iffe; aber sie fand kein Orakel darin, wie die alten Ihr kleiner Reichtum drückte sie wieder einmal;
Es folgte eine Stille nach diesen Worten. Anna schaut« aus das Tee . , , , <-r- rr 1 r* r < fr _ *__ Tu« nitov
kraut in ihrer leeren Ter
Carsten Curator.
Novelle von Theodor Stör m.
<Fo«!etzung.>
; Ihr solltet nicht so viele Sorten haben!" von sich. „Kind, Kind, du willst mich in Ver
dienst der Gesellschaft für Technische Physik, in der sich Techniker und Physiker zu gemeinsamer Arbeit vereinigen. Andeierseits können es die Ingen.eure auch nicht vermeiden, sich mit den scheinbar sernliegenden Fragen der Physik zu beschäftigen, denn es dauert gewöhnlich nicht lange, so wird das, was eben noch physikalische Theorie oder höchstens Experiment war, technisch verwirilicht. Das beste Beispiel ist die Atomphysik, die mit technischen Fragen kaum etwas zu tun zu haben schien. Ihre Ergebnisse" in der Untersuchung chemischer Elemente durch Röntgenstrahlen werden aber heute schon in großem Maße z. B. im Flugzeugbau ange- wendet und werden sich wahrscheinlich in künftiger Zeit in der ganzen Technik durchsetzen. Die Zahl der bekannten physikalischen Erscheinungen, die heute noch nicht technisch angewendct werden, schrumpft von Jahr zu Jahr mehr zusamen und ebenso auch die Zeit, die von der Entdeckung neuer Naturerscheinungen bis zu ihrer Nutzbarmachung in der Technik vergeht.
Weiber das verstehen. Ihr kleiner Reichtum drückte sie wieder einmal; endlich faßte sie sich Mut, und die Augen zu ihrem Pflegevater aushebend, sagte sie leise: „Ohm!"
„Was meinst du, Kind?" „
— „Zürnt mir nicht, OhmI Aber Ihr habt nicht gut gerechnett
«Nicht gut gerechnet! Anna, willst du es etwa besser machen?
„Ja, Ohm!" sagte sie fest, und ein paar Helle Tränen sprangen aus ihren blauen Augen; „sind meine dummen Taler denn auch dieses Mal nicht zu gebrauchen?"
Carsten blickte eine Weile schweigend zu ihr hinüber. „Ich hätte es mir von dir wohl denken sollen", sagte er dann; „aber, nein, Anna, auch
^^Annn"blickte ihm nach; bald aber sprang sie aus und warf sich Tante Brigitte in die Arme. _
Wir wollen es dem lieben Gott anheimstellen , sagte die alte Frau; „ich'habe dieses Mal meinen Bruder wohl verstanden." Dann hielt sie das große Mädchen noch lange in ihren Armen. •
--Carsten war in den Hof gegangen. In der schon eingetretenen Dunkelheit saß er unter dem alten Familienbaum, der längst von Früchten leer war und aus dessen Krone er jetzt Blatt um Blatt neben sich zu Boden fallen hörte. Er dachte rückwärts in die Vergangenheit; und bald waren es Bilder, die von selber kamen und vergingen. Die Gestalt seines schönen Weibes zog an ihm vorüber, und er streckte die Arme in die leere Lust; er wußte selbst nicht, ob nach ihr oder nach dem fernen Sohn, der ihn noch unauflöslick-er an ihren Schatten band Dann wieder sah er sich selber auf der Bank sitzen, wo er gegenwärtig faß; aber als einen Knaben, mit einem Buche in der Hand; aus dem pause hörte er Ne Stimme seines Vaters, und der kleine Peter kam auf seinem Steckenpferde in den Hof aeritten. Bald aber muhte er sich fragen, weshalb dieses frie- densvolle Bild ihn jetzt mit solchem Weh erfüllte. Da überkam's jhn plötzlich: „Damals — — ja, damals hatte er sein Leben selbst gelebt; jetzt tat ein anderer das; er hatte nichts mehr, das ihm selbst gehörte — — keine Gedanken — — keinen Schlaf —"
Er ließ seinen müden Körper gegen den Stamm des Baumes sinken; fast beruhiaend klang der leise Fall der Blätter ihm ins Ohr
--Aber es sollte noch ein anderes geschehen, «he dieser Tag zu Ende ging. — Drinnen halte Brigitte sich endlich in gewohnter Weise an ihr Spinrad gesetzt, und Anna begann den Tisch abzuräumen. Als sie mit dem Geschirr auf den Flur hinaustrat, ging eben der Voltbote vorüber Für d'e Mamsell", sagte er und reichte ihr einen Brief durch die halb offene Haustür. "Bei dem Lichte, das auf dem Ladentisch brannte, erkannte Anna mit Verwunderung in der Adresse Heinrichs Handschrift; er hatte niemals so an sie geschrieben. Nachdenklich nahm sie das Licht und zog. als sie hineingetretn war, die Tür der Sürfie hinter sich ins Schloß.
Es dauerte lange, bevor sie wieder in die Stube kam; aber Brigitte hatte es nicht gemerkt: ihr Spinnrad schnurrte gleichmäßig weiter, während Anna w'e alle Tage jetzt den Tisch zusammenklappte und wieder an die Wand letzte. Nur etwas unsicherer und lauter geschah das heute; von dem Briese sagte sie weder der alten Frau noch ihrem Vslegevater, als dieser nach einiger Zeit ins Zimmer kam und sich an seine Bücher setzte.
diesmal nicht.
— „Weshalb nicht? Saget nur, weshalb nicht? „
Weil eine solche Vermögensanlage keine Sicherheit gewahrt.
„Sicherheit?"--Sie war ausgesprungen, und seine beiden Hande
ergreifend, war sie vor ihm hingekniet; ihr junges Antlitz, Nis sie jetzt zu ihm erhob, war ganz von Tränen überströmt. „Ach, Ohm, Ihr seid schon alt; Ihr haltet das nicht aus; Ihr solltet nicht so viele Sorgen haben!
Aber Carsten drängte sie von sich. „Kind, Kind, du willst mich in Versuchung führen; weder ich noch Heinrich dürfen solches annehmen.
Hilfe suchend wandte Anna den Kopf nach Tante Brigitte; die aber saß wie ein Bild, die Hände vor sich aus den Tisch gefaltet. „Nun, Ohm , sagte sie, „roenn Ihr mich zurückstoßet, so werde ich an Heinrich selber schreiben." „ ,
Carsten legte sanft die Hand auf ihren Kopf. „Gegen meinen Willen, Anna? Das wirst du nimmer tun."
Das Mädchen schwieg einen Augenblick; dann schüttelte sie leise den Kopf unter seiner Hand. „Nein, Ohm, das ist wohl wahr, nicht gegen Euren Willen. Aber seid nicht so hart: es gilt ja doch sein Glück!"
Carsten hob Ihr Antlitz von seinen Knien zu sich auf und sagte: „Ja, Anna, das denk' ich auch; aber den Einsatz darf nur einer geben; der eine, der ihm auch das Leben gab. Und nun, mein liebes Kind, nichts mehr von dieser Sache!" , _ ,,
Er drückte sie sonst von sich ab; dann schob er feinen Stuhl zuruck und
bildlich für diese Männer ist einer der größten Techniker aller Zeiten, Werner Siemens, der in seinen Lebenserinnerungen von sich sagt, er sei durch seine Tätigkeit zu der Ueberzengung gekommen, daß naturwissenschaftliche Kenntnisse und wissenschaftliche Forschungsmethoden berufen wären, die Technik zu einer noch gar nicht zu übersehenden Leistungsfähigkeit zu entwickeln". Diese Gesinnung hat er durch die Stiftung der Physikalisch-Technischen Reichsanftalt bewährt, die als erstes Institut ihrer Art in der ganzen Welt deutscher technischer Wissenschaft zu größtem Ansehen verhalf. Er hat die Gesinnung bewährt in der Grun- duna des Elektrotechnischen Vereins in Berlin vor nunmehr 50 Jahren, Nr gleichfalls zur Förderung technischer Wissenschaft außerordentlich viel getan hat, und sein Sohn, Wilhelm von ©lernens, half aus der weichen Gesinnung vor nunniehr 10 Jahren mit, die Deutsche Gesellschaft für Technische Physik zu gründen, die in ihrer kurzen Lebenszeit auch schon außerordentlich viel dazu beigetragen hat, die Verbindung von Technik und Naturwissenschaft immer enger zu gestalten.
Auch auf anderem Gebiete hat Deutschland einen der größten technischen Wissenschaftler aller Zeiten aufzuweifen, das ist Ernst Abbe, der Begründer des Zeiß-Werkes in Jena, dem er nur aus Bescheidenheit nicht feinen Namen, sondern den seines Mitarbeiters, Karl Z e i ß, verlieh. Ursprünglich Professor der Physik an der Universität Jena, wandte er sein Interesse bald der Verbesserung des Mikroskops zu, und zwar bezeichnenderweise zunächst auf rein theoretischem Wege. Er stellte die optischen Bedingungen für die Höchstleistung der Mikrostop-Optik auf und sand in dem damaligen Universitäts-Mechaniker Karl Zeiß einen Helfer, der seine Ideen in die Tat umsetzte. Später wandte sich Ernst Abbe noch den anderen Gebieten der optischen Technik zu und hat insbesondere durch die Gründung des Glaswerkes Schott und Genossen In Jena zusammen mit Dr. Otto Schott eine vollkommen neue Epoche der Optik eingeleitet. Hatte sie bis dahin sich mühsam mit den In der Glashüttentechnik hergestellten Glassorten behelfen müssen und unter diesen gegebenen Bedingungen ihre Instrumente möglichst zu vervollkommnen gesucht, so veranlaßte Abb« erst einmal eine systematische Durchforschung des ganzen Gebietes der Glashüttenchemie, die Einwirkung verkchiedener Zusätze und verschiedener Zusammensetzungen auf die optischen Eigenschaften, die Herstellung möglichst fpannungsfreier Glaser usw. Es gelang ihm damals, eine Fülle neuer Glassorten zu finden, die von den bisherigen vollkommen abweichende optifchen Eigenschaften hatten Man lernte das Farbenzerstreuungs- und Berechnungsvermögen ganz nach Willkür einzustellen und konnte den schwierigsten optischen Bedm- gunaen genügen. Es war ein Schüler Abbes, Paul Rudolph, der auf dieser Grundlage das erste anastigmatische Objektiv konstruierte und damit den heutigen hohen Stand der photographischen Technik ermöglichte. Nicht vergessen darf man in diesem Zusammenhänge den Namen des größten Mathematikers aller Zeiten, E. F. Gauß, der durch mathemat.sche Borarbeiten schon fast ein halbes Jahrhundert früher die Erkenntnis der Vorgänge in photographischen und anderen übsektiven außerordentlich gefördert hatte.
Noch eine dritte Persönlichkeit hat Deutfchland zu diesem Kreise der Förderer emer wilsenschasilichen Technik gestellt, Heinrich Hertz, den Entdecker der elektrischen Wellen. Der Engländer Maxwell hatte die Versuche seines großen Landsmannes Faraday in mathematische Form gekleidet und aus feinen Gleichungen in genialer Voraussicht den Schluß gezogen, daß die Elektrizität sich genau wie das Licht in Wellenform sortpflanzen müsse. Die experimentelle Bestätigung dieser Voraussicht lieferte Heinrich Hertz, und nicht nur, daß er diese Wellen entdeckte, er stellte auch alle ihre Eigenschaften, die sie in irgendwelcher Beziehung zum Licht« hatten, fest, Brechungs- und Zerstreuungsvermögen, Spiegelung an Metallgitiern usw. Auf seinen Entdeckungen konnte M a r c o n i aufbauen und die drahtlose Telegraphie schaffen, die Im Grunde genommen weiter nichts war als die praktische Anwendung dessen, was Heinrich Hertz in seinem Laboratorium bereits fertiggebracht hatte; Mareonis Verdienst wird dadurch nicht verkleinert. Was Heinrich Hertz noch alles hätte leisten können wenn er nicht so außerordentlich frühzeitig gestorben wäre, kann man sich kaum denken. Außer Helmholtz hat es keinen zweiten Physiker in Deutschland gegeben, der theoretisches Durchdringungsvermögen mit experimenteller Genialität in gleicher Weise verbunden hätte
In den deutschen Hochschulen ist die stärkste Pflege der Wissenschaft eine Selbstverständlichkeit. Die Erfolge sprechen zu deutlich dafür, daß die Ausgaben, die hierauf verwendet werden, das am fruchtbarsten angelegte Kapital sind. Es gibt nichts Unrationelleres, als eine technische Aufgabe durch Probieren zu lösen. Selbst da, wo ein genialer Kopf dah'nlerl'eckt, dauert es oft lange, bis die richtige Lösung gefunden wird. Ein gutes Beispiel hierfür Ist die Geschichte des ersten transatlantischen Telegraphenkabels. Nachdem Werner Siemens gelehrt hatte, die Guttapercha als Isoliermittel für unterseeische Telegraphenkabel zu verwenden, waren solche Kabel durch den Englischen Kanal und auf anderen kurzen Meeresstrecken erfolgreich verlegt worden. Nun glaubte man, ohne weitere wftsensckzaftliche Vorbereitung auch das Wagnis des Ueberbrückens des Ailantifchen Ozeans unternehmen zu können. Der erste Versuch schlug fehl; auch einem zweiten war kein besseres Schicksal beschieden. Große Summen waren verloren. Dann erst geschah das, womit man hätte beginnen sollen: es wurde eine Komission aus hervorragenden Technikern und Gelehrten eingesetzt mit dem Auftrage, Ne Möglichkeiten und Bedingungen der telegraphischen Verbindung von England mit Amerika durch ein Unterseekabel eingehend zu studieren. Die Kommission, der auch der berühmte Physiker William Thomson angehörte, hat in mehrjähriger Arbeit ihre Aufgabe vorbildlich gelöst. Ähr Bericht behandelt in erschöpfender Weise die mit der Kabellegung, mit der Ausbreitung * der elektrisck;en Ströme in langen Kabeln, mit dem Betriebe solcher Kabel zusammenhängenden Fragen. Der auf dieser Grundlage unternommene Versuch der Kabellegung von England nach Amerika hatte vollen Erfolg.
Es ist heute gar nicht denkbar, daß eine technische Aufgabe anders an« gefaßt würde. Wenn heute auch die reinen Physiker ihr Interesse technischen Aufgaben zuwenden, oder sich mindestens nicht mehr wie früher hochmütig abweisend verhalten, so ist das nicht zum mindesten ein Ver


