Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. Druck und Verlag: Brühl'fche Universitäts^Buch» und Steindruckerei. Jt Lange,

eine Binsenmatte und einen amerikanischen Schaukelstuhl geschickt. g5 fing bald an wohnlich auszusehen.

Rames Bey war einsilbiger als gewöhnlich, während er mir ha» Doch erzählt« er mir mit unterdrückter Leidenschaftlichkeit, die zwei DW ner, die Halim Pascha soeben empfange, seien Schakals, Sohne von Sch,, kals, aus der Wüste bei Suez! Bedaui vom Stamme der Tiyaha, mein ich es genau wissen wolle. Sooft Halim Pascha in jener Richtung ou die Jagd gehe, kommen sie zum Vorschein, aber so weit ins Delta herein hätten sie sich früher nie gewagt. Es sei eine ewige Bettelei, weiter nicht; Der Tfcherkesse hatte offenbar wenig Zuneigung zu den Kindern bei Wüste.

Aber Efendini empfängt die weißen ©entfernen sehr höflich", stgj, ich zweifelnd.So empfängt man Bettler nicht."

Nein; und das ift unser Unglück", meinte Rames ärgerlich.Es sitz Bettler und Räuber. Räuber lasse ich mir wohl gefallen. Wir sind auch Räuber, wo ich zu Hause, war; aber Bettler! Du wirst sehen, ich mH dem Alten, ehe er fortgeht, heute noch zwei oder drei Beutel guter türkischer Pfunde in die Satteltasche stecken, die ich selbst recht gut brauche« könnte. Alles für nichts und aber nichts."

Das wollt schwerlich", warf ich ein.Einen Grund muß der Prinz wohl haben."

Nun ja!" brummte Rames und schlug zornig auf mein Kopfkissen los, denn er war freundlich genug, mir das Bett zu machen, während ich mich wusch.Du weißt doch, die Fürstin, die Mutter Effendinis, blt bei ihm in Schubra wohnt, die letzt« Frau des-alten Mohammed Ali - Friede sei mit ihm!, sie war vom Stamm der Tiyaha, und der alte Schakal, der drüben sitzt er saß nie auf einem Teppich wie heute sorgt dafür, daß wir es nicht vergessen."

Halims Vetter also?"

Mehr! flüsterte Rames Bey.Ich ersticke, wenn ich die weihen Hunk sehe."

Aber wie kam das eigentlich? Ein alter Mameluck wie du weiß alles.'

Es ist eine alte Geschichte; sie spielt vor meiner Zeit. Aber hech nacht erzählt man sich gern alte Geschichten. Das liegt in. der Lust bei ,Lefet en Nuß min Schaaban*. Warte, bis der Mond aufgeht. Dann geh uns das Herz auf, und die Zunge löst sich. Denn wenn Allah im Buch des Lebens blättert und die Blätter der Zukunft umwendet, so blättern auch wir. Er, der Allwissende, nach vorwärts, wir, di« Unwissenden, nach rückwärts. Da war geschrieben, daß Mohammed Ali von Suez nach Kain reiten sollte und daß eine Tochter der Tiyaha am Wege sitzen mußt« halb entschleiert, in der brennenden Sonne. Der Pascha war durstig, uni das Mägdlein hatte eine Kullah (eine ägyptische Wasserflasche) neben sich stehen. Die Tiyahas wissen, wo sie im heißen Sande Wasser finden. & gab ihm zu trinken und lacht« über sein finsteres Gesicht, denn er hatd böse Nachrichten von Syrien und von seinem Sohn Ibrahim Pasch bekommen, und sie war wie ein Gazellenzicklein, das noch nichts fünftel

Da sprach der Pascha zu ihr: »Du gibst mir Wasser, da ich fast »er« trocknet war, und du lachst mir wie die Sonne am Festtag« der Früh lingslüfte, obgleich es finster um mich ist. Wollah! So soll es bleiben. Nehmt sie mit!*

Da setzten die Mamelucken sie auf ein Kamel, das mit Glasperlen unb Federn geschmückt war, und sie ließ sichs gefallen und weinte nicht. Dem sie war schlau wie alle Tiyahas. Und ein Jahr später beugte sich ta ganze Harim des Vizekönigs vor ihr, denn sie war Halim Paschas MM geworden, unfre Fürstin. Ich weiß heute noch nicht, wie die Schakals U der jungen Löwin kamen; denn das war sie. Bist du fertig?"

Er blies die Laterne aus. Wir gingen nach des Paschas Zelt zuritt vor dem sich das Bild mittlerweile kaum geändert hatte. Da die Nach! kühler zu werden begann, hatte sich auch Halim einen weißen Mankl umwerfen lassen. Die drei Gestalten saßen noch immer in würdiger ha!« tung rauchend auf dem Teppich, hier und da, fast flüsternd, kurze Bemm tun gen voller Höflichkeit austanschend. Doch waren sie am Äbschiednehum angelangt. Halim schien ein anderer Mann zu sein als der, den ich N der ©abefeia oder in den Baumwollfeldern zu Schubra kannte. Seim Bewegungen waren ruhiger, zurückhaltender, sein« Rebe langsamer um feierlicher, fast schien es, als sei seine Hautfarbe brauner das mach!! wohl der weiß« Mantel, als glänzte das Weiß seiner Augen wie bas seiner Besucher. Das Beduinenblut in ihm war in sichtlicher Wallung.

Bleibt bis zum Morgen!" sagte er.Meine Zelte sind eure Zelte! « Nacht ist dunkel, und die Wege sind schlecht und von Kanälen zerschnitt«, bi« ihr nicht kennt." ..

Wir haben dich in der Nacht des Schaaban gesehen, o Bruder; es m genug!" antwortete der Aelfer«,und du hast meinen Sohn gesehen. » ist genug!. Wenn in einer Stunde das Blatt meines Lebens vom Pafe biefesbaüm fällt, werde ich nicht klagen. Mein Sohn hat unter deinen Zelten gesessen, und all« Beni Tiyaha werden dir gehorchen, wenn » ihm rufst. Grüße deine Mutter, unsre Schwester, die Fürstin. Wir Kairo nicht und wissen nicht, wie wir dir nahen sollen, wenn dich Tun« und Franken umgeben. Aber hier, am Rande der Wüste und der zrM Wasser, bist du der Unsre, und die alten Frauen des Stammes wiM daß deine Mutter ihre Schwester ist. Deshalb rufe, wenn die Sranfen w bedrängen oder die Türken dich verraten. Du weißt, wo die Senfe fein' Stammes wohnen."

Wenn ihr gehen wollt so geht in Frieden!" antwortet« Halmi ! i im gleichen Tone.Der Rat des Alters wird immer ein offenen finden; und wenn ich einen jungen Arm brauche oder ein flinkes I! ; so weiß ich, wo ich es zu suchen habe. Gott, der Einzig«, sei gePr,cjlv

Der zweite Araber warf sich mit einer impulsiven Bewegung aus sitzenden Stellung auf die Knie und berührte den Boden mit der «n

Es ist kein Gott außer Gott!" fügte er halblaut.Er weiß erkennt das Herz der Menschen." . ,.i,

Da standen alle drei auf, und ein feierliches ©ebärbenfpiel, komisch anzusehen war und fünf Minuten dauerte, leitete den MM (Fortsetzung folgt.) ____. j

Gesellschaft gesprochen wurde. Zwei gewöhnliche Talgkerzen in einer riesigen, aber nichts weniger als eleganten Laterne standen am Boden unb kämpften vergebens mit bem roten Schein, der vom Feuer her über bas nächtliche Bild flackerte.

Ah Herr Eyth!" rief Halim, als mich der erste matte Schimmer der zweifelhaften Beleuchtung traf.Sie kommen später, als ich erwartete. Aber Sie haben sich doch wieder hergesunden."

Ich sprang vom Esel, berJn fast unerklärlicher Weise sofort in der ver­dienten Dunkelheit versank. Wenige Sekunden später hörte man seinen fluchtartigen Galopp. Der Schech von Maraska, sein Herr, verstand besser als ich, das geängstigte Tier in Bewegung zu setzen, und hatte ohne Zweifel keinen andern Gedanken, als sein kostbares Eigentum so schnell als möglich aus der vornehmen Gesellschaft, in die es zu geraten drohte, zu erretten. Es gelang, und noch heute bin ich dem besorgten Mann das Backschisch schuldig, das ich ihm gern gegeben hätte. Doch das ist nun (eine Sache. Rasch trat ich auf Halim zu, indem ich nach bestem Wissen unb Gewissen tejminifierte, ein Gruß, ber sehr viel malerischer ist als das Hutabnehmen, selbst wenn man ihn nicht von einem arabischen Zeremo­nienmeister gelernt hat, zu bem sich Rames Bey gelegentlich mit Bereit­willigkeit für mich hergab.

Ich hätte früher hier fein können, Monseigneur," sagte ich,aber em Zwischenfall, ber mir überaus peinlich"

,Jch weiß, ich weiß!" unterbrach er mich lebhaft, währenb ein finste­rer Schatten über sein Gesicht flog, aber ebenso rasch wieber verschwanb. Haben Sie bie Zeichnungen, die wir brauchen?"

Gewiß, Hoheit", antwortete ich, um ein gutes erleichtert, unb zog das klein« Paket aus ber Brusttasche. Er nahm es mit ber ihm eignen raschen, nervösen Bewegung aus meiner Hanb.

,®ut, sehr gut!" sagte er habet. Ich habe Sie nicht nach Schubra geschickt, um auf Pferd« aufzupasfen. Das war bi« Sache Achmebs, bes Mamelucken. Der Bursche kann von Glück sagen, baß heut« bi« Nacht en Nuß min Schaaban ist." (DieSeiet en Nuß min Schaaban" heißt wörtlich dieNacht ber Mitte des Schaaban", bes neunten Monats im Jahr; die Aegypter nennen sie wohl auch bieNacht bes Verhängnisses' unb feiern sie als eines ihrer wichtigeren Feste.)

Er schwieg einen Augenblick, wie wenn er etwas verschluckte. Dann fuhr er fort: ,, .

Sie werden müde fein und hungrig. Rames, zeige Herrn Eyth bas für ihn bestimmte Zelt! Ihre Sachen habe ich holen taffen. In einer halben Stunbe effen wir zu Nacht. Reiben Sie sich ben Staub ein wenig ab; Sie sehen nicht übet aus, mein Freunb!"

Das muntere, freunbliche Lächeln, bas mich schon öfter in harten Augenblicken bei frischem Mut erhalten hatte, war zurückgekehrt. Rames Bey winkte mir. Während ich mich verneigte, sah ich zum erstenmal die zwei Paar funkelnden Augen, die mir aus den scheinbar kohlschwarzen Gesichtern ber dichtverhüllten, am Boden sitzenden Gestalten nachblitzten.

Achmed kann den Allbarmherzigen preisen", sagte mein Führer halb­laut und vertraulich zu mir, während wir nach meinem Zelt gingen,und bei Gott, dem Einzigen, du auch. In ber .Nacht bes Verhängnisses* ver­zeiht er jebem, was er im Monat Schaaban gesündigt hat. Es ist ein Gelübde, bas er feit zehn Jahren hält. Mir zahlt er pünktlich bie Spiel­schulden, bie ich ihm heute gestehe. Allahbuk! er ist ein schlimmer Herr! Möge ber Erzengel bes Allglltigen, ber im Buch des Lebens in bieser heiligen Nacht die nötigen kleinen Verbesserungen für bas nächste Jahr vornimmt, seiner gebenten! Brauchen können wir es alle, unb ber Geseg­nete bes Herrn hat es schon einmal für uns getan: heute vor zehn Jahren. Das soll mir ntemanb ausreden."

All dies bezog sich auf die eben angebrochene Nachten Nuß min Schaaban", in welcher Allah, soweit dies angeht, seinem himmlischen Geheimschreiber, dem Erzengel Gabriel, kleine Korrekturen diktiert, die dieser sodann in der Urschrift bes Buches vornimmt, in welchem bas unabänderliche Schicksal jedes Sterblichen seit Uranfang ber Dinge ver­zeichnet steht.Aber wie ist das möglich?" fragte ich Rames Bey bei einer andern Gelegenheit, denn bie Geheimnisse ber Nacht beschäftigten ben bentenben Tscherkesfen nicht wenig.Weiß ber Allwisfenbe nicht schon längst ganz genau, wie alles kommen wirb?"

Oh, biese Ungläubigen!" antwortete mir Rames mit einiger Ent­rüstung.Weiß der Allwissende nicht auch, daß er sein Wissen ändern wird? Bist du nicht beschämt, o Baschmahandi? Aber bie Ungläubigen ver­stehen bas Einfachste nicht. Möge bich Gott von beinen Irrwegen ab­lenken!"

Auch geht Allah, wenn er mit bem Buche fertig ift, heute nacht an bem Sotosbaum vorüber, ber einsam an ber äußersten Grenze bes Para­dieses steht unb auf dessen Millionen Blättern bie Namen ber Menschen geschrieben sinb, bie auf ber Erde leben. Da sind frische unb welke, Helle und dunkle; jeder Mensch hat sein Blatt. Diesen Baum schüttelt der All­mächtige mit eigner Hand, und wessen Blatt zur Erde fällt, ber wird im kommenden Jahr auch zur Erde fallen. Es ist für jeden Gläubigen eine bedenkliche Nacht, und es war mir nicht möglich, ein Lächeln des Zwei­felns auf Rames Beys ruhigen Zügen hervorzulocken, was zu andern Zeiten nicht schwierig gewesen wäre.

Ja," fuhr er fort, indem er meinen Zeltvorhang aufschlug und ein Streichholz anzündete, um bas buntte Innere zu beleuchten,heute vor zehn Jahren! Damals hing Halims Blättchen nur noch an einer Faser, und bas feines Neffen Abbas Paschas, bes Vizekönigs, schien in strotzenber Reife zu stehen. Aber der Allgevechte schüttelte, und am andern Morgen Hast du Talgkerzen, o Baschmahandi?"

Beim unsicheren Schein eines zweiten Streichholzes entdeckte ich, daß mein gesamtes Gepäck den Boden des Zeltes bedeckte. Rasch war eine Kamelsatteltasche aufgerissen und ein Pfund Kerzen sowie eine arabische Papierlaterne herausgeschüttelt. In kürzester Zeit konnten wir bei festlich beleuchtetem Hause an bas provisorische Drbnen und Einräumen meiner Sachen gehen. Meine eiserne Bettstätte war bereits aufgeschlagen; Halim mit feiner gewohnten Aufmerksamkeit, wenn er in Zelten lebte, hatte mir