Ausgabe 
26.9.1930
 
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mich wenigstens fühlen, dich bei mir geborgen wissen. Schließlich kam es soweit, dich du dich hinter mich aus den Schreibtischstuhl klemmtest. Das war nicht gerade bequem für mich, aber ich litt es aus Mitleid.

Wie kannst du das nur aushalten", spottete meine Frau.

Schließlich ging es wirklich nicht mehr. Da sah ich ein, es mußt« geschehen. Ich werde den Tag nie vergessen.

Ganz brav, wenn auch mit gesenkten! Köpfchen, gingst du an^ deiner Leine neben mir her, eine lange Straße hinunter; dein letzter Spazier­gang. Gut, daß du es nicht ahntest! Ich trug ein Kästchen im Arm deinen Sarg. Ich konnte die Tränen kaum bezwingen; noch heute treten sie mir wieder in die Augen. Endlich langten wir an. Unten im Hause war ein Schlächterladen; ich suhlte mich selbst wie ein Schlächter. Die Haustür, eine schwarze Eisentür wie bei einem Grabgewölbe, war geschlossen. Ich war nahe daran, wieder umzukehren.

Da ging die Tier auf. Der Tierarzt in seinem weißen Kittel erkannte mich sofort wieder.

Diesmal muß es fein", würgte ich heraus und legte dich auf den Operationstisch.

Der Tierarzt streichelte dein schwarzes, glänzendes Haarkleid, schüttelte den Kopf, wollte mein Gründe nicht gelten lassen. Gibt es etwas Gräß­licheres, als um den Tod eines geliebten Wesens, und sei es ein Hund, mit Gründen zu streiten?

Ich kann ihn nicht mehr zurückbringen", stieß ich hervor.Es geht nicht mehr. Eine Etagenwohnung, vier Stock hoch." Und ich wiederholte die mir eingetrichterten Worte:

Das Tier ist sich selbst ebenso zur Qual wie den Menschen."

Der Tierarzt sah, daß ich festblieb.

Nun ja", sagte er,die Menschen gehen schließlich vor."

Wollen Sie eine Einspritzung machen?"

Nicht doch, das ist Tierquälerei, Erstickungstod. Ich brauche nur Chloroform."

Er nahm ein Fläschchen von einem Ständer, legte Watte auf dein Näschen, umwickelte dein blindes Gesichtchen mit einer Mullbinde. Du littest es ruhig wie ein Opferlamm.

Bei den ersten berauschenden Tropfen wurdest du lebendig. Er mußte dich festhalten. Der Rausch steigerte sich schnell. Plötzlich kläfftest du laut, wie wenn du im Traum eine imaginäre Beute verfolgtest. Du zucktest immer heftiger mit den Beinen.

Leidet er nicht?" fragte ich bang.Sonst ..."

Nein, er ist schon betäubt."

Da sankst du hin, schliefst ein, um nicht mehr zu erwachen.

Ich stieß ein paar wirre Worte hervor, die eine Tränenflut jäh erstickte. Alles weitere tat ich wie im Dämmerzustand, als hätte ich selbst Chloro­form eingesogen. Erst zu Hause kam ich zu mir.

Bekannte hatten vor der Stadt eine Villa mit Garten. Ich fuhr hinaus mit deiner kleinen Last, die ich so oft auf den Armen getragen, grub dir selbst ein Grab in einem Winkel am Zaun. Auf das kleine Grab pflanzte ich drei Rosenstöckchen. Sie blühen jetzt im Sonnenschein, von Vögeln umzwitschert.

Musik und Magie.

Von Professor Dr. Curt Sachs.

Curt Sachs ist einer der besten Kenner der Musik der Primitiven, deren Erforschung und Ausdeutung in vielen Fällen den Schlüssel zum Verständnis unserer eigenen Musik liefert. Das finden unsere Leser bestätigt in des Verfassers soeben erschienenerVergleichenden Musikwissenschaft" (Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. Kart. 2,80 Mark, Leinen­band 3,60 Mark), der wir den nachstehenden Abschnitt ent­nehmen.

Der Mensch sieht sich umgeben von tausend Wirkungen, deren Ursache er nicht kennt; tausend Schicksalen ist er ausgeliefert, deren Grund und Herkunft ihm verborgen sind. Geburt und Tod, Zeugung und Fruchtbar­keit, Wachstum und Dürre, Regen und Trockenheit, Sonnenglanz, Däm­merung und Nacht, Wind, Blitz und Donner wer macht sie, wer schickt sie? Aber noch wichtiger: Wie das Unwillkommene wenden, Unfruchtbar­keit, Siechtum und Tod fernhalten, Gesundheit, Nachkommenschaft und reichliche Ernte sichern? Und die Antwort lautet keineswegs im Sinne der Verständigkeit: durch Hygiene, angemessene Ernährung und unermüd­liche Arbeit, sondern: durch Rufen, Versöhnen oder Bannen derjenigen Mächte, die der Ueberlieferung nach in der Lage sind, schicksalgestaltend dem Menschen gegenüberzutreten.

Dieser dauernde Abwehrkampf gegen Naturkräste, denen man, wie fast selbstverständlich, die seelischen Eigenschaften der Menschen und Tiere beilegte, nimmt schon auf mäßiger Zivilisationsstufe feste Formen an. Auf der ganzen Erde sehen sie sich ähnlich; in kalten Gegenden Zauber­riten zum Herbeirufen der Sonne, in den heißen umgekehrt Regenzauber, Zauber zum Wiederzunehmen des Mondes, zum Beschwören von Krank­heiten, zur Abwehr des Todes und wenn er dennoch eingetreten ist »ur Förderung der Wiedergeburt und zur Unschädlichmachung des Toten­geistes.

Schon in sehr frühen Kulturen übt ein besonders Fähiger beruflich die Kunst aus, vorübergehend das Menschliche abzustrcifen und in rausch- «rtiger Erhebung Geisterkraft zu erlangen und zu betätigen. Ihm, dem Medizinmann, Zauberdoktor oder Schamanen, liegt es vor allem ob, durch magische Handlungen in der Ekstase die Krankheitsdämonen zu ver­scheuchen. Hauptmittel dazu sind Tanz, Schall der Kürbisrassel und rhyth­misch begleitetes Singen. Stundenlang tanzt und singt der Schamane seine Zaubersprüche, bis ihn sie Erschöpfung einzuhalten zwingt.

Bei all diesen Medizinmanngesängen, so verschieden sie im Stil sein mögen, ob knapp oder weit ausschwingend, ist die fast eigensinnige, be­sessene Rückkehr auf einen bestimmten Ton bemerkenswert.

Daß in diesen magischen Kulten der Schall eine besondere, unver­gleichliche Rolle erlangt, ist die Folge seiner physiologischen Wirkungen.

Die Heraushebung aus dem Stande ruhigen Alltagslebens, die Steige­rung ins Außermenschliche, Geisthafte, von der schon die Rede war, ver­bindet sich dem natürlichen Schluß, daß die Dämonen, die es zu scheuchen und zu rufen gilt, dem bannenden Zauber des Tones und der Melodie ebenso wehrlos erliegen, wie der Mensch. Krankheit und Tod, Sonne und Regen, Fruchtbarkeit des Leibes und der Erde müssen der Kraft des Klangs gehorchen.

Daher stehen Sang und Spiel ebenso wie der Tanz fast ganz im Dienste dieser Zauberhandlungen.

Eine bevorzugte Stellung haben sie bei der Totenfeier.

Das ursprüngliche Gefühl, mit dem der Mensch auf den Tod blickt, ist nicht Trauer, auch nicht feierliche Ergriffenheit. Grauen im Angesicht des Unfaßlichen, Entsetzen vor dem unbegreiflichen Wandel, der sich voll­zieht, Furcht vor dem eigenen Schicksal das ist es, was den Primitiven an der Leiche eines Angehörigen befällt.

Die Abwehrmaßnahmen richten sich auf zwei Ziele: den Toten un­schädlich zu machen, der als denkendes, handelndes, wirkendes Wesen zu bestehen nicht plötzlich aufgehört haben kann, von dem man aber, da er sich nicht mehr bewegt, Böses fürchtet, wie von allem Unstimmigen und Unnatürlichen; zweitens, dem Toten, wie man es sich selbst wünscht, zur Wiedergeburt zu verhelsen, vielleicht auch nur, gerade in der gefährlichen Gegenwart des Todes, das Leben als solches zu schützen und zu fördern.

Die Welt der Musikinstrumente bietet eine Fülle verschiedenen Schal­les, der diesen Zwecken günstig erscheint. Das Wirbeln der Schwirrhölzer, das Kreischen geschrapter Kerbstöcke, das Knattern geschwungener Kürbis­rasseln, das Pfeifen der kleinen Knochenflöten, das dunkle Brüllen der Holztuben und der Schneckentrompeten, dumpfes Trommeln begleiten den Tod vom Augenblick des Sterbens bis zum letzten Akt der Bestat­tungsriten.

Das Großartigste und Ergreifendste an Totengesängen haben die Indianer geschaffen. Der Gefühlsinhalt fremdländischer Melodien öffnet sich uns freilich nie. Aber es gibt Fälle, in denen uns Naturvolk­melodien ganz unmittelbar menschlich berühren. Zu ihnen gehört der Totengesang mexikanischer Pueblo-Indianer. Die heftigen, synkopierten Akzente mit dem Absinken auf das dumpf gemurmelte cis und dann zweimal der wilddämonische, ganz elementare Aufschrei zum hohen e" das packt auch uns. Wir erschauern unter der Gewalt dieses urtümlichen Pathos, eines Pathos im eigentlichen Sinne des Wortes, dem alles Gestellte, alles Theatralische fehlt. Hier, im letzten Mysterium des Men­schenlebens, fühlen wir uns eins mit den ungebändigten Kindern der Steppe. Ja, hier müssen wir einmal bekennen, um wieviel blasser und seelenloser die zivilisierten Trauermärsche und Trauerchöre unserer hoch­entwickelten Europäermusik sind als diese Jndianerweise, in der wahr­scheinlich nichts von Trauer in unserm Sinne lebt.

Den breitesten Raum gewinnt die musikalische Feier da, wo Völker von schweifender Lebensweise, vom urwüchsigen Aufsammeln der Natm- erzeugnisse, von Fischfang und Jagd zur geordneten Bestellung des Bodens, zum Fruchtanbau, zu Aussaat und Ernte übergehen. Denn zwischen Saat und Ernte ist der Mensch machtlos. Das Leben des ein­zelnen und der Gesamtheit hängt jetzt ab von der mystischen Wandlung des Kornes in Frucht, vom Erscheinen der wärmenden Sonne und des befruchtenden Regens.

Für Wind und Regen haben die Naturmenschen ein sehr einfaches Mittel gefunden. Schon die Altsteinzeit kennt es. Der Regenmacher bindet an eine Schnur ein kleines, Fruchtbarkeit wirkendes Brettchen und wirbelt es saufend über dem Kopf. Je nach der Größe und Schnelligkeit pfeift es wie die oder heult und donnert wie der Sturm; der Wind und mit ihm der ersehnte Regen, durch das verwandte Geräusch an­gelockt und herbeigezwungen, sie müssen kommen und der Pflanzung helfen. Und wie in der Steinzeit, so noch heute bei den Naturvölkern aller Erdteile und in Schottland. Gesungener Zauberspruch tut ein übriges. Einer großen Komposition des Meisters Orlando di Lasso im sechzehnten Jahrhundert schrieben die Zeitgenossen die gleiche Kraft zu, und die Regen-Bittprozession, die in katholischen Gegenden der Priester über die Felder führt, ist ein Rest des alten Brauches.

Jüngere Kulturen halten sich bei der Feldbestellung vielfach an die Kraft der großen Meerschnecke; in Indien muß, ganz wie bei unserer Regenprozession, der Priester Saat und Ernte mit der Schneckentrompete bcblasen. Denn da sie aus dem Wasser kommt, muß auch ihr Schall Wasser herbeizichen. Umgekehrt werden diese mächtigen Tritonsschnecken noch heutigen Tages im badischen Kinzigtale und im Böhmerwald ge­blasen, um ganz homöopathisch Unwetter zu bannen. Der Znlu- zauberer macht das mit einer windmäßig pfeifenden Knochenflöte. Wenn Gewitter droht, besteigt er einen Hügel, bläst in die Pfeife und schrem Du Himmel, geh fort, ich habe nichts gegen dich, ich bekämpfe dich nicht! Immer und überall kehrt der Gedanke wieder, mit Lärm gegen Unwetter vorzugehen. Die Schneckentrompete ist in Europa meist der Kirchenglocke gewichen. .Fulgura frango', steht auf der Schaffhauser Glocke, die Schil­ler besungen hat;Blitze brech ich!" Im unteren Jnntal springen zu Georgi die Knaben mit Glocken und unter vielem Lärmen über die Felder, um das Gras auszuläuten. Der Bauer bewirtet sie: denn wohin die Grasausläuter kommen, da gibt es gutes Wachstum. , .

Nirgends sind diese Gebräuche so fein und reif durchgebildet wie bei den Malaien im Südosten der asiatischen Welt. Denn hier tritt hohe musi­kalische Veranlagung mit einer unvergleichlichen Bedeutung der Reisernte für das Leben einer ganzen Raffe zusammen. Schon die alten Mexikaner hatten den Priestern der Wasser-, Erd- und Maisgottheiten lange Stove in die Hand gegeben, in deren hohlen Knäufen Kügelchen raffelten. W gestampft wirkten sie doppelt: die eingefchlosfenen Rasselkügelchen zau­berten den Samen im Schoße vor, und das rhythmische Aufstampsen übertrug den Keimzauber auf die Mutter Erde. Ganz entsprechend Haven die Malaien Stäbe mit Kvrnerfüllung; bei der Reisaussaat Säemänner mit feierlich-ernsten Tanzschritten vor und stechen mit oe Stäben, deren Füllung leitermäßig abgestimmt ist, die Saatlöcher in oe Boden; die Weiber folgen und werfen den Reis ein. Steht die 6rn bevor, so wird in festgesetzter Weise auf ausgehöhlte Holzblöcke gesaM

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