Ausgabe 
26.5.1930
 
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Druck und Verlag: Brühl'sche LlniversitäiS-Buch- und Steindruckereü -R. Lange, Giebe

Verantwortlich: Dr. Hans Thyrivt.

nicht ab. v

Es war eine wilde Nacht. In Lüsten und Klüften heult« und toste es, als ob di« Geister der Nacht Hochzeit hielten in den schwarzen Wolien, di« Winde die wilden Reigen spielten zu ihrem grausigen ^anze die B lltz die Hochzeitfackeln wären und der Donner der Hochzeüsegen. In di.j« Jahreszeit hatte man eine solche Nacht noch nie erleot.

In finsterem Bergestale regte es, sich um ein großes Haus, und E drängten sich um sein schirmend Obdach. Sonst treibt Gewi erstur die Angst um den eigenen Herd den Landmann unter das ei^n«- Dach, und sorgsam wachend, solange das Gewitter am Himmel steht, wahre >'>'» hütete er das eigene Haus. Aber jetzt war d-e gemeinsame Not große als die Angst vor dem Gewitter. Diese tneb sie in diesem Hause zusam men, an welchem vorbeigehen muhten die welche der Sturm aus den Münnebera trieb, und die, welche von Barhegen sich gefluchtet, -uen Graus de? Nacht ob dem eigenen Elend vergessend, horte man sie klagen und orollen über ihr Mißgeschick. Zu allen, Unglück war noch das Toben der Natur gekommen. Pferde und Ochsen waren schcu geword n bctaM, hatten Wagen zertrümmert, sich über Felsen gestürzt und schwer wundet stöhnte mancher in tiefem Schmerze, laut auf schrie manche-, man zerrissen« Glieder einzog und zusammenband.

In das Elend hinein flüchteten sich auch in.schauerlicher Angst welche den Grünen gesehen, und erzählten bebend die wiederholte EM- nrmg. Bebend hörte die Menge, was d.e Manner erznh ten drEe sich aus dem weiten, dunkeln Raume dem Feuer zu, um welches die ner saßen, und wenn der Wind durch die Sparren fuhr,, oder Donner über dem Hause rollte, so schrie laut auf. die Menge.und me.nte eM durchs Dach der Grüne, sich zu zeigen in ihrer Müt^ Als er aber n kam, als der Schreck vor ihm verging, als das alte Elend blieb urw « l Jammer der Leidenden lauter wurde, da stiegen allmählich die Ge^m auf, die den Menschen, der in der Not ist, so gern um seine «eele bung Sie begannen zu rechnen, wieviel mehr wert sie alte seien als em emz» ungetauft Kind, sie vergaßen immer mehr, daß die Schuld an etnet: tausendmal schwerer wiege als die Rettung von tausend und averi tau end Menschenseelen.

(Fortsetzung folgt.)

U1UUCH, uv« vv der einzige, der nii.

Darum sagte sie.------

er sich mit dem Lohne begnügen, i Mtten gegenwärtig in keinem Hause ein uugew^i '"i"'''" frist gebe es Teins, und in dieser Zeit muhten die Buchen geliefert fein. Ä schwänzelte gar höflich der Grüne und sagte: ,Ich begehre das Kind ja nicht im voraus. Sobald man mir verspricht, das erste, zu liefern, uw getauft welches geboren wird, so bin ich schon aufneben. Das gefiel Christine gar wohl. Sie wußte, daß es in geraumer Zeit kem Kind geben inerte in ihrer Herren Gebiet. Wenn nun einmal der Grüne sein be­sprechen gehalten, und die Buchen gepflanzt seien, so brauche man ihm aar nichts mehr zu geben, weder ein Kind noch was anderes, man lasse Messen lesen zu Schutz und Trutz und lachte tapfer den Grünen aus, so dachte Christine. Sie dankte daher schon ganz herzhaft für das gute Aner­bieten und sagte: Es sei zu bedenken, und sie wolle nut den Mannern darüber reden. .Iah sagte der Grüne, ,da ist gar nichts mehr weder zu denken noch zu reden. Für heute habe ich euch bestellt, und letzt will ich den Bescheids ich habe no chan vielen Orten zu tmr und bin nicht bloß wegen euch da. Du mußt mir zu- oder absagen, nachher will ich von dem niTjLn Aanbet niete mehr wissen.' Christine wollte die Sache verdrehen, denkste nahni sie nicht*gerne auf sich, sie wäre sogar gern zärtlich gewor- ben um Stündigung zu erhalten, allein der Grüne war nicht aufgelegt, mnnffp nidit* ipht ober nie^ f-aoter. Sobulb üb-CT ber 5)iinbe[ gefd)loffen & um ein einzch Kind so wolle er in jeder Nacht so viel Buchen .aus Bärhegen führen als man ihm vor Mitternacht unten an den Kirch- stalden liefere dort wolle er sie in Empfang nehmen. >Nun, schone. ^rau, bedenke dich nicht!' sagte der Grüne und klopfte Christine holdselig auf die Wange. Da klopfte doch ihr Herz, sie hätte lieber die Manner hmein- gestoßen, um hintendrein sie schuld geben zu tonnen. Aber 3«t brangte, tein Mann war da als Sündenbock, und der Glaube verließ sie nicht, daß sie listiger als der Grüne sei, und wohl ein Einfall kommen werde, ilm mit langer Nase abzuspeisen. Darum sagte Christine: Sie für ihr« Person wolle zugesagt haben, wenn aber dann Ipater die Manner nicht wollten, so vermöchte sie sich dessen nicht und er solle es s» nicht ent­gelten lassen Mit dem Versprechen, zu tun, was sie könne, sei er hm [ärmlich zufrieden, sagte der Grün«. Jetzt schauderte es Christine doch an «eib und Seele, jetzt, meinte sie, komme der schreckliche Augenblick, wo sie mit Blut von ihrem Blute dem Grünen den Akkord unterschreiben inusi^ Aber der Grüne machte es viel leichtlicyer und sagte: Von hübschen ^n- bern begehre er nie eine Unterschrift, mit einem Kuß sei er suftieden. Somit spitzte er seien Mund gegen Christines Gesicht, und Ehristme konnte nicht fliehen, war wiederum wie gebannt, steif und starr. Da berührte der spitzige Mund Christines Gesicht, und ihr war, als ob von spitzigem Eisen aus Feuer durch Mark und Sein fahre, durch Leib und Seele und ein gelber Blitz fuhr zwischen ihnen durch und zeigte Christine freudig verzerrt des Grünen teuflisch Gesicht, und ein Donner fuhr über sie, als ob der Himmel zersprungen wäre.

Verschwunden war der Grüne, und Christine stund wie versteinert, als ob tief in den Boden hinunter ihre Füße Wurzeln getrieben hatte m jenem schrecklichen Augenblick. Endlich war sie ihrer Glieder wieder mach tiq fite im Gemüte brauste und sauste es ihr, als ob em mächtiges Wasser seine Fluten wälze über turmhohe Felsen hinunter m W^en Schlund. Wie man im Donner der Wasser die eigene Stimme nicht hort, so ward Christine der eigenen Gedanken sich nicht bewuflt im Tosen, da donnerte in ihrem Gemüt«. Unwillkürlich sloh sie den Berg hinan, und immer glühender suhlte sie ein Brennen an ihrer Wange da wo d s Grünen^ Mund sie berührt; sie rieb, sie wusch, aber der Brand nahm

SiSSESK-ä war noch oben keine vierte Buche über Sumiswald hinausgeschafft. -

Ser von Stoffeln schalt und fluchte; je mehr er schalt und fluchte, um WWWSKMtzW- Stoffeln neues Schloß auf dem nackten Gipfel. Da Halle der geichworem in Monatsfrist müßte ein schöner Laubgang droben sein. Darum f ch er darum lachten die Ritter, und meinen taten die Bauern.

' Eine fürchterliche Mutlosigkeit erfaßte diese, keinen Wagen^hatten.sie mehr ganz, keinen Zug unbeschädigt, in zwei. Tagen nicht drei Buchen wr Stelle gebracht, und alle Kraft war erschöpft.

° M ttär e geworben, schwarze Wolken fliegen auf, es blitzte zum

' m>ni» jn bieiem Jahre An den Weg hatten sich die Manner gesetzt, esf war bte gteiche Beugung des Weges, in welcher sie vor drei Lagen gelegen waren, sie wußten es aber nicht. Da sah der

itinhauerin Mann mit zwei Knechten, und andere mehr saßen auch der Türen Sie wollten da auf Buchen warten, die von Sumiswald kommen sollten, wollten ungestört sinnen über ihr Elend, wollten ruhen laßen ihr zerschlagenen Glieder. ,

kam ralcn daß es fast pfiff, wie der Wind pfeift, wenn er aus den Kammern entrannen ist, ein Weib daher, einen großen Korb auf dem Kopfe '($5 war Christine, die Lindauerin, des Hornbachbauern Eheweib, m dem derselbe gekommen war, als er einmal mit feinem Herrn zu Ielde gezogen war. Sie war nicht von den Werbern, die froh sinch daheün^zu sein in der Stille ihre Geschäfte zu bejchicken, und dre sich r-m nichts kümmern als um Haus und Kind. Christine wollte wissen, was gang, und wo sie ihren Rat nicht dazu geben konnte, da ginge schlecht, so meinte sie. ,

Mit her Speise hatte sie daher keine Magd gesandt, sondern r-en Korb auf den eigenen Kops genommen und die Manner lange mstucht umsonst; bittere Worte ließ sie fallen darüber, sobald sie dieselben gefunden. Unterdessen war sie aber nicht müßig, bie konnte noch reden und schaffen zu gleicher Zeit. Sie stellte den Korb ab, deckte ben ftuoel ab ii? welchem das Hafermus war, legte das Brot und den Käse ««= rorfit und steckte jedem gegenüber für Ätann und Knecht die Löffel ins Mus unb' hieß auch die anderen zugreifen, die noch fpewlos waren- Dann frug sie nach der Männer Tagewerk, und wieviel gefchaffet worden in d°n zwei Tagend Aber Hunger und Worte waren den Mannern aus- gegangen unb teiner griff zum Süffel, und keiner hatte eine Antwort- Itur ein 'leichtfertig Knechtlein, dem es gleichgültig war, regne ober ionnentoeine es in der Ernte, wenn nur das Jahr umging, und der erahn kam und zu jeder Essenszeit das Essen auf den Tisch, griff zum Löffel und berichtete Christine, daß noch kein« Buche gepflanget sei, unb alles gehe, als ob sie verhext wären.

Da schalt die Lindauerin, daß das eitel Einbildung wäre und die Männer nichts als Kindbetterinnen; mit Schaffen und Weinen, m11 Zacken unb Heulen werde man keine Buchen auf Barhege bringen. Ihnen würde nur ihr Recht widerfahren, wenn der Ritter seinen Mut­willen an ihnen ausliehe; aber um Weib und Kinder willen müsse die Sache anders zur Hand genommen werden. Da kam plötzlich rwer die Achsel des Weibes eine lange schwarze Hand und eine gellende Stimme rief' Ja die hat recht'/ Und mitten unter ihnen stand mit grinsendem Gesicht der Grüne, und lustig schwankte die rate Feder auf Auern Hu.e. 2a hob der Schreck die Männer von bannen, sie stoben die Halde au, wie Spreu im Wirbelwinde.

Nur Christine, die Lindauerin, konnte nicht fliehen, sie erfuhr es, wie man den Teufel leibhaftig kriegt, wenn man ihn anjne Wand male. Sie blieb stehen wie gebannt, mußte schauen die rote yeber am Barett, unb wie bos rote Bärtchen luftig auf- unb ntebergmg tm schwarzen Ge­sichte Gellend lachte der Grüne den Männern nach, aber gegen Christine machte er ein zärtlich Gesicht unb faßte mit höflicher ©ebarbe ihre Hand. Christine wollte sie wegziehen, aber sie entrann dem Grünen nicht mehr, es war ihr, als zische Fleisch zwischen glühenden.Zangen., Und chone Worte begann er zu reden, und zu den Worten zwitzerte lüstern sein ro, Bärtchen auf unb ab. So ein schön Weibchen habe er lange nicht gefehlt, sagte er, das Herz lache ihm im Leibe; zudem habe er fie gern mutig, unb aerobe die seien ihm die liebsten, welche stehenbleiben durften, wenn die Männer davonliefen. Wie er so redete, kam Christinen der Grüne immer weniger schreckhaft vor. Mit dem sei doch noch zu reden dachte sie, unb sie wüßte nicht warum baoonlaufen, sie hätte schon viel Wüstere gesehen. Der Gedanke kam ihr immer mehr: mit dem liehe sich etwas machen, und wenn man recht mit ihm zu reden wühte, so täte er einem wohl einen Gefallen ober am Ende könnte man ihn übertölpeln wie bi« anderen Männer auch. Er wüßte gar nicht, fuhr der Grüne fort, warum man sich fo vor ihm scheu«, er mein« es doch so gut mit allen Menschen, unb wenn man so grob gegen ihn sei, so müsse man sich nicht wundern, wenn er den Leuten nicht mehr täte, was ihnen am liebsten wäre. Da faßte Christine ein Herz und antwortete: Er erschreck« aber die Leute auch, daß es schreck­lich wäre. Warum habe er ein ungetauft Kind verlangt, er hatte doch von einem anderen Lohn reden können, bas komme den Leuten gar ver­dächtig vor, ein Kind sei immer ein Mensch, unb ungetauft eins aus ben Händen geben, bas werbe kein Christ tun. ,Das ist mein Lohn, an ben ich gewohnt bin, unb um anberen fahre ich nicht, unb was fragt man doch so einem Kind« nach, bas noch niemanb kennt? So jung gibt man sie am liebsten weg, hat man doch noch keine Freude an ihnen gehabt unb feine Mühe mit ihnen. Ich aber habe sie je jünger je lieber, je früher ich ein Kind erziehen kann auf meine Manter, um so weiter bringe ich es, dazu habe ich aber bas Taufen gar nicht nötig unb will es nicht.' Da sah Christin« wohl, bah er mit (einem anderen Lohn sich werde begnügen

wollen; aber es wuchs in ihr immer mehr der Gedanke. Das na.r ,o.h icht zu betrügen wäre.

r Wenn aber einer etwas verdienen wolle, jo mutzte ben man ihm geben könne, sie aber i ein ungetauft Kind, unb in Monats-