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Heute ist es der Ehrgeiz der Schauspieler, sich außerhalb der Bühne als Zivilpersonen gewertet zu wissen. Sie übertreiben sozusagen das Privatleben". Kainz hat das Recht, seine Bühnenrollen im Leben fort* zusetzen. ,

Als er im Sterben lag, wurden von seinem Krankenlager Bulletins ausgegeben wie über ein gekröntes Haupt. Er war ja am Schluß von den Kienern geliebt und vergöttert worden wie niemand zuvor, dessen Kunst nicht mit Operette und Schlagertext zu tun hatte. An den Bortrags- abenden im Musikvereinssaal verwandelte sich die Verehrung in Raserei. Die Wiener Backfische", sagte damals ein witziger Kritiker,schneiden den Namen Kainz aus der Zeitung und streichen sich ihn aufs Butterbrot."

Wenige Wochen nach seinem Tode erschien in derNeuen Freien Presse" ein Aufsatz Stefan Zweigs,Die Stimme". Da war geschildert, wie jemand, der Kainzens geliebte Stimme nicht vergessen kann und plötzlich mitternachts, aus dem Bett heraus, von einem unwiderstehlichen Verlangen ergriffen wird, sie wieder zu hören, sich nach einem Auto­matenbüfett begibt und eine Phonolarolle in Bewegung setzt. Die Walze spielt:Der Gott und die Bajadere". Es ist Kainz Kainzens Melodie. Kainzens Wortwut, Kainzens Feuer. Doch alles verdeckt schnarrend, «us dem Grab heraus. Da weiß der Nachtwandler: diese Stimme war einmalig, sie ist unwiderbringlich dahin. Niemand, sei er Dichter oder Imitator, wird den Nachgeborenen sagen können, was ihr Zauber und ihre Wirkung war.

Für nnch war Kainz einGenie des großen Atems", eines unter den wenigen, die die Erde sah.

Wenn ich mich seiner erinnere, verdoppel sich mir die Lust, das Pathos gegen die glatte Vernunft zu verteidigen, die Ueberdimensionalität gegen das psychologische Dreikäsehochtum, Shakespeare gegen Bronnen und Brecht. Man lernt an den Männern des großen Atems das Vorrecht großen Stils. Oder mit anderen Worten: wenn es einen Kainz gab hat das Burgtheater recht.

Ernährung und Körperzustand.

Von Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Emil Abderhalden, Direktor des Physiologischen Instituts der Universität Halle.

Das Interesse an Problemen unsrer Ernährung ist aus verschiedensten Gründen in weitesten Volkskreisen fortlaufend stark gestiegen. Die Kriegs­md Nachkriegszeit mit ihren Nöten waren in dieser Hinsicht eine gute, wenn auch sehr unwillkommene Lehrmeisterin. Es galt, mit den vorhan­denen Nahrungsmitteln auszukommen. Der bei der Innehaltung der behördlich vorgeschriebenen Nahrungsmenge eintretende Körpergewichts­verlust lehrte, daß zur Aufrechterhaltung des Körperbestandes eine Nah­rungszufuhr notwendig ist, in der die in Frage kommenden Nahrungs­stoffe in ausreichender Menge vorhanden sind.

Ganz besonders stark angefacht wurde das Interesse an Ernährungs­fragen durch die aufsehenerregende Entdeckung, daß entgegen der bis vor kurzem geltenden Lehre noch nicht alle zur Aufrechterhaltung des gesam­ten Stoffwechsels des Organismus notwendigen Nahrungsstoffe bekannt std. Neben Eiweiß, Kohlehydraten, Fett, Mineralstoffen, Wasser und Llluerstosf benötigen wir noch bestimmte Stoffe, die in Spuren unent­behrliche Wirkungen entfalten. Fehlen sie in der Nahrung, dann ergeben sich schwerste Störungen. Mit der Zeit sind sechs verschiedene sogenannte Ergänzungsstoffe (Vitamine) bekannt geworden. Wir kennen ihre Wirkun­gen und wissen, in welchen Nahrungsmitteln sie Vorkommen. Jedermann kann seinen Bedarf an diesen Stossen mit Hilfe von frischem Gemüse, obst, Milch, Butter usw. in vollem Umfange decken, reichen doch außer­ordentlich geringe Mengen davon aus, um die ihnen zukommenden Wir­kungen in unserem Körper in vollem Ausmaße zu entfalten.

Hat uns somit die Erkenntnis, daß es außer den schon seit längerer pctf bekannten Nahrungsstoffen noch solche unbekannter Natur gibt, die m außerordentlich geringen Mengen wirksam sind, an und für sich ein* örtnglid> klar gemacht, daß nicht jede Nahrungsmittelart in jeder beliebigen Zubereitung eine vollwertige Ernährung gewährleistet, so haben darüber hinaus Versuche der folgenden Art bewiesen, daß die feineren Zellvorgänge m weitgehender Weise durch die Art der aufgenommenen Nahrung beeinflußt werden können. Zu diesen Versuchen fei bemerkt, daß es sich um absichi- «<9 in ganz einseitiger Weise durchgeführte Kostformen handelt, das heißt, M eine Ernährungsweise, wie sie bei frei gewählter Kost gar nicht vor- fommt. So erhielten z. B. Kaninchen Tag für Tag Hafer, während Mdere ausschließlich mit ©rünfutter ernährt wurden. Die Tiere befanden ich ganz wohl und ließen nicht erkennen, daß in ihrem Zellgeschehen 'Este Veränderungen vorhanden sind.

Hier sei eingefügt, daß unser Organismus, wie schon erwähnt, von außen her mit der Nahrung Stoffe aufnimmt, eben die Vitamine, die tiefsten Zufluß auf zahlreiche Funktionen in unseren Zellen haben. Wir selbst mH » ercn nun ""ch Produkte, die in kleinsten Mengen Wirkungen Malten, an die Lebensvorgänge gebunden sind. Jede Zelle erzeugt norm en t e. Das find in ihrer Zusammensetzung noch unbekannte Stoffe, w m Spuren große Umsetzungen zu bewirken vermögen. Ab- und Auf- mivorgänge vollziehen sich unter ihrem Einfluß. Ferner bringen manche «Harten, wie solche der Schilddrüse, der Bauchspeicheldrüse, der Neben- sm't M Geschlechtsdrüsen, des Gehirnanhangs usw. Stosse mit einer spezifischen Struktur hervor, die ebenfalls in Spuren eine aus- Maggebende Rolle im Organismus spielen.

iw s, m T^l kennt man diese Stoffe schon so vollkommen, daß man sie Laboratorium bereiten kann. Ein solcher Stoff z. B. ist das Brndi / 'r'^ilddrüse abgegebene Thyroxin. Unter anderem facht dieses fahrt l n Stoffwechsel an und bewirkt, daß er auf einer bestimmten ^7. gehalten wird. Ein weiterer Stoff dieser Art ist das Insulin, StofMfi. t"beren Hellen der Bauchspeicheldrüse bereitet wird. Dieser Feh,! llir den normalen Ablauf des Zuckerstoffwechsels unentbehrlich.

er, dann kommt es zu großen Störiinoen. Bei Airferhnrnruhr

(Diabetes mellitus) liegt ein Mangel an jenen Stoffen vor. Auch ber von der Nebenniere hervorgebrachte Sendbote (die hier in Frage stehenden Stoffe werden Sendboten, Hormone, Jnkretftoffe genannt) ist in seinem Aufbau bekannt. Er führt den Namen Adrenalin, und beeinflußt alle unter der Herrschaft des sympathischen Nervensystems stehenden Zell* arten.

Führt man nun einem in gewöhnlicher Weise ernährten Kaninchen Adrenalin zu, dann zeigen sich bestimmte, für diesen Stoff charakteristische Erscheinungen. Die gleiche Menge an diesem Produkt wirkt auf ein längere Zeit mit Hafer ernährtes Tier viel stärker, als auf ein mit gewöhnlichem Futter ernährtes Tier ein. Ein mit (Brünfutter ernährtes Tier reagiert ganz besonders schwach auf Adrenalin. Insulin dagegen entfaltet bei dem in letzterer Art ernährten Tieren eine viel stärkere Wirkung, als bei solchen, die längere Zeit ausschließlich Hafer erhalten haben. Füttert man die Tiere mit viel Eiweiß, dann entfaltet Thyroxin eine ganz beson­ders starke Wirkung. Ferner kann man zeigen, daß je nach Art der Er­nährung die aufbauenden Fähigkeiten des Organismus in bestimmter Richtung beeinflußt sind. Je tiefer wir in die Feinheiten des Zellstöff- wechfels einbringen, um fo klarer erkennen wir, daß die Art der Ernäh­rung, sobald sie über eine längere Zeit hinaus gleichartig durchgeführt wird, bestimmte Einflüsse auf das Geschehen im Organismus ausübt.

Füttert man ferner z. B. Tauben lange Zeit ausschließlich mit magerem Fleisch, dann beobachtet man zunächst nur, daß die Tiere sich, rein äußerlich betrachtet, sehr gut entwickeln. Nichts verrät, daß sich irgend­welche Veränderungen in ihrem Organismus vollziehen, bis eines sckAnen Tages schwerste Störungen in den Gebilden der Haut auftreten. Die Federn splittern ab; die Krallen brechen; das gleiche gilt vom Schnabel. Geht man zu einer anderen Kostform über, dann entwickelt sich in ganz kurzer Zeit wieder ein normales Gefieder. Gibt man jungen Hunden ausschließlich mageres Fleisch zu fressen, dann beobachtet man nach eini­ger Zeit auch Störungen. Füttert man Ratten, Mäuse usw. Tag für Tag mit Erbsen, bzw. Lupinen, bzw. Mais usw., dann beobachtet man nach einigen Wochen, daß die Fortpflanzungsfähigkeit der Tiere stark gelitten hat. Läßt man aus der Nahrung Fette ganz weg, dann kommt es nach einiger Zeit auch zu Störungen im Wachstum und auch in der Fähigkeit, Nachwuchs hervorzubringen.

Diese Beispiele ließen sich leicht vermehren, wonach die Art der Nahrung tiefen Einfluß auf das Geschehen im Organismus ausübt. Um Mißverständnissen zuvorzukommen, sei ausdrücklich erwähnt, daß nur bann bestimmte Wirkungen zu beobachten finb, wenn die Nahrung absichtlich über lange Zeit hinaus einseitig gehalten wird. Ferner handelt es sich bei den Laboratoriumstieren um solche, die nur eine kurze Lebensdauer besitzen.

Es dürften sich bei diesen Umstellungen im Gefolge einer bestimmten Art von Ernährung Wirkungen rascher äußern, als bei Organismen, beten Leben länger dauert, und deren Stoffwechsel in der Regel sich weniger intensiv vollzieht. Für uns ergibt sich aus den erwähnten Be­obachtungen die praktische Folgerung, baß bie Kost unter normalen Ver­hältnissen abwechslungsreich sein soll. Ferner soll sie zu einem großen Teil aus bem Pflanzenreich bezogen werben. Weiterhin ist von größter Bebeutung, daß Tag für Tag ungekochte Nahrungsmittel in Gestalt von Obst unb auch Gemüse (Salat usw.) in ausreichender Menge aufgenommen werden.

Kurz gestreift fei noch, daß die unzweifelhaften Erfolge, die vielfach mit bestimmten Diätformen bei bestimmten Krankheitsprozessen erzielt worden finb, durchaus einer wissenschaftlichen Begründung zugänglich finb. Den neuesten Feststellungen (Gerson-, Sauerbruch-, Hermannsborfer- Diät), wonach mittels einer über lange Zeit hindurch durchgeführten Kostform ganz überraschende Erfolge insbesondere bei Hauttuberkulose zu erzielen sind (die Nahrung ist reich an Vitaminen, relativ arm an Kohle­hydraten, sehr reich an Fetten unb fast frei von Kochsalz), stehen wir durchaus nicht ratlos gegenüber, wie die oben mitgeteilten Befunde beweisen. Auch hier handelt es sich um eine über lange Zeit hindurch durchgeführte einseitige Ernährung mit dem Ziele einer Umstellung von Stoffwechselgeschehen im Organismus. Nichts wäre verkehrter, als sie wahllos auf alle möglichen Krankheitszustänbe anzuwenden. Cs gilt, Er­fahrungen zu sammeln und zu ergründen, worauf im einzelnen ihr Erfolg beruht.

Dunkle Blätter.

Aus dem Taschenbuch eines deutschen Ingenieurs.

Von Max Eyth.

(Fortsetzung.)

3m Halbkreis hinter dieser weitausgedehnten fürstlichen Behausung waren fünf bis sechs weitere Zelte aufgeschlagen. Eines beträchtlich länger, aber niederer als das des Paschas, war für die Küche und die bienftleiftenben Mamelucken bestimmt. Die andern, kleiner und rund, waren die Schlafstellen der höheren Beamten und Begleiter, die er mit sich führte. Vor Hakims Zelt war ein gewaltiger schwarzer Teppich mit bunten Stickereien ausgebreitet, auf dem eine Anzahl roter, eben­falls reich verzierter Kiffen umherlag. Hier faß der Pascha nach Türken­art mit gekreuzten Beinen, die Pantoffeln von den Füßen gestreift, den Tarbusch nachlässig auf den Hinterkopf geschoben, den leichten, schwarz- seidenen Stambulrock geöffnet, fo daß die brennendrote Schärpe, die er unter demselben trug, sichtbar war. Hinter ihm stand Rames Beys Riesen­gestalt wie eine Statue aus der altägyptischen Zeit, das unvermeidliche Zigarettenetui und einen Rosenkranz in den gefalteten Händen. Vor ihm faßen zwei weiße, ttefverhüllte Gestalten, die mir den Rücken zukehrten. Die drei Sitzenden rauchten ihre Tschibuks in anscheinend feierlicher Ruhe, während zwei Mamelucken, die vom Feuer herkamen, fingerhutgroße türkische Kaffeeschälchen auf einem silbernen Brett herbeibrachten. Wenige Schritte von dieser Gruppe staken ein paar lange Lanzen im Boden. An diesen waren zwei kleine weiße Pferde angebunden, die mit gesenktem Kopf, aber gespitzten Ohren aufmerksam zuzuhören schienen, was in der