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Verantwortlich: Dr. Hans Thhriot. Druck und Verlag: Lrühl'fche Llnivrrs itäts-Duch- und Steindruckerei. Jt. Lange,

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es, so Gott will, auch bleibän, solange hier ein Haus steht, solange Kinder den Eltern folgen in Wegen und Gedanken."

Hier schwieg der Großvater, und lange schwiegen alle, und die einen sannen dem Gehörten nach, und die anderen meinten, er schöpfe Atem und fahre dann weiter fort.

Endlich sagte der ältere Götti:An dem Scheibentisch bin ich manch­mal gesessen und habe von dem Sterbet gehört, und daß nach demselben sämtliche Mannschaft in der Gemeinde daran Platz gehabt. Aber wie punktum alles zugegangen, das konnte mir niemand sagen. Die einen stürmten dies und andere anderes. Aber sage mir, wo hast du denn alles das vernommen?"

He", sagte der Großvater,das erbte sich bei uns vom Vater auf den Sohn, und als das Andenken davon bei den anderen Leuten im Tale sich verlor, hielt man es in der Familie sehr heimlich und scheute sich, etwas davon unter die Menschen zu lassen. Nur in der Familie redete man davon, damit kein Glied derselben vergesse, was ein Haus bauet und ein Haus zerstöret, was Segen bringt und Segen vertreibt. Du hörst es meiner Alten wohl noch an, wie ungern sie es hat, wenn man so öffentlich davon redet. Aber mich dünkt, es täte je länger je nöter, davon zu reden, wie weit man es mit Hochmut und Hoffart bringen kann. Darum tue ich auch nicht mehr so geheim mit der Sache, und es ist nicht das erstemal, daß ich unter guten Freunden sie erzählet. Ich denke immer, was unsere Familie so viele Jahre im Glück erhalten, das werde anderen auch nicht schaden, und recht sei es nicht, ein Geheimnis mit dem zu machen, was Glück und Gottes Segen bringt."

Du hast -recht, Vettermann", antwortete der Götti,aber fragen muß ich dich doch noch: war denn das Hans, welches du vor sieben Jahren einriffeft, das uralte? Ich kann das fast nicht glauben."

Nein", sagte der Großvater.Das uralte Haus war gar baufällig geworden schon vor fast dreihundert Jahren, und der Segen Gottes in Feldern und Matten hatte schon lange nicht mehr Platz darin. Und doch wollte es die Familie nicht verlassen, und ein neues bauen durfte sie nicht, sie hatte nicht vergessen, wie es dem früheren ergangen. So kam sie in große Verlegenheit und fragte endlich einen weisen Mann, der zu Hasle- bach gewohnt haben soll, um Rat. Der soll geantwortet haben: ein neues Haus könnten sie wohl bauen an die Stelle des alten und nicht anderswo, aber zwei Dinge müßten sie wohl bewahren, das alte Holz, worin bis Spinne fei, den alten Sinn, der ins alte Holz die Spinne geschloffen, dann werde der alte Segen auch im neuen Haufe sein.

Sie bauten das neue Haus und fügten ihm ein mit Gebet und Sorg­falt das alte Holz, und die Spinne rührte sich nicht, Sinn und Segen änderten sich nicht.

Aber auch das neue Haus ward wiederum alt und klein, wurmstichig und faul fein Holz, nur der Pfosten hier blieb fest und eisenhart. Mein Vater hätte schon bauen sollen, er konnte es erwehren, es kam an mich. Nach langem Zögern wagte ich es. Ich tat wie die Früheren, fügte bas alte Holz dem neuen Haufe bei, und die Spinne regte sich nicht. Aber gestehen will ich es: mein Lebtag betete ich nie so inbrünstig wie damals, als ich das verhängnisvolle Holz in Händen hatte; die Hand, der ganze Leib brannte mich, unwillkürlich mußte ich sehen, ob mir nicht schwarze Flecken wüchsen an der Hand und Leib, und ein Berg fiel mir von bet Seele, als endlich alles an feinem Orte stund. Da ward meine Heber« zeugung noch fester, daß weder ich noch meine Kinder und Kindeskinder etwas von der Spinne zu fürchten hätten, solange wir uns fürchten vor Gott."

Da schwieg der Großvater, und noch war der Schauer nicht verflogen, der ihnen den Rücken heraufgekrochen, als sie hörten, der Großvater hätte das Holz in Händen gehabt, und sie dachten, wie es ihnen wäre, wenn sie es auch darein nehmen müßten.

Endlich sagte der Vetter:Es ist nur schade, daß man nicht weiß, was an solchen Dingen wahr ist. Alles kann man glauben, und etwas muß doch an der Sache fein, sonst wäre das alte Holz nicht da."

Sei jetzt daran wahr, was wolle, so könne man viel daraus lernen, sagte der jüngere Götti, und dazu hätten sie noch kurze Zeit gehabt, es dünke ihn, er fei erst aus der Kirche gekommen.

Sie sollten nicht zu viel sagen, sagte die Großmutter, sonst fange ihr Alter ihnen eine neue Geschichte an, sie sollten jetzt auch einmal essen um) trinken, es fei ja eine Schande, wie niemand esse und trinke. Es solle doch nicht alles schlecht fein, sie hätten angewendet, so gut sie es ver­standen. .,,

Nun ward viel gegessen, viel getrunken und zwischendurch geroyJ manche verständige Rede, bis groß und golden am Himmel der Mono stund, die Sterne aus ihren Kammern traten, zu mahnen die Menschen, daß es Zeit sei, schlafen zu gehen in ihre Kämmerlein.

Die Menschen sahen die geheimnisvollen Mahner wohl, aber sie saßen da so heimelig, und jedem klopfte es unheimlich unterm Brusttuch, wenn er ans Heimgehen dachte, und wenn es schon keiner sagte, so wollte W keiner der erste sein.

Endlich stund die Gotte auf und schickte mit zitterndem Herzen M Weggehen sich an, doch es fehlte ihr an sicheren Begleitern nicht, und im' einander verließ die ganze Gesellscl)aft das gastliche Haus mit viele Dank und guten Wünschen, allen Bitten an einzelne, an die GesamM, doch noch länger zu bleiben, es werde ja nicht finster, zum Trotz. . ,

Bald war es still ums Haus, bald auch still in demselben. Fries) lag es da, rein und schön glänzte es in des Mondes Schein dast Sm e - lang, sorglich und freundlich barg es brave Leute in süßem Sshlumm - wie die schlummern, welche Gottesfurcht und gute Gewissen m tragen, welche nie die schwarze Spinne, sondern nur die freundliche »o aus dem Schlummer wecken wird. Denn wo solcher Sinn roobtiei, sich die Spinne nicht regen, weder bei Tage noch bei Nacht. Was >yr für eine Macht wird, wenn der Sinn ändert, das weiß der, »er weiß und jedem feine Kräfte zuteilt, den Spinnen wie den MenMif__

menschlicher Wille ward in ihm mächtig; einen Innigen Mick warf er auf seine Kinder, hüllte das neugeborene Kind in fein warm Gewand, sprang über das glotzende Weib den Berg hinunter das Tal entlang, Sumiswald zu. Zur heiligen Weihe wollte er das Kindlein selbften tragen, zur Sühne der Schuld, die auf ihm lag, dem Haupte seines Hauses, das übrige Überlieh er Gott. Tote hemmten seinen Lauf, vorsichtig mußte er seine Tritte setzen. Da ereilte ihn ein leichter Fuß, es war das arme Bübchen, dem es graute bei dem wilden Weibe, das ein kindlicher Trieb dem Meister nachgetrieben. Wie Stacheln fuhr es durch Christens Herz, daß feine Kinder alleine bei dem wütenden Weide feien. Aber fein Fuß stund nicht stille, strebte dem heiligen Ziele zu.

Schon war er unten am Kirchstalden, hatte die Kapelle im Auge, oa glühte es plötzlich vor ihm mitten im Wege, es regte sich im Busche, im Wege sah die Spinne, im Busche wankte rot ein Federbusch, und hoch hob sich die Spinne als wie zum Sprunge. Da rief Christen mit lauter Stimme zum dreieinigen Gott, und aus dem Busche tönte ein wilder Schrei, es schwand die rote Feder, in des Bübchens Arme legte er das Kind und griff, dem Herren feinen Geist empfehlend, mit starker Hand die Spinne, die wie gebannt durch die heilige Worte am gleichen Flecke sitzen blieb. Glut strömte durch fein Gebein, aber er hielt fest; der Weg war frei, und das Bübchen, verständigen Sinnes, eilte dem Priester zu mit dem Kinde. Christen aber, Feuer in der starken Hand, eilte geflügel­ten Laufes feinem Haufe zu. Schrecklich war der Brand in feiner Hand, der Spinne Gift drang durch alle Glieder. Zu Glut ward fein Blut. Die Kraft wollte erstarren, der Atem stocken, aber er betete fort und fort, hielt Gott fest vor Augen, hielt aus in der Hölle Glut. Schon sah er fein Haus, mit dem Schmerz wuchs sein Hoffen, unter der Tür war das Weid. Ms dasselbe ihn kommen sah ohne Kind, stürzte es sich ihm ent­gegen, einer Tigerin gleich, der man die Jungen geraubt, es glaubte an den schändlichen Verrat. Es achtete sich seines Winkens nicht, hörte nicht die Worte aus seiner keuchenden Brust, stürzte in seine vorgestreckten Hände, klammerte an sie sich an, in Todesangst mußte er die Wütende schleppen zum Hause herein, muß frei die Arme kämpfen, ehe es ihm gelingt, ins alte Loch die Spinne zu drängen, mit sterbenden Händen den Zapfen vorzuschlagen. Er vermags mit Gottes Hilfe. Den sterbenden Blick wirft er auf die Kinder, hold lächeln sie im Schlafe. Da wird es ihm leicht, eine höhere Hand schien seine Glut zu löschen, und laut betend schließt er zum Tode seine Augen, und Frieden und Freude fanden die auf seinem Gesichte, die vorsichtig und angstvoll kamen, zu schaiien, wo das Weib geblieben. Erstaunt sahen sie das Loch verschlagen, aber das Weib fanden sie versengt und verzerrt im Tode liegen; an Christens Hand hatte sie den feurigen Tod geholt. Noch ftanden sie und wußten nicht, was geschehen war, als mit dem Kinde das Bübchen wiederkehrte, vom Priester begleitet, der das Kind schnell getauft nach damaliger Sitte und wohlgerüstet und mutvoll dem gleichen Kampfe entgegengehen wollte, in dem fein Vorgänger siegreich das Leben gelassen. Aber ein solch Opfer forderte.Gott nicht von ihm, den Kampf hatte schon ein anderer bestanden.

Lange faßten die Leute nicht, welch große Tat Christen vollbrachte. Ms ihnen endlich Glaube und Erkenntnis kam, da beteten sie freudig mit dem Priester, dankten Gott für das neu geschenkte Leben und für die Kraft, die er Christen gegeben. Diesem aber baten sie im Tode noch ihr Unrecht ab und beschlossen, mit hohen Ehren ihn zu begraben, und sein Andenken stellte sich glorreich wie das eines Heiligen in aller Seelen.

Sie wußten nicht, wie ihnen war, als der so schreckliche Schreck, der fort und fort durch ihre Glieder zitterte, auf einmal geschwunden war, und sie mit Freuden wieder in den blauen Himmel hinaussehen konnten, ohne Angst die Spinne krieche unterdessen auf ihre Füße. Sie beschlossen viele Messen und einen allgemeinen Kirchgang; vor allem wollten sie die beiden Leichen bestatten, Christen und seine Drängerin, dann sollten auch die anderen eine Stätte finden, soweit es möglich war.

Es war ein feierlicher Tag, als das ganze Tal zur Kirche wanderte, und auch in manchem Herzen war es feierlich, manche Sünde ward erkannt, manch Gelübde ward getan, und von dem Tage an wurde viel übertriebenes Wesen auf den Gesichtern und in den Kleidern nicht mehr gesehen.

21(5 in der Kirche und auf dem Kirchhose viele Tränen geflossen, viele Äsbete geschehen waren, gingen alle aus der ganzen Talschaft, welche zum Begräbnis gekommen waren und gekommen waren alle, die ihrer Glieder mächtig waren zum üblichen Imbiß ins Wirtshaus. Da geschah es nun, daß Weiber und Kinder an einem eichenen Tische saßen, die sämtlich erwachsene Mannschaft aber Platz hatte an dem berühmten Scheibentische, der jetzt noch im Bären zu Sumiswald zu sehen ist. Er ward aufbewahret zum Andenken, daß einst nur noch zwei Dutzend Männer waren, wo jetzt an zwei Tausende wohnen, zum Andenken, daß auch das Leben der Zweitausende in der Hand dessen stehe, der die zwei Dutzend gerettet. Damals säumte man sich nicht lange an der Gräbt; es waren die Herzen zu voll, als daß viel Speise und Trank Platz gehabt hatte. Als sie aus dem Dorfe hervor auf die freie Höhe tarnen, sahen sie eine Röte am Himmel, und als sie heimkamen, fanden sie das neue Hans niedergebrannt bis auf den Boden; wie es zugegangen, erfuhr man nie.

Aber was Christen an ihnen getan, vergaßen die Leute nicht, an feinen Kindern vergalten sie es. Fromm und wacker erzogen sie dieselben in den frömmsten Häusem; an ihrem Gute vergriff sich keine Hand, obgleich keine Rechnung zu sehen war. Es wurde gemehret und wohl besorgt, und als die Kinder aufgewachsen waren, so waren sie nicht nur nicht um ihr Gut betrogen, sondern noch viel weniger um ihre Seelen. Es wurden rechtschaffene, gottesfürchtige Menschen, die Gnade bei Gott hatten und Wohlgefallen bei den Menschen, die Segen im Leben fanden und im Himmel noch mehr. Und so blieb es in der Familie, und man fürchtete die Spinne nicht, denn man fürchtete Gott, und wie es gewesen war, so soll