Ausgabe 
26.9.1930
 
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Jahrgang MO

Freitag,-en 26. September

Nummer

Deines Leibes

GietzenerKmiilienbläüer

Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

Lillys Tob.

Eine Hundegeschichte.

Von Friedrich von Oppeln-Bro nikowski.

schrien Ä,nb erf »W finde ich den Mut, dies zu

- Ad .-Wunde so weit vernarbt, daß ihre Berührung nur leicht torpn" hKr^mmrar-tT beine kleinen Füße über das Parket das Gesauchze hinter der Haustür, wenn ich heimkebrte

'"E" Schritt schon längst auf der Treppe gchürt hMest Du Mn etnlS freui>[°5 gewordenen Haushalts, der nur noch

Krankheit erfüllt war. Und wie gut verstanden kn ober «2 nur Uebe--Hebung, deinesgleichen Verstand abzustrei-

ob"r ^ful ) x Sprache und das Mitteilungsvermögen! Wie lachte Söröe^nnr VU?'n--6 Umn'e ,t1)man':,.(i,en' roie wackelte der ganze kleine lprack nnh w,e klug spitztest du die Ohren, wenn ich mit dir

Dtnn'bu °lebiUrf5a° Egtest du sie an, wenn dir etwas mißfiel,

du mit der Köchin statt mit mir oder mit meiner Frau auegehen LS tofecb^n frummer Lücken und dein Armsündergesicht von beiriXi^i Lüsten Gewissen, wenn du mal etwas ausqefressen hattest Wie ÄnnÄ bU ba5 ??kchen ab oder verkrochst U in eine duEe ÄX ? S1"9'1" lQ9te:Ich kann dich nicht mitnehmen!" Und

V t Rol enschlagen, wenn ich sagte:Spazierengehen!"

War sns ?ut.G-eh Körbchen!" Das befolgtest du sofort.

Lr A 'rS. U,'ib sagte zu dir:Paß auf! Heute kommt

Taa nn, k £ber! ' J° haktest du keine Ruhe inehr, lagst den ganzen dir^auck schlugst beim geringsten Geräusch an. Was man

Augen kLlitz des Verstehens in deinen schwarzen

ouf9b?e npr^x6"" ""Hk nur auf deinen Namen, sondern auch

P«or atonnu mp*Fn r,tOnrf,rSn Kosenamen, die ich dir beilegte und die alle eine oon " n . nllt ben fahren vermehrten und schließlich

auf ^' ^^ kanei bildeten. Saßen wir beim Frllhstückstisch und du lagst Äs 6aS'" Sonne so brauchte ich nur ganz leise zu flüstern: solche sR,nrf f Püppchen - so warst du schon da. Freilich aßest du DerqruMt fu" blt pflegtest nicht zu frühstücken, aber du

Kopfes L t e wit Scharren und mit seltsamen Schiebebewegungen des wieder hr,,^n K'ssen, die auf deinem Stuhl lagen, um sie erst zum Vesper zu fi<(egb c f °^tne ( ^"grubst du dir auch Knochen, um sie tonn'1'®;!. ^Kkest es gut bei uns; ich bin froh, daß ich es heute sagen 9ei)orfani"!! "le ernste Konflikte miteinander, denn du warst

' unb wir liebten uns. Nur zu Anfang stahlst du mal einen

MtzEKS-LLMZ " oen Blicken. Eine Stunde vor der Mahlzeit ertoienft tu, in stde Hawieruna aufmerksam auf einen Kllchentisch verfügtest

' Lu totkfMAtipSriA Är !üU ^gusaugen und kochtest mit Ich glaube hättest 'd> 6M) f bft fod)e" können, wenn du Menschenhände gehabt MMWMS8

«» Ä1$ ÄÄS mTe,n. br-aunes Gesichtchen wurde zusehends weiß, und der ftäbv« wurden immer weniger. Einen, der lange Zeit wackelte zog ich dir lckliek- S*Änm^T3U befreien. Selbst dein feines GehL das m^L Ä1 yy**,»*.«1 «ÄÄW'aSS TrLL b? be'des Nicht hattest, wurdest du stumpf und in dich gekehrt b-9 kochst, du dahin. Früher war das Spazierengehen größtes Vergnügen gewesen, jetzt wolltest du nur noch schlafe» Wenn b" ""-geh«" solltest, recktest du dich faul und sträubtest Lick oder ver" krochst dich unter die Tische und Sofas. Sonst warst du immer vorwea- galoppiert, hattest alle Wege dreimal gemacht. Jetzt schlichst du matt binter- d- und. wurdest erst,wieder lebendch, wenn du merttest d7ß es nach

» ?'r7-v* Rkan "mßte dich beständig an die Lein« nehmen "damit dir kein Unglück geschah. In der Nähe des Hauses, wenn man eine Besorauna hatte, wartetest du nicht mehr geduldig vor den Läden, ondkrn ginnst Wv"6 "ber die Straße, der Haustür zu. Wenn man dich zurückrie hortest du nicht, denn du warst halb taub. öuluunel,

Möbe^'Enk ftief3elt?U L°9ar ?er Wohnung mit dem Kopf gegen die Möbel, wenn es nicht mehr ganz hell war. Nein, es ging nicht mehr mit T, Ti'T' KW-1'1? '*---- 3alnm-rs und wurdest ei tagstch medn Und 8 BK..£» UW "* - |r*fl * ~r r,.l?st'stchtzst'?bAu'"^7Lst'w!7«-."-""Sr

Hatte man dich fragen können, du hättest es gewiß verneint Du ickienkt zah am Rest deines Lebens zu hängen. Das war auch die Ansicht des Tierarztes, zu dem ich dich schließlich, des Drängens satt, brachte. Er w^r ^n Tiernarr, liebte die Hunde über alle Maßen, berief sich auf den alten Britz und auf Schopenhauer, diese zwei großen Menschenverächter und Hundefreunde. Wozu das Tierchen umbringen? fragte er. Es lebt noch Myer": Und er redete mir ins Gewissen, keinen Mord zu begehen. '

Ü d>ebischer Freude, aber zur Verzweiflung meiner Frau und der '^b'ch wieder nach Hause. Ich wollte nichts mehr von ^,r.Sach« Horen. Es gab Szenen Lorwllrfe; die Köchin drohte zu gehen; :ÄSftks i-4 ä x 5 , u,',-?""de sind doch keine Menschen. Deins Hundenarrheit wird krank- haft, bekam ich zu Horen. Aber wenn mein Blick auf dein schwaries leidiges Fell fiel, entsank mir aller Mut. 97 3 -

3n diesen letzten Wochen klammertest du dich in deiner Hilflosigkeit an mich, als hattest du gewußt, daß dein Leben in meiner Hand lag Früher h"ktest du in der Wohnung deine eigenen Lieblingsplätze gehabt- jekt wolltest du nur noch in meinem Zimmer sein. Ich machte dir ein Lager auf meinem Diwan. Aber das war dir zu weit entfernt. Ich legte dich neben mich an meinen Schreibtisch. Aber du sahst mich nicht mehr wolltest

Elegie an eine ferne Geliebte.

Von Diemar Moe ring.

^.^pi-lin unter den blauen Hängen des Libanon,

Oft denk ich deiner. Du warst schön

Wie ein Abend über der Wehmut verlassener Mädchenweiher,

Zart wie eine Vase aus den bernsteinfarbenen Bergkristallen deiner Heimat

Eine weifte Taube war dein Gesang

Schwebend über den rosigen Morgenzinnen der Heiligen Stadt.

Wie lange schon, ach, seid ihr versunken, o Tage des Friedens!

E,n Fremdling nun irre ich unter den grauen Gefpensterhimmeln anderer Zonen umher,

Von Land zu Land jagt mich der Winde Geisterlachen.

nichts nenne ich mein eigen mehr: Nur du noch

Blühst, «in« liebliche Blume, in den zerbrochenen Gärten meiner Erin­nerung.

0 der Nächte, da deines Mundes demütiger Mufchelmond korallen über den flatternden Zelten meines Traumes hing gotbenes Saitenspiel bebend jubelte unter den seidnen

. . , Zephiren der Lust

0 der achatnen Wälder deiner Augen, drin hold deines keuschen Frauen- mu,n .. . . _,,..£ sommers braune Rehe weideten...

Wenn ich deine schlafen in meine Hände nahm

Sank deines Scheitels Haar dir kühl über die 'weißen Frühlingswiefen der Stirn,

Rauschend wie die Abendguelten in den Zypressenhainen deiner Jugend!