sein.
(Aut. Übersetzung aus dem Russischen.)
setzt hatte, schon ganz jährlich zu
Rat.
von I. W. ».Goethe.
Willst du dir ein hübsch Leben zimmern, mußt ums Vergangene dich nicht bekümmern, und wäre dir auch was verloren.
Mußt immer tun wie neugeboren; was jeder Tag will, sollst du fragen, was jeder Tag will, wird er sagen: mußt dich an eignem Tun ergetzen, was andre tun, das wirst du schätzen; besonders keinen Menschen hassen und das übrige Gott überlassen.
Theaterkrisen in alter Zeit.
Von Dr. Hedwig Fischmann.
friere schon beinahe!" . ... , . , „
Klim, dem allmählich das Bewußtsein aufgedammert war, daß er es mit keinem Räuber zu tun hatte, kroch aus dem Gebüsch heraus und näherte sich langsam und noch immer ängstlich dem Kommissar
.Warum bist du denn so erschrocken, du Narr, du. Ich hab« I« nur gescherzt, und du hast dich gleich so gefürchtet! Also vorwärts, fahren
Gott mit Euch", murmelte Klim, aus den Wagen kletternd. „Halte ich das gewußt, nicht um hundert Rubel hätte ich Euch fahren wollen. Noch jetzt spür' ich die Angst in allen Knochen."
Klim versetzte dem Goul einen Peitschenhieb; der Wagen erzitterte. Klim gab ihm einen zweiten Schlag: der Wagen begann zu schwanken. Als sich der Wagen nach dem vierten Schlag endlich in Bewegung ge- - - verkroch sich der Kommissär in seinen Pelzkragen und war
beruhigt Der Weg und Klim schienen ihm nicht mehr so ge-
„Klim!" antwortete das Echo. .. .. . . » ,. ,
Da ließ er die Hände fallen und krackte vor Angst wie em Taschen- messer zusammen. Es eröffnete fich ihm die furchbare Perspektive, die ganze Nacht mutterseelenallein im Walde verbringen zu müssen.
„Klim, lieber Klim, wo bist du?" flehte er. . . , <
Endlich, nach einer Viertelstunde vielleicht, horte er ein schwache^ Stöhnen.
5^Tim bift bu’s?"
Wirst — du — mich erschlagen?" klang es aus dem Dickicht zurück ''Aber, ich habe ja nur gescherzt. Ich habe ja keinen Revolver bei mir. Um Gottes willen, so komm doch wieder und fahr weiter, denn ich er-
Unheimlich, beängstigend für jeden, der sich den Glauben an die Kunstmission der Bühne bewahrt hat, ist das Knistern tm Gebalk der Theater, das jetzt hier, jetzt dort, an der Spree wie an der Donau M Schlesien wie in Deutschlands Westen, verhängnisvoll laut wird. Das Gespenst der Theaterkrise geht um. Immer liegt es aus der Lauer in der mit tausend unberechenbaren Spannungen geladenen Atmosphäre dieser eltsamen Sonderwelt — urplötzlich springt es aus und zerreißt mit jähem Griff die sorgsam geknüpften Fäden einer oft mühevollen, oft fegens» reichen Entwicklungsreihe. Sein schleichender schritt geht durch die Jahr»
fchrieb^sÄhr^des Heils 1685, als der Kurfürst Johann Georg III. in Dresden das erst« Hoftheater begründete und dadurch dem tatkräftigen und nach neuen Taten begierigen Magister B e I t e n mit seiner „berühmten Bande" eine Stätte scheinbar gesicherter Entwicklungsmöglichkeiten bot. Hier glaubte der Magister, den Boden gesunden zu haben, um die in der Improvisation der Wanderzuge verwilderte Schauspielkunst emporzubilden zur Hingabe an das regelmäßige Stuck. Aber das Verhängnis, das in der engen Verknüpfung der Buhne mit dem Geschick und den persönlichen Wünschen eines Hofes schlummert, die wesensfremde Verguickung von Beamtentum und künstlerischem Schaffen sollte schon dieser erste „Hostheaterdirektor" wie nach ihm so mancher erfahren; um so empfindlicher in einer Zeit, da noch ein Hofkomodiant mit dem Rang und Gehalt eines Hofbedienten angestellt wurde, um dann stufenweise zum Rangverhältnis eines Kammerlakaien und Kammerbedienten aufzurücken. Damals hielt man es auch für das gute Recht eines Hofes, im Falle einer eintretenden, lange währenden Hoftrauer die Komödianten, deren Dienste man nun nicht in Anspruch nehmen konnte, brotlos zu machen, und der Magister Velten mußte es sich als besondere Gunst vom Kursürften erbitten, diese Zeit unfreiwilligen Feierns zu Wanderfahrten mit feiner Truppe benützen zu dürfen. Und als nach kurzen Jahren der Verwurzelung in Dresden und den verheißungsvollen Ansätzen einer Höherentwicklung der Schauspielkunst der Kurfürst starb und sein Nachfolger nicht die gleichen künstlerischen Interessen teilte, da stürzte der ganze emporstrebende Bau mit einem Schlage zusammen. Velten und seine heimatlos gewordene Schauspieler- fchar muhten nun wiederum zum Wanderstab greifen und den Kampf mit Gauklerbanden um die Gunst des Publikums aufnehmen.
War der Magister Velten durch das verhängnisvolle Eingreifen einer äußeren Gewalt in fein Lebensschicksal aus seinen Resormplänen herausgerissen worden, so scheiterte die Neuberin und ihr Wirken an dem aussichtslosen Ringen der Einen gegen die Masse. Ihr Schicksal war das typische so manchen Bühnenleiters, der einer widerstrebenden Zeit den Weg zu Höherem weisen, einer neuen Kunstepoche den Boden bereiten will. „Die Urheberin des guten Geschmacks auf der deutschen Buhne", die den Harlekin und in ihm das Sinnbild der rohen Stegreifkomödie von der Szene verbannen wollte, wurde von dem Publikum, dem sie sein buntes Spielzeug genommen hatte, im Stich gelassen. Mit ihrem
einstigen grohmächtigen Gönner Gottsched in bitterer Feindschaft zerfallen, von der nebst Leipzig bedeutsamsten Stätte ihres Wirkens, aus Hamburg für immer verwiesen, weil die leidenschaftliche Frau die verständnislose Bewohnerschaft in einem Epilog scharf verhöhnt hatte, mutzte sie den vollkommenen Zerfall ihrer Truppe, ja sogar ihr eigenes Scheitern als Schauspielerin erleben, während der neue Tag der deutschen Buhnenkunst, den sie selbst hatte heraufführen helfen, langsam emporstieg.
Unter den Stücken, denen die Neuberin den Weg auf die Bühne eröjf= net hatte, war auch „Der junge Gelehrte" des damals 18jährigen Stu- denten Lessing, dessen Name später mit einer andern epochemachenden Theatergründung und beklagenswerten Bühnenkrise verknüpft war, mit dem ersten deutschen Nationaltheater in Hamburg. Aus der immer fester im Bewußtsein aller Theaterkundigen Wurzel schlagenden Einsicht, daß das Gedeihen der dramatischen Kunst nur durch die Stabillwt einer ständigen Bühne gewährleistet werden konnte, war diese Gründung entstanden. Daß dieser schöne Traum schon nach 21- Jahren wieder ms Nichts zerflatterte, roar wie bei fast allen Theaterkrifen durch eine Vielheit zu ammenwirkcnder widriger Umstände veranlaßt. Em großer Teil aber der Schuld an dem Zusammenbruch lag darin, daß die „Entrepreneure" nicht voni Bau, sondern Kaufleute, wenn auch von den edelsten, gemeinnützigen Absichten beseelt, waren und der eigentliche künstlerische Direktor, der Schriftsteller Löwen, sich feiner Aufgabe keineswegs gewachsen zeigte. Dazu kam noch, daß auch das Publikum, dem man seinen stärksten Theatermagnet, Ballett und Pantomime, genommen hatte, uni ihm als es zu spät war, ihn widerwillig von neuem zuzubilligen, dem Unternehmen die Gefolgschaft verweigerte, und zwar um so energischer, als auch von der Kanzel herab der Kamps gegen den alten Feind, das Theater, entbrannt war. Vom Publikum gemieden — dessen Teilnahmslosigkeit Lessing in seiner „Hamburgischen Dramaturgie nut den schärfsten Geißelhieben gezüchtigt hat — zog als em ständiger Gast d.r Todesbote so vieler, einst hoffnungsfroh begonnener ^heaterunterneh- munqen dort ein: die Geldnot. Klingen nicht die Worte, nut denen Eduard Devrient jene Tage schildert, wie aus den herbsten Bühnenerfahrungen von gestern oder heute geboren: „Die Kasse mar oft von ungestümen Gläubigern umgeben, und die Gehalter der Schauspieler mutzten von der Abendeinnahme gedeckt werden. Und um die vollständige Kapitulation vor der dumpf niederziehenden Gewalt der Masse zu besiegeln, schloß das Theater mit einem Matrosenballett seine Pforten. So endete eine Bühne, der eine Künstlergemeinschaft von seltenem Aange allen voran der von heiligstem Eifer für das Wert entflammte E k h o f, ihre Kräfte geweiht hatte.
Wie lächerlich — wenn seine Auswirkung nicht so tragisch wäre — das Mißverhältnis zwischen dem eine Theaterkrise hervorbringenden Anlaß und der durch sie zerrissenen Entwicklungsreche sein kann das geht mit eindringlichster Ucberzeugungskraft aus dem allgemein bekannten Sturze des Bühnenleiters Goethe durch einen Hund hervor, "ew'tz, das Auftreten des „Hundes des Aubry auf dem Weimarer Theate^ das der Herzog befohlen, Goethe aber als unvereinbar mit der Wurde des Hauses nicht hatte dulden wollen, war nur das letzte Glied, einer Kette von Theaterkabalen; und ebenso zweifellos ist es, daß, dieft JRe- beUion niemals so weit angewachsen wäre, wenn sich nicht ve, Goelye selbst eine starke Theatermüdigkeit, diese häufige Berusskrnnkheitlang- iäbriaer Bühnenleiter, geltend gemacht und ihn bewogen hatte, die Zügel immer mehr in andere Hände gleiten zu lassen. Doch mögen. auch die Gründe dieser Theaterkatastrophe sicher tiefer gelegen haben, als es auf ^n ersten Blick scheint - die Tatsache bleibt bestehen, daß sie die be- chämendste in der deutschen Theatergeschichte gewesen, da >hre Akteure Goeth» und ein dressierter Pudel waren und der Vierfüßler als s g- reicher Vertreter billiger Vergnügungsinstinkte triumphierend aus der ! Szene zurückblieb.
Nicht wie Goethe durch Jntriguen, die ja von jeher üppig ^mischen den Kulissen emporschießen, sondern durch die schleichende Krankheit s viAer^Bühiwn^'auch^ in unseren Tagen, du ich das Mißverhältnis 3* den notwendigen Ausgaben und den zur ^"f"^jjNdÄ^ns^Leben erlitt die von Immer mann für kurze Zeck >n Düsseldorf ms Teven nerufene Musterbühne Schiffbruch, em Unternehmen, „das „ bestimmt I schien in die Reihe der rheinischen Kulturanstalten einzutreten . Hervor- ge wachsen aus dem Versuch eines leidenschaftlichen Theaterliebhabers, bet dramatischen Kunst zu der gleich hohen Werftcljätzung in Düsseldorf z verhelfen die die bildenden Künste damals dort genossen, getragen v dem reinen Idealismus eines Leiters, der seine lunstische Laufbahn m b Kchanz« geschlagen unterstützt von der lugendlich-gemalen Kraft <tA>x Nndelssohn,' vermochte dieses kunstsrohe Unternehmen, das du aeickäftliche Gestalt eines Aktionär-Theaters trug, doch nicht, der Ungunf der äiihefen Verhältnisse dauernd Widerstand zu leisten. W,e gering auch h sitnfmnnb an Mitteln gemessen an den erreichten Leistungen, gc-
^Meldorf m jung noch als Kunststadt, war nicht der Baden, eine solche Schöpfung zu tragen. Und unter den 36 Fürsten Deutschlan - and sch wie Jmmermann bitter klagt«, nutzt einer, „ber em gan komplett eingerichtetes Theater mit klassischem Repertoire und emer schon feststehenden Tradition und Regel mit geringen Kosten sich “taufen mochte! Und doch stiften sie überall schlechte chofbuhnen für bW«3 @Ct'Jlun Hofbühnen, die ja zweifellos trotz der bösen Worte des verbitterten Jmmermann ihr unvergängliches Verdienst um die Entwickl e der deiltschen Schauspielkunst besessen haben, — es feinur an bte ar Zeit des Wiener Burgtheaters erinnert, wo freilich auch so bedeuts Direktionsepochen wie die von Schreyvogel oder Laube $ jt Zusammenprall von Beamtenweisheit und künstlerischer Erfahrung > jähem Mißklang endeten — werden heute nicht mehr gegründet. Denn ) sind die Klippen, an denen ein Theaterschiff scheitert, nicht gor g Zahl und Gefährlichkeit geworden, es sind vielmehr gar manche, w hartnäckige Wettbewerb von Film und Tonfilm, die gesteigerten Wunchtz der Prominenten, die erhöhten Ansprüche einer mehr !“stot>o - . kunstfreudigen Epoche, neu emporgetaucht aus dem Ozean der Veir. |


