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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
Jahrgang 1930 ~ Montag, den 3 März Nummer 26
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Von Josef Freiherrn von Ekchendorsf. Komm, Trost der Welt, du stille Nacht! Wie steigst du von den Bergen sacht, Die Lüfte alle schlafen, Ein Schiffer nur noch, wandermüd, Singt übers Meer sein Abendlied Zu Gottes Lob im Hafen.
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Die Jahre wie die Wolken gehn Und lassen mich hier einsam stehn, Die Welt hat mich vergessen, Da tratst- du wunderbar zu mir. Wenn ich beim Waldesrauschen hier Gedankenvoll gesessen.
O Trost der Welt, du stille Nacht! Der Tag hat mich so müd gemacht. Das weite Meer schon dunkelt, Laß ausruhn mich von Lust und Not, Bis daß das ewige Morgenrot Den stillen Wald durchfunkelt.
Mutters Bild.
Novelle von Selma L a g e r l ö f.
Copyright 1930 by I. L. 2L, Wien.
In einem der hundert Häuschen des Fischerdorfes, die einander alle in Größe und Form gleichen, die alle gleich viele Fenster und gleich hohe Schornsteine haben, wohnte der alte Mattßon, der Lots«.
In allen Stuben des Fischerdorfes sindet man denselben Hausrat, auf allen Fensterbrettern stehen dieselben Blumen, in allen Eckschränken prangen dieselben Arten Muscheln und Korallen,- an allen Händen hängen die gleichen Bilder. Und so wie die alte Sitte es festgestellt hat, leben alle Menschen des Fischerdorses dasselbe Leben. Seit Mattßon, der Lotse, alt geworden war, richtet« er sich ganz genau an Brauch und Sitte: sein haus, seine Stuben und sein Wandel glichen den aller andern.
An der Wand über seinem Bette hatte der alte Mattßon ein Bild seiner Mutter. Eines Nachts träumt« er, daß dieses Bild aus seinem Rahmen herabstieg, sich vor ihn hinstellt« und ihm mit lauter Stimme sagte: „Du mußt heiraten, Mattßor."
Ser alte Mattßon begann sogleich Mutters Bild auseinanderzusetzen, daß dies unmöglich sei. Er war ja siebzig Jahre. — 'Aber Mutters Bild wiederholte nur mit noch größerem Nachdruck: „Du mußt heiraten, Mattßon".
Ser alte Mattßon hatte großen Respekt vor Mutt«rs Bild. Es war in so manchen strittigen Fällen jein Ratgeber gewesen, und es hatte ihm immer Glück gebracht, wenn er ihm gefolgt war. Aber dieses Mal oer- ßand er sein Borgehen nicht recht. Es schien ihm, als befinde sich das eiid ganz im Widerspruch mit früher geäußerten Ansichten. Obgleich er dalag und träumte, erinnerte er sich klar und deutlich, wie es das erstemal gewesen war, als «r heiraten wollte. Gerade als er sich zur Hochzeit ankleidete, lockerte sich der Nagel, an dem das Bild hing und fiel zu Boden. Da sah er, daß das Bild ihn vor der Heirat warnen wollt«, doch er gehorchte nicht. Es zeigte sich aber später, daß das Bild recht gehabt hatte, «ein« kurze Ehe war sehr unglücklich geworden.
Als er sich das zweitemal zur Hochzeit ankleidete, ging es ebenso zu. aas Bild stürzte wieder zu Boden, und diesmal wagte er nicht, ihm ungehorsam zu fein. Er ließ Braut und Hochzeit im Stiche, verdingt« sich As Matrose und fuhr mehrmals um die Erde, ehe er sich wieder nach -lause wagt«. — Und jetzt stieg das Bild von der Wand herab und befahl ym zu heiraten. Wie gut und gehorsam er auch war, konnte er doch nicht
11 Tertien, daß es nur seinen Scherz mit ihm treibe.
l^,-Er Mutters Bild, das das barscheste Gesicht wiedergab, wie es nur inij C "lid salziger Meerschaum ausmeißeln konnten, blieb ernst ,äUvor. Und mit einer Stimme, die das langjährige Ausbieten der fL. ^em Markte der Stadt geübt und gestärkt hatte, wiederholte !'«-..Du mußt heiraten".
11 der alte Mattßon Mutters Bild, doch ein Einsehen zu haben Bedenken, in welcher Gemeinde sie lebten.
Jz hundert Häuser des Fischerdorfes hatten spitzige Dächer und weiß- ,Wnnde, alle Boote des Fischerdorfes hatten denselben Bau und gleiche Takelwerk. Niemand pflegte hier etwas Ungewöhnliches zu
tun. Mutter selbst wäre die erste gewesen, die sich einer solchen Heirat widersetzt hätte, wenn sie noch am Leben gewesen wäre. Mutter hatte streng auf Ordnung und Sitte gehalten. Und es war doch nicht in Ordnung und Sitte in dem Fischerdorf, daß siebzigjährige Greise Hochzeit hielten.
Da streckte Mutters Bild die ringgeschmückte Hand aus und befahl ihm geradezu zu gehorchen. Mutter hatte immer etwas unbegreiflich Ehrfurchtgebietendes an sich gehabt, wenn sie so im schwarzen Taffetkleide mit den vielen Volants gekommen war. Die große glänzende Goldbrosche, die schwer rasselnde Goldkette, hatte ihn immer eingeschüchtert. Wäre sie in ihren Marktkleidern gekommen, mit dem buntkarierten Kopftuch und mit der Wachstuchschürze voll Fischschuppen und Fischaugen, dann hätte er nicht ganz so großen Respekt vor ihr gehabt. Aber jetzt war das Ende vom Liede, daß er versprach, zu heiraten. Und dann schlüpfte Mutters Bild wieder in seinen Rahmen.
Am nächsten Morgen erwachte der alte Mattßon in großer Angst. Cs fiel ihm gar nicht ein, gegen Mutters Bild ungehorsam zu sein, es wußte natürlich, was für ihn am besten war. Aber es graute ihm doch vor der Zeit, die jetzt kommen mußte.
An demselben Tage hielt er um die häßlichste Tochter des ärmsten Fischers an, ein kleines Ding mit dem Kopf zwischen den Schultern und mit vorstehendem Unterkiefer. Die Eltern sagten ja, und der Tag, an dem man zur Stadt fahren wollte, um sich ausbieten zu lassen, wurde festgesetzt.
lieber windig« Strandwiesen und morastige Gemetndeweiden führt der Weg vom Fischerdorf in die Stadt. Ein« Diertelmeile lang ist er, und man behauptet, daß die Einwohner des Fischerdorfes so reich sind, daß sie ihn mit blankem Silbergelde pflastern könnten. Das würde dem Weg einen eigentümlichen Reiz verleihen. Glitzernd wie ein Fischbauch würde er sich mit feinen weißen Schuppen zwischen Riedgrashügeln und Strandpfützen dahinschlängeln. Tausendschönchen und Mandelblumen, die diesen von den Menschen verlassenen Boden schmücken, würden sich in den blanken Silbermünzen spiegeln, die Disteln würden schützend ihre Stacheln darüber ausstrecken, und der Wind würde einen klingenden Resonanzboden finden, wenn" er durch das Schilf der Strandweiden spielte und in den Telephondrähten sang.
Dem alten Mattßon wäre es vielleicht ein gewisser Trost gewesen, wenn er seine schweren Seestiefel auf klingendes Silber hätte setzen können, denn eines ist gewiß, jetzt kam eine Zeit, in der er diesen Weg öfter machen mußte, als er wünschte.
Seine Papiere waren nicht in Ordnung gewesen. Aus dem Aufgebot hatte nichts werden können. Dies kam daher, daß er das vorige Mal seiner Braut durchgegangen war. Es dauerte lange, bis der Pfarrer an das Konsistorium über feine Sache schrieb und ihm die Erlaubnis erwirken konnte, eine neue Ehe zu schließen.
Solange die Wartezeit dauerte, kam der alte Mattßon an jedem Expeditionstage in die Stadt. Im Pfarrhaus« setzte er sich unten zur Tür hin und wartete dort stumm, bis alle ausgesprochen hatten. Dann stand er auf und fragte, ob der Pfarrer etwas für ihn habe. Nein, er hatte nichts.
Der Pfarrer wundert« sich, welche Macht die alles bezwingende Lieb« über diesen alten Mann erlangt hatte. Da saß er in feiner dicken gestrickten Wolljacke, den hohen Seestieseln und dem windverwehten Südwester, mit einem scharfen, klugen Gesicht und langen grauen Haaren, und wartete auf die Erlaubnis, zu heiraten. Dem Pfarrer schien es eigentümlich, daß dieser alte Fischer von einer so heißen Sehnsucht erfüllt war.
„Sie haben cs recht eilig mit dieser Heirat, Mattßon," sagte der Pfarrer.
„Ach ja, es ist am besten, wenn es bald geschieht."
„Könnten Sie nicht eigentlich ebensogut von der ganzen Sache abstehen, Mattßon? Sie gehören ja nicht mehr zu den Jüngsten.
Der Pfarrer sollt« sich nicht allzusehr wundern. Er wußte ja selbst, daß er zu alt war, aber er war gezwungen, zu heiraten. Da gab es keine Hilfe.
Und so kam er ein halbes Jahr lang Woche für Woche wieder, bis endlich die Erlaubnis eintraf.
Während dieser ganzen Zeit war der alte Mattßon ein gehetzter Mann. Ringsum den grünen Trockenplatz, wo die braunen Fischnetze hingen, längs der zementierten Mauer um den Hafen, an den Fischer- buden auf dem Markte, wo Dorsche und Krabben verkauft wurden, und weit draußen aus dem Sunde, wo man den Herlngszug verfolgte, brauste ein Sturm des Staunens und Spottes.
Wie, er wollte heiraten, Mattßon, der vor seiner eignen Hochzeit davongelaufen war!
Und man verschonte weder Bräutigam noch Braut.
Doch am schlimmsten für ihn war, daß niemand mehr über die ganze Sache lachen konnte als er selbst. Niemand konnte sie lächerlicher finden. Mutters Bild war draus und dran, ihn zur Verzweiflung zu bringen.
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