara löste sich sachte und erwiderte mit schmerzlichen Augen: Wenn du es verlangst, aber komm mit mir in den Garten, ich muh Luft schöpfen."

Da sie auf die Terrasse traten, standen alle Sterne über ihnen, und drüben im alten Schlosse erblickten sie noch ein einsames Licht von irdischer Farbe.Dort", sagte sie mitleidig,ist der Kanzler schlummerlos und verzehrt sich in Angst und Hoffnung."Ich glaube Picht . ver­setzte Pescara,eher hat er sich mit einem Mutwillen ober einer Nichts- Würdigkeit in den Schlaf gelesen, und seine niederbrennende Ampel leuchtet den Wänden." Er hatte es erraten. Nach qualvollen Stunden hatte sich Morone mit einem Catull eingeschläfert.

Der Feldherr nahm seinen Weg nach dem Boskette mit den weihen Marmorbänken, wo er zu ruhen pflegte. Sie saßen unter dem dunkeln Laubdache, Hand in Hand.

Da flüsterte Viktoria:Nun rede!" Der Feldherr aber schwieg.

Tritte nahten, und eine andere Bank füllte sich mit Geflüster.Sieht es wirklich so mit dem Feldherrn, Moncada? Ich habe Mühe zu glauben.

Auch ich glaube es noch nicht, Leyva, aber ich forsche. Erlange HY Gewißheit, so trete ich hervor, und wir handeln. Der König darf sein Heer in Italien nicht verlieren."

Ferdinand", flehte sie,du bist umlauert. Du wirst dem Kaiser dächtig. Du bist verloren! Wirf dich Italien in die Arme! Da ist Heil und deine einzige Rettung!"

Ich fürchte nichts", sagte er.Der Weg ist dunkel, aber meine

Die Propheten und Sibyllen? Diese habe ich vor Jahren auch betrach­tet und aufmerksam doch sind sie mir wieder verschwommen, bis auf ein paar Einzelheiten. Zum Beispiel der Mensch mit gesträubtem Haar, der

«V «NW. «** * erIC9Uni> dann die Karyatide, von einer ungehearen Last zusammen, gedrückt, das kurze, viereckige, jammervolle Geschöpf! Das häßlichste We,b ohne Frage, wie du das schönste bist

Eine Vergewaltigte, eine Untersuchte, eine Sklavin

Nun tauchen mir auch die Propheten wieder auf: der kahle Sacharia, oder wer es sein mag, ein Bem oben, eines unten, der scheltende Hesekiel im Turban, Daniel schreibend, schreibend, schreibend. Auch die Sibyllen, die gekrümte Älte mit der Habichtsnase, die glimmenden Augen m em winziges Büchlein vertieft, mit der Nachbarm, die sich Oel in ine erlöschende Ampel gießen läßt, und, die schönste von allen, ine jugendliche mit dem delphischen Dreifuß. Alles in rasender Tätigkeit. Was soll dieser Sturm? Was predigen und weissagen diese?"

Da rief Viktoria in flammender Begeisterung, als. säße sie selbst tm Rate der Prophetinnen:Sie bejammern die Knechtschaft Italiens und verkündigen den kommenden Retter und Heiland!"

Nein", urteilte Pescara streng,die Stunde des Heils ist vorüber. Nicht Gnade verkündigen sie, sondern das Gericht."

Viktoria erbebte, aber schon wieder war der strafende Ernst aus den Zügen Pescaras gewichen.Belassen wir jene prophetische Kapelle , sagte er schmeichelnd,und eine Kunst, die erschreckt und erschüttert. Mich aber darsst du nicht gemeint haben, da du von einem Heiland Italiens sprachest, obwohl ich freiwillig die Seitenwunde schon besäße , schloß er mit einem jener herben Scherze, welche ihm eigentümlich waren.

Die ganze Zärtlichkeit Viktoriens überquoll, da Pescara jene Wunde nannte, welche ihre Tage und Nächte beschäftigt hatte, bis er ihr schrieb, sie habe sich geschlossen. Das liebende Weib umschlang ihn mit der Linken, und mit der Rechten strich sie ihm die rötlich-blonden, vorne leicht gelockten Haare tief in die Stirn, so daß er im Ampellicht und in ihrer wonnigen Nähe ein ganz jugendliches Ansehen gewann.

Da Überkam sie eine Erinnerung an einen zusammen verlebten, nicht allzusernen Tag. Es war in der Nähe von Tarent, auf einer ihrer Besitzungen. Dort hatten sie, freilich erst nach dem völligen Untergang einer sengenden Erntesonne, unter dem verglühenden Abendhimmel neben ihren noch rüstigen Schnittern zur Sichel gegriffen und sich jedes seine Garbe gebunden. Wieder sah sie den Feldherrn lässig auf der (einigen liegen, während sie die Schnittermädchen, leicht improvisierend, eine neue Kantilene lehrte nach dem Muster der dort im Süden gebräuchlichen, die bann das junge Volk bis in die Nacht zu wiederholen nicht müde wurde. Jenen Abend brachte sie jetzt dem Feldherrn ins Gedächtnis.

Es freute ihn.Weißt du jenes Liedchen noch?" fragte er.

Wie sollte ich?"

Nun, es gab da einen Reim: Schnitter und Zither. Sonst sagte das Liedchen nichts weiter, als daß, wie auf dem Felde, auch im Himmel gesungen und die Garbe getragen werde. Das bescheidene Liedchen klingt vielleicht noch im Munde des Volkes, wenn ich und später auch du längst verstummt sind, und, aufrichtig, es gefällt mir besser als ein mir neulich übersendetes Sonett, in welchem du seierlich zu mir redest. Ruhig, Vik­toria! Es ist nicht von dir. Ich weiß, daß es nicht von dir ist."

Sie loderte vor Zorn.Wer erkühnt sich", rief sie aus, meine Maske zu nehmen und in meinem Namen zu dir zu reden? Wer ist der Freche? Wo ist das Machwerk, daß ich es zerreiße!"

Oh, das wäre schade. Es sind Verse, die dir keine Schande machen. Hier." Der Feldherr zog ein Blatt aus dem Busen. Sie entriß es ihm und trat unter die Ampel. Mit wogender Brust und hastigen Lippen begann sie:

Viktoria an Pescara.

Ich heiße Sieg, Pescara, und ich kröne Mit Lorbeer deine Schlachten und Gefechte, Doch wehe mir, wenn ich die Heimat knechte, Mißbrauchend meines Namens stolze Töne. Da ich mich dir vermählt in Jugendschöne, Aus Römerblut und fürstlichem Geschlechte, Gab ich dir in Italien Bürgerrechte Und brachte dir die Liede seiner Söhne. Ich komme, Lohn zu fordern für ein Leben, Nur dir geweiht in hellem Opferbrande! Mein Held, was wirst du deinem Weibe geben? Ich weiß die Geister, welche dich umschweben! Zerschneidend mit dem Schwert Italiens-Bande, Belohnst du mich mit meinem Vaterlande!"

Nie verwandelte sich eine Stimmung seltsamer unter dem Eindruck eines Gedichtes: unmutig hatte die Colonna das Blatt ergriffen, bald besänftigte sie sich, dann sprach sie innig, und die letzten Zeilen jubelte sie hingerissen. Jetzt bekannte sie offen:So bin ich und solches hoffe ich, wenn ich dieses auch nicht geschrieben habe!"

Pescara blickte spöttisch.Das Sonett", sagte er,hat sich auf deinen Lippen wunderbar veredelt, aber es ist innerlich hohl und stammt aus einer niedrigen Seele. Liebe fordert keinen Lohn, Liebe gibt sich umsonst, Liebe rechnet nicht. Solches ist gemein. Nein, so kann Viktoria nicht denken. Ein Mietling hat diese Verse gemacht, und ich weiß seinen Namen: seine ungeheure Eitelkeit hat ihn gezwungen, die Maske frech zu lüften. Sieh her." Pescara wies mit dem Finger auf zwei winzige Buchstaben, ein P und ein A, in die untere rechte Ecke des Blattes gekritzelt.Auch ein Göttlicher, wie er sich nennt! Ich fehe den Aretiner mit seinem Zelt­genossen, dem Giovanni Medici, dem zügellosesten Jüngling Italiens, weintriefend und witzereißend zusammensitzen und höre ihn lästern: .Glaube mir, Hans, 'es ist kein leichtes, sich in die göttliche Viktoria