August Goeihe.
Zu seinem 100. Todestage.
Von Sophie Lederer-Eben.
lieber die Männer, die in tüchtiger Karyatidenarbeit das Riesenwerk eines Goethe tragen halsen, ja, es überhaupt erst möglich machten, indem sie ihm die Last der subalternen Arbeit, des Einordnens, Registrierens, des Beratens und Sammelns mit den Jahren immer selbständiger abnahmen, über das Gedächtnis eines Riemer, eines Voisseree, eines Heinrich Meyer und anderer, die zur Goetheschen „Hausakademie" gehörten, zog sich, schon in nach-Goethescher Zeit, ein dichter Vergessenheitsschleier; am dichtesten aber begrub er den Sohn des Hauses, August, der weder berufen war, ein Werk zu hinterlassen, noch einen bedeutenden Briefwechsel hinterließ, ja, über den es kaum mehr mündliche Mitteilungen gab.
Und der doch die stärkste der Goetheftüßen geworden ist, weil nur er und er allein die völlig gleichen naturwissenschaftlichen Begabungen und Neigungen als Erbschaft mitbrachte, dieselbe peinliche Gewissenhaftigkeit in den Dingen des äußeren Lebens, denselben leidenschaftlichen Sammeleifer und die gleiche Kraft des Anschauens, die der Vater früh und planvoll entwickelte, wenn er den späteren treuen Gehilfen schon als kleinen Knaben mit auf seine Reisen nahm. Aber erst unsere Zeit, die bei aller Traditionslosigkeit das Leben der Großen und aller sie Umgebenden psychologisch aufzuschürfen sucht, hat die Gestalt des lieben August, wie die Mutter Goethes den Enkel nannte, der Vergessenheit entrissen und uns recht ans Herz gelegt; — denn unendlich liebenswert (trotz aller großen Schwächen, unter denen die, von der Mutter Christiane geerbte Neigung zum Trunk die hoffnungsloseste war), ist August Goethe so, wie er in den Briessammlungen erscheint, die Wolsgang von Oettingett und Hans Gerhard Gräf herausgegeben haben. Ueberaus glücklich scheint die Jugend dieses Goethesohnes. Er hat sein kleines betriebsames Wesen überall in tzof und Garten, Haus und Stall; er füttert seine Falken, seine Tauben, seine Kaninchen, denn: „Halte ihm nur erst viel Tiere!" hatte der häufig abwesende Vater, der da wußte, daß durch Tierliebe die weichsten, besten Instinkte in Kinderherzen geweckt werden, an seine Christiane geschrieben. Auf Reifen wird liebevoll das Interesse des Kindes für die Umgebung geweckt, und das Kind ergreift Dargebotenes mit Frische und großer Freudigkeit, um es seinem kleinen Erinnerungsschatz einzureihen. Von der Reise nach Göttingen und Pyrmont (1801) schreibt Goethe: „Als der Knabe vernahm, daß von den vielgestaltigen Versteinerungen der Hainberg wie zusammengesetzt sei, drängte er mich zum Besuch dieser Höhe, — wo denn die gewöhnlichen Steinbildungen ost aufgepackt, die selteneren aber einer späteren emsigen Forschung vorbehalten wurden." Es ist, als sähe man Montan, den Gebirgsforscher und Beobachter aus den „Wanderjahren" Goethes mit Wilhelms Knaben durch die Berge ziehn.
Die Liebenswürdigkeit und Zutraulichkeit des Knaben bezeugt Goethe des öfteren mit den Worten: „Er ist gut mit allen Leuten". An Schiller: „Mein Verhältnis zu den Menschen wird durch ihn heiterer und gelinder, als es vielleicht ohne ihn wäre". Früh kommt der Knabe durch den Vater mit den Zeitgrößen zusammen, mit dem Philologen Heyne, mit dem Philosophen Friedrich August Wolf und anderen, und überall lauscht und lernt er. Bevorzugt durch die von allen Seiten ihm dargebotenen Anschauungen und Belehrungen durch die Welt, die sich ihm öffnet, und den einzigen Vater, der dies alles mit seinem Feuergeist belebt, ist es doch schon früh wie eine Tragik um August, vergleicht man sein Leben dem anderer Kinder. Ein Mißton klingt auf, eine Disharmonie, die immer hörbarer wird, je mehr sich dies erst so strahlende Leben unter der Wucht des Titanenschattens verdüstern muß, je mehr August in dem engen Weimarer Kreise gefangen wird. Früh unterschreibt er sich „August Goethe", — ohne das Adelsprädikat des Vaters, — denn er erfährt früh, daß er nur der Sohn der „Wirtschafterin" in Goethes Hause, der „Mamsell Vulpius" ist. Sofort ist da ein Bruch, ein Mißtrauen, ein Doppelwesen. Er verkehrt so gut in der untergeordneten Gesellschaft „von der Klasse seiner Mutter", wie in der vornehmen, in der Hofgesellschaft, die sich seinem Vater öffnet. Goethe selbst spricht einmal von seinem „armen Jungen", — und seine alte Freundin, Charlotte von Stein, schreibt einmal an ihren Fritz: „August hat seine Zuslucht zu mir genommen. Der arm« Junge dauert mich! Aber er ist schon gewöhnt, sein Leiden zu vertrinken!" — Immerhin: noch vorübergehende Stimmung, diese sich schon meldende Schwermut. Noch kein chronisches Leiden.
Zunächst besucht August eine Privatschule, einen von den vornehmen Familien ins Leben gerufenen Lehrzirkek. Dann wird der Philologe Riemer Augusts Lehrer im Griechischen und Lateinischen. 1805 wird der nun sechzehnjährige in die Prima des Gymnasiums ausgenommen, geht dann nach Heidelberg, um die Rechte zu studieren, ist fleißig, macht Fahrten durch den Odenwald und nach Heilbronn mit seinen Gesellen, die ihm alle gute sind, kehrt für die zwei letzten Semester nach Jena zurück; und dann schließt sich die Tür des Elternhauses wieder hinter ihm. Aus dieser Zeit stammt das Bild Augusts von Caroline Bardua. Es zeigt einen sehr schönen jungen Mann, mit dunklen über die Stirn fallenden Locken, einen kleinen englischen Backenbart, hoher Stirn und vollen Lippen. Dies Gesicht wird von den sprechenden braunen Goetheaugen beherrscht, über denen schmale Brauen, gefärbt, sich wölben. Das Färben der Augenbrauen, das Schminken der Wangen (das von einem Freunde brieflich erwähnt wird), hatte August bei den Schauspielern gelernt; die mit seiner Mutter verkehrten.
Seine Laufbahn war durch den Herzog Karl August von vornherein bestimmt. Es war damals selbstverständlich, daß die Söhne der Staatsminister in den Dienst ihres Fürsten traten. So wurde er zuerst Kammer- Assessor, dann Kammer-Rat. Zugleich trat er in den Hofdienst. Aber auch der eigentliche „Dienst" bei seinem Vater, der ihn, je mehr die Jahre fortschritten, immer mehr beanspruchte und bei größter Liebe der eigenen Persönlichkeit beraubte, begann jetzt. Während der Vater für den Unterhalt der Familie schaffte und schrieb, sorgte August dafür daß er sich sammeln konnte, und von der Alltagsprosa nicht gehemmt wurde. Er kontrollierte die eingehenden Rechnungen, sührte Verhandlungen mit Geschäftsleuten, vertrat den Vater bei Besuchen und Familienfestlichkeiten.
August entwickelte sich zum überaus klugen Rechner: „Denn mein Vater", schrieb er, „kann sich nach seiner Denkweise mit Geschäften dieser Art wenig abgeben. So halte ich es für meine Schuldigkeit, uns das Wenige soviel als möglich zu erhalten!" Als der Herzog die Freiwilligen seines Landes zum Kampf gegen Napoleon aufrief, und August Goethe sich, nach einigem Zaudern einschrieb, wandte sich der Dichter an den Herzog und befreite den Sohn fo vom Kriegsdienst. Riemer war ausgeschieden aus dem Goethehause, der Sekretär John hatte sich als untauglich erwiesen. Wie hätte der Vater August entbehren können, seine rechte Hand? Also mußte August bleiben. Er „blieb", wie der junge Arthur Schopenhauer im benachbarten Jena. Als die Wiederheimkehrenden in Weimar einzogen, eilte August ihnen in Uniform entgegen, sie zu begrüßen. Sie aber riefen ihm zu: „Pfui über den Buben hinter dem Ofen!" Tumult. Beleidigungen. Der Rittmeister von Werthern forderte ihn zum Zweikampf und künftig zuckte man über den Sohn Goethes die Achseln. Dies Leben, dem schon durch die Umstände kein Kamps möglich und beschieden gewesen war, sank, im Innersten getroffen, tiefer in sich zusammen. Heftiger, hilfsbedürftiger, inniger klammerte er sich an den Vater, ging restloser in ihm auf. Mit einer Genauigkeit, die ans Kleinliche und Peinliche grenzt, werden die Rechnungen geprüft, wird gespart, gegeizt. Augusts Antlitz bekommt immer mehr Ähnlichkeit mit seiner Mutter. Die untere Partie bekommt in ihrer Schmallippigkeit und ihrem merkwürdigen Zurückfliehen das Gepräge der Degeneration. Mißmutig springt die Unterlippe weit vor.
Die mineralogischen Sammlungen des Vaters, die Tierknochenfamm- lungen zum Zwecke der vergleichenden Anatomie, die Münzen, alles wird vervollständigt, eingeordnet, verwaltet. Daneben breitet August feine eigenen reichhaltigen Sammlungen aus. Er tritt in die Direktion des Hof- theaters ein, übernimmt damit einen großen Teil der Aufregungen, die der Vater als Leiter durchzukämpfen hat. Ueberall tritt August an dessen Sette, arbeitet Hand in Hand mit ihm als Mitleiter der Bibliotheken, der Zeichenschulen, des Botanischen Gartens, der Sternwarte, der naturwissenschaftlichen Sammlungen in Jena. Dabei äußert sich der Unmut feiner unbefriedigten Seele in heimlichen Versen und heimlichem Trunk. „Wild und wüst" nannten ihn viele in dieser Zeit. Das gestörte Gleichgewicht ist nicht wiederzuerlangen, denn auch die degenerierte, geist- sprühende, aber hysterische Gattin Ottilie von Pogwisch, die er heimführt, ist in ihrer ausgeprägten Treulosigkeit nur das schmerzlichste Mittel zu seiner seelischen Zerstörung. — Immer tiefer sinkt die Melancholie herab. Er kann es nicht ertragen, er ist tief eifersüchtig, wenn feine beiden Söhne Walther und Wolfgang den Großvater umjubeln. Immer Er! — E r! Alle fahen weinend den Niedergang: „Cs geht in ihm mehr unter, als man denkt!" — schrieb Caroline von Wolzogen. Und die Reise nach Italien, die man ihm zur Genesung verschrieb, die erste selbständige brachte ihm den Tod. An der Pyramide des Cestius ward er begraben.
Kosaken im Reich der Inkas.
Von E.v.Ungern-Sternberg.
Los Kosakos! Zweitausend Don- und Kubankosaken mit ihren Familien sind auf der Suche nach Glück im Hafen von Callao auf dem Dampfer „Horacio" in Peru im alten Lande der Inkas gelandet. Sie haben ihre Ansiedlungen in Südslawien, wohin das Nachkriegsfchicksal sie verschlagen hat, verlassen, haben sich über Marseille nach Cadix nach Südamerika eingeschisst und sind nun an ihrem Bestimmungsort eingetroffen.
Tausende von Peruanern hatten sich zu ihrem Empfange versammelt, Extrazüge standen für sie bereit und fast im Triumphe legten sie die 13 Kilometer zurück, die den Hafen von der Hauptstadt trennen. Dort ordneten sie sich in einen kriegerischen Zug, die Offiziere in ihren alten goldgeschmückten Uniformen, die Soldaten mit umgegürteten krummen Säbeln, Trompeter voran, zogen sie zum Prästdentenpalast, wo ihnen der Willkommensgruß der Regierung geboten werden sollte. Ueberall klang der Ruf aus der Menge, die Spalier gebildet hatte: Vivan los Kosakos!" Unter den Klängen der Peruanischen Hymne und unter den Fanfaren ihrer kriegerischen Märsche zogen sie in den Palast des Präsidenten ein, ordneten sich im großen Saale und wurden in warmen Worten vom Staatspräsidenten und von den Ministern willkommen geheißen. Ihr Führer, der frühere Kosakenoberst Korolewitsch, des Spanischen mächtig, hielt eine längere Ansprache, in der er das Gelöbnis ablegte, die Kosaken würden fortan dem Präsidenten und ihrem neuen Vaterlande ebenso treu bienen, wie sie einst dem Zaren gedient hatten. Gleichzeitig wurde der Präsident von Peru durch Ueberreichung einer goldgestickten Uniform um eines mit Silber ausgelegten Säbels zum „Ehrenkosaken" ernannt. Nachdem der Präsident für sich und feine Nachfolger die neue Würde angenommen und sich an die Spitze der Kosaken gestellt hatte, lieh es sich Lima angelegen fein, die Gäste aus dem fernen Norden königlich zu bewirten. Ein Fest folgte dem anderen, bis schließlich die Stunde schlug, wo die Kosaken an ihren Bestimmungsort nach La Montana, Mseus der Anden, beim Städtchen Avaeucho, Weiterreisen mußten, wo ihnen die Regierung 150 000 Hektar fruchtbares Land zur Ansiedlung nber- lasfen hatte und ihnen außerdem alles notwendige Ackergerät, Wohnung und für das erste Jahr für jeden Erwachsenen eine Unterstützung von einem Sol täglich zur Verfügung gestellt hatte.
So haben denn die Kosaken die Fahrt in eine ihnen vollkommen fremde Welt angetreten. Vor ihnen erheben sich die Porphyr- und Oiram- roänbe der Sierra als steiler zyklopischer Wall zu schwindelnden Hoye und sind auf dem Karst und auf den Gipfeln von ewigem Schnee veoea. Darüber, unterbrochen durch Tausende von Meter tiefe Abgründe stu schmale Maultierpfade und einige wenige Paßstraßen. Man verlaßt borgen unter dem Rauschen hochragender Palmen die Hauptstadt, w erstickt in tropischer Sonnenglut, taucht aber bald daraus in dein eilig Nebelmeer des Hochgebirges unter. Reisende mit schwachem Herzeni fen es nicht wagen, die Fahrt ohne Unterbrechung der Reste über höher als 5000 Meter gelegenen Paß zu unternehmen. Sie mutz« der Höhe von etwa 2500 Meter Station machen, um sich st" vie dünnte Lust zu gewöhnen. Dort auf den Schneefeldern der Sierra w
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