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ein kostbarer Blau-
Chef zum Frühstück
Eierbrötchen unterm ich jetzt. Zigarette?
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ein ... es ist nur gut, daß er später bedeutend bessere Kritiken bekommen hat als an jenem Morgen!
Verantwortlich: Or. Hans Thyriot. — Druck und Verlag: Drühl'sche Universitäts-Duch. und Steindruckerei. X Lange, Dieben.
spanischen Tritt herauszuquetschen. Aber alle diese Mühen fanden ihre herrlichste Belohnung: nämlich in dem idealsten Kommando der Welt, im sechswöchigen Herbstaufenthalt aus der Domäne Mühlbach bei Großenhain zum Jagdreiten hinter den Hunden der 'Meute, die der „Großenhainer Hetz-Klub" besaß. Die sorgloseste und schönste Zeit aller längst vergangenen sorglosen und schönen Tage: jede Woche drei Jagden über prachtvolles Gelände, aus guten 'Pferden über schwere Sprünge — niemand, dem nicht dies höchste reiterliche Glück zuteil geworden, weiß, welch unbeschreibliches Hochgefühl, welch wunderbare Lebensfreude den Galoppierenden über das bunte Land trägt, ihn, der, ganz der Bewegung des sich streckenden und wieder sich straffenden Pferbeleibes hingegeben, in der Tat die höchste Vereinigung mit der Natur, der Kunst überlegenen Reitens, dem Licht, dem Wind, der Weite und der Freiheit feiert! Gewiß, ein Tier soll sterben, damit wir uns freuen, der Eber hat keine Chance zu entkommen, kann sich aber zum Schluß wenigstens wehren; der Fuchs hat einige Möglichkeit, sich zu retten, und von allen Hirschen, die ich bei Großenhain mitgehetzt habe, ist nicht ein einziger gestellt worden: sie haben die Hunde völlig ausdistanziert und die meisten Reiter auch. Das Bild der ziehenden Jagd, die gefleckten Hunde, die Pikörschimmel, das rotröckige oder uniformierte Feld — die hellblaue sächsische Kavallerie —, die fairen Hindernisse, wie der große Kalkreuther Graben, lichte Breite etwa 5 Meter, ober bie große Abelsdorfer Hecke, und schließlich das Küree und die Verteilung der Brüche, am Abend aber das Jagddiner im roten Frack: es war unbeschreiblich schön ...
fuchs.
„Gut, daß du um diese Zeit kommst. Da ist der fort und die andern sind an ihrem Mittagstisch."
„— und du langst deine Thermosflasche und die ' Pult vor. Das mußt ich doch noch. Deshalb komme Jetzt darf man doch hier eine rauchen?"
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kleines draußen in Britz ...
Sie sah nach der Armbanduhr.
„Ich muß jetzt fort. Aber wenn du erlaubst, Hannah, hol ich btd) bald einmal nach Geschäftsschluß ab —, wir kaufen uns was Gutes zu Futtern und fahren zu dir, packen aus, rücken den Tisch an dein Schlafsofa und elfen halb vorn Teller und halb aus der Tüte. Ist dir s recht? ..." ■
„0 danke. Die ist besser als dem Kassierer seine mit dem Pappmund- ftück und als die zurückgesetzten Türken, die einem unser Hersteller anbietet, wenn er sicher ist, daß der Chef nicht reinkommt."
„Ich weiß, die, bei denen immer erst eine Reklamerasierklinge raus» fällt."
Sie lachten. Hannah bewunderte die Silberdose, auf der Manons Namenszug eingraviert war. Der Gast fetzte sich an Hannahs Platz und legte die Hände auf die Tasten der Schreibmaschine. Stattlich und starr saß das schöne Geschöpf da, das blasse Gesicht mit dem in der Mitte gescheitelten Haar geneigt. Etwas Feierliches ging von dieser unbestreit- baren Schönheit aus. '21m Rande einer Unendlichkeit schien sie zu verweilen wie eine Feuerbach-Gestalt, während sie sich nur sanft an der Maschine aufhiett, deren neues System sie interessierte. Hannah war einen Augenblick in das Nebenzimmer an das Fenster nach der Straße gegangen, um das Auto anzusehn, das den Überraschenden Besuch gebracht hatte.
Besuch im Büro.
Von Franz Hessel.
(Alle Rechte im Rowohlt-Verlag.)
,Manon! Du? — darf man denn noch du zu Ihnen sagen?"
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„Aber Hannah, ich bitte dich! —" Sie schloß die Kollegin von ehedem in die Arme, und Hannahs Wange streichelte ein kostbarer Blau-
Viele berühmte Reiter jener Tage kennenzulernen, war mir vergönnt: vor allem James F i 11 i s, den unvergleichlichen, den besten Reiter aller Zeiten. Unser Regimentsadjutant, der ungewöhnlich reiterlich talentiert war, wurde ein Jahr ä la suite gestellt und reiste mit Fillis, um feine Methode zu studieren: aber so begabt er auch war, erreicht hat er den Meister nicht. Fillis besuchte einmal unser Kasino, und ich glaube nicht, daß jemals irgendein Mensch auf der Welt mit größerer Ehrfurcht behandelt worden ist. Seine Vollblüter gingen die phantastischsten Schulgänge — Galopp auf drei Beinen z. B. — und waren ebenso zuverlässig im Gelände, letzte und feinste Produkte der Reitkunst darstellend. Auch den Champions der Rennbahn, die in jenen Jahren berühmt waren, kam ich nahe, da ich selbst ritt: Martin Lucke, meinem Vetter, Otto Suer- mondt, der mich einmal unsäglich stolz machte, als er mich in Mannheim nach einem Rennen, in dem ich ohne Bügel den zweiten Sieger geritten hatte, da mir die Riemen gerissen waren, zum Essen einlub: der beste Herrenreiter den jungen Leutnant! Fritz Königs- Schmidt-Pauli, Schmidt-
„Das großmächtige Cabriolet da unten, das kenn ich noch. In dein hat dich deiner damals abgeholt, geraubt. D ich grolle dir noch. Früher hattest du kein Geheimnis vor mir gehabt. Und von dieser Affäre habe ich erst erfahren, als alles schon abgemacht war."
„Du mußt verstehn, Hannah. Ich war abergläubisch. Ich getraute mich nicht, davon zu sprechen, eh ich meiner Sache sicher war. Und dann kam es doch schneller, als ich vermutet hatte. Ja, das ist sein großer Wagen, in dem ich ihn nachher aus seinem Bureau holen soll. Er hat Amerikaner zum Frühstück im Bristol, und da muß ich mit."
„Natürlich, wenn man fo herrlich Englisch kann wie du. Du bist \ so lebenstlug."
„Ach, Hannah--Ich habe übrigens einen eigenen Wagen, einen
kleinen Zweisitzer, den ich selbst fahre. In dem hol ich dich bald einmal ab, wenn du magst und wir sausen die Avus hinunter oder nach Schildhorn, immer durch den Wind, daß du rote Backen bekommst, mein Liebling!"
„Das wäre reizend von dir."
„Noch lieber möchi ich mal wieder einen Abend mit dir allein in die Zelten in eins der Lokale, wo im Saal getanzt wird, und wir lassen uns ansprechen, wie damals von den Kommis im Stehkragen."
„Würde dir so was heute noch Spaß machen?"
„Vielleicht noch mehr als früher. Oder du, i : lassen uns mal wieder einladen von eurem kleinen Lektor in sein Möbliertes zu Tee und Studentenfutter, Mandeln mit Rosinen in Knisterpapier, dann lieft er uns aus den Gedichten vor an die Schauspielerin, an der et jo wacker gelitten hat. Wen liebt er denn jetzt außer dir?"
„Mich hat er nie geliebt. Du warst seine letzte Schwärmerei. Er war ganz verstört, als dein Gewaltiger dich so plötzlich entführte."
„Was Schwärmerei betrifft, so hab ich mich eigentlich mehr für den Lehrling Eduard interessiert, der immer rote Ohren bekam, wenn man ihm nah ins Gesicht redete."
„Das kannst du gleich geliefert bekommen."
Der junge Lehrling trat gerade ein, machte eine erschrockene steife Verbeugung und fetzte sich an seinen Platz. Da lag Manons goldene Puderdose mit dem Kettchen, an dem der Lippenstift hing. Damit fing er verstohlen an zu spielen. Als Manon herübersah, ließ er die Finger davon. Aber bann durfte er den kleinen Bleistift, den sie ihrem Täschchen entnahm, mit der Anspitzmaschine behandeln. Das war gar nicht leicht. Die Maschine war mehr für große Bunt- und Schwarzstiste bestimmt, wie sie im Bureau gebraucht werden. Eduard machte es sehr geschickt und wurde gelobt.
„Nun muß ich noch schnell einen Augenblick zu den Packern gehen. Ist da noch der sreche Karle, der so reines Neuköllnisch redet?" Ja, der war noch da. Sie blieb eine ganze Weile fort, und dann hörte man sie nebenan mit dem Kassierer reden, der ihr von Frau und Kind berichtete und ihr fein berühmtes Joghurt anbot. Wenn man täglich davon nahm, konnte man hundert Jahre alt werden. Schrecklicher Gedanke!
Inzwischen war Herr Kuhnolt, der Hersteller, eingetreten und erfuhr von Hannah, wer nebenan sei.
„Die besucht uns? Ist sie nicht froh, unsre Atmosphäre los zu sein? Sie hat doch jetzt alles, was das bewußte Frauenherz träumt, Badezimmer mit Kristallflaschen, Zofe, Schrankkoffer, Golk und was weiß ich. Sie will sich wohl ein bißchen weiden an unferm Elend?"
„Nur nicht so bitter, Herr! Das Frauenherz braucht noch ganz andre Dinge, um glücklich zu sein!"
„Nun, wenn etwa der Herr Direktor in Privat langweilig sein sollte, so wird es doch in seinen Salons nicht an eleganten jungen Herren mangeln. Ist unsre schöne Manon denn schon Frau Direktor?"
„Fragen Sie sie selbst. Da kommt sie."
Er fragte nicht, war vielmehr erfreut, als sie mit ihm an den Regalen entlangspazierte, sich alte und neue Mappen zeigen ließ und Zeitungsausschnitte, Inserate und Zahlenreihen betrachtete als guckte sie in Märchenbücher. Dann setzte sie sich an Herrn Kuhnolts Platz und ließ sich seine Entwürfe für Buchumschläge zeigen. „Eigentlich sind Sie doch ein Künstler. Herr Kuhnolt", sagte sie, während er hinter ihr stand und den Duft ihres Haares einatmen mußte oder durfte.
Sie legte sich im Stuhl zurück und seufzte: „Ach Kinder, schön ist es bei euch in der Schule. Ihr sagt doch hoffentlich noch .Schule" wie zu meiner Zeit."
An der Schaltertür erschien der Briefträger mit dem dicken Leder- kasten vor dem Bauch.
„Morgen, Herr Lechner", rief Manon. Bringen Sie uns Geld ober wollen Sie was haben?" „Schönes Fräulein roieber im Haus? Das is recht. Also von Ihnen will ich was haben, aber — keen Jelb."
„Hier am Schalter, Herr Lechner, vor allen Leuten?"
„Mir genieren bie Zuschauer nid)." Er strich sich ben Felbwebelbart und machte Plinkeraugen. Dann lieferte er feine Packen ab unb grüßte militärisch.
Aus bem Hof scholl ßeiertaftenmufit heraus. Hannah unb Manon gingen ans Fenster unb lehnten Arm an Arm.
„Du hast nasse Augen, Manon. — Kummer?"
„Ach wohl eher — Heimweh nach bem allen ba. Das ist so — so musikalisch. Nachher, um brei, kommt ber Chef unb bann gibt es das Diktat und seine Witze. Und um fünf ist Schluß. Und am Samstag schon um zwei. Und der länge Sonntag morgen. Und ein Zimmer, wie dein
m a r ck und sein Bruder Walter, _ , , .
Benecke, Herr von Bachmayer, der Gardehusar ... viele Namen, viele Gestalten steigen auf, die heute vergessen sind: Major Kimmerle, Kommandeur der Münchener Reitschule, der mich einmal bei der Morgenarbeit beinahe umbrachte, weil ich eines seiner Pferde, das bezeichnend „Athlet" hieß und ein greulicher „Puller" war, — kein Mensch konnte es halten — nicht über 1500 Meter konterte, also landgsam galoppierte, sondern mit dem Biest über 4000 Meter rettungslos durchging —, so grob ist mir weder vorher noch nachher jemand geworden! Durchgehen — einer der ersten deutschen Lyriker, Reserveoffizier bei meinem Regiment, damals Rennstallbesitzer, brachte zu seinen Uebungen immer feine Vollblüter mit und ritt sie vor dem Zuge; bei einer Schwadrons- Besichtigung vor den „hohen Vorgesetzten" ritt er als Führer des Teten- zuges zu schnell im Galopp, mißverstand die leisen verzweifelten Zurufe des Rittmeisters, ritt schneller und schneller, bis schließlich die ganze Schwadron in hoffnungslosem Karacho um den Exerzierplatz brauste. Schließlich „gewann" aber der Vollblüter des späteren Dichters doch, löste sich im Derbytempo von der Schwadron los unb platzte schließlich wie eine Bombe in ben Kreis ber erstarrt zusehenben Generalität hin-


