Napoleon und Josephine — ein seltsames Liebespaar.
verboten.
Nach geschichtlichen Quellen von Liesbet Dill.
Nachdruck
Wollte man einen Menschen nach seinen Liebesbriefen beurteilen, diesen leidenschaftlichen, ungestümen und naiven Ergüssen an seine junge Frau, bliebe das Bild eines in der Liebe noch sehr unerfahrenen Mannes aus der Provinz zurück, der sich von einer eleganten, mondänen Frau verführen und blenden ließ.
Josephine, die zweiunddreißigjährige Witwe eines Generals, mit zwei Kindern, Kreolin, mit südlichem Blut und oberflächlicher Leidenschaft, die rasch erlischt und die der Besitz tötet, hatte den jungen Soldaten fasziniert. Sie wurde sein Schicksal. Sie wußte diesen ungewöhnlichen Menschen jahrzehntelang zu fesseln, daß er ihr alle Schwächen und Lügen verzieh, ihre schlechte Behandlung schweigend ertrug. Ihre Briefe hat Napoleon : sofort nach dem Lesen vernichtet. Es stand wohl auch nicht viel Bedeu- tendes darin. Sie dagegen ging so nachlässig mit den Briefen ihres Man- ‘ nes um, daß sie sie herumfahren ließ und verlor, und so sind sie der Nachwelt erhalten geblieben. Auch die intimsten, die man gewöhnlich vernichtet... Josephine war klug, gewiß. Geistvoll? Man weiß zu wenig von diesem „Geist", weiß nur, wie schön sie war, daß sie Geschmack besaß, sich zu kleiden, und wußte, was ihr stand. Ihre lässigen Gebärden, ihre natürliche Sicherheit und siegesgewisse Anmut bezauberten die Männer.
Cs war die Frau mit dem Hündchen im Arm. Der kleine Hund, den Napoleon so haßte, schlief sogar immer in ihrem Bett, und Napoleon mußte ihn hinnehmen, obwohl er ihn oft ins Bein biß. „C’est mon rival", sagte er. Er fand ihn schon vor, als er Josephines Schlafzimmer zum ersten Male betrat. Sie gab nichts von ihren Gewohnheiten auf, auch nicht um einen Napoleon, dessen Wert und Größe sie erst erkannte, nachdem er sich von ihr zurückgezogen hatte. Erst dann setzte ihre Kunst ein, ihn an sich zu fesseln, dann erst kamen die Tränen, die Kniefälle der Tochter, erst dann bequemte sie sich, zu reisen, um ihn „einzuholen". Aber dann war es zu spät.
< Napoleon war, als er sich verheiratete, in der Liebe ein Neuling. Er wußte, daß ihn die raffinierte Frau schon auf dem Standesamt betrog, indem sie sich vier Jahre jünger machte, und er gab um ihretwillen ein
■ Jahr dazu, „damit es besser aussah". Ihre Flitterwochen dauerten zwei Tage und verliefen sehr, stürmisch. Napoleon war ein ungestümer Liebhaber, den die kühle Josephine gar nicht begriff. Sie blieb immer eiskalt, immer in Reserve, und schaute immer mit ihren halb geschlossenen Kreo- linnenaugen über seine Schulter hinweg. Nach wem? Nach irgendeinem, der elegant, scharmant und jung war und ihr den Hof zu machen verstand. Mehr wollte sie nicht. Weshalb hat sie Napoleon geheiratet? Nicht aus Liebe, bewahre. „Ich liebe ihn gar nicht", gestand sie ihren Freunden gegenüber. „Er soll meinen Kindern ein zweiter Vater sein." Er heiratet die „veuve Beauharnais". Eine kühle Berechnungsheirat von ihrer Seite aus. Sie wollte gefeiert sein, in Paris bleiben, ihm um Gottes willen nicht im unbequemen Reisewagen in den Italienischen Krieg folgen müssen, in unsauberen Herbergen übernachten, auf schlechten Wegen Staub schlucken, sich in Schnee und Regen erkälten, um von einem Napoleon geküßt zu werden? Wozu? Sie blieb in Paris, in dem behaglich eleganten Hause, stand spät auf, ließ sich frisieren und ankleiden und auf Gesellschaften feiern. Ihre Liebhaber nahm sie in die neue Ehe mit, wie den kleinen Hund. Barras? Man weiß es nicht genau. Die Geschichte hat hell in dieses Halbdunkel geleuchtet. Napoleons Ernennung zum Feldherrn in Italien als „Barras' Mitgift an seine Geliebte, Josephine", zu bezeichnen, stimmt nicht. So weit ging Barras' Einfluß nicht. Und dann ' war doch Madame Tallieu da. Hätte diese eine solche Intimität zwischen Josephine und Barras geduldet? Sicherlich nicht...
Napoleons Briefwechsel zwischen den Schlachten in Italien und Paris ist eine Tragödie. Immer schreibt er zuviel und zu rasch, zu leidenschast- lich und zu erregt, zu wild und zu verliebt. Und sie schreibt immer zu wenig, zu langsam, zu kalt. Zum Verzweifeln ist das für einen feurigen jungen Feldherrn, der aufatmend zwischen zwei Schlachten diese langersehnten, dustendcm Briefe an die Lippen drückt. Er schläft nicht mehr, er arbeitet des Nachts, um ihr Bild zu verscheuchen. Doch es kommt wieder, es verfolgt ihn bis in feine unruhigen Träume. Immer steht Josephine vor ihm. Einmal zerbricht das Glas des Medaillons, das er auf seinem Herzen trägt mit ihrem Bild. Er erbleicht. Das bedeutet Schlimmes: sie ist ihm untreu oder krank geworden. Wahnsinnig mißtrauisch, rasend vor Eifersucht, sieht er sie an, zu kommen. Sie verspricht
Da fiefc sich Brendel mit der Gräfin Bork verbinden und erzählte ihr den Fall. Die Dame war untröstlich. „Aber natürlich, Herr Referendar , versicherte sie, „das wird stimmen. Ich vermißte die Kette am Abend, Ich glaubte selbst, daß ich sie auf der Straße verloren hätte, da sagt nur die Zofe Mary, in der Handtasche der Josefine seien die Perlen! Das dumme Ding, die Fine, heulte und verweigerte jede Antwort. Was blieb mir, ich mußte die Polizei benachrichtigen, nicht wahr?"
„Natürlich, Frau Gräfin, aber nun ist die Geschichte wohl beigelegt? Kann ich Ihnen die Josefine Kall wieder zufchicken?"
„Ich bitte darum. Ich begreife gar nicht, warum das Mädchen das nicht alles sofort erzählt hat!"
„Frau Gräfin, die Josefine liebte den Georg. Sie begriff nicht mehr. Ihr Georg — ein Dieb? Eingebrochen in dem Haus, wo sie bedienstet war! Die Welt stürzte ihr ein." Die Gräfin sagte- leise: „Das arme Ding. Schicken Sie sie mir her, Herr Referendar. Weitere Folgen hat meine Meldung für die Beteiligten doch nicht?" „Fundunterschlagung", sagte Brendel trocken, „aber das Objekt lohnt nicht." „Pardon, das Objekt lohnt nicht?" „Nein", sagte Brendel, „Ihre Kette kostet bei Tietz, erfuhr ich, zwischen 95 Pfennig und zwei Mark. Der Fall wird niedergeschlagen." Und er lachte: „Empfehle mich sehr, Frau Gräfin."
es; aber — sie kommt nicht. Er schreibt ihr die Reiseroute vor, bitte, zärtlich, sich zu schonen, aber zu kommen, rasch, rasch... oder langsam — wie sie will. Wer sie zieht es vor, in Paris zu bleiben. Es zieht j,f nichts zu diesem Manne hin. Sie hat Liebhaber genug. „Sie ist di« einzige, die den Enthusiasmus nicht teilte, den die ganze Welt für eine« Napoleon empfand", sagt Arthur Lövy.
Während er sich mit dem Feinde herumschlägt und Schlachten gewinnt aus denen er mit Schmutz bespritzt, vom Regen durchnäßt, heiser und todmüde heimkommt, erwartet ihn höchstens ein kühler, oberflächlicher Brief aus Paris, der von Josephines glänzenden Festen berichtet. Viel, leicht hätte seine Liebe bei einer hingebenden, treuen, braven Frau, di« immer zu seiner Verfügung stand, nicht solange dieses zehrende Feuer bewahrt; aber Josephines Methode war das nicht. „Erst amüsiert, bann gepackt und verliebt, und wenn der andere Feuer gefangen hatte, erkalte! und schließlich gleichgültig." Napoleon brachte dieses Spielen mit feiner Geduld zur Raserei; aber es tötete seine Liebe nicht. Sein Begrifs von Ehe war „von Bürgermoral durchtränkt". Er verlangte Hingebung und Treue; er wollte sich „ausruhen", wenn er heimkam, wollte geliebt sein von einer zärtlich und leidenschaftlich sich gebenden Frau. Vielleicht wäre er auch, wenn er das gefunden hätte bei Josephine, bald von ihr gesättigt gewesen; aber diese Frau befriedigte nie. Ihre Liebkosungen machten nut „hungrig nach mehr". Alles, was sie gab, hatte keine Dauer; sie wo: immer neu, veränderlich, gleihnerisch und trugvoll. Gewandt im Umgang mit Männern, die sie leicht nahm und leicht hergab, schien sie selbst nie gefesselt. Ihr Besitz war ungesichert, auch von einem Napoleon.
Er nennt sie in seinen Briefen grausam, untreu; er gesteht: „Tu as fais mon malheur. Aber ich lasse Dich nicht." — „Eines Tages", droht er, „werden Deine Türen nachts auffliegen und ich werde da [ein, unerwartet... und wehe Deinem Liebhaber!" Er vermutet immer einen anderen bei ihr. Josephine war ihm untreu; sie betrog ihn so öffentlich, daß selbst seine Freunde ihn nicht zu warnen wagten. Er ahnt das wohl „Mein Leben ist ein cauchemar perpetuel", klagt er ihr von Tortone aus. Er jagt Kuriere nach Paris, die sich vier Stunden dort aufhalten, um einen Brief von ihr mitzunehmen, einen einzigen, kleinen Liebesbrief den sie dann schreiben wird, schreiben muß.
Josephine stellt sich krank, um ihm nicht in dieses schreckliche Kriegs« lager folgen zu müssen; sie gibt vor, ein Kind zu erwarten. Sie schreck! vor keiner Lüge zurück, um in Paris bleiben zu können. Napoleon i|t gerührt. Nein, sie soll jetzt nicht reisen. „Gib mir keine Küsse in Briesen", schreibt er, „sie verbrennen mein Blut." Er weint, er leidet, aber feine glühenden Briefe werden kaum gelesen, diese „ewigen Briefe, die nach Antwort schreien". Die träge Kreolin schreibt nicht gern. Solche vor« geschriebenen Liebesbriefe strengen ihren Geist an, der mit allem nut spielt. „Zehn Seiten mußt Du mir schreiben", fleht Napoleon. Wie ihr das schwer wird, in dem kleinen Schreibtisch zu sitzen, die Feder einzo« tauchen und den schönen, zerstreuten Kopf anzustrengen, um zehn Seiten fertigzubringen an diesen unbegreiflichen, immer noch von ihr berausch!«« Mann in der Ferne, dessen Schlachten und Siege sie absolut nicht inter« essteren. Nur die Erfolge, deren Echo in den Pariser Salons Widerhall!, interessieren sie, denn sie heben ihre Stellung. Dafür hat sie sich jo geopfert, ihre Witwenfreiheit aufgegeben. Er stellt sie sich vor, wie ft sich ankleidet, schminkt und pudert, frisiert und schmückt; er sieht sie, di« reizenden Arme, den schönen Busen im Spitzenhemd, das kleine Tascha« tuch, mit dem sie kokettiert, ihre Hand, den weihen, festen Arm, den ft lässig nach ihm erhebt. Oh, er hat nichts vergessen, „je 'n oublie pas tes petites visites, tu sais bien". Es ist eine süße Qual, so fern von ihr m die grausame Frau zu denken. Bist du mir treu? Die Frage fiebert ii ihm, läßt ihm keine Ruhe, durchrast sein Blut beim Anblick ihrer ^Briefe. Ihre Frauenerfolge sind ihr tausendmal mehr wert als die seinen auf Schlachtfeldern. Alle jungen Offiziere macht sie toll, fasziniert alle M» ner, die ihr nahekommen, hat immer einen Kreis von Verehrern um sch sie hält Hof in Paris, noch ehe sie Kaiserin ist.
Napoleon versetzt die Liebhaber in ferne Garnisonen, sucht sie w schädlich zu machen; aber er bricht nicht mit Josephine. Dem Ska» und der Lächerlichkeit setzt sich kein Napoleon aus, der „roi parvenu. Die ganze Welt würde lächeln, alle Höse triumphieren. Er duldet « schweigt. Er weih, dah der Notar seiner Verlobten Vorwürfe mach«, daß sie „einen armen General heiratet, statt einen reichen Kriegslichrw ten". Er weiß, dah sie ihr Alter fälschte; er ignoriert das Geflüster über Barras, er resigniert. Bon dem Piedestal, das er Josephine errichtet w bröckelt sie selbst mit ihren schönen Händen Stein um Stein ab.« Scheidung geschah aus anderen Gründen. Die Erbfolge sollte gesiW werden Er' brauchte eine Frau, die ihm Kinder schenkte. Nachdem ip seine russische Geliebte, Madame Walewska, einen Sohn geschenkt, n>» er, daß er noch Kinder haben könnte. Er brauchte Oesterreich... n Kaisertochter für einen Napoleon. Er heiratete Marte-Luise. ..
Als Josephine von dem Plan erfuhr, fetzten ihre Versührungsku ein, um ihn zu behalten. Aber es war zu spät. Sie war vom verdrängt worden, von einer Kaisertochter. -
Am Tage der Scheidung verließ der Kaiser Paris und zog sich " ' Trianon zurück. Es war verboten, ihn zu besuchen, zu stören oder, Briese vorzulegen. Er wollte mit sich allein fein. Es waren vielleiH drei einzigen Tage seines Lebens, da er wirklich allein war.
Es war eine glückliche, ruhige, fast normale Ehe mit Marie-Luise, „frisch wie eine Rose" in Paris erschien. Napoleon war alter ge und ruhiger. Er hat Josephine noch später nach Malmaison in M bannung Briese geschrieben voll schmerzlicher Freundschaft und den > ! Bedauern, etwas verloren zu haben, das ihm einmal gehörte, ui sahen sich später wieder; sie dinierten sogar miteinander. Er P J L die Einrichtung ihres Schlosses, sogar für die Gartenanlagen. « T, die Rosen, und ganz Malmaison blühte unter einer bunten/miy. Er sorgte für ihre Toiletten, ihren Schmuck, bcftii üe ihr eine $ Zulage; sie sollte keine Sorgen haben, sich keine Gedanken bin nur zufrieden, wenn du es bist — nur glücklich, wenn ou ’ Sogar an ihr Tischporzellan dachte er. Als sie sinnlos Geld vepo;
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