Ausgabe 
5.6.1931
 
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den billigsten laufe und der die Deutschen

wurden die natürlichen Seen, die der Shannon bildet, in Staubecken umgewandelt, der Fluh wurde in zwei Teile zerlegt, und nun stürzt die eine Hälfte bei Ardnacrusha etwa 30 Meter durch die Turbinengänge in die Tiefe, während die andere Hälfte durch Schleusen in einen Kanal geleitet wird, der der Schiffahrt dient. Auch auf den Lachsfang muhte Rücksicht genommen werden, da diese Fischerei am Shannon sehr lohnend ist.

Wie stets bei solchen Bauten, verteuerten unvorhergesehene Zwischen­fälle die Anlagen, und aus den fünf Millionen Pfund, die ursprüng­lich vorgesehen waren, wurden nun sechs Millionen. Eine Million Pfund das find' 20 Millionen Mark, die die deutsche Firma nachsorderte, die aber die Iren nicht bezahlen wollten. Um diesen Betrag geht nun ein Prozeh, und das ifb der peinliche Abschluß eines mit großen Hosf-

Oie Versuchung des Pescara.

Novella ngn Kntu^x Meyer.

(Fortsetzung.)

Jetzt drängte sich Viktoria flehend an die linke Seite ihres Helden, der unter dem Drucke des Frauenleibes einen körperlichen Schmerz zu empfinden schien. Um ihn zu verbergen und zu verwinden, tat er ein paar Schritte vorwärts.

Die dreie standen vor den spielenden Lichtern des Brunnens.Schönste Frau, mich hat herzlich verlangt, Euch wiederzusehen", sagte der Feld­herr,und da bist du ja, meine Seele!" Er blickte ihr in die strahlenden Augen.Aber deine edeln Lider sind ja noch ganz bestäubt von der Reise. Dein Tuch!" Sie gab es ihm, der es netzte, und schloß die Augen, während er ihr Stirn und Lider und Wange wusch und badete.

Ich erinnere mich deiner Enkelin ganz wohl, Ruma, obwohl ich sie kaum gesehen habe. Tiefblaue Augen und kastanienbraune Haare, wie diese da, nicht wahr, und Julia heißt sie? Was ihre Sache betrifft, die dünkt mich schwer tragisch. Nicht daß ich anstünde, den Bösen, den du kennst, Viktoria auch ich kann ihn nicht anders nennen, zur Ehe mit ihr zu zwingen, er würde sich fügen, ohne Zweifel, denn er ist mein Geschöpf, und ich habe Macht über ihn. Aber ich frage mich, ob es gut sei, die Verschmähte an einen Herzlosen und Grausamen zu fesseln, der freilich durch seine Vermessenheit und Begabung in der Welt die höchsten Stufen erreichen wird. Und sie selbst? Wird sie es verlangen? Glaubst du, Viktoria? Hat sie es verlangt, die sich dir in Rom zu Füßen geworfen hat, wie ich vermute, da du sie kennst?"

So tat sie", sagte Viktoria mit flehender Stimme.

Ertrug sie deinen reinen Anblick? Und im Ernst, du willst sie dem Manne geben, der sie verschmäht? Wenn sie mein Kind wäre, ich ver­grübe sie ins Kloster. Ihr aber seid menschlich und barmherzig, Madonna. Und wer weih, vielleicht liebt sie ihn noch, oder liebt und haßt ihn zugleich ich verstehe das nicht. Doch ich will mich ihrer annehmen, sie habe die Wahl."

Jetzt öffnete der Arzt den welken Mund.Arme Julia! Welche Wahl! Selig, daß sie ihrer überhoben ist!"

Wodurch?" fragte Pescara.

Durch eine dunkle, aber weise Gottheit."

Ich verstehe", sagte der Feldherr rasch,sie lebt nicht mehr.

Du sagst es, Herrlichkeit."

Sie hat sich ein Leides getan?" wehklagte Viktoria.Da sei ihr Schutzengel davor!"

Wer weiß es? Als sie in ihr Kloster zurückkam, nachdem sie sich Euch geoffenbart, ist sie gestorben. Ihr Geständnis muß sie getötet haben, und der Anblick Eurer Reinheit, Madonna, wie die Herrlichkeit es gewollt hot. Vielleicht ein Herzschlag, vielleicht das willige Mädchen ist mir in meiner Apotheke oft mit Verständnis und Geschick beigestanden."

Jetzt urteilte der Feldherr:Das bleibe unberedet. Sie ist eingegangen in den Frieden und steht jetzt in Dienst und Pflicht einer heiligen Macht, die unserer erbärmlichen Gerechtigkeit spottet."

Viktoria weinte, und der Greis flehte:Ich kann nicht mehr! Es fei gut!"

Ja, es ist gut", schloß der Feldherr. .

Dann bot er Viktoria die Hand und sagte leichthin:Edle Fram ich habe Euch und mir, solange wir zusammen sein dürfen, ein helleres Haus gerüstet als dieses alte Schloß mit seinen plumpen Deckenbalken, diese Wohnung des Verrates, denn auf feiner Zugbrücke wurde der Mohr aus- geliefert. Sehet Ihr dort bei den Pinien die anmutige Baute, Madonna? Die habe ich Euch bestimmt: sie ziemt Eureix klaren Handel."

Sie durchschritten den Park und langten am Fuße der drei Treppen an, wo der greise Arzt stehen blieb, Atem schöpfend und den Feldherrn zurückerwartend. Da Viktoria die dritte Treppe erstieg, erblickte st« zwe,

nungen begonnenen Unternehmens.

Die irischen Zeitungen haben über die Streitigkeiten berichtet, die englische Presse hat diese Vorgänge kommentiert, manchmal sehr kritisch, da man es in England nicht gern gesehen hat, daß der große Bau­auftrag nach Deutschland gefallen ist. Dennoch wäre es verkehrt, wollte man aus diesem Prozeß schließen, daß nun die freundschaftlichen Gefühle der Iren für die Deutschen abgekühlt worden seien. Die beiden deutschen Ingenieure, die sich als letzte Vertreter der Baufirma noch im Werk befinden, können sich über ihre Behandlung keineswegs beklagen, und jeder Deutsche, der durch Irland reist, wird immer wieder mit freundlichen Worten auf die Großtat hingewiesen, welche die deutschen Techniker am Shannvnsluß vollbracht haben. Das Volk kümmert sich nicht um Prozesse, sondern sieht auf die Leistungen. Und es freut sich, daß die deutfchen Schiffahrtsgesellschaften ihre Dampfer Corks Hafen Cobh und das schöne Galway in Westirland anlaufen lassen, bevor die große Reise über den Atlantik angetreten wird. Denn diese Dampfer bringen Touristen, und die Touristen bringen Geld. Irland aber ist arm und versucht, von Dingen zu leben, die es gibt: von der Kraft der Wasser- Schönheit der Natur. Beide Quellen des Reichstums helfen erschließen. Wie sollten sie da nicht gern gesehen sein?

Deutsche Kraft durchströmt Irland.

Besuch im größten Elektrizitätswerk Großbritanniens.

Von Dr. Hermann Budzlslawski.

Um das von deutschen Ingenieuren entworfene und von deutschen Arbeitern erbaute gewaltige Shannonwerk im Her­zen Irlands ist viel gestritten worden. Von englischer Seite wurde der irischen Regierung vorgeworfen, daß sie eine deutsche Firma mit der Elektrifizierung Irlands betraute. Unser Mit­arbeiter hat jetzt auf einer mehrwöchigen Studienreise Gelegen­heit gehabt, die mächtigen Anlagen zu besichtigen, um deren Bezahlung zur Zeit ein Prozeß gesührt wird.

Hochspannungsleitungen durchlaufen ganz Irland. An mächtigen Masten hängen die großen Isolatoren, die aus sechs Übereinander gestülpten weihen Glocken zu bestehen scheinen. Um das Porzellan winden sich die Drähte, die wie Schlagadern das Land durchziehen und sich in ein Netz von Kapillargefäßen verzweigen. Das Herz, das den Strom des Ledens in diese Drahtadern pumpt, das Herz ganz Irlands, liegt drei Meilen von der Hafenstadt Limerick, bei dem Dorf Ardnacrusha, das sich letzt zu einer Stadt entwickelt. Es ist ein Fabrikgebäude, das in Deutsch­land nicht auffallen würde, keineswegs so groß, daß man von außen eine Bedeutung erkennen könnte. Wieviel Menschen arbeiten dort, damit In Dublin und in Cork die Lampen brennen, damit die Fabriken Strom lind alle irischen Gasthäuser Licht erhalten? In drei Schichten sind es zusammen etwa 30, die Männer, die die Fußböden scheuern und die Maschinen blitzblank putzen, schon mitgerechnet. Um den Betrieb aufrecht- zuerhalten, würden sieben Mann genügen, notfalls zwei in jeder Schicht lind ein Betriebsleiter. Aber 2500, manchmal 3500, ja bis zu 4000 Men­schen wurden dreieinhalb Jahre beschäftigt, das Shannonwerk aufzubauen. Und noch ein paar hundert Arbeiter mühten sich viele Monate in deut­schen Fabriken, um die Turbinen, die Generatoren, die Schaltanlagen igerzustellen. Nun genügt eine Handvoll Menschen, das Ganze in Gang iu halten. Höchster Triumph der Technik, Gipfel der Rationalisierung, !»ie darin besteht, durch menschliche Arbeit die menschliche Arbeit über« slüssig zu machen!

Tag und Nacht zittert der Boder, in dem Maschinenbaus. Mag glc-übt, Ws dem Deck eines Schiffes zu stehen. Die Maschinensäle sind fast leer. Oie Generatoren sind in mächtige Eisenhüllen eingeschlossen, damit kein Schmutz einbringen kann, und die gewaltige Bewegung in den Turbinen lind den übrigen Maschinen ahnt man nur am Zittern und Stampfen !»es Bodens. Wenn etwas in Unordnung gerät? Eine Maschine nicht mehr richtig läuft? Keine Gefahr, der beschädigte Teil der Anlage bleibt von i<lbft stehen, und ein sinnreiches System von Kontrolluhren zeigt auto­matisch an, wo der Schaden entstanden ist. Wie heiß ist es in der zweiten Turbine? Wie groß ist der Druck in dieser Maschine, wieviel Del iefinbet sich. noch in jenem Deltant? Ein Druck auf einen Knopf, ein Uhrzeiger fchlägt aus, und nun kann der Kontrollbeamte ablesen, was er wissen will. Ein anderer Raum beherbergt nur Schalttafeln. Hier und t»a glühen Lämpchen auf, man sieht eine Querverbindung, und wer Bescheid weiß, kann nun sagen, wieviel Pferdekräfte in diesem Augen­blick nach Galway oder nach Dublin geleitet werden. Ein leichter Hebel- brurf genügt, um Kräfte durch das Land zu senden, die ausreichen würden, eine Stadt zu zerstören.

Ein Wunderwerk der Technik haben deutsche Ingenieure im Herzen Irlands geschaffen. Vorläufig arbeiten nur drei Turbinen, eine vierte wird im nächsten Jahr angeschasft werden, und im ganzen ist Platz für echs Turbinen. Das größte Kraftwerk Großbritanniens und, wie die Ingenieure in Ardnacrusha behaupten, sogar das größte Kraftwerk der Welt! Wenigstens soll es bei der Eröffnung im Hochsommer 1929 kein t größeres gegeben haben. Inzwischen hat die Sowjet-Union eine mächtigere ' Anlage erbaut und vielleicht auch schon in Betrieb genommen. Vorläufig Ist das Kraftwerk für Irland noch zu groß. Es dauert lange, bis man ein ganzes Land auf elektrischen Betrieb umgefteUt hat. Früher hat man Aus der grünen Insel englische Kohle gebrannt. Die Kohlengruben rings um Cardiff liegen still, die Förderkörbe sausen nicht mehr in die Tiefe, (nie Arbeitslosen stehen vor verschlossenen Toren. Dafür drehen sich am Shannon die Turbinen, ohne menschliches Zutun, und wenn die 120 000 Pferdekräfte der augenblicklichen Anlagen nicht mehr ausreichen, so ist dafür norgeforgt, daß die doppelte Turbinenzahl auch 240 000 PS erzeugt.

100 Millionen Mark sollte das Kraftwerk kosten. Ein« gewaltige Summe aber nicht zuviel, wenn man erfährt, was dafür geleistet werden mußte. Sieben Millionen Kubikmeter Erde wurden ausgehoben und umgebettet, eine Million Kubikmeter Felsgestein wurde gesprengt. Fast alles notwendige Material muhte aus dem Ausland herangeschasst werden: 30 000 Tonnen für die Betriebsanlagen, 45 000 Tonnen Zement, 10 000 Tonnen Kohle, 8000 Tonnen Del, 14 000 Kubikmeter Holz 3000 tonnen Eisen, 400 Tonnen Sprengstoffe, um nur das Wichtigste zu nennen. Täglich wurden 10 bis 15 Eisenbahnwaggons in Hamburg unö in Bremen verladen. Stahlhäuser wurden auf Schiffe gepackt und bei dem Dorf Ardnacrusha wieder ausgestellt. Da wohnten dann die 500 bis 500 deutschen Facharbeiter, von denen viele mit ihren Familien für em paar Jahre nach Irland gingen. Andere Arbeiter und Ingenieure haben erst im Ausland geheiratet, meist hübsche Irinnen, die nun ihre Manner nach Deutschland begleitet haben. Die kleine deutsche Stadt, die an dieser entlegenen Stelle im westlichen Irland entstand, brauchte einen deutschen Lehrer für ihre Schule, sie erhielt deutsche Möbel und wurde überhaupt mit allem, was notwendig ist, von Deutschland aus beliefert. -Lie Vlafen- inlagen von Limerick wurden erweitert, eine neue Bahnstrecke wurde gebaut, mächtige Krane wurden aufgestellt, mehrere tausend stische chilss- arbeiter wurden angeworben, obwohl man soweit als möglich moderne Baumaschinen verwandte, z.B. 13 Eimerkettenbagger die täglich 20 000 Kubikmeter Erde aus dem Boden hoben. Die Hauptarbeit bestand dann im Shannonfluß, der durch ziemlich ebenes Gelände fließt, tun',tlld,c? Gefälle zu schaffen und soviel Wasser zu stauen, daß das Kras werk auch m trockenen Sommern betrieben werden kann. Auf sinnreiche Weise