Ausgabe 
31.10.1930
 
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Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch, und Steindruckerei. 5U Lange, ®tcbclU

Verantwortlich: vr. Hans Thyrivt.

daß die Unterhaltung niemals langweilig wurde und immer durch eine gewisse frische Schärfe gewürzt war.

Seit einigen Tagen nun wurde Dr. Prenzel nicht mehr zur Wagen, wasche hinzugezogen: der Wagen wurde überhaupt nicht mehr gewaschen; Marlice war immer unterwegs, man bekam sie kaum mehr zu Gesicht, und wenn man sie doch einmal sah, so zeigte sie einen verschlossenen, sehr nachdenklichen und zugleich etwas verträumten Ausdruck. Das war so auffallend, daß sowohl der Landgerichtsrat als auch Dr. Prenzel sich zu sorgen begannen. Sie sprachen zwar nicht darüber, aber man merkte es ihnen an, wenn sie abends allein beim Schach saßen; Marlice kam jetzt immer erst spät nach Hause daß sich ihre Gedanken um denselben Punkt bewegten, und das war Marlice.

Die Tage vergingen, die Situation änderte sich nicht. Der Landge- richtsrat stellte eines Tages, als er zufällig die Küche betrat, mit Per- wunderung fest, daß Marlice irgend etwas sehr sorgsam in einen kleinen Koffer packte, und daß sie einen merkwürdig roten Kopf bekam; es war ihr offensichtlich nicht recht, überrascht worden zu sein. Er machte sich aber keine Gedanken darüber, denn das hatte er sich bei Marlice allmäh­lich abgewöhnt. Immerhin hatte ihn diese Beobachtung etwas be- unruhigt. Denn nur so ist es zu erklären, daß er am nächsten Morgen ein an die Adresse seiner Tochter gerichtetes amtliches Schreiben, ohne es recht zu wollen, öffnete. Es enthielt ein polizeiliches Strafmandat, aus dem zu ersehen war, daß Marlice am Soundsovielten, abends 10 Uhr, auf der Rasenfläche an der Kreuzstraße verbotenerweise geparkt hatte.

Der Landgerichtsrat schmunzelte. Das war wieder echt Marlice. Er wollte sich einen Spaß daraus machen, das Strafmandat heimlich zu be­zahlen und Marlice das amtliche Schreiben nebst Quittung auf den Ge­burtstagstisch zu legen. Dieser Gedanke erheiterte ihn und er ging ver­gnügt zum Gericht, wo heute ein ziemlich wüster Kriminalfall zur Ver­handlung kam.

Die Verhandlung begann mit der Aufnahme der Personalien der Täter. Uebereinstimmend gaben sie die Kreuzstraße als ihren Wohnort an. Der Landgerichtsrat stutzte. Wo hatte er heute schon etwas von der Kreuzstraße gehört? Es fiel ihm wieder ein: Marlice hatte dort geparkt!

Was ist das eigentlich für eine Gegend?" wandte er sich halblaut an den Gerichtssekretär, und erfuhr, daß das eine der übelsten Straßen, ganz an der Peripherie der Stadt, sei. Er runzelte die Stirn. Wie kam Marlice nur in diese Gegend? Sollte er sie nicht doch aus Anlaß des Straf- - --..^^ats danach fragen? Aber er verwarf den Gedanken wieder. Er hatte in nrnfcp« -"-trauen jn bie Gesinnung feiner Tochter, daß ihm eine solche Icraae unrnöalick eS^S"- jedoch betrachtete er Marlice am Abend, al- si- zusällch zum Mönr?^. «"wesend war, mit besorgten Seiten­blicken und wurde keineswegs heUr?-7 2 S er eme gewisse Nervosität an ihr beobachtete. . . Tl,

Er war nicht der einzige, der an diesem Abend litt.

war nervös und warf schnelle Seitenblicke nach Marlice. Er out°' Zufall es waren von Gerichts wegen Erhebungen anzustellen heute in der Kreuzstraße zu tun gehabt, und war peinlich Überrascht gewesen, Marlices roten Sportwagen auf der Rasenfläche dieser nur aus der einen Seite bebauten Straße stehen zu sehen. Er hatte es nicht unter­lassen können, unter der Deckung eines Haustores eine Weile zu warten, und sah dann, wie Marlice scheu aus einem der Häuser schlüpfte, schnell ihren Wagen bestieg und davonfuhr.

Am nächsten Tage fragte er Marlice, ob sie nicht zusammen eine kleine Fahrt machen wollten. Marlice sah ihn abwesend an und sagte dann, daß das leider nicht ginge, weil sie eine Besorgung machen müsse. Das ließ Dr. Prenzel keine Ruhe. Er schämte sich zwar vor sich über sein Mißtrauen, aber er konnte es nicht ändern, er nahm ein Taxi und lieh sich in einiger Entfernung hinter Marlices Wagen herfahren. Wieder fuhr der kleine Wagen nach der Kreuzstraße, wieder verschwand Marlice in einem der Häuser und kam erst nach recht langer Zeit wieder zurück.

Dr. Prenzel war nun eigentlich ein bißchen dem Weinen nahe. Was tat denn nur Marlice in diesem gräßlichen Viertel? Warum setzte sie sich hier allen möglichen Gefahren und Verdächtigungen aus? Dr. Prenzel wußte sich nicht zu helfen er fuhr zum Landgerichtsrat nach Hause, um dort im Schachspiel Ablenkung für seine Grübeleien zu suchen. Aber der Landgerichtsrat war in schlechtester Laune. Heute war wieder ein Strafbefehl für Marlice wegen verbotenen Parkens an der Kreuzstraße gekommen.

Kennen Sie die Kreuzstraße?" fuhr er den überraschten Referendar an. Der stotterte.Ich weiß, ich weiß, das ist eine ganz üble Gegend, fagte der Landgerichtsrat.Was hat denn bloß meine Tochter dort zu fachen, wissen Sie es vielleicht?" In diesem Augenblick öffnete sich du Tür und Marlice trat ein. Einen Augenblick herrschte Schweigen. Dann sagte der Landgerichtsrat sanft und beherrscht:Marlice, heute kam schon der zweite Strafbefehl wegen verbotenen Parkens in der Kreuzstraße -

Marlice wurde rot und blaß. Noch einen Augenblick, und sie heulte fassungslos. Es war ein Weinen zwischen Trotz und Scham Und nun kam das Geständnis heraus, und zwar so rührend und komilch, daß ou Zuhörer nicht wußten, ob sie lachen oder meinen sollten. Denn nun stelli es sich heraus, daß sich Marlice in ein kleines Baby, das sie in der Universitätsklinik in der Behandlung kennenlernte, verliebt hatte und W täglich um das kleine Wesen kümmerte, ja sogar extra schone Saq" kochte, um sie der kleinen Freundin zu bringen. Das war der Inhalt Beichte, nach deren Beendigung alle Beteiligten erleichtert ausatmelew Und so war denn die richtige Stimmung da, einen Kompromiß zu l-W ßen: Marlice verpflichtete sich, nicht nur ihre Besuche in der KreuMra» aufzugeben, sondern auch Dr. Prenzel zur Vermeidung weiterer e»ui mandate als juristischen Beirat und Autosozius zu akzeptieren, woyu gegen Dr. Prenzel seine Bereitwilligkeit zur Erwerbung eines Fuym scheins kundgab. nnr,

Trotzdem kam noch einmal ein Strafbefehl, und zwar wegen schriftswidrigen Rechtsfahrens. Aber das war in Oesterreich auf der s) , zeitsreife. Da muß man schon ein Auge zudrücken...jJI

berungblond ober braun" gewesen fein, mit einer weißen Wiiwen- schnebbe über dem lachsfarbenen Schnabel, nach einer anderen mit einem weißen Mal auf der Brust, nach einer dritten mit einem geteilten Kropf, das Hinterteil pferdeartig, fast ohne Schweif", mit kleinen Füßen, die den schweren Leib kaum tragen konnten. Le Monnier hat sie 1776 sogar in die Sternbilder versetzt, doch auch diese posthume Ehrung des Pech­vogels mißlang: aus dem Solitär wurde eine schäbige kleine Drossel, die auf der astrologischen Karte den Kops in der südlichen Waagschale des Zodiakus verbirgt. £ ,

Unter denluftig und zierlich in Kupfer gestochenen Konterfeyungen in de BrysOrientalischem Indien" figuriert ein fetter Kasuar als Dodo wie in ähnlichen Illustrationswerken des 16. und 17. Jahrhundert. 3nter= effant ist, was Hamel von einem dodoartigcn Vogel berichtet, den nach holländischen Quellen Kapitän Schellinger 1596 am Tage vor seiner Er­mordung vom König Sella auf Java als Geschenk erhielt. Er kam auf irgendeine Weise in den Besitz des Grasen Solms in Amsterdam, der ihn wieder an den Erzbischof von Köln weiterverschenkte. Der geistliche Herr behielt ihn indes auch nicht lange, sondern dedizierte ihn dem Kaiser Rudolph II. Run könnte man mutmaßen, dies dodoartige Geschöpf hatte Roelant Savery bei feinem kaiserlichen Protektor gesehen und auf feinem Orpheus-Bild kopiert. Aber ich gerate da wieder mit den Jahres­zahlen in Konflikt. Jener Graf Solms kann nur ber Graf Johann Albrecht I. zu Solms-Braunfels gewesen sein, dessen Tochter Amalie sich mit dem Prinzen Friedrich Heinrich von Dranien vermählte, und der seit 1621 ständig üj Lolland lebte. Er kann das Dodotier, wenn man nicht annehmen will, oaß es damals bereits 25 Jahre alt war, also nur aus- qeftopft erhalten haben, doch selbst in diesem Falle müßte es bereits bedeutend früher den Besitz gewechfelt haben, denn Rudolph II. starb schon 1612. Auf die Reifeschriftsteller von damals war nie em rechter ^^Aiwa^LRie Exemplare des Dodo (ein lebendiger soll 1638 in Lon­don aeaen Entree gezeigt worden fein) fanden sich zuletzt in den umfang« rfiAen0Sammiuna^n berühmten Altertumsforschers Elias Ashmole,

Hftmolön.muleum n«ch üta, S

letzter Rhapsode des Dodo noch em freilich 4«. «

Exemplar sehen und beschreiben konnte. Doch nun gesaslk? *4 licke: die Motten bemächtigten sich der schlecht präparierten SamTt- so daß die Verwaltung 1755 kurzerhand befahl, den ganzen Krempel fortzuwerfen. Einem Gehilfen muß es aber dermelancholische Kopf" des Dodo angetan haben: er hieb ihn ab, und dieser Kopf des allerletzten Dodo mit nur noch wenigen daran haftengebliebenen Feder- chen ist auch der allerletzte auf der Welt vorhandene Rest des Vogels.

Die Literatur neuerer Zeit über den Dodo ist nicht umfangreich. Aber ich bin kein Naturforscher, und es mag schon (ein, daß die zünftige Wis- fenfchaft seitdem noch allerhand Dodologisches festgestellt hat, was den Vogel des ihn umwitternden Geheimnisses entkleidet. Das weiß ich nicht und will es nicht wissen. Denn gerade dies Geheimnisvolle übte einen Reiz auf mich aus, wie auch die tiefe Tragik, die über dem vermotteten Vogelkopf im Afhmolean-Mufeum zu Oxford liegt. Ein Typus ging mit dem letzten Dodo zugrunde.

Marlice parkt verboten.

Von Alfred M. Balte.

Landgerichtsrat Heinicke war bekannt dafür, daß er mit hartgesottenen Raubmördern fertig wurde. Ein Blick, ein Dröhnen feiner Stimme, und die Burschen antworteten zahm auf alle Fragen.

Bei Maria Mice Heinicke, genannt Marlice, feiner Tochter, gelang ihm das nie. Marlice, ober, wie sie von dosen Mäulern genannt wurde: dieMalice" des Landgerichtsrats, war Studentin der Medizin, sehr selbständig, sehr kühl und sachlich wenigstens legte sie Wert darauf, das hervorzuheben, sehr kurz geschnitten, links gescheitelt, und hatte zarte totantfingrige Hände, die ausgezeichnet Geige spielten, allerdings nur heimlich und nicht vor Zuhörern, denn Geigenspiel erschien Marlice als ein Rückfall in sentimentale Zeiten. Merkwürdigerweise vermochte sie nicht, es sich abzugewöhnen ... Sie versuchte jedoch, die betrübliche Tat- ache des Geigenspiels durch sehr mannhafte Redensarten zu verschleiern, die dem Kenner junger Mädchenpsyche das Verhandensein eines gesunden und zarten Gemütslebens ohne weiteres verbürgten.

Marlice hatte ihr Physikum feit kurzem hinter sich und aus diesem Anlaß von ihrem Vater einen hübschen kleinen roten Sportwagen er­preßt. Sie fuhr damit in die Universität und in die Klinik und war sehr glücklich, was ohne weiteres daraus zu erkennen war, daß sie ständig nur von ihrerblödsinnigen Kaffeemühle" oder deridiotischen Zentri­fuge" sprach. Sie war in ihren Wagen regelrecht verliebt. Niemand durfte sich ihm nahen. Nur wenn Marlice befonbers guter Laune war, befahl sie den Referendar Dr. Prenzel zum Wagenwäschen; das heißt, den Wagen durfte er beileibe nicht anrühren, es war ihm nur gestattet, den Wafferfchlauch an den Hydranten zu schrauben, den Eimer zu füllen, den Schwamm zu reinigen, Handlangerdienste, die er mit vergnügter Be­reitwilligkeit versah. Dr. Prenzel, Sohn eines verstorbenen Studien­freundes ihres Vaters und ständiger Gast im Hause, war nämlich ein lächerlich unmoderner Mensch; von technischen Dingen hatte er nicht die geringste Ahnung, und auch nicht den Wunsch, sich Kenntnisse auf diesem Gebiet zu erwerben. Autotouren machte er sehr gerne, besonders wenn Marlice am Steuer sah; aber der Ehrgeiz, selbst zu fahren, fehlte ihm ganz. Sich von neuem auf die Schulbank zu klemmen, nur, um den Führerschein zu erwerben, erschien ihm ganz indiskutabel.Mein Vater hielt sich jahrzehntelang Pferd und Wagen, ohne daß es ihm eingefallen wäre, deshalb Tierheilkunde zu studieren", pflegte er zu erklären.

Das war natürlich blöde, aber gerade das gefiel Marlice. Zwischen diesen beiden war eine gewisse Polarität vorhanden, die dafür sorgte,

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