Von klugen und gelehrten Tleren.

Alle Anekdoten.

Von Graf Carl von Klinckowstroem.

te Mensch ist leicht geneigt, den Haustieren, die an menschlichen "nq gewohnt sind, menschliche Eigenschaften, ja Verstand zuzuschrei- werden oft erstaunliche Jntelligenzhandlungen erzählt, und das früher genau so. Die alte Unterhaltungsliteratur birgt eine Fülle Mtiqer Erzählungen, und mit Hundeanekdoten zum Beispiel könnte ! ein dickes Buch füllen. Entweder handelt es sich hier um spontane Idlungen kluger Tiere, oder Um die Ergebnisse einer sorgfältigen Dres- Tiere zu allerhand Verrichtungen abzurichten, verstand man ja schon ;er Mtike. Von dressierten Hunden, Affen, Pferden, Kamelen, Ele- M Hirschen usw., mit denen Schausteller auf den Jahrmärkten her- Men, sind uns die merkwürdigsten Geschichten überliefert. Einige Hjele'wollen wir hier aus der Fülle herausgreifen.

M Eigenschaften, die heute den Hund zu einem wertvollen Gehilfen »Polizei bei Ermittlung von Verbrechen gemacht haben, der Spürsinn jeit der Jäger schon seit alters für seine Zwecke ausnutzte, haben auch iriiheren Zeiten schon gelegentlich zur Aufhellung von Kriminalfällen M Einer der ältesten Fälle dieser Art führt in die Zeit Karls V. Lf Unweit Paris wurde damals Aubry Mondidier in einsamer «od erschlagen und von seinem Mörder unter einem Baume begraben. Wdiers Hund, der zu Hause geblieben war, entlief in der folgenden 4t um seinen Herrn zu suchen. Bald entdeckte er im Walde die Stelle, ,d!r Leichnam eingegraben war, und hielt dort mehrere Tage Wache. Mich trieb ihn der Hunger zur Stadt zurück. Er eilte zu einem Mde des Erschlagenen, dem Ritter Ardilliers, und gab ihm durch ulen zu erkennen, daß mit seinem Herrn etwas passiert sei. Ardilliers j dem Hunde zu fressen und schmeichelte ihm, aber das treue Tier ite nicht auf zu heulen und zog ihn am Rocks nach der Straße. Mrs entschloß sich, dem Hunde zu folgen, und dieser führte ihn Msiracks aus der Stadt zu einer hohen Eiche, wo er stark heulte und Wb den Boden aufzukratzen begann. Ardilliers grub weiter nach und i den Leichnam feines Freundes. Richt lange darauf begegnet der «Hund dem Mörder feines Herrn, stürzte sogleich auf ihn los, beißt ninb kann nur mit Mühe von ihm losgerissen werden. Dieses wieder- Ite sich mehrmals, und das sonst sanfte Tier glich einem wütenden jtr, wenn es den Ritter Maquer erblickte. Man erstaunte darüber, es Aden Vermutungen, und man erinnerte sich, daß Maquer sich bei hiedenen Gelegenheiten als Feind Aubrys gezeigt hatte, bis endlich i ganze Anzahl von Indizien den Mordverdacht auf Maquer lenkten, iKönig wollte sich mit eigenen Augen von dem Verhalten des Hundes zeugen und fand es vollauf bestätigt. Der damaligen Sitte gemäß Gi nun ein Zweikampf das Schicksal eines Angeschuldigten entscheiden, ui keine entscheidenden Schuldbeweise beizubringen waren. Der König [tarnte Ort und Zeit eines solchen Kampfes zwischen Maquer und dem ide. Der Ritter erschien mit eingelegter Lanze, und der Hund ward s ihn losgelassen. Dieser wußte geschickt der Waffe auszuweichen, faßte itn Gegner bei der Kehle und riß ihn zu Boden. Maquer bekannte traf seine Schandtat.

Sen ersten Kriegshund finden wir im 18. Jahrhundert bei einer Gre- tabrigabe der hessischen Truppen in Amerika. Es war ein englischer Imbeißer, der sich den Grenadieren angeschlossen hatte, von diesen ge- tirt und freundlich behandelt wurde und ständig bei ihnen blieb. Wurde läommanbo auf Vorposten geschickt, so ging der Hund stets mit, beob- |fde genau, wie die Posten aufgestellt wurden und lief dann 60 bis Edjritte vor, und legte sich daselbst als Horchposten nieder. Sobald er irorbädjtiges Geräusch beim Feinde hörte, lief er zurück und benach- M davon die Wachen durch Bellen und Zupfen, so daß die Ausmerk- iliit des Hundes mehrfach geheime Uebersälle des Feindes rechtzeitig niet. Die Amerikaner kamen bald dahinter, welche nützlichen Dienste tbraoe Hund den hessischen Grenadieren leistete, und schossen auf ihn. l hund wurde mehrfach verwundet und ging schließlich an einer Deren Verwundung zugrunde.

8er Pariser Chirurg Morand hatte einen Freund, dessen Hund '»l das Bein brach. Er nahm das Tier in Behandlung, und bald t bas Bein wieder geheilt. Einige Zeit später, als der Arzt bei der t«i war, hört er an der Tür kratzen. Er öffnet sie und erblickt mit Nnen den Hund, den er geheilt hatte, und in dessen Begleitung einen «n Hund, dem das gleiche Unglück begegnet war und der sich nun 'ifflb seinem Führer nachschleppte.Diesmal mag es noch hingehen", lachend Morand zu den Hunden,aber komm mir nicht wieder

"«m solchen Geschäft!"

W minder intelligent war der Hund eines Gelehrten, der die Ge- Reit hatte, des Nachts im Bette zu lesen. Bisweilen schlief er ein, * das Licht auszulöschen, das auf einem Tischchen neben dem Bette

3u seiner Verwunderung fand er es aber jedesmal gelöscht, wenn Mwachte, obschon er wußte, daß er es nicht selbst getan hatte und > ienem Hunde niemand im Zimmer befand. Nur dieser konnte Ados Kunststück fertiggebracht haben. Nun beschloß er, den Hund beobachten: am nächsten Abend las er wieder kurze Zeit und

bch dann schlafend. Es dauerte nicht lange, so tarn der Hund zum .eunb untersuchte genau, ob sein Herr schlafe. Da er keine Bewegung »hi Iprcrng er auf den Stuhl und von da auf den Tisch,

itaunb löschte das Licht aus. Dann ging er wieder an

. Mtz. Das Lichtlöschen muß er seinem Herrn abgesehen haben.

Hunde" kann man noch heute gelegentlich auf Iahr- L'j?en: sie reagieren auf unmerkliche Zeichen ihres Führers, lwehen gab es schon 1732 auf dem Markt zu Saint-Germain, und

noch Erstaunlicheres leistete 1754 ein anderer auf der Danziger Messe. Von einem sprechenden Hunde berichtet Leibniz, den er in Sachsen, nah« bei Zeitz, bei einem Bauern sah. Ein Knabe hatte von diesem Hunde Töne gehört, die seiner Einbildung nach deutschen Worten ähnlich waren, und er setzte sich deshalb in den Kopf, das Tier reden zu lehren. Nach einiger Zeit war der Hund so weit gebracht, daß er einige dreißig Worte in deutlicher Artikulation aussprechen konnte, darunter die Worte Tee, Kaffee, Schokolade usw. Er schien sich aber nur ungern dazu herbei­zulassen. Von einem anderen derartigen Sprachkünstler spricht Lise­lotte von der Pfalz in einem Briefe vom 26.Mai 1720 an ihre Stiefschwester:Ich habe vor zwei Jahren einen Hund gesehen, so man reden machte, und wenn man ihn fragte, was er gegessen, sagte er deutlich: ein Brötchen und ein Salatchen".

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Daß ein Kolkrabe ähnlich wie ein Papagei oder eine Dohle einige Worte sprechen lernt, ist nicht Neues. Nur einem Hunde kam das ein­mal höchst merkwürdig vor. Auf einem Gute in der Grafschaft Mansfeld hielt man einst einen zahmen Kolkraben, der tagsüber im Hofe und Garten herumspazierte und sich des Abends in seinen Käfig begab. Er konnte allerlei sprechen, unter anberm auch die WorteSag, wer bist du?" Er sprach sehr deutlich und pathetisch. Als er einmal im Garten im hohen Grase spazieren ging, begegnete ihm der Hühnerhund. Sobald dieser die Bewegung im Grase bemerkte, schlich er heran unb stand vor dem Raben, wie er es vor einem Volk Hühner zu tun gewohnt war. Der Rabe kümmerte sich anfänglich nicht darum und ging ruhig weiter. Als ihm jedoch der Hund weiter nachschlich, mochte es ihm unbehaglich zu Mute werden. Er drehte sich kurz um und redete den Hund an:Sage, wer bist du?" Dieser geriet dadurch in einen solchen Schrecken, daß er so­fort die Flucht ergriff. Die menschliche Sprache bei einem Vogel mochte seine ganze Weltanschauung erschüttert haben.

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Der Affe gar possierlich ist" gewiß, aber er weiß auch mit Würde ernsten Berufspflichten nachzugehen. Buffon berichtet von einem ge­bildeten Orang-Utan, der von sanfter Gemütsart war und aufs Wort gehorchte. Den Personen, die ihn besuchten, reichte er artig die Hand unb ging mit ernster Miene mit ihnen spazieren. Er setzte sich wohlerzogen zu Tisch, nahm die Serviette um, bediente sich des Löffels und der Gabel unb goß fein Getränk in ein Glas ober feinen Tee in bie Taffe. Er war also in allem ein Vorläufer bes berühmten Affen Konsul. Auch der Geo­graph A. F. B ü s ch i n g (geft. 1793) besaß einen Orang-Utan, den er geradezu als Bedienten abgerichtet hatte, so daß er bei Tisch servierte, Speisen auftrug, Schriften unb Bücher an Büschings Freunbe über­brachte usw.

Aus biefer Zeit stammt auch die Anekbote von einer spontanen Jn- telligenzhanblung eines Affen in Kairo, bie von logischer Ueberlegung zeugt. In Afrika finb zuweilen bie Geier so unverschämt, baß sie sich nicht scheuen, burch offene Fenster aus ben Zimmern eßbare Dinge als Beute zu stehlen. So hatte einst in Kairo ein Geier ein Stück rohes Fleisch aus einem Zimmer geraubt, in welchem sich gerabe ein zahmer Affe befanb. Dieser hatte ben Diebstahl bemerkt und mußte befürchten, selbst in ben Verbucht ber Gefräßigkeit zu geraten. Er wanbte nun ein merkwürbiges Mittel an, um sich vor biesem Verbachte zu schützen. Da er annahm, baß ber Geier wohl wiederkommen werde, so kroch er in das Gefäß, aus dem der Geier das Fleisch gestohlen hatte, und zwar so, daß sein nacktes fleischfarbenes Hinterteil oben herausschaute. Tat­sächlich ließ sich der Raubvogel von der schönen roten Farbe täuschen und kam ein zweitesmal in das Zimmer. Der Affe, der auf der Sauer ge­legen chatte, drehte sich geschwind unb biß dem Geier den Kopf ab. Als ber Herr bes Hauses bas Zimmer betrat, rounberte er sich sehr, anstatt bes Fleisches einen toten Geier im Topf zu finben. Er brohte dem Affen, aber dieser zog mit sprechender Gebärde den Geier aus dem Topf, kroch selbst hinein und zeigte seinem Herrn, wie er alles gemacht hatte. Ohne Schwierigkeit konnte sich dieser nunmehr zusammenreimen, wie sich der Vorgang abgespielt hatte. *

Von der verstandesmäßigen Handlung eines Pferdes berichtet der Helmstedter Physiker I. G. Krüger im Jahre 1756. Ein Freund von ihm ritt zur Nachtzeit durch einen Wald nach Hause. Unversehens stieß er beim schnellen Reiten an einen starken Ast und wurde vom Pferde geschleudert. Er blieb bewußtlos liegen. Das Pferd kehrte sogleich zu dem Hause zurück, wo sein Herr bis spät Abends als Gast geweilt hatte, und klopfte mit dem Hufe so lange an die verschlossene Haus­tür, bis die Bewohner erwachten und das Tor öffneten. Sie erstaunten, als sie das ledige Pferd erblickten, konnten aber sogleich mutmaßen, daß seinem Herrn ein Unglück zugestoßen sein müsse, und ließen sich von dem Pferde an den Ort des Unfalles führen. Dort fand man den Verunglückten noch liegen unb nahm sich sogleich feiner an.

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Man wirb sich noch ber redjnenben Pferbe von Elberfelb erinnern, bie vor bem Kriege großes Aufsehen erregten und auch zu wissenschaft­lichen Kontroversen Anlaß gaben. Ein solches gelehrtes Pferd wurde auch schon anno 1732 auf dem Jahrmarkts zu Saint-Germain gezeigt. Wenn man ihm eine Karte, die jemand aus dem Zuschauerkreise aus einem Spiel Karten gezogen hatte, vorhielt, so schlug es mit dem Huf so viel mal auf die Erde, als die Karte Augen hatte. Zeigte man ihm eine Uhr, so 'stampfte es zunächst bie Zahl ber Stunben. Die Viertelstunden drückte es, wie eine Repetieruhr, durch kleine Doppelschläge aus. Das Tier löste Rechenaufgaben richtig und gab das Ergebnis auf die gleiche Weise tunt). Zum Schluß sammelte der Vorführende verschiedene Geld-, stücke ein, mischte sie durcheinander und warf sie dem Pferde in einem Schnupftuch vor. Dieses nahm die Münzen einzeln ins Maul und brachte jedem das Geldstück, das er hergegeben hatte. ....