Urban.)
können, ins man unver- Fragen und
Modell bei Menzel.
Von Frida Erdmute Vogel.
Die Sonne zieht alle, die es nur irgendwie einrichten Freie; man weiß heutzutage das Licht zu schätzen. So läuft mutet alten Jugendbekannten in die Arme. Wenn die ersten „ „ Auskünste über die jetzigen näheren Lebensumstände beantwortet und erledigt sind, kommt die Umwelt und das Gespräch des Tages an die Reihe, und dabei fällt dann auch, fehr naheliegend für uns frühere Malkollegmnen
warf aber dabei so rasch die Tür hinter sich zu, daß sein Zopf eingeklemmt wurde Da Mr. Frank gerade die Tür verriegelte, konnte sich der Chinese von seiner Umgebung nicht mehr trennen. Aus einiger Entfernung beobachtete Fox die Vorgänge und schüttelte das Haupt. Zwei Personen hatte er in das Zimmer Nr. 77 eintreten sehen und ihrer drei waren wieder herausgekommen. Nach seinem mathematischen Empfinden mußte jetzt noch einer hineingehen, damit keiner drinnen wäre. Das Problem war ihm zu hoch, daher kehrte er zum Alltag zurück und nahm dem Chinesen das Etui weg. Ms er sah, daß es leer sei, gab er es dem Unglücklichen zurück und versprach ihm einen Regenwurm.
Von den übrigen Gentlemen hatte jeher sein leeres Etui; daher saßen sie in ihren Zimmern und schimpften. Detektiv Craggs rauchte aus ferner Shagpfeife und zog scharfe Schlußfolgerungen. Er war ein hervorragender It)Mmtnäd)ften Vormittag ging Mr. Frank mit seinen Mustern Geschäfte machen und kam auch zur Juwelenfirma der Gebrüder Smith. „Mein lieber Mr. Frank", sagte der alte Smith, „Ihr Antrag ehrt mich. Leider bin ich aber versorgt, dann ist meine Frau nicht da, ich mußte auch vorher noch mit meinem verstorbenen Bruder sprechen, und außerdem habe ich setzt keine Zeit. Lassen Sie mir Ihre Adresse da, und kommen Sie m zehn Jahren wieder." Wehmütig lächelnd packte Mr. Frank seine Muster ein als Detektiv Craggs das Geschäft betrat. Er sah die Etuis auf dem Pult, er sah Mr. Frank und zog Schlußfolgerungen. Ein großes Licht leuchtete. Er ließ sich von Mr. Frank die Muster zeigen und verlangte immer noch mehr zu sehen. Endlich entdeckte der tüchtige Kaufmann das Etui in seiner Rocktasche und darin das Diadem. Die Begeisterung war groß. Der alte Smith grunzte Craggs bekam 10 000 Dollars, Frank einen riesigen
Die^eitungen waren voll von der großen Tat des DetektiSs Craggs. Billi-Billi bekam von dieser Lektüre Darmverschlingung und beging Han- kiri. Fox trug sich mit dem Gedanken, ein ehrsamer Bürger zu werden und Alkohol zu schmuggeln; er überlegte sich's aber, folgte dem abreifenden Detektiv Craggs nach dem Bahnhof, und im Gedränge, das dort herrschte, stahl er ihm die Brieftasche. — ' (Deutsch von Ralph
JXcthc,
Wie ist Ihr Haar?" brummt er plötzlich. — „Soll ich es auflösen, Exzellenz?" Ich habe natürlich gewelltes, ziemlich langes Blondhaar kann es also ruhig riskieren. Er holt eine altmodische lila Seibenmantiüe und hilft mir sogar, sie überziehen. Dann legt er das Reißbrett auf den Boden, und ich muh darauf niederknien. Es ist schrecklich hart, und ich habe alle Angst, vielleicht auch ohnmächtig zu werden und dann noch in dieser Pose auf die Nachwelt zu kommen. Aber Menzel, wieder auf feiner Fußbank, einen grotesk gebogenen Hut als Lichtfchutz aufgefetzt, zeichnet unverdrossen. Plötzlich erhebt er sich, tritt an eine Kostümtruhe und holt em Paar recht kurze, knappe Sammethöschen heraus. Mein Herzschlag stockt: wenn er mir nun zumutet, sie anzuziehen?! Ich war meiner Beine nicht ganz so sicher wie meiner Haare; wer wußte zu jener Zeit als junges Bcabchen Diel von seinen Seinen: aber was tun? Sich weigern — unmrgbch!.
Stehen Sie auf!" Jetzt komrnt's, jetzt werde ich sie anziehen muffen, bebt' es in mir. Ich war wohl vor Aufregung erblaßt, ba ertönt Menzels Stimme wieder: „Strengt es Sie auch nicht zu sehr an? Ach, ich hatte lieber noch stundenlang auf dem harten Reißbrett gekniet, ehe ich mich In die knappen Höschen zwängen ließ! Und ich verneine energisch. Da nimmt er die Hosen und legt sie mir auf das Reißbrett, um mir das Knien zu erleichtern, und befreit und gerührt atme ich auf.
Nachher hat er mich dann sehr anständig bezahlt, indem er die Wartezeit während er die beiden Männer zeichnete, mit einrechnete. Ich habe das'Geld eingewickelt und aufbewahrt und „von Menzel" auf das Paketchen geschrieben. Aber wieder bingegangen bin ich nicht mehr; ich hatte ja vollauf erreicht, was ich wollte. .
Zu Haufe erwartete mich meine Familie tn großer Spannung und Aufregung, und ich mußte alles genau berichten. „Aber Lucy, was hattftt du bloß angefanaen, wenn er dich aufgeforbert hätte, Akt zu stehen? K meine alte Tante. „Ach", erwiderte ich gefaßt, „bann hätte ich gesagt, ehe ich nicht, Exzellenz, ich stehe bloß Kopf!"
Die russische Landschaft.
Von Josef Ponten.
Wie groß ist Rußlanb? Alexander vonHumboldt antwortete: Wie die Scheibe des Mondes. Und Rußland ist größer als das übrige Europa zusammen genommen.
Man fährt von Petersburg bis Moskau eine Nacht, aber von Moskau bis Saratow an der Wolga schon zwanzig Stunden. Und wenn man m Tiflis eine Fahrkarte löst nach Moskau, und fragt nach der Zeit der An- kunft so erhält man zur Antwort: Am Morgen des fünften Tages.
Man hat darauf aufmerksam gemacht, daß die Westeuropäer bas Innere Rußlanbs später tennengelernt, „entbeckt" haben als Amerika.
Man braucht in Rußlanb sehr viel Zeit, unb also hat man sie. Seitschah (sogleich) bebeutet: in absetzbarer Zeit, unb in Finnlanb gibt es den Spruchs Nichts ist auf ber Erbe fo billig wie Zeit. Das klingt fremb ben Ohren von uns Menschen, für bie gerabe bie Zeit teuer zu werben beginnt.
Unb anbersartig ist auch, was bas Auge in Rußland zu sehen bekommt. Ist bei uns in Europa die reine Ebene selten und bewegtes Gelände die Regel so ist in Rußland bewegtes Gelände selten und die Ebene die Regel.
Wenn man in Rußland eine Nacht durch mit ber Eisenbahn gefahren ist unb morgens zum Wagenfenster herausfchaut (es ist boppelscheibig und im Winter sind die Fensterränder vergipst), so sieht man fast dieselbe Landschaft wie am Abend vorher, ob dem Kenner auch leichte und feine I Veränderungen auffallen mögen, und ein Landschaftsgieriger wird es feinem Gewissen abgewinnen können, auch am Tage ein Stündchen zu I ^Obgleich mit ber Scheibe des Mondes messen mit nicht sehr großem Maße messen heißt, so heißt es doch mit einem kornischen Maße matzen, vor dem jede Blasiertheit blaß und kleinlaut wird. Und etwas Kosmisches, I unmittelbare Auswirkung ber Drehung ber Erbe empfindet man aus einem der einseitig hohen Ufer der großen russischen Strome stehend im Wissen um das Baersche Gesetz, dessen Richtigkeit noch nicht bewiesen das aber äußerst bestechend ist: wonach nämlich wegen der Rechtsablenkung aller gradlinigen Bewegungen auf dem von Westen nach Osten drehenven Erdkörper die bewegte Masse der Flüsse sich an das rechte Ufer dränge,
der Name Menzel. , .
, Du hast ihm doch einmal inkognito Modell gestanden? sage ich, und I ßuc'i'e R Tochter eines verstorbenen bekannten Komponisten, eine Blondine mit zierlichen Zügen, erzählt mir auf meine Frage: „Er war ja schon immer als Künstler mein großer „Schwarm". Bei jedem neuen Charakter- I köpf ben wir in ber Malschule zu zeichnen hatten, gebuchte ich ber I fabelhaft sicheren genialen Mache bes Meisters; aber trotz ben schönsten I Menzelbleiftisten", jenen breiten Zimmermannsbleien, bie seinen Namen trugen war bas Vorbilb nicht zu erreichen. Wie spitzte ich ba bie Ohren, als eins unserer Ateliermobelle, bie alte Frau Hosmann, beiläufig erwähnte, sie ftänbe öfters Mobell bei Menzel. Er zahle gut, überanstrenge einen jeboch leicht, ba er, wenn er in Arbeitseifer geriete, Zeit unb Menschlichkeit seiner Mobelle vergäße. So sei einmal ein junges Mäbchen währenb einer Sitzung ohnmächtig umgefallen; ba hätte Menzel gerufen: „Lassen Sie sie liegen!" unb rasch bie Ohnmächtige skizziert. — „Man muß aber immer selber fragen kommen, ob er einen brauchen kann, nie schreibt er sich Namen unb Abresse auf", fetzte Frau Hoffmann hinzu. Bei biefen letzten Worten beschloß ich plötzlich: Du gehst hin unb melbeft bich bei ihm als Mobell! Es ist kein Risiko babei, bu bleibst ungenannt unb unbekannt unb bekommst doch vielleicht Gelegenheit, ihn und, noch interessanter, sein | Atelier, seine Schaffensart, zu sehen. Schon am nächsten Tage, es war der 26 November 1899, dies Datum merkte ich mir genau, machte ich mich nach der Sigismundstraße 3 auf den Weg. Mit nicht allzu großer Hoffnung auf Erfolg, wie ich gestehen muß, dachte ich doch an den Menzelschen Ausspruch, daß er nichts so langweilig fände, wie die glatte Wangenpartie eines jungen Mädchens. Auf mein Klingeln öffnete eine alte Dame. ,Jch wollte fragen, ob mich Exzellenz vielleicht als Modell gebrauchen könnte?" brachte ich den vorher einftubierten Satz geläufig hervor.
„Hat Ihnen ber Portier nicht gesagt, daß Modelle die Hintertreppe heraufzugehen haben?", wurde mir ziemlich schroff bedeutet, und bann etwas sanfter: „Gehen Sie dort über ben Hof unb bann vier Treppen hoch. Ich folgte ber Weisung, erklomm bie Höhe unb klingelte roieber. Weil ich von ber ungewöhnlich kleinen Gestalt bes Meisters wußte, hatte ich. als sich bie Tür öffnete, unwillkürlich ben Kopf gesenkt unb nach unten geblickt, mußte ihn aber gleich aufrichten, da mir ein ziemlich normal gewachsener Diener mit einem Mülleimer entgegentrat und mir auf meine Frage erklärte: „Exzellenz wären vor elf Uhr nicht zu sprechen."
In mein Schicksal ergeben, aber hartnäckig blieb ich auf der eiskalten Treppe stehen unb wartete. Nach einer halben Stunde kam ein junger Mann heraufgegangen und stellte sich, gleichfalls wartend, neben mich. „Er wäre nicht Berufsmodell, müßte jetzt aber oor allen Dingen versuchen, etwas zu verdienen; ob ich schon gestanden hätte." — „Ja, aber nicht bei Menzel", log ich. . . .. ...
Jetzt endlich wird eine Treppe tiefer eine Tur geöffnet, ein mächtiger, kahler Schädel taucht auf, kommt zu uns nach oben — Menzel! — Der junge Mensch tritt an ihn heran, beruft sich auf einen Brief, den er vorher geschrieben und worin er um Beschäftigung gebeten. „Stellen Sie sich mal hin", brummt Menzel. Er stellt sich ungeschickt, ben Kopf im Schatten auf. „Kann ich nicht gebrauchen." Unb ber Jüngling zieht ab. Nun komme ich. Ich brauche nicht erst mein Sprüchlein' aufzusagen. er hält mich felbstverstänblich auch für ein Mobell. Als Malschülerin mache
ich es natürlich richtiger als mein „Kollege", drehe unb wende den Kopf zur Zufriedenheit und werde angenommen.
Den dunklen Korridor geht's entlang zum Atelier. Ich bekomme einen Stuhl zugeschoben: „Setzen Sie sich hin, nehmen Sie den Hut ab. Dabei wandert der Künstler suchend herum, kramt unter den Papieren auf dem überladenen Schreibtisch und zieht schließlich em Skizzenbuch hervor. Kommt bann mit einem großen Reißbrett, bas er als prinutmen Hinter- arunb für mich hinter meinen Stuhl an bie Wanb lehnt Nun hebt er feinen Zeigefinger nach ben verschiedensten Richtungen, und ich muß stets ben Bewegungen mit Kopf und Augen folgen, bis ihn die Stellung befriedigt. Dann verschwindet er im Nebenzimmer, dreht sich jedoch auf der Schwelle noch einmal um und sagt drohend: „Daß Sie nur aber so sitzen bleiben'" Er kommt mit einer Fußbank zurück, auf der er sich zum Zeichnen niederläßt. Er will also, eine echt Menzelsche Aufgabe, diese schwierige, verkürzte Unteransicht von mir machen. Ich kann leider kaum etwas von seiner Arbeit sehen; er scheint mich mehr „malerisch zu behandeln, die Lichter aus dem getönten Untergrund mit einem Gummi herauszuholen. Eine Stunde mag so vergangen sein, da klingelt es. Er öffnet felbft. Un neues anscheinend bestelltes Modell kommt herein. „Können Sie Dienstag wieder kommen?" fragt er mich. „Jawohl, Exzellenz", sage ich freudig. Ich werde „abgelohnt" und entlassen.
An dem bewußten Dienstag nehme ich direkt den Atelieraufgang Die Treppe ist diesmal schon ziemlich besetzt, anscheinend alles Berufsmobelle. Nach einer Weile geht bie Tür auf, unb Menzel erscheint. Er mustert kurz die Versammlung unb winkt bann zwei Männern, bie, wie sie sagten, schon öfters bei ihm geftanben hatten, unb mich herein. Ich kann mich zunächst setzen unb zusehen. Die Männer müssen sich als Schachspieler an einem Tisch nieberlaffen, unb Menzel macht eine Anzahl Bewegungsskizzen von ihnen. Dann werben sie verabschiebet, unb ich komme roieber an


