werden. Denn schon hatte, wie man wußte, der Gesandte Bayerns, Graf Perusa, die Staatsschrift in der Tasche, mit der er der Wiener Regierung die bayerische Besitzergreifung über Oesterreich notifizieren sollte. Und da sprach nun plötzlich diese seltsame Frau nicht nur zuversichtlich von der Erhaltung der Erblande, sondern auch von den deutschen Dingen und den begründeten Ansprüchen ihres Gemahls auf die römisch-deutsche Kaiserkrone. Als stünden nicht Bayern, Franzosen und Türken vor den Toren Oesterreichs, als Hütte nicht zu allem übrigen der Preußenkönig Friedrich II., der die Welt als Persönlichkeit ebenso überraschte wie Maria Theresia, soeben die bedingungslose Abtretung Schlesiens gefordert.
Wieder einmal konnte die Welt „finis Austriae" rufen. Denn als bald nach Maria Theresias Regierungsantritt preußische Husaren, bayerische und französische Reiter schon in der Wiener Landschaft streiften, der bayerische Kurfürst bereits in Linz sich huldigen ließ, der österreichische Hochadel schon dem Wittelsbacher seine Ergebenheit versicherte, nicht 100 000 Gulden mehr in den Kassen waren, die Armee versagte, da schien es kein Oesterreich mehr zu geben. Und auch die deutsche Stellung Habsburgs schien verloren, als Karl Albrecht von Bayern als Karl VII. die deutsche Krone trug. Da war keiner, der die Rettung auch nur für möglich hielt. Nur diese seltsame Frau hat damals, als man ihr riet, aus Wien zu fliehen und auf alles zu verzichten, an Oesterreich geglaubt und, wiewohl von allen verlassen, wagemutig jenen ersten siebenjährigen Krieg begonnen, den man den Österreichischen Crbfolgekrieg nennt.
Bor allem hat sie die ewig aufsässigen Ungarn für ihre Sache gewonnen. Auf jenem denkwürdigen Reichstag zu Preßburg, auf dem die trotzenden, jede Hilfe für Habsburg ablehnenden Magnaten, die Zugeständnisse und Privilegien zu fordern gekommen waren, wenige Stunden später, hingerissen von dem Zauber und der Seele dieser Frau, die Säbel zogen und in der Begeisterung ihrer Herzen riefen: „Leben und Blut für die Königin!" Es folgte diesen großen Worten nicht ganz die große Tat. Silber immerhin hat der Funke der Begeisterung, der in den Herzen der Ungarn die Flamme entfachte, dann auch in den österreichischen Erblanden gekündet. Es ist so gewesen, wie der englische Gesandte sagte, daß Maria Theresia es verstehe, jeden Mann, der in ihren Bannkreis trete, zum Helden zu machen.
Wohl bekam Friedrich das nie verschmerzte Schlesien. Aber Böhmen wurde zurückerobert, die Franzosen aus Prag verjagt. Es wurde der Rhein überschritten und ganz Bayern besetzt. Selbst vor Rom erschien wieder ein österreichisches Heer. Und kaum war damit, trotz den schweren Niederlagen in den schlesischen Kriegen, die Gefahr einigermaßen gebannt, ging Maria Theresia schon an die Ordnung der deutschen Dinge. Denn sie erachtete sich als die rechtmäßige Erbin der Beherrscher des römischdeutschen Imperiums und betrachtete es als eine ihrer vornehmsten Pflichten, dieses Erbe zu erhalten und zu einem ganzen zu einen.
Da Maria Theresia aber nach der Reichsverfafsung, für die ja die Pragmatische Sanktion keine Geltung hatte, die römisch-deutsche Krone nicht tragen konnte, setzte fie die Welt in Bewegung, um ihrem Gatten die Kaiserwürde zu verschaffen, lieber ihn ist sie dann deutsche Kaiserin geworden.
Als Karl VII. starb, erzwang sie trotz des Einspruches von Kur- brandenburg und Kurpfalz die Wahl Franz Stephans. Daß ihr dies gerade in den Tagen der friderizianischen Siege von Hohenfriedberg und Kesfelsdorf gelang, zeigte ihr, wie stark ihre Macht und Geltung nun, nach den ersten verzweifelten Jahren, auch im Reiche geworden. Als sie ihrem Gatten nach Frankfurt zur Krönung nachreiste, durfte sie die Freude erleben, daß man überall der Uederzeugung Ausdruck gab, daß Oesterreich die Nation vertrete. Und von den Triumphbögen, die sie an allen Orten empfingen, mag ihr wohl der einer fränkischen Stadt der willkommenste gewesen sein, auf dem der schwarze doppelköpfige deutsche Reichsadler einem Neste zuflog, unter dem die Worte standen: „Das alte Nest war doch das beft!" So sehr war mit einem Male die Stimmung wieder mit dem erstarkten Oesterreich, daß Ranke darüber schreibt: „Alle Abneigung erwachte gegen den preußischen Namen und alle alten Sympathien mit dem Hause Oesterreich."
In Frankfurt trug sich dann jene liebenswürdige Episode zu, die uns so viel von Maria Theresias Wesen verrät. Als ihr geliebter Franz im festlichen Zuge, im alten deutschen Krönungsornat ein wenig wunderlich anzusehen, an dem Hause neben dem Römer vorüber kam, wo Maria Theresia an einem Fenster stand, da klatschte fie, über diesen Anblick lachend, jauchzend in die Hände wie eine Bürgersfrau, schwenkte das Taschentuch und rief, daß ihre Stimme alles Volksgebrause übertönte: „Vivat Franciscus!" — Es war wie der Siegesruf dieser heldenhaften Frau.
Und es war der Sieg. Denn als die nun fast Dreißigjährige gegen den Willen Frankreichs und Friedrichs diesen Tag ertrotzt, war ihre Macht gefestigt. Und alles, was später durch sie geschah: ihre vielen Reformen, die Abschaffung der Folter, die von ihr begonnene Aushebung der Leibeigenschaft, die Begründung des Volksschuiwesens, das dann dem Auslande zum Vorbild wurde, die Schaffung einer straffen Verwaltung und so vieles heute Vergessene und doch Unvergeßliche, war ja doch nur durch das Wunder ihrer ersten Regierungszeit möglich.
Ja selbst jene Jahre, die zumeist als ihre glorreichsten angesehen werden. die Zeit des Siebenjährigen Krieges, in dem ihre verjüngte Armee den Feind immer wieder aus den Erblanden trieb und ebensoviele Siege an ihre Fahnen fesselte wie die preußische, können sich an Bedeutung und Schwere nicht mit dem ersten Jahrfünft ihrer Reiche messen. Denn zu viel hatte schon ihre ordnende Hand, ihre Führerbegabung, ihre durch den großen Staatskanzler Fürst Wenzel Kaunitz nach ihrem Willen geleitete Diplomatie getan, als daß selbst dieser Krieg ihre Herrschaft wirklich ernstlich bedroht hätte. Das Berauschende, Bewundernswerte in dem Leben der Kaiserin und Königin Maria Theresia wird immer deren unbegreifliche Kraft in der ersten Zeit ihrer Regierung bleiben.
Doch es wäre irrig zu glauben, daß diese ihre Kraft — oft ist sie im Kreise der Männer der einzige Mann gewesen — allein die Ursache ihrer Gröhe war. Das Rätsel ihrer erstaunlichen Erfolge findet darin seine
Lösung, daß sie trotz ihres männlichen Willens Immer ganz Frau und ganz Mutter blieb.
Fünf Söhne und sieben Töchter hat sie nicht nur geboren, sondern auch selbst erzogen. Trotzdem ihr Tag völlig mit den Geschäften ausgefüllt war und sie in dem ersten Jahrzehnt ihrer Regierung so übermäßig ritt und tanzte, daß man sich ernstlich um ihre Gesundheit sorgte.
Immer war sie eine liebende, wenn auch nicht immer eine sanfte Mutter. Als man ihr anläßlich einer Züchtigung Josephs vorstellte, daß Erzherzöge bisher noch niemals die Rute bekommen hätten, da sagte sie: „Glaub's gern, man hat es ihnen aber auch angemerkt!" Diese wahre Mütterlichkeit hat sie auch auf ihre Untertanen übertragen. Sie war nicht nur die Herrin, sondern auch wirklich die Mutter ihrer vielen Völker und die gute Hausfrau ihrer Staaten.
Trotz ihrer braunschweigischen Mutter, der „schönen Lisl" Karls VI., fühlte fie sich ganz als Oesterreicherin, ganz als Wienerin. So war ihr alles Starre, Steife, Hochmütige verhaßt. Durch ihre Fraulichkeit, ihr häufiges Vergeßen des Gottesgnadentums ihrer Würde hat sie mit den Herzen ihrer Völker auch deren Kraft gewonnen, deren Begabungen und Möglichkeiten erschlossen. Dadurch schuf fie, ohne künstlerischen Dingen felbst besonders zugetan zu sein, jene so farbige, von Musikalität beseelte theresianische Kultur, die doch auch die Zeit Mozarts und Haydns ist. Mit Maria Theresia hat jenes Oesterreichertum begonnen, das so viel gescholten und doch von der Welt so sehr geliebt wird.
Erst dieses schöne, reine Frauentum, das sie auch mit weiblichem Satt so oft das Richtige, Rettende finden ließ, hat sie so hoch getragen. Das Menschliche, Nichtmeßbare also, ohne das, was unsere Zeit so häufig vergißt, alles Können, alles Nurtüchtige, alles Wissen kraftlos und unschöpferisch bleibt. . . , . ... .,
Man hat vielleicht mit Recht gesagt, daß dieses Schöpferische ihres Wesens dem Glücke entsprang, das sie in ihrer Ehe gefunden. Denn Maria Theresia, die ihren Franz abgöttisch liebte, war eine glückliche Frau. Wiewohl es genügend Gründe zu Zerwürfnissen gegeben hatte. Nicht so sehr wegen Franz Stephans gelegentlichen Abenteuern, die ubru qens durch nichts bewiesen sind, als vielmehr dadurch, daß doch eigentlich sie der Kaiser war und nicht er. Wenn auch ihr mit einem ausgezeic^ieten Verstände begabter, nur ein wenig bequemer Gatte sich namentlich um die Staatswirtschaft und die Armee kümmerte, so hatte doch sie m diesen wie in allen anderen Regierungsfragen die Entscheidung. Auch war sie eifersüchtig auf ihre Herrschaft bedacht. Doch mit wunderbarem Tatte vermied fie alle daraus drohenden Konflikte. In den Geschäften war nicht mit ihr zu paktieren. Aber in ihrer vorbildlichen Häuslichkeit betrachtete sie ihn als das Oberhaupt der Familie, dem fie sich fast bedingungslos fügte. Niemals verletzte sie sein Ehrgefühl oder seine Wurde.
Für die Ansicht, daß ihre so glückliche Ehe ihr all diese unbegreifliche Kraft gab, spricht, daß alles Schöpferische, alles Beschwingte an ihr dahin war als Franz I. am 18. August 1765 mit siebenundfunfz,g Jahren in Innsbruck einem Schlaganfall erlag. Von da ab ist allesj an. xfyc nur mehr Pflicht und Resignation. Wozu noch kam, daß tue schweren Zerwürfnisse zwischen ihr und Joseph II., der ja nach dem Tode seines Vaters zum deutschen Kaiser erwählt wurde und den sie zum Mttregenten erhob, ihr den Lebensabend verbitterten. Mutter und Sohn liebten einander fast schwärmerisch. Aber ihr, die erkannt ha"-, daß Vernunft allem ein Götze ist und der bloße Verstand nicht des Menschen Kraft und Wesen ausmacht, mußte das Aufklärerische, die Neuerungssucht um leben Dreis in Josephs Seele unerträglich fein. u ~
Nur einmal noch wird sie für einen Augenblick die wunderbare Frau von einst die mit ihrem Wollen das ganze Europa bezwang. Die letzten Taae ihrer Todeskrankheit, in der furchtbare Erstickungsanfalle fie quälten, verbrachte sie, in einen Lehnstuhl gebettet. Als ihr Atem immer schwerer qinq, fragte sie den Arzt, ob das wohl die letzten Zuge waren. Die Ant- wort lautete: „Vielleicht noch nicht die letzten. Das sei gut, meinte fie, denn fie gedenke dem Tod mit vollem Bewußtsein ins Auge zu sehen Und als er kam, da war es wirklich, als wolle sie ihm Äug in Aug qegenübertreten. Denn plötzlich erhob sich Maria Theresia, die von ihren Kindern und den Aerzten umgeben war, aus ihrem Lehnstuhl, stand einen Augenblick lang aufrecht, schritt auf ein Liegebett zu und brach zusammen. Fünf Minuten später stand ihr Herz still. Es war 9 Uhr abend des 29 ats’man'fie zur Kapuzinergruft trug, mußten Grenadiere ihren Sarg schützen weil der Pöbel wegen einer Getränkesteuer erbittert war, die sie kurz vor ihrem Tode bewilligt hatte. Der alte Preußenkönig aber, der doch sonst die großen Worte nicht liebte, sprach, als man ihm den Tod der Kaiserin-Königin meldete, zu ihrem Bilde aufsehend, das über seinem Arbeitstische hing: „Sie hat ihrem Throne Ehre gemacht und ihrem ganzen Geschlecht."
Maria Theresia als Mutter.
Briefe an ihren Sofjn Joseph II.
Schönbrunn, 24. September 1766.
... Wenn Sie auch viel Talente haben, so ist es doch nicht unmöglich, daß Sie die ganze Erfahrung besitzen und alle Umstande der Vergangenheit und Gegenwart kennen, um die Sachen allein machen zu können. Ein Ja, ein Nein, eine glatte Verweigerung wäre mehr wert gewesen, als dieses ganze Aufgebot von Ironie, wodurch Sie Ihr Herz erleichter ten und das Sie Genugtuung darin finden ließ, die Geschmeidigkeit ^yre eigenen Diktion zu bewundern. Hüten Sie sich davor in Bosheiten » gefallen. Ihr Herz ist noch nicht schlecht, aber es wird es werden. Es P die höchste Zeit, daß Sie keinen Geschmack mehr an diesen WitzworM, diesen geistreichen Redewendungen finden, die nur dahin führen, datz W» die anderen betrübt und lächerlich macht, alle anständigen Menschen verjagt und schließlich glaubt, das ganze Menschengeschlecht verdiene nw> geachtet und geliebt zu werden, weil man durch sein eigenes Beneyme alle Guten entfernt und den Schurken, Nachahmern und Schmeichle^ Ihrer Talente die Tür offen gehalten hat...
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